Zukunft der Steuerkanzlei: Was kommt nach Digitalisierung? Florian Gößmann-Schmitt im Interview

Zukunft der Steuerkanzlei: Was kommt nach Digitalisierung?

Erlebt selbst keinen Fachkräftemangel: Steuerberater Florian Gößmann-Schmitt über Perspektiven für zukunftsträchtige Kanzleien

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Während es immer noch Steuerkanzleien gibt, in denen man sich vorsichtig nach und nach an das Thema Digitalisierung herantastet, ist für technisch versierte Experten der Steuerbranche bereits das nächste Thema an der Reihe, um auch langfristig ganz vorne mitzumischen.

Die Welt wird immer moderner, schneller und digitaler – das Image des Steuerberaters hat diesbezüglich noch aufzuholen. Akuter Fachkräftemangel in der Steuerberaterbranche sorgt bundesweit dafür, dass es meist viel einfacher ist, neue Mandant*innen zu generieren, als dann auch Mitarbeiter für deren Bearbeitung zu finden.

Aber nicht überall:
Die Kanzlei Hahn Gößmann-Schmitt PartG mbB aus Heustreu hat seit einem Jahr jeden Monat jemanden neu eingestellt, und immer noch trudeln Bewerbungen ein. Wir sprachen mit Florian Gößmann-Schmitt aus der mehrfach preisgekrönten Steuerkanzlei über den digitalen Wandel, die Vorteile moderner Arbeitsweisen und den nächsten Schritt nach diesem.

Florian Gößmann-Schmidt

Florian Gößmann-Schmitt

Steuerberater, Experte für Digitalisierung, Schnittstellenoptimierung, Automation, Digitale Buchführung

Florian Gößmann-Schmitt war bereits zu Schulzeiten ein Fan von Mathematik und Rechnungswesen. Als Steuerberater findet er, dass jetzt Zeit für das nächste Thema nach Digitalisierung ist.

Hahn Gößmann-Schmitt PartG mbB

Auszeichnungen der Hahn Gößmann-Schmitt PartG mbB

lexoffice: Hallo Herr Gößmann-Schmitt – vielen Dank für die Bereitschaft, mit lexoffice über die Transformation der Steuerbranche zu sprechen. Wobei der überstrapazierte Begriff ‚Digitalisierung‘ ja gar nicht unbedingt auf alles gut passt, was da gerade passiert. Wie ist denn Ihre Einschätzung: Ist die Branche schon so weit, sind jetzt alle auf den digitalen Trend aufgesprungen?

Florian Gößmann-Schmitt: Eigentlich ist das Thema sogar schon durch: Der Digitalisierungs-Drops kann getrost als gelutscht betrachtet werden. Wenn ich dann aber mitbekomme, wie neulich im Gespräch mit einem Mitarbeiter der DATEV, dass deutschlandweit erst ein Drittel aller Steuerberater „DATEV Unternehmen online“ einsetzen – sprich: Zwei Drittel der Kollegen und Kolleginnen noch überhaupt nichts mit Digitalisierung am Hut haben – dann frage ich mich natürlich, woher diese Kluft kommt.

Einerseits ist das Thema Digitalisierung so weit durch, es sollte nun in erster Linie um den praktischen Einsatz und den Feinschliff gehen. Aber im Gespräch mit andere Kanzleien kommt dann diese Erkenntnis: Die stecken ja immer noch in den Kinderschuhen, ganz am Anfang.

lexoffice: Menschen lernen bevorzugt Dinge, die sie sich selbst aussuchen – und viele verstehen unter „wir arbeiten digital“ ja auch so etwas wie die Anschaffung eines Dokumentenscanners und sind erst mal zufrieden. Vielleicht ist der Druck durch Gesetzgebung und Mandantenanforderungen einfach noch nicht hoch genug?

Florian Gößmann-Schmitt: Meines Erachtens nach ist der Druck groß genug. Ich kann das zum Beispiel an den Mandanten sehen, die zu uns wechseln, weil ihre Steuerkanzlei das nicht leistet, Unternehmen online oder digitale Buchhaltung – die kommen dann zu uns. Das ist dann auch schon mal jemand, der uns über die lexoffice Steuerberatersuche gefunden hat.

Der Druck vom Markt aus ist da. Nur können einige Berater das noch aussitzen. Das ist zumindest das Gefühl, das bei mir überwiegt, wenn auch ganz große Mandate zu uns wechseln: Es tut den Kollegen noch nicht weh genug, dass sie sich umstellen. Die Kunden andererseits werden natürlich mit den Anforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung konfrontiert und wollen das dann. Nicht nur im Bereich der Buchhaltung.

Für unsere Klientel digitalisieren wir alle Prozesse, sprich: Die Auftragsverwaltung, die Auftragsannahme, Lagerbestand, Stundenzettel vor Ort etc. und wir beraten auch umfassend. Gerade haben wir einen kleinen Betrieb mit sechs Angestellten umgestellt, der jetzt die Lexware Warenwirtschaft zusammen mit einer App von so einer kleinen Software-Schmiede nutzt. Jetzt haben sie Tablets dabei und wickeln alles komplett digital auf der Baustelle ab.

lexoffice: Das ist ja tatsächlich enorm vorteilhaft für Kunden, wenn das Wissen über so viele Prozesse in einer Beratung zusammenläuft. Was genau bieten Sie da an?

Florian Gößmann-Schmitt: Wir haben zwei Firmen, einmal klassische Steuerberatung inklusive digitalisierter Buchhaltung – da haben wir aber schnell gemerkt, dass es nicht genug ist. Also haben wir noch eine Unternehmensberatung GmbH Co. KG.

Smarter buchen ist die Steuerkanzlei, und smarter beraten ist die Unternehmensberatung. Wir beraten bezüglich der gesamten Digitalisierung aller kaufmännischen Prozesse in Unternehmen. Stundenzettel, Lagerverwaltung, alles. Wir machen eine Analyse, schauen gemeinsam mit den Mandanten und stellen dann geeignete Lösungen zur Auswahl.

lexoffice: Sie digitalisieren also nicht nur Buchhaltung mit und für Kund*innen, Sie sind technikaffin und sehr unternehmerisch. Wie wird man denn Steuerberater, wenn man eigentlich denkt wie ein Techniker, wie ein Analyst oder ein Berater? 🙂

Florian Gößmann-Schmitt: Das fragen mich immer alle, wieso ich Steuerberater geworden bin. Dabei ist das immer mein Traumberuf gewesen, ich hatte nur eben auch einen ausgewachsenen Technik-Spleen, nicht nur am Computer daheim. Außer dem Drang, immer das Optimale herauszuholen, bin ich auch ein großer Fan von Automatisierung und davon, die „Fehlerquelle Mensch“ in Prozessen auszuschalten. Wenn es die Möglichkeit gibt, etwas digital zu machen, dann nutze ich sie. Denn sobald man das elektronisch machen kann, ergibt es doch keinen Sinn mehr, dass da jemand sitzt und es von Hand macht – das ist dann auch so ein bisschen unser Mantra:

Wir schauen, welche Daten es schon digital gibt und wie wir diese optimal nutzen können.

Keine Lösung passt für alle – auch „Unternehmen online“ nicht, auch lexoffice nicht. Das ist unsere Stärke: Wir finden das, was zum tatsächlichen Bedarf passt.

lexoffice: Wie haben Sie denn lexoffice für sich und Ihre Zwecke entdeckt – und wie viele Ihrer Klientel arbeiten damit?

Florian Gößmann-Schmitt: Wir kennen lexoffice, weil zu uns viele Leute aus der Technikbranche kommen, die schon von selbst viel Digitales machen. Von denen haben viele lexoffice im Einsatz, von den Programmierern und Grafikern unter unseren Mandaten sicher 40% oder mehr, weil es problemfrei auf dem MAC läuft als Online-Lösung. Im Gegensatz zu „Unternehmen online“ läuft lexoffice überall, man muss nichts installieren oder warten und als Steuerberater bekomme ich schnell mal eben einen Zugang mit Passwort. So sind wir damals damit in Berührung gekommen.

Wir haben sofort gesehen: Schon aufgrund der Apple-Hardware wäre es witzlos, diese Kunden nun zu „Unternehmen online“ umzuziehen. Inzwischen haben ca. 20% unserer Mandate lexoffice im Einsatz und für unsere Mitarbeiter macht es keinen Unterschied. Die Belege sind digital, egal aus welchem Programm sie stammen. Aber die Kunden können mit den gewohnten Geräten und der guten Usability weiterarbeiten.

Wichtig ist, dass sie in uns eine erste und wichtigste Anlaufstelle haben. Und wenn es für uns vielleicht auch nicht das klassische Steuerberatungsfeld ist, sondern auch schon mal Fragen über die Handhabung der digitalen Lösung – wichtig ist aber einfach, dass Mandanten das Gefühl haben, dass er oder sie bei uns gut aufgehoben ist.

lexoffice: Man merkt Ihnen an, dass diese Themen für Sie Selbstverständlichkeiten sind. Bekommen Sie im Arbeitsalltag denn mit, warum das in anderen Kanzleien immer noch nicht der Fall ist?

Florian Gößmann-Schmitt: Ab und zu schon. Das beste Beispiel ist hier ein 55-jähriger Berufskollege. Wir haben von ihm eine große Kfz-Werkstatt übernommen. Seine Mitarbeiterin hat sogar gesagt, sie habe nur drauf gewartet, dass der Mandant aufgrund von „Unternehmen Online“ geht. Dann habe ich ihn angerufen und ihn gefragt: Wieso machen Sie das denn nicht, wieso setzen Sie kein „Unternehmen online“ ein? Er hat gesagt, dass er 55 sei und die digitale Transformation aussitzen würde, bis er 65 ist. Immer wenn ein Kunde geht, entlässt er jemanden. Noch hat er acht Mitarbeiter, auf diese Weise rettet er sich bis zur Rente rüber.

lexoffice: Aber Steuerberatung ist eine der größten Zukunftsbranchen. Vor allem, da ständig vereinfacht und digitalisiert wird – es kann schließlich niemand aussuchen, ob er oder sie seine Steuererklärung macht. Wie kommt man denn da auf Aussitzen?

Florian Gößmann-Schmitt: Tja. Das große Problem ist tatsächlich, dass viele Steuerberater noch satt sind und daher der Meinung, sie können sich da jetzt noch rüberretten. In den nächsten fünf Jahren bereinigt sich der Markt dann von alleine.

lexoffice: Kein Wunder, dass Sie viel Zulauf haben von denen, die bei Beratern mit veralteten Prozessen unzufrieden sind. Die spannende Frage ist aber: Wenn Sie schon seit zehn Jahren das machen, was die anderen gerade erst anfangen, was macht dann eine Kanzlei wie Ihre als Nächstes? Wo geht die Reise hin?

Florian Gößmann-Schmitt: Wir sind schon beim nächsten Step. Wir sind gerade dabei, eine Verfahrensdokumentation zu entwickeln, die wir neben der betriebswirtschaftlichen Beratung anbieten können, weil jetzt ja die ersten Betriebsprüfungen kommen, die diese Verfahrensdokumentationen haben wollen. Da schließt sich der Kreis.

Wenn Buchhaltung durchdigitalisiert ist, habe ich eben auch Zeit für eine solche Entwicklung. Das ist eine ganz andere Qualität der Arbeit. Dadurch, dass wir modern aufgestellt sind, unter anderem Heimarbeitsplätze anbieten, für die Vollzeitkräfte sogar bis zu 40%, wechseln die Leute zu uns. In Zeiten, in denen es einfacher ist, Mandanten zu generieren als Mitarbeiter zu finden, die dann für diese arbeiten, konnten wir seit August letzten Jahres jeden Monat jemanden einstellen. Fachkräftemangel in der Steuerbranche – nicht in einer modernen Kanzlei wie unserer.

lexoffice: Das hört sich an, als würden Sie ganz vieles richtig machen. Was wünschen Sie sich denn konkret für die Zukunft Ihres Unternehmens?

Florian Gößmann-Schmitt: Ein Jahr, in dem jeder Tag 72 Stunden hat, das wäre nicht schlecht. Scherz beiseite: Grundsätzlich ist es tatsächlich so, dass wir relativ gut dabei sind, was die Projekte angeht, so dass wir die Projekte wie gewünscht umsetzen. Nicht zuletzt, damit wir immer ganz vorne mit dabei sind. Allerdings geht das leider nicht von heute auf morgen.  Ich bin da manchmal etwas getrieben und ich bin jemand, der alles am liebsten bereits gestern umgesetzt hätte.

lexoffice: Das ist verständlich, eine Zeitmaschine haben wir aber leider nicht für Sie – nur lexoffice. Sind Sie damit denn so weit zufrieden?

Florian Gößmann-Schmitt: Ja, klar. Aber auch da wäre es nicht schlecht, wenn die Algorithmen zeitnah noch besser werden und die Automatisierung noch schneller und immer besser funktioniert 🙂

lexoffice: Das geben wir dann mal direkt ans Team weiter, denn unsere Buchhaltungslösung wird bekanntlich besser, je mehr Feedback aus der Community kommt. Das Team legt großen Wert auf Feedback und entwickelt das Tool anwenderorientiert weiter.

Florian Gößmann-Schmitt: Von daher gesehen – ich bin einfach sehr gespannt, was denn da noch alles von lexoffice kommt.

lexoffice: Wir auch! Vielen Dank für das spannende Interview und weiterhin so viel Erfolg.

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Florian Gößmann-Schmitt, Steuerberater
Hahn Gößmann-Schmitt PartG mbB
Torstraße 39 – 97618 Heustreu
www.smarter-buchen.de
www.digitale-buchhaltung.de
www.lohnkosten-senken.de

  • Florian Gößmann-Schmitt
Über den Autor
Carola Heine
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