Honorar-Häme: Was macht die Selbständigkeit mit mir?

Honorar-Häme: Was macht die Selbständigkeit mit mir?

#lebensgefühl_selbständig heißt, Geld verdienen. Hast du dich schon einmal dafür geschämt, einen Stundensatz genommen zu haben, den Kolleg:innen zu niedrig fanden?

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Die Honorar-Häme oder auch das „Rate Shaming“ unter Selbständigen haben wir uns nicht ausgedacht. Weder den englischen Ausdruck noch das Phänomen. Das Ärgerlichste an Belehrungen über die eigenen Honorarsätze ist, dass sie sich als hilfreiche Anmerkungen tarnen – es aber nicht sind.

Rate Shaming kann von innen oder außen kommen

Unter Rate Shaming versteht man die massregelnde Kritik an den Stundenraten oder Tagessätzen einer Freelancerin oder eines Freelancers. Zum Beispiel, weil Kolleg:innen ein Honorar als deutlich zu tief oder sehr viel zu hoch empfinden. Oder wenn du dich selbst geißelst, weil ein Preis dir nicht gerechtfertigt erscheint, den du angesetzt hast.

Von oben herab ist nicht auf Augenhöhe

Vielleicht einer der größten Unterschiede zwischen online aktiven Angestellten und Selbständigen sind die Communities zu bestimmten Branchen und Themen, in denen sich vor allem Einzelkämpfer:innen tummeln und täglich über ihren Arbeitsalltag austauschen.

Welches Honorar das richtige ist, das ist natürlich ein Dauerbrennerthema: Die einen wissen, dass ein bestimmter Stundensatz Voraussetzung fürs Überleben ist, die anderen arbeiten fröhlich für ein Taschengeld nebenbei dank reichen Eltern oder Partnern oder aus Unkenntnis. Sie erschweren damit allen das Verhandeln normaler Stundensätze, die wirklich darauf angewiesen sind.

Egal um welches Thema und um welche Branche es geht: Es ist in Foren für den beruflichen Austausch Selbständiger immer nur eine Frage der Zeit, bis Einsteiger:innen mit erfahrenen Profis aneinanderrasseln und die große Rate Shaming Keule geschwungen wird. Denn eins steht fest: Honorar-Häme wird nie aus der Mode geraten. Dazu ist das Thema zu heiß.

Wieso ist Rate Shaming so häufig – und so öffentlich?

Das Tückische an Meinungsäußerungen über das Honorar anderer Menschen ist die Öffentlichkeit, in der die Kritik geäußert wird. Was wie eine konstruktive Hilfestellung klingt, weil ein weiterer Aspekt zum Thema eingebracht wird, ist in Wirklichkeit gar keine:

Jemand anderen dazu zu bringen, dass er oder sie sich schämt, das ist nicht zu vergleichen mit einem guten Tipp oder einem authentischen Erfahrungsbericht. Sobald jemand einen belehrenden Tadel erhält, passiert nämlich etwas ganz anderes.

Wer so eine Massregelung in der Öffentlichkeit mitbekommen hat, wird sich anschließend davor hüten, eine Honorarfrage zu stellen oder seinen/ihren eigenen Stundensatz mit anderen zu teilen. Oder – schlimmer noch – schweigen, unsicher werden und sich außerdem schämen.

Wenn über brisante Themen geschwiegen wird, dann geht ein wichtiger Vorteil von Communities verloren: Der offene Austausch.

So kannst du deine Meinung sagen

Wenn jemand einen in deinen Augen unpassenden Stundensatz anbieten möchte, dann kritisiere nicht diese Person. Sondern rechne lieber an einem neutralen Beispiel vor, welche Nachteile eine Fehlkalkulation hast, wenn man selbständig ist und auch Rücklagen aufbauen muss.

Bei einem „zu hohen“ Preis kannst du fragen, welcher Mehrwert entsteht und wie das Honorar bei der Zielgruppe ankommt: Vielleicht bist du es ja, der oder die zu preiswert ist. Bei einem gefühlt niedrigen Preis sei respektvoll und konstruktiv und bitte andere Anwesende um ein ebenso sachliches Feedback.

Die ersten Kommentare setzen in der Regel die Stimmung einer Diskussion.

Rate Shaming betrifft jede Preisklasse

Hochpreis-Coachings, Social Media Unterstützung, virtuelle Assistenz: Bei Rate Shaming kommt es nicht darauf an, ob etwas zu teuer oder zu günstig ist.

Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, sich auf einen Tagessatz oder Stundensatz festzulegen. Als Selbständige:r musst du dich mit deinen Preisen wohlfühlen, sonst kannst du sie nicht glaubwürdig vertreten.

Lass dich also von Rate Shaming nicht verunsichern, sondern überleg‘ dir stattdessen, wie du deinen Preis ermittelst. Du kannst beispielsweise eine Umfrage starten und anonyme Antworten ermöglichen oder potenzielle Kund:innen befragen, was sie zu zahlen bereit sind. Du kannst in vielen Branchen auch nach den üblichen Sätzen googeln oder dir auf den Websites von Kolleg:innen einen Eindruck verschaffen.

Nur eins solltest du nie tun: Dich schämen. Denn wenn du mit einem Honorar danebenliegst, machst du es beim nächsten Mal eben anders.

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