Tagessätze berechnen

Tipps für Freiberufler und Selbstständige: Tagessätze berechnen

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Eine der ersten, aber auch eine der wichtigsten Herausforderungen, denen sich ein Unternehmensgründer – egal ob Freiberufler, Kleinunternehmer oder gewerblich tätiger Freelancer – stellen muss, ist die realistische Kalkulation seines Honorars.

Wer sich aus einer Angestelltensituation oder nebenberuflich selbstständig macht, tappst hierbei oft in die Falle, die Stunden- oder Tagessätze mit dem Gehalt von fest angestellten Mitarbeitern zu vergleichen und sich daran zu orientieren.

Die Situation eines angestellten Mitarbeiters lässt sich aber auch auf der finanziellen Ebene nicht mit der einer selbstständig tätigen Person vergleichen.

In die Kalkulation von Kleinunternehmern fließen viele weitere Faktoren mit ein:

  • Der hohe zeitliche Aufwand für Akquise, Angebotserstellung, Administration und alle Abläufe von Abrechnung bis Buchhaltung und Steuer
  • Laufende Kosten für Büromiete und die Geschäftsausstattung von den Räumlichkeiten mit Stuhl und Tisch bis hin zum PC und Tablet für das mobile Arbeiten – von Smartphone- und Telekommunikationskosten ganz zu schweigen
  • Ausgaben für Verbrauchsmaterialien, Software-Ausstattung, Wartung und Instandhaltung und Rücklagen für planbare Neuanschaffungen, um stets über eine zeitgemäße Ausstattung zu verfügen
  • Steuerrücklagen, betriebliche Versicherungen und Rücklagen, Sozialversicherungen, Krankenversicherung und Altersvorsorge, Honorare für Berater und Dienstleister sowie ggf. Aushilfen
  • Kosten für Fort- und Weiterbildung, von Fachliteratur bis Seminar, Transportmittel und Reisekosten
  • Ausgaben für die Erstellung und Wartung der eigenen Website und anderer Online-Marketingmaßnahmen – auch die für Netzwerken verwendete Zeit „kostet“ Geld
  • Ausgaben für die Entwicklung von Logo, CI von Visitenkarten bis Briefpapier hin zum immer aktuellen Angebots-Flyer und deren Druck, sowie alle weiteren Werbemaßnahmen vom Newsletter bis zur Pressemitteilung.

Es ist also bei genauer Betrachtung wenig erstaunlich, dass jeder tragfähige Tages- oder Stundensatz, von dem man als Kleinunternehmer auch wirklich leben und nicht nur irgendwie überleben kann, deutlich über dem liegt, was beim einfachen Herunterrechnen eines Angestelltengehalts herauskommen würde.

Dazu kommt noch, dass kein erfolgreich selbstständig Tätiger eine 100%ige Auslastung haben kann: Die Verwaltung der eigenen Geschäftsabläufe angefangen vom Bearbeiten des elektronischen Posteingangs bis hin zum Organisieren aller Abläufe, damit Projekte überhaupt stattfinden können, frisst sehr viel Zeit, wenn man sich um fast alles selbst kümmert.

Oft fast die Hälfte der verfügbaren Zeit sogar: 30-40% sind gar nicht ungewöhnlich.

Aber welches Honorar ist nun realistisch?

Die gute Nachricht zuerst: Tagessätze berechnen ist sensationell einfach: Acht Stundensätze zusammenzählen, Pausen und ggf. Reiseaufwendungen bei der Planung berücksichtigen – fertig.

Schwieriger ist die Entscheidung, mit welchem Stundensatz man einsteigt. Zum Markt passen muss dein Angebot natürlich auch: Es hilft dir nichts, wenn du findest, dass du 75 Euro in der Stunde verdienen solltest, alle Konkurrenten aber für 50 Euro arbeiten.

Noch schlimmer wäre es allerdings, wenn 75 Euro der branchenübliche Satz ist und du für 50 arbeitest.

Die Höhe deines Stundensatzes ist eine Entscheidung, die naturgemäß nur du selbst treffen kannst – nach entsprechender Bestandsaufnahme, Recherche sowie Markt- und Konkurrenzanalyse.

Ob dein Geschäftsmodell tragfähig ist und du davon leben kannst, findest du heraus, wenn du berechnest, was du verdienen musst. Das ist deine Untergrenze, die möglichst nicht unterschritten werden darf auf den Monat gesehen.

Zunächst solltest du alle deine monatlichen Kosten auflisten – wie bei einem Haushaltsbuch, nur erweitert um geschäftliche Kosten inklusive Rücklagen und Versicherungen. Das eigene Gehalt nicht vergessen, denn du hast ja auch private Lebenshaltungskosten.

Dann überlegst du, was du verdienen willst, damit du dich wohlfühlst, gut leben kannst und die viele harte Arbeit als Selbstständiger sich nicht wie Sklaverei anfühlt. Ziele motivieren und helfen dabei, immer wieder die eigene Vorgehensweise zu überprüfen und zu verbessern.

Mit diesen beiden Summen im Hinterkopf machst du dich erstens darüber schlau, was in deiner Branche ein normaler Stundensatz ist. Zweitens rechnest du zumindest grob durch, wie viele produktive Stunden du dafür abrechnen können musst, um deine Ziele zu erreichen und prüfst dann wiederum, ob du das für eine realistische Arbeitsbelastung hältst.

Sehr hilfreich für solche Überlegungen und mit praktischen Rechenbeispielen gespickt ist der Artikel „Realistischer Stundensatz als Dienstleister“ auf akademie.de, in dem du auch einen Excel-Rechner für Honorarkalkulation und einen Wunsch-Netto-Rechner findest.

Ein Praxistipp zum Schluss:

Wenn ausnahmslos jedes deiner Angebote sofort angenommen wird, ist das leider kein Erfolg … sondern du bist vermutlich viel zu preiswert.

Über den Autor
Carola Heine
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