Buchführungspflicht

Es gibt eine steuerliche Buchführungspflicht nach § 141 der Abgabenordnung (AO), die nicht mit der außersteuerlichen Buchführungspflicht gemäß § 238 des Handelsgesetzbuches (HGB) zu verwechseln ist.

Die steuerliche Buchführungspflicht nach § 141 der Abgabenordnung (AO)

Die steuerliche Buchführungspflicht nach § 141 der Abgabenordnung (AO) definiert eine Reihe von Mindestgrenzen für die Größe von Unternehmen. Wenn eine dieser Mindestgrenzen überschritten wird, greift die steuerliche Buchführungspflicht.

Die Mindestgrenzen für die steuerliche Buchführungspflicht sind:

  • Ein Jahresumsatz von mindestens 600.000 Euro (seit 01.01.2016)
  • Ein Jahresgewinn von mehr als 50.000 Euro
  • Die Selbstbewirtschaftung von forst- und landwirtschaftlichen Flächen mit einem Wert von mehr als 25.000 Euro
  • Ein Jahresgewinn aus der Bewirtschaftung von forst- und landwirtschaftlichen Flächen von mehr als 60.000 Euro

Einzelunternehmer werden von der Buchführungspflicht wieder befreit, sobald sie in zwei aufeinander folgenden Jahren alle Mindestgrenzen unterschritten haben. Eine solche Befreiung von der Buchführungspflicht wird schriftlich vom Finanzamt mitgeteilt. Gesellschaften sind zur Buchführung verpflichtet, solange sie einen Eintrag im Handelsregister haben. Freiberufler unterliegen nie dieser Pflicht.

Die außersteuerliche Buchführungspflicht nach § 238 des Handelsgesetzbuches (HGB)

Die außersteuerliche Buchführungspflicht zielt auf Personen und Gesellschaften, die nicht schon aufgrund der Vorgaben von § 141 der Abgabenordnung (AO) buchführungspflichtig sind.

Diese außersteuerliche Buchführungspflicht aus dem Handelsgesetzbuch orientiert sich an den Vorgaben der Abgabenordnung, aber greift nur dann, wenn die betroffene Person oder Gesellschaft zugleich über Kaufmannseigenschaften entsprechend der §§ 1 – 6 des Handelsgesetzbuches (HGB) verfügt. Vice versa gilt gemäß § 140 AO, dass alle, die nur wegen ihrer Kaufmannseigenschaften außersteuerlich buchführungspflichtig sind, diese Pflicht so erfüllen müssen, dass auch die Vorgaben der steuerlichen Buchführungspflicht gemäß der Abgabenordnung erfüllt sind.

Was sind „Kaufmannseigenschaften“?

Unter dem Begriff „Kaufmannseigenschaften“ werden alle unterschiedlichen Typen von Kaufmännern zusammengefasst. Diese sind:

  • Der Musskaufmann ist Kaufmann aufgrund der Größe seines Gewerbebetriebs und verfügt über einen Eintrag im Handelsregister.
  • Der Kannkaufmann ist ein Kleingewerbetreibender und kann sich auf eigenen Wunsch hin in das Handelsregister eintragen lassen.
  • Der Fiktivkaufmann ist aus Gründen der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes in das Handelsregister eingetragen.
  • Der Scheinkaufmann tritt im Geschäftsleben als Kaufmann auf, obwohl er die rechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt. Da der Scheinkaufmann von Geschäftspartnern als Kaufmann behandelt wird, muss er nach geltender Rechtsprechung und zum Schutze von Außenstehenden auch die belastenden Pflichten des Kaufmanns erfüllen.
  • Der Formkaufmann wird aufgrund der Rechtsform des Unternehmens als Kaufmann eingeordnet. Diese Rechtsformen sind: Die offene Handelsgesellschaft (OHG), die Kommanditgesellschaft (KG), die Aktiengesellschaft (AG), die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH), die Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA) und die eingetragenen Genossenschaften (eG).

Was muss ich tun, um meine Buchführungspflicht zu erfüllen?

Bei der steuerlichen Buchführungspflicht geht es vor allem darum, wie die Bücher geführt werden. Notwendigerweise müssen eine doppelte Buchführung, eine Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanzen erstellt werden. Es gilt der Grundsatz der ordnungsgemäßen Buchführung.

Der Zweck der Buchführungspflicht ist die permanente Gewährleistung eines realistischen Überblicks über die unternehmerische Lage durch eine systematische Dokumentation zur Entstehung und Abwicklung von Geschäftsvorfällen. Ein sachverständiger Dritter muss innerhalb einer angemessen Frist in der Lage sein, alle Geschäftsvorfälle nachvollziehen zu können.