Unterwegs mit Darth Vader: Alleinstellungsmerkmale mal ganz anders

Jeder kennt den Spruch "Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen". Manchmal sind es aber auch die mittelgroßen, sperrigen.

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Wenn einer Frau ein dunkler Fremder begegnet, der sie anhaltend zum Lächeln bringt und sich als verlässliche Begleitung anbietet, dann wäre es ganz dumm von ihr, auf gemeinsame Unternehmungen zu verzichten. Besonders, wenn es sich um ein Markenmodell aus einer Spezialpreis-Aktion handelt – aber auch, weil Vernunft sowieso nicht entscheidet, wenn man sich total verknallt.

Es war Verzückung auf den ersten Blick. Doch bis die Entscheidung fiel, dauerte es trotzdem noch ein Weilchen. Dürfen Erwachsene Disney-Koffer haben? Was ist dieses „Dürfen“ eigentlich? Macht man sich als schon etwas länger nicht mehr schulpflichtiger Mensch denn nicht völlig zur Wurst mit Star-Wars-Reisegepäck und wann war es eigentlich zum letzten Mal eine gute Sache, sich nach Spießern zu richten und nicht nach dem Spaßfaktor?

Solche Überlegungen wälzte ich, denn dank Retargeting buchstäblich aller großen Shop-Portale sah ich Herrn Vader ständig irgendwo aus dem Augenwinkel aufblinken – und musste jedes Mal erneut breit grinsen. Der Spaß an dieser Design-Idee nutzte sich einfach nicht ab. Dann trafen eine Sonderpreisaktion und ein Geschenkgutschein aufeinander und der Rest ist Geschichte. Diese Geschichte. Denn wenn „jemand eine Reise tut, so kann er / sie was erzählen“. Besonders, wenn sie Gepäck mit Gesicht hat.

Der Unterschied zu einer normalen Reise, wenn Du Dich für Alleinstellungsmerkmale mit 65 Litern Fassungsvermögen entschieden hast und mit Darth Vader einen Bahnsteig entlangrollst, Dich ins Abteil setzt oder für einen Kaffee anstehst: Du kannst Dir nicht mehr aussuchen bzw. rein durch freundliches Auftreten steuern, mit wem Du Dich unterhalten möchtest. Wenn Dein Gepäck verkündet „Sieh her! Ich, schwarz lackiert und glänzend, ich bin die dunkle Seite der Macht!“, so ist das eine offene Einladung an alle … und Abgrenzung wird zum völlig neuen Lerngebiet.

Viele umstehende Menschen auf meinen Wegen mussten lachen, fast alle haben zweimal hingesehen. Kinder riefen „Das ist nicht Dein Vater!“ und kollerten kichernd über den Bahnhofsboden. Gleichaltrige Frauen erkundigten sich milde, wo der Knabe zum Koffer sei und Mit-Nerds outeten sich durch anerkennendes Grinsen. Wirklich kalt ließ mein Reisebegleiter kaum jemanden, der oder die ihm ins Gesicht blickte – viele zuckten im Vorbeigehen noch einmal zurück in meine Richtung für eine erneute Prüfung, ob sie richtig gesehen hatten. Auch strafende Blicke ob dieses von schlimmer Unreife zeugenden Accessoires blieben nicht aus 😉

Mit einem so auffälligen Gepäckstück wird man nämlich auch kritisch gemustert. Ein reisender Kegelclub drehte sich mit neunzehn Personen gleichzeitig um, nachdem einer mit dem Finger auf den Koffer gezeigt hatte und kriegte sich zehn Minuten lang als kompakt herüberstarrende Gruppe nicht mehr ein – ob verächtlich ablästernd oder amüsiert, das weiß man ja erst, wenn ganz kurz vor Zugabfahrt einer kommt und fragt, wo man „das“ kaufen kann.

Es ist ein bisschen unfreiwillig charakterbildend, wenn Erwachsenengruppen Dich öffentlich so penetrant in den Fokus nehmen und auch eine ganz neue Erfahrung – ungefähr so muss es sich anfühlen, mit einem kontroversen Thema spontan in eine Podiumsdiskussion zu starten und zu ahnen, dass man auf viel Ablehnung treffen wird. Die interessante Frage ist: Würde es Dich aufhalten? Sich das zu trauen, was man gerade gerne machen will – egal ob es um eine unpopuläre Meinung geht oder um ein Accessoire, das bei anderen auf Geläster stößt – das eigene Ding durchziehen, auch Widerständen zum Trotz, das macht einen großen Teil der eigenen Lebenqualität aus.

Lernen von der dunklen Seite der Macht: Polarisieren durch Alleinstellungsmerkmale

Eine sperrige Meinung kannst Du hinter dem Berg halten, wenn Deine Tagesform nicht für Konfrontationen und selbstautorisierende Erziehungsberechtigte geeignet ist. Mit einem sperrigen Gesichtskoffer nicht. Während der mehrtägigen Reise frischte ich also mein Wissen darüber auf, wie man am besten zu einer polarisierenden, aber nicht verhandelbaren Situation steht: Freundlich, aber verbindlich.

Zum Glück macht es gute Laune, einen sehr lustigen Koffer zu haben. Je mehr man sich selbst daran freut, desto wahrscheinlicher sind ebenso freundliche Kontaktaufnahmen der Umgebung. Wie unterschiedlich Menschen auf einen Hingucker reagieren (und Du selbst wiederum mit diesen Reaktionen umgehen kannst) ist spannend und lehrreicher als alle theoretischen Übungen rund um die Ansprache potenzieller Zielgruppen. Einfacher auch, weil Du aus Spaß an der Freude lernst, ohne parallel damit etwas verkaufen zu müssen. Menschen und wie sie ticken besser zu verstehen, das ist ein ausreichend wertvolles Ziel und die Gelegenheiten sind nicht so häufig, wie Du vielleicht glaubst.

Spielerisch oder spießig, kritisch oder experimentierfreudig? Wer würde sich auch einen Koffer mit dem Gesicht von Darth Vader kaufen, wer fühlt sich darüber weit erhaben? Welche Personentypen sprechen Dich an, welche schauen nur und freuen sich, wenn Du dann trotzdem auf sie eingehst? Wie knackt man ein verächtliches Schnauben und wie souverän gehst Du mit ungefragt geäußerten Meinungen zu DEINEM Gepäck um?

Alleinstellungsmerkmale haben alle eins gemeinsam: Die wirklich wirkungsvollen polarisieren. Das gilt für Networking und Business, aber eben auch für Koffer. Die „Learnings“ lassen sich übertragen:

Immer wieder angesprochen zu werden verändert den Fokus

Anfangs rutschte ich noch in den Rechtfertigungsmodus. Ich erklärte, dass es sich nicht um Spielzeug oder Kindergepäck, sondern um eine wohlüberlegte Anschaffung eines Markenproduktes handelte, das mich hoffentlich über sehr viele Jahre begleiten wird. Ich erläuterte den Sonderpreis und meinen Gutschein, damit ich nicht so verschwendungssüchtig wirkte. „Mein Kind hat ihn mit ausgesucht“ sagte ich schon mal, was auch stimmte. Aber Zehnjährige treffen in unserem Haushalt eigentlich keine Kaufentscheidungen, sonst hätten wir „Dragons“-Tapete und „My little Pony“-Laminat. Dann begann ich mich darüber zu ärgern, dass diese Argumente meine Gesprächspartner überzeugten.

Wieso ärgerte ich mich darüber, dass ich überzeugend argumentierte? Ganz einfach: Weil ich mich für meine Entscheidungen nicht rechtfertigen muss. Ob Koffer oder Geschäftsidee, sie müssen gar nicht jedem gefallen – das wäre sogar fatal. Denn Einheitsbrei bringt keine Vorteile mit sich außer guter Verdaulichkeit (und was dabei am Ende herauskommt, wissen wir alle). Sich mit negativen Meinungen abzugeben, zieht Dich im Zweifelsfall außerdem nur unnötig runter.

Ich lächele also nur noch und erwidere freundlich: „Ja, mein Begleiter ist eben ein echter Hingucker“. Das passt auf wohlmeinende Reaktionen, aber auch auf ungefragte Kritiker.

Jeder hat immer zu allem eine Meinung – mach die Dämpfer nicht zu Deinen

Denn ob Du einen Koffer mit Gesicht anschaffst oder eine Geschäftsidee entwickelst, ob Du neue Alleinstellungsmerkmale finden willst oder ob Du Dir einen Hund kaufst: Jeder in Deinem Umfeld hat erfahrungsgemäß immer zu allem eine Meinung und viele werden sie Dir ungefragt mitteilen. Du kannst diesen Input freundlich zur Kenntnis nehmen und überdenken – aber Du solltest es bewusst und strategisch ignorieren, wenn jemand Deiner Idee einen Dämpfer verpassen will.

Einige Menschen sind nun mal grundsätzliche Bedenkenträger, weitere haben leider Spaß daran, das begeisterte Leuchten in anderen zu ersticken. Manche „senfen“ pauschal und ohne Inhaltliches beizutragen. Warum solltest Du solchen Anmerkungen einen Platz in Deinem Kopf einräumen?

Was für Dich wichtig ist und positive Energie beiträgt, das entscheidest nur Du. Sei nett, hör zu und lerne, aber die Dämpfer bleiben draußen.

Anders ausgedrückt: Geh dahin, wo die Freude ist und Dir Deine Entscheidung ein haltbares Lächeln einbringt.

*

Dieses Posting über den Koffer, Begegnungen mit Menschen und die helle Seite der Macht lässt sich zusammenfassen: „Schreib doch mal darüber, was man mit einem solchen Koffer erleben kann“ enthält jede Botschaft, die man als Bloggerin über erfolgreiche Alleinstellungsmerkmale vermitteln kann 🙂

Über den Autor
Carola Heine
Up to date: Trends und Online Navigation

Beitrag kommentieren

  1. Nicole | 20.06.2018 | 12:57

    So kenne ich Dich! Und ich überlege, mir eine Scheibe davon abzuschneiden. Wobei: in öffentlichen Verkehrsmitteln Socken zu stricken, mitten im Berufsverkehr, erzeugt im Grunde ähnliche Reaktionen und generiert viele wunderschöne Gespräche.

    Alles Liebe, Nicole

  2. Ines | 20.06.2018 | 22:43

    Storytelling der besten Art. Danke!

  3. Andrea | 21.06.2018 | 18:56

    Viel Freude euch beiden, hoffentlich reist ihr noch recht lange miteinander und plaudert nochmals über die dunkle Art des Reisens. 😉

  4. Ulrike Zecher | 22.06.2018 | 10:27

    Liebe Carola,
    großartig und sehr, sehr unterhaltsam, wie du hier das Personal Branding erklärst.
    Du hast recht, man muss sich nicht für seine (verrückten) Ideen entschuldigen. 🤓
    Liebe Grüße, Ulrike

  5. Markus | 24.06.2018 | 15:26

    Ich hab mich in dem Artikel sooo wiedergefunden.
    Passiert einem, wenn man Zeitweise im „echten Leben“ mit dem Bart von Wolverine rumlaeuft.

    Grosse Klasse.