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Raus aus der Comfort Zone, rein in die Comfort Zone

Wie oft hast du online schon gelesen, dass du deine „Komfortzone“ verlassen musst, um voranzukommen? Viel zu oft vermutlich.

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„Erfolg findet nie in der Comfort Zone statt – du musst da raus und was bewegen!“ Es gibt Sprüche, die prägen sich ein. Entweder, weil sie sehr einleuchtend klingen oder weil sie gefühlt von allen Tschakka-Expert:innen wiederholt werden oder beides. Dabei ist Komfort doch so nett. Sollst du den wirklich opfern?

Die Comfort Zone verlassen: Fühlst du dich davon angesprochen?

Als selbständige Unternehmer:in hast du diesen Impuls wahrscheinlich so oft gelesen, gesehen oder gehört, dass du die Idee verinnerlicht hast: Es muss anstrengend bis schmerzhaft sein, voranzukommen mit dem eigenen Business! „Von nichts kommt nichts“ und „selbst und ständig“ werden auch gerne als Motivationssprüche genommen. Ohne Fleiß kein Preis, werfe ich der Vollständigkeit halber noch hinterher, ein bisschen was ist dran. Aber muss deshalb gleich alles unbequem werden?

Die Definition einer Comfort Zone

Eine Comfort Zone ist ein Lebens- oder Arbeitsbereich, in dem du dich relativ sicher, vertraut und gut aufgehoben fühlst. Diese Sicherheit hast du dir erarbeitet, indem du Aufgaben oder Aktivitäten oder Strategien einsetzt, die du bereits kennst und deren Ergebnisse du zuverlässig abschätzen kannst. Die Risiken sind gering bis nicht vorhanden, aber es besteht eine solide Möglichkeit, dass du auf diese Art und Weise nicht dein ganzes Potenzial nutzt und nicht so erfolgreich bist wie möglich oder nötig.

Wenn im Business vom Verlassen dieser Comfort Zone gesprochen wird, so ist damit gemeint: Stelle dich neuen Herausforderungen und probiere andere Strategien aus. Streck dich nach der Decke, investiere deine Zeit und Kraft und trau dich was – es soll bitte nicht so gemütlich und sicher für dich bleiben, es darf und soll sogar ziemlich unkomfortabel sein: absichtliche Wachstumsschmerzen, sozusagen.

Warum hat die Comfort Zone so einen schlechten Ruf?

Erfolg ist wichtig und Wachstum meistens nötig, aber warum muss das unbedingt ein schmerzhaft stressiger Prozess sein? Wenn man es mal andersherum betrachtet, ist die ‚Comfort Zone‘ das Ziel vieler unserer Aktivitäten. Da möchten wir am Ende ankommen: dort, wo der Arbeitsalltag entspannt durchläuft und das Hamsterrad stillgelegt in der Ecke auf Ausnahmezeiten wartet. Obwohl alles gut läuft, muss man sich dafür nicht kaputtschuften. Warum hat die Komfortzone also solch ein Image-Problem? Haben wir nicht alle schon Stress genug?

Richtig ist, dass du gewohnte Pfade verlassen, Dinge lernen und dich in Bewegung setzen musst, um andere Ergebnisse als bisher zu erzielen. Ebenfalls korrekt ist, dass du dabei wahrscheinlich ganz schön ins Schwitzen kommst: wie bei einem guten Workout. Aber komfortabel fühlen darfst du dich trotzdem damit.

Nicht richtig ist, dass du dich selbst zu etwas zwingen oder mit einer Vorgehensweise herumquälen musst, die dir nicht behagt. Die meisten Sprüche über die Komfortzonen dieser Welt beziehen sich darauf, dass du deine Ängste überwinden und große Anstrengungen leisten musst, um voranzukommen. Comfort Zone ist eben ein sehr griffiger Ausdruck. Druck macht aber nicht immer Diamanten, wie es so schön heißt – oft macht er auch einfach krank.

In den letzten drei Jahren haben wir alle ganz oft Dinge tun oder lernen müssen, die wir uns nicht ausgesucht haben und das war keine durchgehend gute Erfahrung. Auch die Überlegung, ob die Komfortzone wirklich ein Ort ist, den man „immer“ verlassen muss, entstammt diesen großen Veränderungsphasen. Schließlich gibt es mehr und mehr KI-Tools, die unsere Arbeit komfortabler gestalten: Belege buchen, Konzepte vorschlagen, Wissen zusammensuchen.

Was man sich aus der Pandemiezeit mitnehmen kann: Alles, was wichtig ist, das geht auch langsam und in deinem eigenen Tempo. Wenn Möglichkeiten fehlen, ergeben sich andere. Wichtige Menschen verschwinden nicht aus deinem Leben und deinen Projekten, wenn sie mal warten müssen, wahrscheinlich kämpfen sie selbst mit eigenen Themen und Umbrüchen. Es sind anstrengende Zeiten, daher erlaube ich mir diesen Hinweis:

Du kannst auch innerhalb deiner Komfortzone vorankommen, Erfolg haben und dir neue Dinge aufbauen. Du hast die Erlaubnis, deine Ziele stressfrei zu erreichen. Wann du dich nach der Decke strecken magst, ergibt sich das von selbst (oder eben nicht).

Gegen den Trend ist der neue Trend

Auch anderen ist es aufgefallen, dass es gar nicht grundsätzlich eine gute Idee sein kann, pausenlos gegen den eigenen Komfort zu arbeiten. In der eigenen Comfort Zone zu arbeiten heißt nämlich auch, die eigenen Grenzen gut einschätzen zu können und ohne Panik voranzukommen.

Eine gute Komfortzone entsteht nicht zufällig. Sie setzt sich aus lauter Dingen zusammen, die gut für dich funktionieren und die du erprobt hast.

Entspannt vorwärts kommen ist machbar

Ich möchte dich also höchstpersönlich dazu einladen, das Konzept „Verlassen der Komfortzone“ zu hinterfragen und deinem eigenen Bedarf anzupassen. Die Comfort Zone ist nämlich auch ein sehr angenehmer Arbeitsplatz. Entspannt werkeln ist gesünder als Dauerstress und es wäre ja sehr witzlos, wenn du zwischen Flucht aus der Komfortzone und versuchtem Kopfsprung in die Work-Life-Balance wechseln würdest, nur weil „man“ das gefühlt überall so macht.

So kannst du in der Comfort Zone wachsen

1. Angstmanagement

Für manche Menschen funktioniert der Sprung ins kalte Wasser, andere schwimmen lieber warm und ohne Wadenkrämpfe: Es gibt buchstäblich keine Aufgabe in der Selbständigkeit, die du ganz alleine bewältigen musst, wenn dich davor graust. Virtuelle Assistenzen helfen beim Abarbeiten von Routinebergen, andere Dienstleister:innern übernehmen Aufgaben wie Social Media und Anzeigenschaltung und wenn du selbst wachsen willst, dann buchst du eine Fortbildung oder eine Coachin/einen Coach. Du musst das nicht alleine tun.

2. Risikomanagement

Entscheidungen treffen sich viel leichter, wenn sie abgesichert sind. Hast du bereits eine Haftpflichtversicherung für alles, was dir an Tätigkeiten vorschwebt? Hast du deine geplante Vorgehensweise Schritt für Schritt analysiert und dir bei jedem Abschnitt überlegt, was alles passieren könnte und wie du dann damit umgehst? Vorbereitung entspannt und du denkst an tiefere Aspekte deiner geplanten Vorhaben. Frag dein Netzwerk, ob sie dir Feedback geben können oder Erfahrungen mit dir teilen möchten. Auch das nutzt sehr.

3. Erwartungsmanagement

Sobald du das Konzept der zu verlassenden Komfortzone einmal hinterfragt hast, bist du fast von selbst viel weniger dazu bereit, für Erfolg zu leiden. Natürlich musst du leisten, um Dinge zu erreichen, aber wenn irgendwas daran unbehaglich oder viel zu stressig wird, passt es einfach nicht auf Dauer. Lebensqualität geht vor. Ein guter Arbeitsrhythmus ist eine Entscheidung und diese basiert auf Planung. Du kannst komfortabel arbeiten, trotzdem Ziele erreichen und dir dann neue setzen. Komfortmangel ist so 2019.

Fazit: Comfort Zone ist, was du daraus machst

Neu zu erlernende Technologien, Krisen oder sich wandelnde Marktbedingungen werden immer dafür sorgen, dass wir uns bewegen und andere Dinge lernen oder tun müssen. Es wird sich nicht vermeiden lassen, Risiken einzugehen und Innovationen anzunehmen. Selbständige wissen: Jederzeit kann eine völlig ungewohnte Situation auftreten.

Doch du musst dich weder Ängsten noch Aufgaben alleine stellen. Unternehmerisches Wachstum ist und neue Perspektiven sind auch im entspannten Bereich gut machbar. Den größten Druck machen wir uns selbst, das ist aber völlig überflüssig. Wenn du die „Zone“ phasenweise trotzdem verlässt, dann als bewusste Entscheidung mit dem Ziel, bald wieder dahin zurückzukehren: Deine Komfortzone ist ausbaufähig und hat Raum für alles, was du im Business vorhast.

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  1. Harald Ille | 06.12.2023 | 16:31

    So! So ist es! Die Komfortzone zu erreichen ist das Ziel! Der Ort, wo ich zufrieden, glücklich, entspannt und mit mir und der Welt im Reinen bin.

    Warum soll ich da raus und in eine kalte, feindliche Welt? Weil es mir dort besser ginge??

    1. Carola Heine | 12.12.2023 | 10:36

      Danke, Harald! 🙂