Kreativität als Führungskompetenz

Die wichtigste Führungskompetenz? Kreativität

Kreativität ist die Basis für "disruptive Innovation und kontinuierliche Neuerfindung" und steht laut einer IBM-Studie über und mit CEOs ganz oben auf der Liste wesentlicher Führungsqualitäten.

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Vor zehn Jahren befragte IBM 1.541 Führungskräfte aus der ganzen Welt in Einzelgesprächen. Schon damals zeichnete sich ab, was wir seit der Corona-Krise alle wissen: Andere Führungseigenschaften verblassen neben Kreativität.

Die von IBM befragten CEOs sahen es als Notwendigkeit an, Kreativität als Ganzes in ihren Organisationen zu fördern, statt sie als Aufgabe für isolierte Abteilungen wie Produktdesign und Marketing zu sehen. Früher wurden Führungskräfte vor allem für operative Exzellenz, strategische Visionen oder hohe Umsätze bewundert. Schon in der 2010er Studie war ein Wandel erkennbar, sowohl in der persönlichen Einstellung der befragten leitenden Angestellten als auch in den von ihnen geführten Organisationen.

Das Ende der Ära »haben wir schon immer so gemacht«

Diese CEOs haben Kreativität schon früh als Notwendigkeit begriffen. Ebenso wie das konsequente Hinterfragen grundlegender »traditioneller« Annahmen – und ein neues Verständnis darüber, wie Erfolge erzielt werden können. Nur so kann ein Unternehmen von der Ideenvielfalt profitieren, die alle Mitarbeitenden beitragen können.

Warum ist Kreativität in Unternehmen aller Größen als Führungsqualität so wichtig?

Kreativität ist nicht nur der Weg zu jeder Innovation und aus jeder Krise. Kreativität macht auch belastbarer.

»Organisationen und Gesellschaft brauchen Menschen, die kreativ sind, die sich von Rückschlägen erholen, die führen und folgen können und die flexibel sind. Manche Leute nennen es auch Belastbarkeit. Die Arbeitgeber sind zunehmend skeptisch gegenüber dem Bildungsabschluss allein als Stellvertreter für den Erfolg im Beruf. Sie suchen nach etwas Besonderem. Der Begriff ist lose definiert als Kreativität, Problemlösungsgeschick, Lernbereitschaft und Mut zur Beharrlichkeit. Menschen mit diesen Eigenschaften freuen sich über Feedback, arbeiten härter und lassen sich von Rückschlägen nicht so leicht abbringen.«

Quelle: Deborah Nasca für haufe.de

Es ist noch nicht lange her, da wurde die Kreavität eines Unternehmens auf wenige ausgewählte Personen konzentriert, die zu diesem Zweck eingestellt wurden. Doch Innovation ist keine Aufgabe, deren Erfolg sich verordnen lässt. Innovation entsteht, wo Menschen gelernt haben, ihre Kreativität fließen zu lassen und Ideen zu entwickeln – das lässt sich nicht an andere delegieren, die wesentlichen Fähigkeiten lassen sich auch nicht einfach erlernen.

»Innovatoren« werden nicht gemacht, sie nutzen Intuition und Veranlagung in Arbeitsumgebungen, die ihnen die nötigen Freiheiten lassen. Das Wissen um die Entstehung von Kreativität entsteht durch »Learning by Doing« und ist eines der wichtigsten Führungsmerkmale in unsicheren Zeiten. Schließlich sind es Chefin oder Chef, zu deren Aufgaben das Navigieren auch durch unerwartete Situationen gehört.

Die neuste 2021 CEO Studie: »Find your essentials«

Kreativität hat seit dieser Befragung an Bedeutung noch mehr gewonnen. Doch das war natürlich nicht die letzte Umfrage: Seit mehr als 20 Jahren führt IBM in Zusammenarbeit mit Oxford Economics jährliche globale CEO-Studien durch. Für die aktuelle Studie aus dem Winter 2020, die sich damit beschäftigt, was im heutigen Arbeitsleben wesentlich für Führungskräfte ist, wurden gleich 3.000 CEOs aus knapp 50 Ländern befragt.

Ergebnis dieser neuesten IBM-Studie: Heute hat das Wohlbefinden der Mitarbeiter für viele CEOs leistungsstarker Unternehmen höchste Priorität. 56 % der CEOs betonen außerdem die Notwendigkeit, operative Agilität und Flexibilität offensiv zu verfolgen.

Eine der größten Herausforderungen für viele der befragten CEOs wird in den nächsten Jahren das Management einer „überall“ arbeitenden Belegschaft sein. Die Führungskräfte von Unternehmen mit überdurchschnittlicher Leistung (die zu den besten 20 Prozent in Bezug auf Umsatzwachstum gehörten) setzen ihre Prioritäten auf Talent, Technologie und Partnerschaften.

Innovation, Talent, starke Partner und moderne Technologie

Innovation, Talent, starke Partner und moderne Technologie gelten als die Erfolgsfaktoren für eine Positionierung während und nach der COVID-19-Pandemie. Die ‚ortsunabhängige‘ Belegschaft kann und wird von Führungskräften verlangen, agile Technologien bereitzustellen, einfühlsamere Führungsmodelle zu übernehmen, das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen in den Vordergrund zu stellen – und flexible, agile und integrative Kulturen zu fördern.

Darauf einzugehen kann sich lohnen: 77 Prozent der befragten CEOs von Unternehmen mit überdurchschnittlichen Umsätzen geben an, dass sie planen, das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu priorisieren. Sogar wenn dies die kurzfristige Rentabilität beeinträchtigt. Bei Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Leistung sind es nur 39 Prozent.

Auch wenn das Wohlbefinden der Mitarbeitenden an erster Stelle stehen soll, ist Kreativität weiterhin von Bedeutung, um solche Ziele zu erreichen. Der Umgang mit den Wünschen und Anforderungen setzt Freiraum für Ideen, Entwicklung und Innovation heraus – Kreativität bleibt in der sich wandelnden und digitaler werdenden Welt weiter die wichtigste Kompetenz.

  • Foto: Adobe Stock Von jamie grill photography/Stocksy
Über die Autorin
Carola Heine
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