Stefan Wein: Karikaturist di Vino

Karikaturist di Vino: »Durch die Krise musste ich digitaler werden«

Der digitale Schnellzeichner Stefan Wein stellte in der Corona-Krise sein Geschäftsmodell auf spannende neue Ideen um

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Was tut ein Karikaturist, der nicht auf Events arbeiten kann wegen der Krise? Stefan Wein alias »Di Vino« hat kurzerhand beschlossen, seine Live-Auftritte dann eben per Video-Call anzubieten – für Einzelpersonen, aber auch auf Veranstaltungen.

Außerdem hat er einen genialen Weg gefunden, fotoscheue Mitarbeitende auf Firmen-Websites zu verewigen und nebenbei den Unternehmen noch ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen: Er zeichnet die Mitglieder der Teams auf seine einzigartige Art und Weise. Wir freuen uns, dass Stefan sich die Zeit für ein Interview genommen hat, um mehr von sich zu erzählen.

Stefan Wein Karikaturist di Vino

Stefan Wein

Karikaturist di Vino
www.digitaler-schnellzeichner.de

»Mein Name ist Stefan Wein. Unter meinem Künstlernamen „Di Vino“ bin ich bereits seit 1994 als Schnellzeichner und Karikaturist tätig – seit 2013 mache ich das vorwiegend digital an einem Tablet. Meist werde ich von Firmen gebucht, die mich für ihre Events oder einen Messestand engagieren. Die Gäste erhalten dann ihr Porträt per Mail, das ist eine einzigartige Erinnerung an die Veranstaltung.

Durch das digitale Zeichnen haben sich mir neue Möglichkeiten eröffnet: So kann der Zeichenvorgang live von meinem Tablet auf einen Großbildschirm übertragen werden. Das macht so eine Aktion noch attraktiver, weil ein größeres Publikum ganz genau zuschauen kann, wie eine Karikatur entsteht. Firmen bestellen bei mir häufig einen individuellen Bildhintergrund oder mehrere, passend zu ihren Farben und Themen. Diese Hintergründe werden bereits im Vorfeld erstellt, bei der Veranstaltung wird dann nur noch das „Modell“ in das Bild hineingezeichet.

Im Laufe der Jahre habe ich also meinen eigenen Stil entwickelt und denke, dass ich mir einen ganz guten Namen gemacht habe. So bin ich inzwischen auch sehr oft international tätig und war schon auf Messen in Paris, Madrid und Barcelona – um nur einige zu nennen.«

Carola: Lieber Stefan, mit Entzücken habe ich deine Karikaturen von den lexoffice-Events gesehen, du hast ja wirklich einen ganz einzigartigen Stil, der mich gerade sehr zum Schmunzeln gebracht hat. Wie wird man denn Karikaturist, beziehungsweise wie bist du es geworden?

Stefan: Ich habe nach dem Abitur bei Siemens als Computer Operator gearbeitet, dann in Nürnberg Grafikdesign studiert, später dann das Studium abgebrochen und eine Kneipe eröffnet. Dann hatte ich die unterschiedlichsten Jobs, hauptsächlich war ich Billard-Trainer.

Mein erstes Engagement als Schnellzeichner hatte ich dann 1994. Das kam so: Ein guter Freund, der schon länger im Event-Business tätig war, hatte schon des Öfteren versucht, mich zu überreden, es mal als Schnellzeichner zu versuchen. Ich hatte das immer abgelehnt – bis er mir dann ein konkretes Engagement auf einem Event vermittelte. Ich habe zugesagt, weil es erst ein halbes Jahr später stattfinden sollte und mir so genug Zeit zum Üben bleiben würde. So dachte ich zumindest.

Doch das Üben wurde wieder und wieder aufgeschoben und so kam es, dass ich mich am Tag vor dem Event in München in den Englischen Garten setzte und zehn Personen kostenlos zeichnete. Die Bilder waren okay – aber nicht wirklich so gut, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Am nächsten Tag ging es dann zum Event, das in Sonneberg in Thüringen stattfand. Ich war sehr aufgeregt. Doch von dem Moment an, als ich den Zeichenstift ansetzte, war alle Nervosität verschwunden und ich war selbst überrascht, wie gut die Bilder wurden. Es kam Lob von allen Seiten. Die Gage, die danach in bar ausgezahlt wurde war, ziemlich üppig. Ich war völlig aufgedreht, sah nur gezeichnete Gesichter vor mir und konnte nachts kaum schlafen. Irgendwann ging ich nach draußen und legte mich in eine Wiese unter den Sternenhimmel. Mir war bewusst geworden: Ich war jetzt Schnellzeichner!

Carola: Da hatte dein Bekannter wohl den richtigen Riecher, als er dir diese Karriere vorgeschlagen hat. Ein spannender Anfang. Auch eine Mutmach-Geschichte für alle, die von einem kreativen Job träumen. Wie ging es dann weiter?

Stefan: Schnell ging es weiter. Ich wurde über Veranstaltungs- und Künstleragenturen gebucht und konnte sofort von meiner neuen Tätigkeit gut leben.

Es war ein wundervolles Gefühl, diese kreative Tätigkeit zu meinem Beruf gemacht zu haben. Ich liebte es, durch Deutschland zu reisen, neue Städte kennenzulernen, tolle Menschen zu treffen. Und sehr schnell bemerkte ich, dass meine Zeichenkünste sich stetig verbesserten und ich immer schneller wurde. Auch nach inzwischen über 150.000 gezeichneten Bildern habe ich immer wieder mal das Gefühl, etwas dazu gelernt zu haben.

Carola: So viele Bilder! Sind dabei auch Beziehungen zu den Menschen entstanden, die du gezeichnet hast, zumindest zu einigen?

Stefan: Das könnte man so sagen: 2007 lernte ich auf einer Messe in Frankfurt meine Stefanie kennen. Sie hatte sich von mir zeichnen lassen und es war sofort eine Verbindung da. Ein halbes Jahr später zog ich dann weg aus Bayern in unsere gemeinsame Wohnung in Bünde. 2009 heirateten wir auf dem Leuchtturm auf Wangerooge.

Carola: Das klingt wunderbar. Gibt es auch Aspekte an deinem Job, die du nicht so traumhaft findest?

Stefan: Nach 25 Jahren mit derselben Tätigkeit freue ich mich inzwischen darüber, wenn es auch mal längere Zeiträume gibt, in denen ich nicht nur auf der Autobahn und in Hotels zuhause bin. Mehrtägige Messen mag ich immer noch sehr gerne, aber für eine Abendveranstaltung 500 km unterwegs zu sein um dann später bis nach Mitternacht zu zeichnen, das macht mir nicht mehr den ganz großen Spaß.

Zudem war es immer schwierig zuhause an eigenen kreativen Projekten zu arbeiten, wenn diese immer wieder durch mehrtägige Reisen unterbrochen wurden. Es ist einer der wenigen positiven Aspekte dieses seltsamen Corona-Jahres, dass ich dafür mal wieder Zeit gefunden habe.

Stefan Wein: Beim Schnellzeichnen ist es wichtig, trotz Tempo Wesen und Charakter zu erfassen

»Beim Schnellzeichnen gibt es immer eine Gratwanderung zwischen dem Tempo, in dem ein Bild gezeichnet wird und der damit erreichbaren Qualität. Wie ähnlich sieht das Bild dem Original? Zeigt es wirklich sein Wesen? Es ist mir stets wichtiger, jemand treffend zu zeichnen – sein Wesen mit einzubringen – als dabei das maximale Tempo zu erreichen.

Gerade beim digitalen Zeichnen, bei dem man nicht so fein und genau den Stift ansetzen kann wie bei der klassischen Version mit Stift und Papier, ist es eine besondere Herausforderung den Charakter eines Menschen in einem schnell gezeichneten Bild darzustellen. Aber ich denke, dass das gerade meine Spezialität ist und dass meine Kunden das auch schätzen.«

Stefan Wein - Karikaturist di Vino

Stefan Wein – Karikaturist di Vino bei der Arbeit via Zoom

»Eine weitere Herausforderung ist es, Karikaturen so zu zeichnen, dass auch die Übertreibungen nicht verletzend sind und den Charakter der Person eher herausstellen als verändern. Eine gute Karikatur kann manchmal einen größeren Wiedererkennungswert haben, als ein Foto.«

Carola: Für jemanden, der auf Events live auftritt, war die Corona-Krise bestimmt ein gewaltiger Einschnitt.

Stefan: Das stimmt. Meine Frau und ich waren von Mitte Januar bis Mitte März in Irland, um eine kreative Auszeit zu nehmen. Als wir zurückkamen, fanden wir eine komplett veränderte Welt vor. Anfangs dachte ich, wie wohl so viele, dass sich alles in ein, zwei Monaten wieder normalisieren würde – doch diese Hoffnung wurde schnell enttäuscht.

So hatte ich seit März zwei nur zwei meiner üblichen Engagements, bei denen ich in einer Firma die Mitarbeiter zeichnete. Es war bald klar, dass es nötig war, neue Strategien zu entwickeln. Viele Menschen stellen zum Beispiel nicht so gerne Fotos von sich selbst ins Netz, auch nicht für die Website einer Firma.

Ich erstelle bereits seit Jahren für einige Firmen eine Art Firmengalerie: Das sind Bilder, die ich zuhause nach Fotos zeichne. Mir ist es zwar immer lieber, das „lebende Modell“ abzubilden, aber auch das Zeichnen nach Fotos hat Vorteile. Ich zeichne dann sehr viel ausführlicher und wenn ich eine gute Fotovorlage habe, sind diese Bilder auch zu fast hundert Prozent treffend. Die Bilder werden dann oft für die Websites der Firmen verwendet, für Mailanhänge oder Visitenkarten, was gerade in Zeiten des Datenschutzes seine Vorteile hat.

Ich biete also die Erstellung von Porträts an für Zwecke, bei denen Fotos nicht gewünscht sind oder eine Zeichnung sogar besser wirkt, weil sie einzigartig ist und im Gedächtnis bleibt.

Als weiteres Angebot biete ich nun auch meinen Auftritt auf Online-Events an: Ich sitze zuhause vor dem Tablet, das Modell kann ebenfalls zuhause sein – oder eben auch auf einem realen Event.

Das ist ein spannendes Highlight für die Event-Teilnehmenden, da ich vor einem Greenscreen zeichne. So kann ich einen virtuellen Hintergrund einbauen, das heißt: Die Zuseher können auf einem Bild das Entstehen der Zeichnung mitverfolgen, auf einem anderen sehen sie das Modell und auf einem dritten mich beim Zeichnen vor einem Hintergrund, der zum Beispiel einen Messestand zeigen kann oder auch eine Fantasieszene mit dem Logo der Firma, die mich engagiert hat.

Mich kann man auch für Einzelunterricht im Zeichnen buchen. Im Frühjahr gebe ich außerdem einen Workshop an der Volkshochschule in Osnabrück mit dem Thema „Erstellen von Porträts und Karikaturen am Tablet-PC“ – und nicht zuletzt bin ich auch wieder ins Programmieren eingestiegen und möchte das Erstellen künstlerischer Websites anbieten. Ich befasse mich intensiv mit dem Erlernen der Programmierung von Apps für Smartphones und habe auch schon konkrete Vorstellungen über deren Anwendung.

Carola: Du hast so viele spannende Ideen, und keine führt dich weg von deinem Traum. Das finde ich sehr beeindruckend und ich wünsche dir ganz viel Erfolg! Für lexoffice hast du ja auch bereits an diversen Veranstaltungen teilgenommen – was hast du dort gemacht und wie war das?

Stefan: lexoffice hat mich mehrfach für einen Messestand engagiert. Mal waren es Steuerberater-Veranstaltungen wie in München oder Berlin, mal Abendveranstaltungen. Ich habe mich dabei immer sehr wohl gefühlt und die herzliche und persönliche Atmosphäre genossen.

Jedes Mal freue ich mich, die Mitarbeiter wieder zu treffen und habe das Gefühl, dass auch die Stimmung in der Firma sehr familiär ist. Am Messestand haben ich visualisiert, wie viel Freizeit man hat, wenn man mit der lexoffice Software Zeit spart – die Kunden durften unter verschiedenen Freizeitmotiven wählen, von Radfahren über Bergsteigen bis zum gemütlichen Sitzen auf dem Sofa. Für mich sind es ideale Veranstaltungen, da es auch nicht den riesigen Ansturm wie auf großen Publikumsmessen gibt, mit zehn Personen in der Warteschlange und so Zeit bleibt, auch etwas über die Menschen zu erfahren.

Carola: Gibt es etwas, das du leider nie gefragt wirst, du aber gerne mal beantworten würdest?

Stefan: Vielleicht ist es die Frage, die ich mir manchmal selbst stelle: „Wie machen Sie das eigentlich, die Ähnlichkeit mit dem Modell so hinzubekommen?“
Ich müsste dann ehrlich antworten: Keine Ahnung – ich weiß es nicht!

Vielleicht liegt der Schlüssel aber in der Fähigkeit, die Essenz der mir gegenübersitzenden Person intuitiv wahrzunehmen: Einen Einblick in die Persönlichkeit zu haben.

Carola: Vielen Dank! Ich schicke unsere Lesenden noch schnell zu deinem Buch »Das Echo und der Bär« das ganz zauberhaft aussieht und aktuell kostenlos als Hörbuch auf Youtube abrufbar ist.

Viel Erfolg und bleib gesund!

Karikaturist di Vino in Aktion auf der DMEXCO

  • Foto: Stefan Wein: Karikaturist di Vino
Über den Autor
Carola Heine
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