It's a jungle out there - Resilienz als Einzelkämpfer

It’s a jungle out there – Resilienz als Einzelkämpfer

Einzel-Selbstständige, Freelancer und Freiberufler sind auf eine positive Ausstrahlung angewiesen - auch wenn das Hamsterrad sich gerade wie eine Achterbahn anfühlt.

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Ein authentischer und positiver Auftritt ist wichtig für Deinen langfristigen Erfolg: Nur wer mit sich und dem Job im Reinen ist, zieht die passende Kundschaft beinahe magisch an. Blöd ist nur, dass sich weder der nächste Schnupfen noch die anstehende Stressphase oder die fordernde Verwandtschaft danach richten werden, was für Dich gerade die beste Work-Life-Balance wäre.

Wie schnell unser Hamsterrad sich dreht, bestimmen wir selbst. Das klingt wie ein Kalenderspruch, ist inhaltlich völlig richtig und kann als Ansage trotzdem unendlich nerven, wenn Du über Deinen Stress reden möchtest und salbungsvoll darauf hingewiesen wirst, dass Du schließlich selbst schuld bist. Weil Du Deine Zeit ja selbst einteilst, ganz alleine und eigenverantwortlich, ätsch. Selbst schuld, wenn Du immer so gestresst bist!

Selbstständige wissen aber: Ganz so einfach ist es nicht, dem Burn-out zu entkommen, wenn die Stressfaktoren sich stapeln. Allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz kann man gar nicht alles planen und steuern, was passiert – sondern letzendlich oft nur damit umgehen, wie es passiert. Vor allem wenn Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden müssen, gilt der alte John-Lennon-Spruch:

Leben ist das, was Dir passiert, während Du noch andere Pläne machst.

Im aktuell stattfindenden digitalen Wandel werden wir alle täglich mit News bombardiert, neuen Apps ausgesetzt, durch technische Entwicklungen mit den eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert und parallel ständig zu jedem Anlass in wettbewerbsähnliche Situationen mit Events gescheucht. In dieser Aufzählung ist das Privatleben mit seinen Herausforderungen noch gar nicht dabei! Wenn Dir alles über den Kopf hinauszuwachsen droht, bist Du damit nicht alleine, es beschäftigt viele Menschen, wie sie resilienter und trotzdem erfolgreich sein können.

Der Duden definiert Resilienz als „psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“. Das Wort kommt vom lateinischen resilire = zurückspringen. Resilienz zu entwickeln wird je wichtiger, je schwieriger sich dies für Dich gestaltet.

Life is what happens to you while
you’re busy making other plans.

John Lennon, Beatle, Song Beautiful Boy auf dem Album "Double Fantasy"

Was Du für Deine Resilienz tun kannst

Viele kluge Menschen bieten Resilienz-Coachings an, es gibt Tausende von Publikationen zum Thema und Meditation soll auch ganz toll sein – Du bist aber bereits an dem Punkt angelangt, an dem Du morgens um Vier vom Durchzählen der Probleme aufwachst und möchtest am liebsten nur noch irgendwohin auswandern, wo Du zwei Jahre Winterschlaf am Strand halten kannst? Dann solltest Du jetzt vom Arbeitsplatz aufstehen, langsam noch ein großes Glas Wasser trinken und dann im nächsten Wald spazieren gehen, ohne das Smartphone anzuschauen.

Einen Gang zurückschalten und bewusst Prokrastinieren

Bevor Du nämlich gar nicht mehr kannst, solltest Du nicht mehr wollen. Mach langsam, mach Pausen, lies ein Buch und geh‘ spazieren. Nur mit solchem Seelenpuffer zwischendurch kannst Du in Hochstressphasen überhaupt noch vernünftig liefern. Einfach mal nach dem Aufwachen am Bettrand sitzen und eine Stunde vor Dich hin schauen? Perfekt. Denn du musst lernen, auf Deinen Körper zu hören und ihm solche Pausen immer wieder bewusst gewähren.

Resilienz aufbauen

  • Bewusst nicht einen, sondern drei Gänge zurückschalten
  • Die typischen Kunden aus der Hölle ziehen lassen
  • Outsourcen und professionell organisieren
  • Zieh‘ Dein Netzwerk wärmend um Dich zusammen

Die typischen Kunden aus der Hölle ziehen lassen

Wir alle kennen sie: Die Choleriker, die Gutsherren, die Micromanager und die fiesen Stichler, die sich an Provokationen erfreuen. Hin und wieder begegnet man ihnen in Projekten, das gehört leider dazu. Aber jetzt sind sie in Deinem Leben fehl am Platz. Du hast genug zu tun, sonst wärest Du nicht so unter Druck. Gönn‘ Dir was, räum‘ unter den Bestandskunden auf und verabschiede Dich von denen, bei denen bereits eintrudelnde Mails Dir die Laune vergällen können, noch bevor Du diese Nachrichten geöffnet hast. Du weißt wen Du loswerden musst, Du weißt es schon lange. Jetzt ist der Moment da.

Outsourcen und professionell organisieren

Ebenfalls von gestern sind alle manuellen Hilfsmittel, mit denen Du Dich darum herumgedrückt hast, professionellere Lösungen zu nutzen. Buch‘ endlich den Telefonservice, mach Dich auf die Suche nach Unterstützung und lagere Aufgaben aus. Gib der ollen Excel-Tabelle den Todesstoß und schreib Deine Rechnungen endlich mit einem Programm, das selbst rechnet und Dich darauf hinweist, wann Du mahnen solltest. Hol Dir lexoffice und schick Deinen Steuerberater zur Beratung in den Steuerberaterzugang. Schnell, wartungsfrei und zeitsparend: Du brauchst jetzt Lösungen, die Dir den Rücken freihalten.

Networking – aber richtig und nicht profitorientiert

Die Menschen, die Dich stets mit dem Rücken an die Wand belehren können, weil sie so unendlich viel professioneller sind als Du, sind in hyperstressigen Phasen noch nerviger als sowieso schon. Du solltest Dein echtes Netzwerk wärmend um Dich herumziehen. Nicht diejenigen, die Du nützlich findest oder die von Dir profitieren wollen. Sondern die Menschen, die Dir ihr Ohr leihen und Hilfe anbieten, bei denen Du zum entspannten Coworking vorbeikommen kannst und die nicht böse sind, wenn Du nur alle paar Monate Zeit für ein Treffen hast oder um Mitternacht noch ein paar WhatsApp Messages schickst. Auch bei denen weißt Du, wer sie sind.

Wellness von Schokolade bis Urlaub stählt für Stressphasen

Um nicht im Stress-Strudel zu versinken, gehörst Du als wichtigster Punkt auf Deine Agenda. Massagen, Sauna, Treffen mit Freunden, gutes Essen, Sport und Meditation … was immer Du Dir Gutes tun kannst, in jeder Woche muss sich diese Zeit für Dich und Deine Lieben finden. Alles Gute!

Wir freuen uns auf Eure Comments: Wie stoppst Du Dein Hamsterrad?

  • © mooshny – stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

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  1. Axel Hoffmann | 19.10.2018 | 09:25

    Danke für den guten Text. Er ist auch für angestellt brennende Menschen wichtig.

  2. Annette Lindstädt | 19.10.2018 | 09:25

    Sehr viel Kluges in diesem Text! Was mir zusätzlich noch hilft: den Perfektionsanspruch in die Tonme treten und öfter mal laut:“Einen Sch*** muss ich!“ sagen (und es dann auch durchziehen).

  3. Michaela Benyr | 19.10.2018 | 11:40

    Sehr treffend und so wahr! Danke! Arbeite auch in einem Bereich wo das ein wichtiger Punkt ist.

  4. Christina Brombach | 19.10.2018 | 12:00

    Spricht mir aus der Seele, vielen Dank.

  5. Ray Rosdale | 19.10.2018 | 13:15

    Danke für den Text. Kann ich nur bestätigen. Und ja, Verschieberitis ist nicht immer schlecht. Manche Dinge lösen sich von selbst. 😉

  6. Daniela Dreuth | 22.10.2018 | 11:02

    Oh ja. Sich selbst beim Festlegen der Prioritäten nicht zu vergessen, ist viel schwerer, als es klingt. Und stimmt: Wahrscheinlich hat jede/r mindestens einen Bestandskunden, der tierisch nervt und der deutlich mehr Arbeit macht, als angemssen ist und sich im Kontostand widerspiegelt.