Website: Was macht die Selbständigkeit mit mir?

Die eigene Website: Was macht die Selbständigkeit mit mir?

Das Eigenheim im WWW: Zum #lebensgefühl_selbständig gehört als Basis aller Sichtbarkeit die eigene Internetpräsenz. Oder doch nicht?

Lesezeichen setzen

Gleich eine deiner ersten Anschaffungen als selbständige:r Unternehmer:in ist ein schrebergartengroßes schlechtes Gewissen: Erst sagen alle, dass du eine Internetpräsenz brauchst – und wenn du dir eine erstellt hast und sie dir nahezu perfekt erscheint, dann geht der Spaß erst richtig los. Denn was Angestellte naturgemäß eher nicht so kratzt, ist für dich als Betreiber:in die Erkenntnis: Die eigene Website wird niemals fertig.

Mach mit bei unserer Blogparade #lebensgefühl_selbständig

Dieser Beitrag gehört zur Serie „Was die Selbstständigkeit mit uns macht“.
Im Rahmen unserer Blogparade freuen wir uns auf deine Sicht der Dinge.
Alle Infos findet du hier

https://www.lexoffice.de/blog/blogparade-selbstaendigkeit/

Unabhängigkeit und die Achse der Sichtbarkeit online:
Die eigene Website

Die eigene Website, das ist ein Mix aus Webspace und Domain, gemeinsam angemietet beim „Provider“ deiner Wahl. Zusammen ergeben sie eine mit jedem Internetzugang mit dem Browser aufrufbare Adresse. Was sich darunter dann findet, entscheidest nur du.

Eine Internetpräsenz ist die eine Plattform, die du selbst und alleine kontrollierst. Während du bei Facebook, LinkedIn, TikTok, Instagram oder Pinterest vom Algorithmus der Anbietenden abhängig bist, gesperrt oder weniger sichtbar gemacht werden kannst, kann dir deine eigene Website niemand nehmen.

Ob du eine Web-Visitenkarte, eine Site mit Blog oder eine Firmen-Website betreibst oder „nur“ ein Blog-Magazin: Es ist sehr bezahlbar, eine eigene Domain mit passender Mail-Adresse zu besitzen und selbst eine Präsenz im WWW zu haben.

Damit gefunden zu werden ist wesentlich aufwändiger.

Niemand schaut von selbst auf deine Seite, jedenfalls meistens

Als Angestellte:r einer Firma, die wahrscheinlich ebenfalls einen virtuellen Hauptwohnsitz hat, kennst du eventuell das Phänomen: Niemand stöbert online nach dem Motto „oh, jetzt schaue ich mir aber mal in Ruhe irgendwelche Internetseiten an!“

Auf eine Firmen-Website kommen nur Menschen, die eine Frage haben oder eine Lösung bzw. ein Produkt suchen – oder über einen Social Media Post darauf aufmerksam gemacht worden sind, dass eine Information interessant für sie sein könnte.

Als Selbständige:r ist es leider deinen eigene Seite, die erst mal niemanden interessiert, bis du ordentlich Wirbel gemacht und die Werbetrommel dafür geschlagen hast.

Heute muss deine eigene Website auf einem kleinen Mobilgerät so gut aussehen und so lesbar sein wie auf einem großen Computer-Monitor. Viele fünf bis zehn Jahre alte Sites könnte man also auch einfach wegwerfen, nur dass das natürlich niemand tut. Deshalb ist die Seite auch niemals fertig, denn das Internet ist niemals fertig.

Mit einer eigenen Website bist du Mitglied im größten nicht geheimen Geheimclub der Welt. Das unauffällige Erkennungsmerkmal der Mitglieder unter sich: Sobald das Thema Internetseite oder Blog aufkommt, stöhnen alle:

“ … ich müsste längst mal wieder …“

Eigene Website erstellen (lassen) oder Web-Baukasten nutzen?

Die meisten Selbständigen betreiben heute ihre Site mit der Open Source Software WordPress. Deshalb solltest du beim Anmieten darauf achten, dass dein Webspace diese ausführen kann, sprich: Über ausreichend Platz und mindestens eine Datenbank verfügt.

Viele Webspace-Provider bieten gleich die passenden Pakete an, einige sogar mit einem vorinstallierten WordPress oder dem Angebot, es auf den Webspace zu packen.

Wer WordPress einsetzt, muss entweder lernen damit umzugehen oder jemanden dafür bezahlen. Weil rund 450 Millionen Websites weltweit „WP“ nutzen, gibt es zahlreiche Erweiterungen/Plugins, Anleitungen, Designs/Templates und Webprogrammierer, die sich damit auskennen.

Es gibt aber auch ebenso große Sicherheitsrisiken, wenn die Software und die Plugins nicht auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Alternativen zu WordPress

Alternativen zu WordPress teilen sich sauber in zwei Lager auf: Professionelle fortgeschrittene Software wie ExpressionEngine oder Serendipity und andere Systeme, die flexibel und modular sind und viele Möglichkeiten bieten.

Oder Baukastensysteme, die es auch ohne technische Vorkenntnisse ermöglichen, sich eine eigene Website „zusammenzuklicken“, wie Squarespace oder Wix oder Jimdo. Baukästen-Sites werden höufig nicht so gut in Google gefunden, weil sie sich nicht so bis ins Detail optimieren lassen (du solltest deshalb immer ein Google my Business Profil ergänzen).

*

Welche Lösung die richtige ist …

Welches virtuelle Eigenheim zu dir passt, kommt auf deine Branche an. Ob du einen Shop ergänzen willst, die größte Sichtbarkeit über Google oder über Social Media erzielen wirst, ob deine eigene Website nur ein Anker deiner Präsenz ist oder der Dreh- und Angelpunkt für deinen Umsatz – aber auch, ob du selbst daran arbeiten kannst und wie häufig du auf Erweiterungen von anderen setzen willst.

Brauchst du denn um jeden Preis eine eigene Website?

Wenn es so aufwändig ist, eine gute Seite zu erstellen und zu warten, brauchst du dann überhaupt eine? Wie bei der Wahl der Software kommt es auf deine Ziele an und darauf, wo du in deinem Business stehst.

Es macht vieles einfacher, mit einem Klick auffindbar zu sein. Eine gute Anschrift in die Mail-Signatur setzen zu können. Antworten auf Fragen gebündelt bereit zu stellen. Die wesentlichen Fakten über dein Geschäftsmodell wohlüberlegt zu präsentieren und einfach verlinken zu können. Angebote online bereitzustellen, Interessenten zurück auf deine eigene Adresse im WWW zu leiten.

Dann ist da noch die Mail-Adresse, die mit einer Domain einhergeht. Mindestens eine, meistens Dutzende für viele Zwecke.

Während bei Angestellten niemand zuckt, wenn sie in ihren eigenen (nicht den beruflichen) Angelegenheiten mit einer Mail-Adresse wie kuschelguru45@gmx.de oder susi.ben.familie@web.de unterwegs sind, wäre das für dich als selbständige:r Unternehmer:in gleich doppelt peinlich: Zu privat und albern, und keine eigene Mail-Domain.

Denn Unternehmer:innen sind, zumindest was ihren Außenauftritt angeht, immer „im Dienst“. Da eine Domain für einen Zehner im Jahr zu haben ist, wäre es auch gar nicht so schlau, die Kuschelguru- oder Sammelbecken-Adressen zu nutzen.

Stress oder Spaß? Nutzen und damit Spaß überwiegen

Angestellte werden nie eine eigene Website für ihren Beruf brauchen.
Du wahrscheinlich schon.

Es ist aufwändig und erfordert konzeptionelles Denken, eine zu dir passende Website zu bauen. Aber du musst weder das Rad neu erfinden noch dafür einige Monate in Klausur gehen. Erstens kannst du für jede Aufgabe auch jemanden beauftragen. Zweitens gibt es gute und sehr bezahlbare WordPress-Templates, die eine tragfähige Abkürzung darstellen.

Such‘ dir ein Template aus, an dem du möglichst gar nichts ändern willst. Teste es auf dem Mobilgerät deiner Wahl und wenn du zufrieden bist, ist dein neues Eigenheim nur noch ein paar Stunden Installationsaufwand entfernt.

Serie: Was macht die Selbständigkeit mit mir

START | Abenteuer | Achtsamkeit | Blogparade | Dienstleistung | Eigensinn | Flow | Kompetenz | Mindset | Perfektionismus | SOS | Urlaub | Verhandlungsgeschick | Website | Zeitmanagement

FAQ

Was ist eine Website?

Eine Website ist die Verbindung von einer Domain – einer Internet-Adresse – mit Webspace (Platz auf einem Webserver). Im Normalfall wird sie heute in Kombination mit den dazugehörenden Mail-Adressen und einer Software wie einem Blog oder Redaktionssystem genutzt.

Brauchen Selbständige immer eine eigene Website?

Nein. Es gibt zahlreiche Unternehmer:innen vor allem im Dienstleistungsbereich, die mit einer Facebook Fanpage oder einem LinkedIn Profil auch klarkommen. Aber diese Vorgehensweise hat Nachteile und macht abhängig. Eine Website ist die Plattform, die du selbst kontrollierst.

Was kostet eine Website?

Das kommt darauf an, was sie können soll. Eine Visitenkartenseite mit nur Kontaktdaten kann 20 Euro im Jahr kosten, eine voll funktionsfähige Seite mit Shop und Extras locker 50.000 Euro oder mehr. Es kommt auf die Inhalte und deren Aufbereitung an, die Technik, ob selbst programmiert werden muss und so weiter.

Auf jeden Fall solltest du, wenn du eine in Auftrag geben willst, grundsätzlich immer ein Pflichtenheft-Anforderungsprofil erstellen und dir mindestens zwei oder drei Angebote einholen.

  • Foto: Adobe Stock Jose Carlos Ichiro/Westend61
Über die Autorin
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

Beitrag kommentieren