Der Mythos rund ums Bauchgefühl

Der Mythos rund ums Bauchgefühl

In Unternehmer*innenkreisen ist man sich oft einig: Die eigene Intuition ist der einzig wahre Ratgeber. Ein Trugschluss, der gefährlich werden kann.

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Bauchgefühl ist das, worauf man sich verlassen kann. Jede und jeder hat es schon erlebt, aus gefühlten Vernunftgründen gegen die eigene Intuition zu entscheiden und es bitter zu bereuen. Trotzdem gibt es Entscheidungen, bei denen es sich fatal auswirken kann, einzig und allein auf das innere Gespür zu hören.

Wer gründet, durchquert unbekanntes Gebiet. Jeder Kontakt mit potenzieller Kundschaft, jede Marketingaktivität, jede Investition basiert auf unvollständigen Informationen und fehlenden Erfahrungen. Über eines sind sich viele Selbständige einig, wenn sie über herausfordernde Situationen sprechen:

Ohne Bauchgefühl geht gar nichts.

Es ist richtig, dass die eigene Intuition ein wirklich guter Ratgeber ist. Vor allem im Bereich zwischenmenschlicher Kontakte bewährt es sich nur äußerst selten, gegen ein inneres Widerstreben an eine Zusammenarbeit einzugehen. Aber mal unabhängig vom Beschnuppern und der instinktiven Reaktion auf jemanden, bei der man natürlich auch falsch liegen kann:

Bauchgefühl sollte bei Investitionen nicht den Ausschlag geben.

So sehr und innig man sich auch in eine schicke neue Geschäftsidee verlieben kann:

Einzig und alleine die Erfolgsaussichten auf dem Markt sollten darüber entscheiden, welche Entscheidungen rund um Produktentwicklung und Marketingaktivitäten von dir getroffen werden. Anders ausgedrückt: Wenn es etwas zu überlegen und zu entscheiden gibt, muss die konkrete Nachfrage zur Antwort führen, nicht das eigene Wunschdenken.

Marktforschung, Konkurrenzanalyse, Beratung durch Experten und Umfragen helfen dir dabei, deine Idee auf Praxistauglichkeit zu prüfen.

Bevor du aber so tief einsteigst, helfen dir ein paar grundsätzliche Überlegungen schon dabei, das Bauchgefühl vom Wunschdenken zu trennen und die Geschäftsidee einer Prüfung zu unterziehen.

Fakten contra Bauchgefühl - der Reality-Check in Form von unseren 5 Fragen

1. Willst du ein Feature anbieten – oder eine Lösung?
Der Ideenfriedhof des Internets liegt voll mit coolen Funktionen, die am Ende niemand so losgelöst von allen anderen Überlegungen haben wollte. Daher lautet die erste und wichtigste Frage, welchen konkreten Nutzen bzw. welche greifbare Problemlösung deine Idee bietet und ob viele Menschen diese benötigen werden.

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2. Werden die Menschen für deine Idee oder dein Produkt bezahlen wollen?
Eine Marktforschungsfrage, aber du kannst es dir einfacher machen: Antworte dir selbst gegenüber ehrlich auf die Frage, ob du den angedachten Preis für das bezahlen würdest, was deine Kunden zahlen müssen, damit die Idee aufgeht. Du zögerst? Dann rede es dir auch nicht schön.

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3. Die Schmerzfrage: Lässt sich dein Angebot skalieren und ist es flexibel?
Wenn ein neues Angebot eine potenzielle Existenzgrundlage darstellen soll, muss es sich erweitern und anpassen lassen, im Idealfall auf andere Märkte ausweiten lassen. Wenn die Idee nicht skalierbar ist, solltest du überlegen, ob sie deine Mühe lohnt oder eher ein Hobby wird.

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4. Kann jeder umsetzen, was du planst – und ist das eventuell bereits passiert?
Wenn die Schwelle niedrig liegt und deine Idee mühelos kopiert werden kann, besteht immer die Gefahr, dass jemand mit mehr Budget das auch tut. Erst solltest du aber prüfen, ob das schon geschehen ist. Dann, warum es noch nicht passiert ist: Hier hilft wieder solide Marktforschung. So bekommst du ein Gefühl dafür, ob der Einstieg sich lohnt.

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5. Passt deine Wunschvorstellung überhaupt und kann sie langfristig tragen?
Viele scheinbar spannende Ideen entstehen durch eine Mode, einen Trend oder sogar eine Meme. Was nach sehr viel Potenzial aussehen kann, ist so schnell wieder vom digitalen Winde verweht wie es gekommen ist. Frag dich, wie es in einem Jahr um diese Idee stehen wird und wie in fünf.

Intuition ist und bleibt eines der wichtigsten Werkzeuge für Unternehmer*innen

Wenn du angesichts unserer fünf Fragen ein leichtes Bauchgrummeln bekommen hast, musst du deine Geschäftsidee nicht gleich entsorgen. Jede unternehmerische Tätigkeit birgt immer ein Risiko, keine noch so sorgfältige Planung schützt vor einer Corona-Krise oder anderen Schwankungen oder Einflüssen.

Um herauszufinden, ob Bedarf an deiner Idee besteht und statt Marktforschung kannst du jederzeit auch eine Crowdfunding-Kampagne starten.

Zugegeben, es ist eine Menge Marketingeinsatz und PR-Arbeit nötig, um aus einer Crowdfunding-Idee eine rundum erfolgreiche Kampagne zu machen. Doch Crowdfunding hat den unschlagbaren Vorteil, dass du das finanzielle Risiko für die Umsetzung deiner Idee nicht selbst tragen musst und hautnah erlebst, wie die Nachfrage in der Realität aussieht.

Crowdfunding in Kombination mit Marktforschung und einem Testlauf machen aus deinem guten Bauchgefühl eine tragfähige Entscheidungsgrundlage. Viel Erfolg und erzähl‘ uns gerne von deinen Bauchgefühl-Entscheidungen!

  • Foto: Adobe.com Stock ra 2Studio
Über die Autorin
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

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