Silver Linings auf der TEDx Freiburg: Till Hasbach

Silver Linings auf der TEDx Freiburg: Till Hasbach

Der Spiele-Entwickler und Gründer von Playful Business wünscht sich Spielplätze für Erwachsene und auch sonst eine innovativere Unternehmenskultur

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Am Samstag ist es soweit: Die TEDxFreiburg Konferenz findet am 7. Mai im Konzerthaus Freiburg statt, das Event wird aber auch im Live-Stream online laufen, und zwar unter dem Motto „Silver Linings“:

„Silver Lining steht für etwas Positives, das aus einer unangenehmen, anstrengenden oder negativen Situation entstehen kann. Was könnte in Zeiten globaler Pandemie, post-faktischer Gesellschaft und dem Aufstieg von Rechtspopulismus relevanter sein?“

Du hast noch kein Ticket? Auf der Website der TEDx Freiburg Konferenz kannst du es kaufen: https://www.tedxfreiburg.com!

Till Hasbach

Playful Business Consultant
https://playfulbusiness.de/

„Mein Name ist Till Hasbach. Ich bin der Entwickler vom Innovationsmoonshot und habe darum herum ein kleines Unternehmen gegründet. Mein Start-up heißt Playful Business.

Ich spiele beruflich, weil ich gemerkt habe, das dem Spielen ein unfassbares Potenzial mit sich bringt und man eine gute Dynamik entwickeln kann spielend. Gerade im Bereich Innovation, Kreativität und Förderung solcher Aspekte sind Kinder einfach viel kreativer als viele Erwachsene und ich habe häufig gehört: Ich bin nicht kreativ, Spielen ist doof, ich kann damit nichts anfangen. Das ist die eine Seite.

Und die andere Seite ist, dass wir aktuell auf dem niedrigsten Innovationsstand sind und klar ist, dass wir da eine riesige Lücke haben. Ich spiele einfach wahnsinnig gerne selber. Aber ich sah das dann auch als ein Werkzeug, das diese Innovationslücke schließen kann, oder mit dem wir spannende Impulse setzen können.“

„Ich will die Kreativität der Menschen hervorlocken“

Carola Heine: Lieber Till, in deinem Intro-Text habe ich kein einziges Mal das Wort Gamification gelesen. Machst du also etwas ganz anderes?

Till Hasbach: Schön, dass du das fragst. Gamification hat häufig zum Ziel, Menschen dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie nicht machen würden oder die sie auch nicht machen wollen würden, wenn sie nicht irgendwie spielerisch angeleitet worden würden. Sie sammeln dann zum Beispiel Punkte und das ist das Spiel daran.

Mein Ziel ist ein anderes: Ich will die Kreativität der Menschen spielerisch herauskitzeln, sie tatsächlich motivieren dadurch. Das ist dann nicht nur komplexer, sondern auch viel spannender als ein Highscore oder das einfache Punktesammeln, das wir häufig von Gamification kennen.

Carola Heine: Spielen nicht als Methode des Lenkens, sondern der Innovation. Wie bist du auf dieses Thema für dich gestoßen?

Till Hasbach: Da war ich noch an der Universität. Ich habe in Berlin an der UdK Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert und da ging’s in einem Seminar um das Thema Projektion auf das Neue. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen: Sehr akademisch, es heißt aber letztendlich, den spielerischen Blick auf das Neue zu richten.

Wie kann man nun das Neue spielerisch herauskitzeln? So entstand der erste Prototyp unseres Innovationsspiels: Moonshot, mit dem man die teilnehmenden Menschen dazu bringt, spielerisch Neues zu erzeugen und zu sehen: Das ist mehr als Design Thinking. Design Thinking führt ja nicht automatisch zur Innovation.

Carola Heine: Kannst du uns ein praktisches Beispiel nennen?

Till Hasbach: Gerne. Moonshot wird mittlerweile in acht unterschiedlichen Unternehmen eingesetzt, unter anderem bei der Deutschen Telekom Stiftung in der Accenture Beratung. Da geht es konkret darum, Produkte und Prototypen zu testen.

Oder ein Elektronikhersteller, der mit uns Prototypen testet. Wenn neue Platinen entwickelt werden, oder neue Services, dann werden diese zunächst geprüft, dem Feedback der anderen ausgesetzt. Am Ende stellen sich in dieser wild-kreativen Runde alle den unterschiedlichsten Challenges und plötzlich muss ich als Spieler die sieben Todsünden einbinden oder ich muss das Ganze mit Fähigkeiten der Natur kombinieren.

Mit diesen sehr herausfordernden Aufgaben kommen neue Perspektiven auf mein Produkt heraus und man sieht auch Fehler oder die Dinge, die, die bisher nicht so funktioniert haben. Das heißt, dort bei diesem Hersteller wird Moonshot wirklich als „Pressure Testing Tool“ eingesetzt.

Carola Heine: Wie testet man denn Platinen mit einem Spiel?

Till Hasbach: Vielleicht baut man sie einfach mal aus Knete nach, ordnet dieser Platine bestimmte Eigenschaften zu – und unterschiedliche Teilnehmende in diesem Spiel werfen sie ins Spiel, lösen Aufgaben rund um die Platine.

Nämlich zum Beispiel Welche der sieben Todsünden kann ich einsetzen, damit diese Platine sich besser verkauft? Dann habe ich 30 oder 60 Sekunden, um die anderen Menschen am Spieltisch davon zu überzeugen, wie ich Völlerei oder Gier einsetzen kann, um diese Platine besser auf den Markt zu bringen. Und das ist natürlich erst mal absurd.

Carola Heine: Es ist absurd, aber es eröffnet natürlich auch ganz neue Gedankengänge, ganz neue Ideen. Es schafft Platz für ganz viele Sachen, für die vorher keiner da war. Sind das auch die Geschichten, die du uns mit auf die TEDx bringen wirst?

Till Hasbach: Das auch, aber die Menschen auf der TEDx sollen mit mir auch interaktiv Ideen entwickeln.

Das heißt, ich werde auf der einen Seite erzählen, was bisher gemacht wurde: Wie man eigentlich Spiele einsetzen kann in Organisationen – aber auf der anderen Seite geht es wirklich darum, selbst herumzuspielen, den Spielraum zu eröffnen und Gedanken zu Bildern werden zu lassen.

Das ist ein ganz großer Aspekt, den man im Spiel erzeugen kann, nämlich; ich traue mich mal was, ich bin mutig. Deshalb ist der Titel der TEDx auch It’s just a game oder es ist nur ein Spiel. Im Spiel ist es ja nicht so schlimm zu scheitern. Und im Spiel ist es auch nicht schlimm, mal was Sinnloses zu sagen, sondern das inspiriert ja auch andere. Und scheitern kann ich nicht. Und deshalb macht das Ganze mir Spaß und fördert mich dann auch kreativ – fordert mich aber auch kreativ heraus.

Carola Heine: Spiel als Mitmach-Experiment und Testraum für Ideen.

Till Hasbach: Genau, und gleichzeitig fordert das Spiel dann alle Teilnehmenden sehr, sehr stark heraus, kreativ weiterzudenken und neue Assoziationen zu erzeugen.

Auf der TEDx kann dann hauptsächlich das Publikum vor Ort eingebunden werden, ehrlicherweise. Wir werden Menschen auf der Bühne haben, die dann live wirklich zufällig generierte Begriffe zu neuen Geschäftsmodellen entwickeln sollen, müssen die dann in kürzester Zeit anpassen.

Und das Publikum hat aber selber auch Möglichkeiten, etwas selbst beizutragen. Es geht darum, die Leute auch Interaktion zu erzeugen, weil wenn man mal guckt, das Spiel ist ja das interaktive Medium schlechthin. Nichts anderes ist so interaktiv wie ein Spiel und das wollen wir dann auch letztendlich nutzen beim Vortrag bei TEDx.

Die TEDx in Freiburg findet vor Ort und parallel online statt:

„Klar gab es schon einfachere Zeiten mit mehr Planungssicherheit und weniger Hindernissen. Dennoch macht keine einzige der Herausforderungen dieser Welt eine Pause, bloß weil wir hier bestimmten Widrigkeiten ausgesetzt sind. Um persönlich und als Gesellschaft weiter zu kommen, ist es immer eine gute Idee, sich mit visionären Ideen und positivem Wandel zu beschäftigen. Darum machen wir das auch weiterhin.“

Gunter Grimm aus dem TEDx Team zum Motto der TEDx Konferenz: Silver Linings

Carola Heine: Was wünscht du dir? Was sollen die Menschen sich als Erkenntnis mitnehmen aus deinem Vortrag?

Till Hasbach: Das ideale Ergebnis wäre für, wenn die Leute rausgehen und sagen: Ich habe jetzt ganz viele Ideen gewonnen, wo ich bei mir im Alltag, in meinem Büro, in meiner Arbeit, bei mir in der Uni, das Spielen einsetzen kann als Methode.

Dass ich Menschen dazu inspiriere, selbst spielerische – nicht Gamification, sondern wirklich spielerische Methoden – und eigene serious Games zu entwickeln oder anzupassen und diese dann bei sich zu nutzen und damit andere zu inspirieren.

Es ist nur ein Spiel und deshalb ist mehr möglich. Ich muss nur dann die Ergebnisse dieses Spiels ernst nehmen und mir den Nutzen herausziehen. Am Ende geht es darum, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Aber trotzdem das Spiel als Methode wieder neu wahrzunehmen und das Spiel als Methode ernst zu nehmen. Das wäre mein großer Wunsch für das, was die Menschen auf der TEDx mit mir erleben.

Carola Heine: Du hast so viel Begeisterung in dir, wenn du von deinen Themen sprichst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du das genauso schaffen wirst.

Gibt es noch irgendwas, was du gerne erzählen würdest, was ich jetzt nicht gefragt habe?

Till Hasbach: Vielleicht noch einen Aspewkt, da geht es auch ums Scheitern, aber vor allem um das Thema Mutkultur. Du hattest nach Anwendugsszenarien gefragt. Stell dir mal vor, man spielt seine eigene Organisation nach. Ich forsche nach:

Was sind Treiber und Bremser von Innovationsprozessen? Oder ganz konkret gefragt: Was macht mich kreativ auf der Arbeit und was blockiert mich? Blockiert es mich vielleicht, dass ich meine Chefin oder meinen Chef bei jeder Email in CC setzen muss? Oder auch: ?n welchem Raum bin ich am kreativsten? Diesen Raum, den baue ich mir danach als Spielkarte.

Das heißt, ich mache mir meine eigene Organisation als Spiel und kann plötzlich über Dinge reden, über die ich vorher nicht reden konnte. Zum Beispiel: Warum haben wir so eine schlechte Feedback Kultur? Das traue ich mich sonst nicht anzusprechen. Aber hier mache ich dann einfach eine Karte. „Feedback War“ – in dieser Karte gibt es eine Dynamik, dass alle sich gegenseitig in 30 Sekunden Feedback zu dem aktuellen Status einer Idee geben müssen. Dann kann ich darüber reden: Wie wollen wir uns eigentlich Feedback geben? Tun wir das vielleicht nicht gut genug oder nicht häufig genug?

Das heißt, ich erschaffe im Prinzip ein Abbild der Organisation, die aber im spielerischen Raum ist. Und deshalb kann ich über die Organisation und alles, was noch nicht gut genug ist plötzlich reden. So erzeuge ich eine Kultur voller Mut, eine Mutkultur, in der ich mich traue, Dinge zu tun, vor denen ich sonst zurückgeschreckt hätte.

Carola Heine: Das setzt natürlich voraus, dass Entscheider:innen und Führungskräfte das wollen. Sie müssen auch mutige Menschen sein, wenn sie das zulassen, sich so weit zu öffnen. Das ist eher nichts für MicroManager alter Schule.

Till Hasbach: Du hast absolut recht. Genau. Da braucht es Leute, die dann erstmal bereit sind, der Wissenschaft zuzuhören. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen – und das kann man ja wirklich jedem erklären – dass Menschen mit Spaß an der Arbeit produktiver sind.

Dass sie effektiver sind, dass diese Menschen bessere Ideen haben. Es ist auch erwiesen, dass Spiele dabei helfen, schwierige Probleme anzusprechen. Das heißt, im Prinzip muss man eigentlich nur diesen Studien letztendlich glauben und sagen: „Ich wage mich jetzt mal nach vorne, ich gehe jetzt mal den Schritt und sage: Wir spielen jetzt mal ein ernsthaftes Spiel, aber ohne dass einem hier der Kopf abgeschlagen wird. Wir nutzen das jetzt mal ernsthaft.“

Dafür braucht es Entscheider, die dieses Potenzial auch sehen. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen.

Carola Heine: Dein Vortrag wird bestimmt für einige ein Augenöffner sein. Viele Zeit für deine Geduld, bis Samstag auf der TEDx und bitte bleib ein Spielkind!

Silver Linings 2022

Silver Linings ist das Motto von TEDxFreiburg 2022

In je maximal 18 Minuten werden die Speakerinnen und Speaker darlegen, was ihr persönliches Silver Lining ist: etwas Positives, das aus einer unangenehmen, anstrengenden oder negativen Situation entstehen kann.

Was könnte in Zeiten globaler Pandemie, post-faktischer Gesellschaft und dem Aufstieg von Rechtspopulismus relevanter sein? Also lasst uns den Silberstreifen am Horizont nicht aus den Augen verlieren – gemeinsam, am 07. Mai 2022. Mehr Infos, Vorstellungen der anderen Speaker und zur Anmeldung:

https://www.tedxfreiburg.com

Das sagt das TEDx Orga-Team zu der Entscheidung, das Event im Hybrid-Format abzuhalten

„Als neues Mitglied im TEDxFreiburg Team kenne ich nur diese Form der hybriden Teamarbeit und ich finds super. Obwohl wir ein eher lokales Event realisieren, sitzt das Team in ganz Deutschland verteilt. Natürlich hat jeder einen Bezug zu Freiburg, aber es ist nicht nötig immer vor Ort zu sein. Und das schöne ist, dass am 07. Mai alle im Konzerthaus zusammen kommen, um das Ergebnis der eigenen Arbeit mitzuerleben.“ – Maren Voelkel

„Nur durch die hybride Arbeit im Team ist es möglich die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Mit Teammitgliedern aus Berlin oder wenn gerade jemand auf (Geschäfts-) Reisen ist, bricht die Kommunikation nicht ab und niemand ist ausgeschlossen. Hybrides Arbeites ist definitiv ein Produktivitätsgewinn. In den doch eher turbulenten und teilweise sehr schwierigen Zeiten ist es umso mehr unsere Pflicht „Ideas worth spreading“ und „Silver Linings“ zu präsentieren und den Leuten Hoffnungen, Inspirationen und Motivation zu geben.“ – Robin Gerber

„Wir wissen inzwischen, dass Hybride Formate da sind, um zu bleiben. Das ist auch gut und bietet tolle Chancen. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass Beziehungen zu Partnern, Gespräche mit Gästen und Proben mit Speaker:innen intensiver sind, wenn auch Austausch in Präsenz stattfindet. Darum freue ich mich besonders, dass wir uns am 07. Mai physisch treffen können, und zwar durchdacht und so sicher wie möglich.“ – Gunter Grimm

Wir freuen uns darauf, möglichst viele von euch am Samstag online oder offine zu treffen!

Tickets und weiterführende Informationen über die vielen Speaker:innen findet Ihr auf der TEDx Freiburg Website:
https://www.tedxfreiburg.com

  • Foto: Till Hasbach, LinkedIn
Über die Autorin
Carola Heine
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