Kaizen

Kaizen – Philosophie aus Japan als Verbesserungsmethode für Unternehmen

Was ist Kaizen?

Kaizen ist eine Methode, die in Japan als Lebens- und Arbeitsphilosophie zum Einsatz kommt. Nun wird sie zunehmend als Verbesserungsprozess auch von westlichen Unternehmen eingesetzt. Dabei geht es darum, Arbeitsabläufe und Prozesse zu optimieren, um langfristigen Erfolg ohne großen finanziellen Aufwand zu erreichen.

1 Kaizen-Philosophie

Das japanische Wort Kaizen bedeutet übersetzt die Chance zum Besseren hin (Kai = Veränderung, Zen = gut, zum Besseren). Es bezeichnet für sich allein nur die Verbesserung, d.h., dass der gegenwärtige Zustand als solcher akzeptiert und nach einer Analyse modifiziert fortgeschrieben wird. Mit Kaizen wird das Streben nach ständiger, systematischer und schrittweiser Verbesserung zum Ausdruck gebracht. Die Anwendung des Kaizen hat sich in Europa unter der Bezeichnung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) durchgesetzt.

Kaizen ist ein humanorientierter Ansatz – er hat die Förderung der Motivation der Mitarbeiter und ihre Identifikation mit den Arbeitsinhalten durch ihre Einbindung in die Gestaltung der Prozesse zur Zielsetzung. Im Unternehmensbereich stellt Kaizen ein bedeutendes Managementkonzept dar, das das ständige Streben nach Qualitätssicherung und -verbesserung zum Inhalt hat. Kaizen ist eine permanente, nicht endende Folge von kleinen Verbesserungen aller betrieblichen Elemente unter Einbeziehung aller Mitarbeiter, Führungskräfte und der Geschäftsleitung.

2 Umfang von Kaizen

Kaizen bedeutet aber nicht nur partielle Produktoptimierungen, sondern Verbesserung sämtlicher Vorgänge von der Idee über die Fertigstellung bis hin zur Vermarktung und Kundenpflege einschließlich der steten Weiterentwicklung der Mitarbeiter. Durch Kaizen soll es jedem Beschäftigten möglich sein, seine Probleme zu erkennen und ohne Angst vor negativen Auswirkungen auf Ansehen oder berufliches Fortkommen zu thematisieren und zu lösen. Dies ermuntert die Belegschaft dazu, ständig über die Verbesserungen ihres Arbeitsplatzes und dessen Umfeld nachzudenken. Kaizen ist somit eine veränderte Einstellung, die zum ganzheitlichen Denken und zum Wandel der Unternehmenskultur, sprich von der Zweck- zur Sinngemeinschaft führt.

Dem Kaizen-Gedanken liegt die Annahme zugrunde, dass jedes System ab dem Zeitpunkt seiner Einrichtung dem Zerfall preisgegeben ist, wenn es nicht ständig erneuert bzw. verbessert wird. Die Botschaft von Kaizen beinhaltet, dass jeder Tag ohne irgendeine Verbesserung im Unternehmen ein verlorener Tag ist. Kaizen ist somit die Philosophie der ewigen Veränderung und der Flexibilität, um auf die Veränderungen der Umwelt zu reagieren.

In Abb. 1 sind der Umfang und die wesentlichen Inhalte von Kaizen anhand des populären Kaizen-Schirms von Imai im Überblick dargestellt.

Abb. 1: Der Kaizen-Schirm von Imai

3 Aktivitäten und Vorteile des Kaizen

Wichtigstes Element des KVP ist der Workshop. Darin analysieren die Teilnehmer – in der Regel Mitarbeiter des zu untersuchenden Bereichs – unter Anleitung eines eigens dafür ausgebildeten Moderators die eingeführten Arbeitsprozesse und erarbeiten Verbesserungsmöglichkeiten zu festgestellten Schwachstellen. Die Realisierung der erarbeiteten Lösungsvorschläge erfolgt in der Regel durch die Teilnehmer selbst unmittelbar im Anschluss an den Workshop.

Das Kaizen umfasst drei grundlegende Aktivitäten:

  1. Standardisierung
  2. 5S
    • Seiri (Aussortieren)
    • Seiton (Aufräumen)
    • Seiso (Sauberhalten des Arbeitsplatzes) ◦
    • Seiketsu (Anordnungen zur Regel machen)
    • Shitsuke (Selbstdisziplin)
  3. Beseitigung von Verschwendung (Muda)

Die Vorteile vom Kaizen:

  • Kosteneinsparung, Senkung der Ausschusszahlen
  • Senkung der Lagerbestände, Platzersparnis
  • verbesserte Wert- und Instandhaltung
  • verbessertes Betriebsklima
  • verbessere Kommunikation
  • eigenverantwortliche Mitarbeiter
  • Steigerung der Arbeitsmoral

4 Unterschiede zu anderen Managementkonzepten

Auf den ersten Blick bestehen deutliche Ähnlichkeiten zwischen Kaizen und anderen Managementmethoden und Theorien wie z.B. TQM (Total Quality Management), Business Reengineering oder Lean-Management. Gemeinsames Ziel all dieser Methoden ist die Verbesserung im Unternehmen und somit die Erfolgssteigerung. Der Weg zu diesem Ziel ist jedoch unterschiedlich.

Während TQM an der Kundenorientierung, Lean-Management und Business Reengineering an der Prozessorientierung ansetzen und durch wenige, dafür große Verbesserungsschritte geprägt sind, setzt Kaizen bei den Mitarbeitern an und ist durch viele kleine Verbesserungsschritte gekennzeichnet. Kaizen betont vor allem die Menschen und ihr Potenzial zur Problemlösung. Die Investitionen richten sich daher weniger auf Technologien, obgleich diese nicht vernachlässigt werden dürfen, sondern vielmehr auf das Humankapital. Dies bedeutet, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens als zentrale Ressource bzw. Vermögensteil betrachtet werden. Ausgaben für Personal, insbesondere für Aus- und Weiterbildung, stellen demnach weniger einen Kostenfaktor als vielmehr eine Investition in die Zukunft dar. Hoch qualifizierte und lernfähige Mitarbeiter, die für Veränderungen offen sind und diese mittragen, bilden schließlich den Grundstein für den Erfolg von Kaizen und somit für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens. Daneben ist Kaizen keine Top-Management-Exklusiv-Veranstaltung, sondern ein durchgängiger Verbesserungsprozess im gesamten Unternehmen.

5 Kaizen versus Innovation

Ein bedeutender Unterschied zwischen den japanischen und westlichen Managementkonzepten besteht darin, dass Kaizen automatisch mit einer prozessorientierten Denkweise verbunden ist; das westliche Denken indes ist eher innovations- und ergebnisorientiert. Kaizen und Innovation können beide als grundlegende Unternehmensstrategien bezeichnet werden, die zum Fortschritt und Erfolg eines Unternehmens beitragen.

Unter Innovation versteht man einschneidende und langfristig orientierte Veränderungen, wie z.B. technologische Neuerungen, neue Produktionsverfahren etc., die meist mit hohen Investitionen und Anlaufkosten verbunden sind. Innovationen haben einen „dramatischen“ bzw. „radikalen“ Charakter und werden von den Konkurrenten entsprechend wahrgenommen. Der durch die Innovation erreichte Vorsprung wird durch die Reaktionen der Konkurrenten meist schnell aufgeholt. Kaizen dagegen verläuft wenig spektakulär, sondern moderat und in kleinen Schritten. Aus diesen kleinen Schritten erfolgen marktnahe Verbesserungen, durch die das Unternehmen auf Dauer einen Wettbewerbsvorteil generieren kann. Während eine Innovation eine einmalige, auf den sofortigen Profit gerichtete Aktion ist, handelt es sich bei Kaizen um kontinuierliche kleine Aktionen, deren Auswirkungen meist erst im Laufe der Zeit zu erkennen sind. Die Innovation ist, auch wegen des meist hohen finanziellen Aufwands, hauptsächlich in rasch expandierenden Märkten anzuwenden. Das auf Mitarbeiterorientierung ausgelegte Kaizen dagegen bringt auf gesättigten und schrumpfenden Märkten, auf denen die Konsumenten immer höhere Ansprüche an die Qualität stellen und die Notwendigkeit, Kosten zu senken, immer größer wird, die größeren Vorteile. Für gesättigte Märkte ist also Kaizen auf Dauer gesehen sinnvoller als Innovationen, wobei jedoch notwendige Innovationen keinesfalls vernachlässigt werden dürfen.

6 Literaturhinweis

  • Brunner, Japanische Erfolgsrezepte. Kaizen, KVP, Lean Produktion Management, Totäl Productive Maintenance, Shopflor Management, Toyota Production Management, 2008.
  • Imai, Kaizen – Der Schlüssel zum Erfolg im Wettbewerb, 2001.