Offshoring

Was ist Offshoring?

Offshoring ist ein recht moderner Begriff, der aus der wachsenden Globalisierung entstand. Dabei handelt es sich um die Verlagerung der betrieblichen Aktivitäten ins Ausland. Deshalb ist der deutsche Begriff “Auslandsverlagerung” entstanden.

Dabei geht es aber nicht rein um den Firmenumzug über die Landesgrenzen hinaus. Offshoring kann mehrere Gründe haben und Zwecke erfüllen. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Definition von Offshoring

Der Begriff Offshoring stammt aus dem Englischen. „Offshore“ bedeutet soviel wie, „vom Ufer entfernt“ oder in umgedrehter Form auch „ufernah“. „Shore“ kann aber auch für die Landseite stehen und so ist der Begriff in diesem Fall zu verstehen. Es handelt sich also um eine Verlagerung der eigenen betrieblichen Aktivitäten von der Landseite weg. Also aus dem eigenen Land heraus in ein anderes Land. Weg vom heimischen Ufer sozusagen.

Beim Offshoring müssen aber nicht alle Aufgaben ins Ausland verlagert werden. Es kann sich dabei auch nur um Teile der betrieblichen Aktivitäten handeln. Dadurch soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben.

Ziele von Offshoring

Offshoring wird meistens in Ländern betrieben, in denen die Lohnkosten weit günstiger sind als in Deutschland. Dadurch werden Kosten eingespart. Gleichzeitig wird aber darauf geachtet, dass die Arbeit trotzdem von qualifiziertem Personal ausgeführt wird, um keine Einschnitte bei der Qualität machen zu müssen.

Ein weiterer Grund für Offshoring ist die Entlastung der eigenen Angestellten. Das spart ebenfalls Kosten und erhöht gleichzeitig die Leistung, was wiederum für hohe Qualität sorgt. Offshoring ist in Sachen Kosten und Qualität also eine sinnvolle Maßnahme.

Die Voraussetzung für erfolgreiches Offshoring ist es, im Ausland passende Geschäftspartner:innen zu finden, die die Bedingungen in Sachen niedriger Kosten und hoher Qualität erfüllen.

Ein bekanntes Beispiel für erfolgreiches Offshoring sind die IT-Dienstleistungen vieler Unternehmen, die nach Indien ausgelagert werden, da dort die Fachkräfte sehr versiert, aber erheblich günstiger sind.

Die eigenen Mitarbeiter:innen werden unterdessen mit anderen Aufgaben betraut, die nicht ausgelagert werden können. Welche das sind, hängt vom Unternehmen ab. Es lassen sich im Grunde Aufgaben aus allen Bereichen per Offshoring auslagern. Dazu gehören Produktionsprozesse, wie zum Beispiel die Herstellung von Bekleidung, oder Backoffice-Arbeiten, wie beispielsweise Buchhaltung und Sekretariatsarbeiten.

Gründe für Offshoring

Bei den Gründen für Offshoring lassen sich aber auch noch zahlreiche andere betriebswirtschaftliche, politisch-rechtliche, logistische oder auch steuerliche Motive finden.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht lassen sich durch Offshoring neue Absatzmärkte und Beschaffungsmärkte erschließen. Das ist vor allem dann interessant, wenn im eigenen Land die Wachstumsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Bei den politischen oder rechtlichen Gründen finden sich Handelsschranken im In- und Ausland, hohe Exportkosten, niedrige Umweltstandards oder Arbeitsrechte und auch die Infrastruktur beziehungsweise Förderungen und Hilfen durch die Politik. Durch die unterschiedlichen Gesetze und Regelungen in den Ländern, kann es von Vorteil sein, bestimmte Aufgaben ins Ausland auszulagern, um dort auch von den rechtlichen oder politischen Gegebenheiten zu profitieren.

Im Rahmen der Logistik kann durch Offshoring von kürzeren Transportwegen oder geringeren Transportkosten profitiert werden. Es sind also nicht unbedingt nicht nur Lohnkosten, die durch Offshoring gespart werden können.

Aus steuerlicher Sicht finden sich im Ausland immer Länder, die gewisse Vorteile, aber auch Nachteile bieten. Das können bestimmte Subventionen sein oder auch einfach niedrigere Steuerbemessungsgrundlagen, zum Beispiel in Bezug auf die Umsatzsteuer, die in jedem Land andere Steuersätze hat.

Gründe und Ziele beim Offshoring gibt es also zahlreiche. Sie können damit eins oder mehrere Ziele verfolgen. Für die Erreichung der entsprechenden Ziele ist entscheidend, in welche Länder Sie die Aufgaben auslagern.

In welche Länder wird Offshoring betrieben?

Im Grunde kann Offshoring überallhin betrieben werden, außer ins eigene Land. Bei der Auslagerung von Arbeiten innerhalb der Landesgrenzen spricht man von Onshoring. Onshoring ermöglicht es weitere Arbeiten auszulagern, die bei einer Auslagerung über größere Entfernungen keinen Vorteil mehr bringen.

Onshoring kann zum Beispiel auch in der eigenen Region oder sogar dem eigenen Ort stattfinden, sodass die Nähe der Unternehmen zueinander einen Vorteil bringt. Autohersteller beispielsweise stellen nicht alle Teile eines Autos selber her. Vieles davon wird über Onshoring hergestellt. Es gibt bestimmte Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Autoteilen fokussieren, aber auch Unternehmen, die zusätzlich zur eigentlichen Arbeit auch für die Autoindustrie Teile herstellen. Onshoring spielt in der Branche also eine beachtliche Rolle.

Offshoring kommt dabei aber auch zum Tragen. Vor allem technologische Aspekte im Auto stammen nicht selten aus dem Ausland. Aber auch andere Autoteile können aus dem Offshoring stammen, wenn die Kosteneinsparung einen Vorteil bringt.

Dabei stammen technologische Teile eher aus weiter entfernten Ländern, während Bauteile größtenteils aus nahegelegenen Ländern kommen.

Dabei unterscheidet man zwischen Farshoring und Nearshoring. Dadurch ergibt sich eine zusätzliche geografische Eingrenzung beim Offshoring. „Near“ und „far“ sind ebenfalls englische Begriffe und bedeuten schlicht „nah“ und „fern“.

Wo dabei Nearshoring endet und Farshoring beginnt, ist Auslegungssache. Von Farshoring spricht man vor allem, wenn das Offshoring auf anderen Kontinenten, wie Asien oder Nordamerika, stattfindet.

Nearshoring findet hingegen innerhalb Europas statt. In Deutschland sind zum Beispiel die Länder der EU-Osterweiterung beliebt für Offshoring, da die geringen kulturellen Abweichungen und Zeitverschiebung sowie die geografische Nähe vorteilhaft sind im Vergleich zum Farshoring.

Offshoring findet vor allem in den sogenannten Schwellenländern statt, die auch als Niedriglohnländer bekannt sind. Warum diese Länder für das Offshoring bevorzugt werden, erklärt sich also von selbst.

Asien hingegen tut sich vor allem durch die IT-Branche beim Offshoring hervor.

IT-Aufgaben nach Asien auslagern

Wie bereits in diesem Artikel kurz angesprochen, ist vor allem Indien sehr beliebt beim Offshoring von IT-Dienstleistungen. Aber generell ist Asien in diesem Markt ganz weit vorne, wenn es um das Offshoring geht.

Die Entwicklung von Software hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten anderen Produkten: Die Exportkosten sind sehr gering bis nicht vorhanden. Software wird kaum noch auf haptischen Medien angeboten und kann jederzeit relativ problemlos über das Internet verschickt werden. Selbst, wenn die Software auf einen Datenträger portiert werden soll, um diese in haptischer Form zum Verkauf anzubieten, muss das nicht im Herstellungsland geschehen. Die Software kann also in Asien entwickelt werden, wird dann über das Internet als Datei nach Europa geschickt und kann hier nach Belieben weiterverarbeitet werden.

Das ist einer der Gründe, warum das Offshoring in diesem Bereich so beliebt ist. Die Programmierung, Wartung und auch Systementwürfe können jederzeit von überall auf der Welt aus durchgeführt werden, ohne erhebliche Zusatzkosten zu verursachen.

Die Metropole Bengaluru im Südwesten Indiens ist die Hauptanlaufstelle für das Offshoring von IT-Aufgaben. Dort haben sich zahlreiche Unternehmen angesammelt, die IT-Dienstleistungen anbieten. Von dem ein oder anderen Unternehmen haben Sie vielleicht sogar schon gehört. Unter anderem sitzen in Bengaluru die Unternehmen Infosys, Wipro Technologies, Tata Consultancy Services oder kurz TCS und NIIT Technologies.

Dazu kommen noch einige Tochterfirmen von US-Amerikanischen Unternehmen wie Microsoft und IBM und auch von europäischen Unternehmen wie Siemens und SAP. Indien und ganz besonders die Stadt Bengaluru sind also bestens aufgestellt, um die Nachfrage beim Offshoring innerhalb der IT-Anwendungsentwicklung abzudecken.

Die Volksrepublik China tut sich zudem ebenfalls langsam als Wettbewerber hervor und stellt sich als Offshoring-Land für IT-Aufgaben auf.

Verteilung des Offshorings durch eigene Niederlassungen und Dienstleister

Anbieter von IT-Dienstleistungen gehen mehr und mehr dazu über, selbst Niederlassungen in den Ländern zu errichten, aus denen sie ihre Aufträge bekommen. So können sie noch besser Aufträge akquirieren und diese im Heimatland bearbeiten lassen.

So kann beispielsweise ein Unternehmen wie Infosys, das das Offshoring in Indien übernimmt, in Deutschland eine Niederlassung errichten, um direkt an die Aufträge zu gelangen und diese dann nach Indien weiterzuleiten. Dort werden diese dann wie gewohnt zum Niedrigpreis bearbeitet und zurück in die deutsche Niederlassung gesendet. Von dort aus wird der Auftrag dann mit dem entsprechenden Unternehmen abgeschlossen und im besten Fall direkt der nächste Auftrag reingeholt.

Auf diese Weise sind die IT-Dienstleister nicht darauf angewiesen, auf die Aufträge zu warten, sondern können sich selbst aktiv darum kümmern, neue und mehr Aufträge zu bekommen.

Daneben gibt es mittlerweile auch Dienstleistungsunternehmen in Deutschland, die darauf spezialisiert sind, das Offshoring für Unternehmen zu übernehmen. Das bedeutet, diese Dienstleister verrichten nicht die eigentlich angedachte Arbeit, sondern vermitteln geeignete Unternehmen im Ausland, die diese Aufgaben übernehmen.

Vor allem für die produzierende Industrie ist diese Art der Dienstleistung interessant, da dort häufig die Kontakte und das nötige Netzwerk ins Ausland fehlt, wenn es über die eigenen Produkte hinausgeht.

Offshoring in Deutschland

Deutschland hat sich bisher nicht so recht als Offshoring-Land hervorgetan. Vor allem im Vergleich mit den USA und Großbritannien, die von der Produktion her einigermaßen vergleichbar sind, liegt Deutschland recht abgeschlagen hinten.

Das liegt unter anderem an der vorhandenen Sprachbarriere. In Indien beispielsweise ist Englisch eine Amtssprache und natürlich wird auch in Amerika und Großbritannien Englisch gesprochen. Dadurch sind die Hürden für ausländische Unternehmen geringer, Offshoring mit diesen Ländern zu betreiben.

Aber auch in Deutschland wird Englisch als Sprache in der Wirtschafts- und Arbeitswelt immer wichtiger. Das sogenannte Office English hat sich längst durchgesetzt, aber auch darüber hinaus, finden vermehrt englische Begriffe ihren Weg in die Unternehmen.

Grundsätzlich steigen die Englischkenntnisse in Deutschland enorm und in Zukunft sollte diese Barriere keine Rolle mehr spielen, wenn es um die Auslagerung von Aufgaben ausländischer Unternehmen nach Deutschland geht.

Vor rund 15 Jahren war Europa noch Spitzenreiter bei den Offshoring-Ländern, mittlerweile liegt Asien vorne. Das kann sich aber wieder ändern und Deutschland kann dabei durchaus eine wichtige Rolle spielen. Als viertgrößter Industriestandort der Welt sollte es das auch.

Vorteile und Nachteile von Offshoring

Auf die Wirtschaft im eigenen Land gesehen hat Offshoring einige Vorteile, denn Offshoring im eigenen Land bedeutet mehr Arbeit. Der Nachteil, wenn man es andersherum betrachtet, liegt dabei auf der Hand: Offshoring ins Ausland verringert die Arbeit im eigenen Land und kann auf lange Sicht zum Abbau von Arbeitsplätzen führen. Dazu kommt ein gewisser Kontrollverlust über die Qualität der Arbeit, die nicht mehr im eigenen Unternehmen stattfindet und die drohende Abhängigkeit von Offshoring-Unternehmen, wenn zu viel Arbeit ausgelagert wird.

Der Konkurrenzdruck bei den Unternehmen im eigenen Land kann ebenfalls steigen, wenn sich alle um das Offshoring bewerben. Das kann auch zu Brüchen mit Partnerunternehmen führen.

Der Vorteil bei Offshoring im eigenen Unternehmen bringt mehr Sicherheit in der Planung durch mehr Arbeit. Offshoring kann aber auch eine gewisse Komplexität mit sich bringen, die sich in Funktionen und Prozessen niederschlägt, die erst erlernt werden müssen.

Der hohe Kommunikationsaufwand ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Da kämen im Zweifelsfall die bereits im Artikel erwähnten Dienstleister:innen ins Spiel, die das Offshoring für die Unternehmen vermitteln.

Offshoring steht vereinzelt auch in der Kritik, weil es mit Datenschutzrisiken und Rechtsunsicherheiten verbunden ist. Außerdem sehen Kritiker:innen darin eine Möglichkeit zur Wirtschaftsspionage.

Durch Offshoring kann es zudem passieren, dass ein Unternehmen nicht mehr so flexibel und spontan auf Veränderungen auf dem Markt reagieren kann. Schließlich arbeitet das Unternehmen in dem Fall sozusagen auf zwei Märkten gleichzeitig.

Insgesamt sind die Vorteile, aber auch die Nachteile nicht von der Hand zu weisen. Offshoring sollte auch nicht überstürzt betrieben werden, sondern gut überlegt. Mit einem sinnvollen System und der richtigen Herangehensweise sind die Nachteile aber fast schon vernachlässigbar.

Alternativ gibt es auch immer noch die Möglichkeit zum Outsourcing.

Offshoring vs. Outsourcing: Die Unterschiede

Auf den ersten Blick wirken Offshoring und Outsourcing gleich. Bei beiden Formen werden Aufgaben aus dem Unternehmen an externe Instanzen ausgelagert.

Das Outsourcing gibt aber nicht direkt händische Arbeiten ab, sondern lagert organisatorische und firmeninterne Abläufe aus. Das gibt auch der Begriff Outsourcing bereits vor, der sich aus den englischen Wörtern „outside“, „resource“ und using“ zusammensetzt. Also: „außen“, „Quelle“ und „nutzen“. Es wird also eine außenstehende Quelle genutzt, um bestimmte Aufgaben zu erledigen.

Im Gegensatz zum Offshoring, wo die Gründe bereits in diesem Artikel erklärt wurden, handelt es sich beim Outsourcing um Aufgaben, die nicht intern erledigt werden können, weil das Wissen fehlt oder es im Vergleich mit dem Outsourcing zu teuer ist, sich dieses Wissen anzueignen.

Zum Outsourcing gehören unter anderem die Steuerberatung oder die Buchhaltung, wenn diese nicht selbst erledigt wird. Es handelt sich also um Aufgaben, die man selbst übernehmen könnte, für die man sich aber das nötige Wissen aneignen müsste, was in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Welche:r Unternehmer:in macht schon nebenbei ein Studium und eine Ausbildung, um als ausgebildete:r Steuerberater:in anschließend alle Steuerfragen selbst klären zu können?

Outsourcing wird in der Regel nicht ins Ausland verlagert, sondern findet innerhalb der Landesgrenzen statt. Das liegt unter anderem daran, dass viele Outsourcing-Aufgaben auf den landeseigenen Gesetzen und Richtlinien aufbauen, wie beispielsweise die Steuerberatung oder die Buchhaltung.

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