Optimale Bestellmenge

Was ist die optimale Bestellmenge?

Unter der optimalen Bestellmenge versteht man die aus wirtschaftlicher Sicht günstigste Anzahl von Produkten oder Rohstoffen. Anstatt jedes Angebot zu nutzen, sollten Sie also wirtschaftlich einkaufen und Ihr Lager füllen. Wie Sie das anstellen und wie die optimale Bestellmenge berechnet wird, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

Die Definition der optimalen Bestellmenge

Die optimale Bestellmenge ist im Grunde eine Größe, die sich berechnen lässt. Dabei werden die Kosten für die Ware und die Einlagerung genau so berücksichtigt wie mögliche Mengenrabatte und der Jahresabsatz. Das Ziel ist es, den Punkt zu bestimmen, an dem die Kosten das bestmögliche Ergebnis in Bezug auf den Absatz betragen.

Im ersten Moment ist die Versuchung natürlich groß, eine möglichst hohe Menge einer bestimmten Ware zu kaufen, um den größten Mengenrabatt zu nutzen. Allerdings ist das wirtschaftlich nicht immer sinnvoll. Ware, die nicht abgesetzt wird, verursacht Lagerkosten und auch die Arbeitsstunden für die Einlagerung oder Weiterverarbeitung fallen bei einer größeren Menge höher aus. Je nach Ware kann diese auch irgendwann verfallen oder veraltet sein. Einfach das Lager vollzupacken ist also grundsätzlich keine gute Strategie.

Die optimale Bestellmenge ist pauschal nicht zu benennen. Die Herstellung und der Vertrieb spielen bei der Berechnung eine Rolle, aber auch die Voraussetzungen und Kosten vor Ort. Die optimale Bestellmenge ist von vielen Faktoren abhängig.

Wichtige Begriffe für die optimale Bestellmenge

Bevor wir Ihnen erklären, wie Sie die optimale Bestellmenge berechnen, sollten Sie ein paar Begriffe kennen, die dabei eine grundlegende Rolle spielen.

Erstmal wären da die Bezugskosten und die Lagerkosten. Diese beiden Faktoren stehen sich im Prinzip gegenüber und verhalten sich gegensätzlich zueinander. Das bedeutet, dass der eine Faktor niedriger ausfällt, je höher der andere Faktor ausfällt.

Eine hohe Bestellmenge senkt die Bestellkosten durch Mengenrabatte. Je mehr Sie bestellen, desto höher fallen aber Ihre Lagerkosten aus.

Bei kleinerer Bestellmenge steigen aber die Bestellkosten, weil Sie keinen Rabatt bekommen und eventuell auch öfter bestellen müssen, wodurch auch noch Lieferkosten entstehen. Dafür sind die Lagerkosten geringer.

Die Bestellmenge ist die Menge an Ware, die Sie mit einer Bestellung anfordern. Die Bemessung kann dabei je nach Produkt in Stückzahlen oder einer Maßeinheit wie Kilogramm oder Litern stattfinden.

Die Bestellkosten sind die Kosten, die pro Bestellung anfallen. Dazu gehören neben dem eigentlichen Produkt auch die Kosten für die Lieferung und eventuell zusätzliche Kosten für Verpackungen oder spezielle Transportsicherungen oder andere Kosten, die entstehen können.

Die Lagerkosten gelten pro gelagertem Produkt bzw. gelagerter Einheit und enthalten den Produktwert und den Lagerhaltungskostensatz.

Die Gesamtmenge ist die Menge eines Produkts, die ein Unternehmen innerhalb einer bestimmten Periode benötigt.

Formeln für die Berechnung der optimalen Bestellmenge

Die optimale Bestellmenge muss Schritt für Schritt berechnet werden. Dafür gibt es einige Formeln, mit denen die einzelnen Faktoren und letztlich auch die optimale Bestellmenge ermittelt werden.

Die meisten Faktoren haben ein Kürzel, durch das die Formeln übersichtlicher werden. Diese Kürzel werden in den Formeln verwendet:

Bestellkosten = KB

Bestellmenge = q

Gesamtmenge = m

Lagerkosten = w

Lagerhaltungskostensatz = i

Die Berechnung der optimalen Bestellmenge wird über die Andler Formel bewerkstelligt. Diese Formel hat der deutsche Ingenieur Kurt Andler exakt für die Berechnung der optimalen Bestellmenge entwickelt.

Bevor es losgeht, sei gesagt, dass die Andler Formel schon komplexere Mathematik beinhaltet. Die Formeln helfen Ihnen aber dabei, den Weg zur optimalen Bestellmenge zu errechnen.

Der Weg beginnt mit der Berechnung der Bestellkosten mit dieser Formel:

Formel zur Berechnung der Bestellkosten

Abb. 1: Formel zur Berechnung der Bestellkosten

Anschließend werden die Lagerkosten ermittelt:

Formel für die Berechnung der Lagerkosten

Abb. 2: Formel für die Berechnung der Lagerkosten

Das Gesamtkostenminimum ist als nächstes dran:

Formel für die Berechnung des Gesamtkostenminimums

Abb. 3: Formel für die Berechnung des Gesamtkostenminimums

Abschließend ergibt sich durch diese Formel die Bestellmenge:

Formel für die Berechnung der Bestellmenge

Abb. 4: Formel für die Berechnung der Bestellmenge

Die Möglichkeiten zur Berechnung der optimalen Bestellmenge

Sie können die optimale Bestellmenge grafisch oder tabellarisch darstellen. Die Voraussetzungen dafür sind die bisherigen Berechnungen.

Die grafische Darstellung zeigt die optimale Bestellmenge an dem Punkt an, an dem die Lagerkosten und die Bezugskosten sich am geringsten Punkt überschneiden. Auf der vertikalen Achse werden die Gesamtkosten angegeben und auf der horizontalen Achse die Bestellmenge.

So kann eine grafische Darstellung der optimalen Bestellmenge aussehen:

Die optimale Bestellmenge grafisch dargestellt

Abb. 5: Die optimale Bestellmenge grafisch dargestellt

Die Bestellmenge lässt sich sehr gut über eine Tabelle ermitteln, wenn Sie zuvor regelmäßig entsprechende Daten in die Tabelle eingetragen haben. Das kann zum Beispiel so aussehen:

Die optimale Bestellmenge dargestellt als Tabelle

Abb. 6: Die optimale Bestellmenge dargestellt als Tabelle

So eine visuelle Grundlage kann sehr hilfreich sein, um die Berechnung der optimalen Bestellmenge zu erleichtern.

Ein Beispiel für die optimale Bestellmenge

Schauen wir uns noch ein Beispiel an, um die Berechnung der optimalen Bestellmenge noch einmal genauer darzustellen.

Nehmen wir an, Ihr Unternehmen stellt Kaminöfen her. Im letzten Jahr haben Sie 10.000 Ofenklappen verbaut. Sie bestellen neue Ofenklappen bei Ihrem Zulieferer. Die Lieferung kostet 500,00 Euro.

Der Lagerhaltungskostensatz wird von Ihnen auf 10 Prozent kalkuliert. Der Wert einer Ofenklappe liegt ungefähr bei 100,00 Euro.

Sie wollen jetzt die optimale Bestellmenge und Bestellhäufigkeit ermitteln. Schließlich wollen Sie sich nicht 10.000 Ofenklappen auf einmal ins Lager legen. Sie wenden dafür die Andler Formel an:

Die Andler Formel an einem Beispiel angewendet

Abb. 7: Die Andler Formel an einem Beispiel

Die optimale Bestellhäufigkeit berechnen Sie mit dieser Formel:

Die Formel für die optimale Bestellhäufigkeit an einem Beispiel angewendet

Abb. 8: Die Formel für die optimale Bestellhäufigkeit an einem Beispiel

Den durchschnittlichen Lagerbestand für die optimale Bestellmenge können Sie ebenfalls berechnen:

Die Formel für den durchschnittlichen Lagerbestand für die optimale Bestellmenge an einem Beispiel angewendet

Abb. 9: Die Formel für den durchschnittlichen Lagerbestand für die optimale Bestellmenge an einem Beispiel

Sie wissen jetzt also, dass die optimale Bestellmenge für Ofenklappen bei 1.000 Stück liegt. Sie sollten viermal im Jahr neue Ofenklappen bestellen. Der durchschnittliche Lagerbestand bei dieser Bestellmenge beträgt 100 Ofenklappen.

Die optimale Bestellmenge ist nicht nur sinnvoll, um Ihren Lagerbestand auf einem sinnvollen Maß zu halten und wirtschaftlich das beste Ergebnis aus Ihren Bestellungen herauszuholen. Halten Sie sich möglichst an die optimale Bestellmenge, halten Sie auch Ihre Liquidität aufrecht und setzen Ihr Working Capital effizient ein. Bestellen Sie zu viele Produkte und lagern diese ein, binden Sie Ihr Kapital mehr als nötig und mindern dadurch Ihr Working Capital und Ihre Liquidität.

Natürlich können Sie sich nicht exakt an die optimale Bestellmenge halten. Benötigen Sie mehr Stückzahlen von einem Produkt, als die Berechnung ergibt, weil die Auftragslage gerade besser ist als im Vorjahr, auf dem die Rechnungen basieren, müssen Sie abwägen, wie weit Sie bei einer Bestellung über die optimale Bestellmenge hinausgehen.