Was macht die Selbständigkeit mit mir? Teil 5: Perfektionismus

Perfektionismus: Was macht die Selbständigkeit mit mir?

In Bezug auf das #lebensgefühl_selbständig heißt es beim Drang nach dem perfekten Ergebnis: Loslassen lernen. Sonst kommst du nicht weit.

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Die meisten von uns Selbständige:n verdanken wie andere Menschen auch ihren Perfektionismus anderen Leuten und haben nicht gelernt, ihn dann wieder abzulegen. Die Eltern, die bei einer „Eins minus“ nur anmerkten, dass es ja besser ein Plus sein könne. Die Personen im Bekanntenkreis, deren Glas immer halb leer ist und Lehrer:innen, die fordern statt Lob zu verteilen: Unser Wunsch nach einem perfekten Ergibnis hat oft alte, sehr festsitzende Wurzeln.

Perfektionismus ausleben?
Im Alleingang stoppt dich niemand

Als Angestellte:r ist es oft einfacher, denn Chefin oder Chef überwachen den Zeitplan, ergänzen Input und fordern Ergebnisse ein. Aber als Selbständige:r sitzt du vor der Planung und überlegst: Ist das denn schon gut genug? Sind die anderen so viel besser, dass ich mich gar blamiere – schließlich liegt das Wissen über die perfekte Vorgehensweise überall zum Abruf. Wenn ich also an meinem Projekt nicht bis zur absoluten Perfektion feile, schleife und Feinpoliere, fehlt dann nicht etwas?

Wenn du immer wieder zögerst, eine Planung als abgeschlossen zu betrachten, dann gehörst du zu einem der größten Clubs der Welt: Den Perfektionisten. Man munkelt, dass die Prokrastinierer:innen (Menschen mit Verschieberitis) noch zahlreicher sind, aber wie sollen wir das herausfinden? Wir würden uns nur mit einem fehlerfreien Umfrageergebnis zufriedengeben, und das könnte uns Jahrzehnte kosten.

Fest steht, dass der Spruch „done is better than perfect“ aus guten Gründen an so mancher Freelancer:innen-Pinwand klebt, denn wer braucht nicht ab und zu die Erinnerung daran?

Auch anhaltender Erfolg kann das Gefühl nicht verhindern, dass immer alles so gut wie möglich sein muss, bevor du zufrieden sein darfst.

Oder schlimmer im Falle der Selbständigkeit: Bevor du mit der Vermarktung starten darfst. Wahrscheinlich wäre die Anzahl der nebenberuflichen Gründer:innen ohne Perfektionismus vor dem Start gleich dreimal so hoch, denn ohne Erfahrung ist er noch hinderlicher als sowieso schon.

Ist Perfektionismus schlecht?

Nein. Perfektionismus ist nicht per se schlecht.

Es kann sowohl entspannend als auch sehr zufriedenstellend sein, so lange mit Sorgfalt an einem Ergebnis zu arbeiten, bis du völlig zufrieden bist.

Perfekte Ergebnisse sind …. perfekt.

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Doch sobald Angst daraus wird, nie gut genug zu sein – sobald der Wunsch nach einem perfekten Ergebnis einen Abschluss verhndert – sobald es so viel Zeit kostet, dass die Verzögerung Schaden anrichtet – dann ist Perfektionismus mindestens hinderlich.

Wenn du also feststellst, dass du den Perfektionismus lieber ablegen willst, solltest du das Loslassen lernen und … perfektionieren.
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Buchtipp: Heide Liebmann aus der lexoffice Community hat ein Buch darüber geschrieben, wie du durch Loslassen echte emotionale Freiheit gewinnst.

Alles ist schwieriger, wenn du darauf konditioniert bist, alles perfekt zu machen

Eine Geschäftsidee zur Umsetzung zur bringen oder generell ein Unternehmen zu gründen, wenn du einen ganzen Rucksack voll Perfektionismus mitschleppst, macht dein Unterfangen sicherlich tausendmal schwieriger und stressiger als nötig.

Das macht die Selbständigkeit mit dir: Irgendwann lernst du es, über deinen Perfektionismus hinauszuwachsen.

  • Sonst wirst du niemals eine Website oder ein Blog online stellen.
  • Sonst wirst du niemals eine große Marketingkampagne starten.
  • Sonst wirst du niemals einen Launch für dein Produkt machen.

Denn du wirst immer das Gefühl haben, dass es nicht gut genug ist, wenn du das nicht lernst. Als gigantischer Zeitfresser kann Perfektionismus auch Selbstzweifel übertünchen und auch damit verhindern, dass du loslegst.

Perfektionismus ist keine Ausrede

Vielleicht erkennst du auch an dir das kokette „Ich bin halt perfektionistisch“, wenn dich jemand fragt, warum ein von dir angekündigtes Projekt noch nicht fertig ist.

Perfektionismus wird nämlich gelegentlich als 100%ige positive Eigenschaft dargestellt – als etwas, das uns hilft, alle Details richtig hinzubekommen und die beste Chance auf Erfolg verspricht.

Das ist falsch, und als selbständige:r Unternehmerin lernst du irgendwann:

Gut ist gut genug. Fang endlich an 🙂

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  • Foto: Adobe Stock kegfire
Über die Autorin
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

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