Äquivalenzziffernkalkulation

Einführung

In Betrieben mit Sortenfertigung ist die Äquivalenzziffernkalkulation (ÄZK) anwendbar. Sie ist eine weiterentwickelte Form der Divisionskalkulation für Mehrproduktbetriebe. Daher kann man auch bei der Äquivalenzziffernkalkulation zwischen ein-, zwei-, und mehrstufige Rechenverfahren unterscheiden.

Weil bei Sortenfertigung die Produkte (Sorten) sowohl in der Art ihres Stoffes als auch ihrer Verarbeitung sehr ähnlich sind, können Sie auch von Ähnlichkeiten der Kostenverursachung ausgehen. Das bedeutet, die Kosten einzelner Sorten müssen in einem relativen Verhältnis zueinander stehen. Dieser theoretische Grundgedanke wird durch die ÄZK in die Praxis umgesetzt. Dabei nutzt sie eine so genannte Äquivalenzziffer als Verhältniszahl der Kostenverursachung.

1 Äquivalenzziffer

Die Kostenverursachung einer Sorte in Relation zu einer sog. Einheitssorte wird durch die Äquivalenzziffer (ÄZ) definiert.

Zunächst muss man daher ein Produkt als Einheitssorte festlegen. Die ÄZ dieses Produkts wird als „1“ festgelegt. Wenn man dann feststellt, dass ein zweites Produkt 10 % mehr Kosten verursacht, erhält es die ÄZ 1,1. Ein Produkt, das beispielsweise 20 % weniger Kosten verursacht, erhält die ÄZ 0,8. Durch diese konsequente Nummerierung aller Produkte erhält man eine Äquivalenzziffernreihe. (ÄZR).

2 Bestimmen einer Äquivalenzziffer

Für eine möglichst genaue Kalkulation ist eine präzise Ermittlung der ÄZ zentrale Voraussetzung. Um Sie zu bilden bieten sich diese Ausgangdaten an:

  • Materialgewichte
  • Materialqualitäten
  • Produktabmessungen (Durchmesser, Dicken, Breiten, Längen etc.)
  • Verarbeitungszeiten (inklusive Rüstzeiten)

Praxis-Tipp

Sie können beispielsweise untersuchen, wie sich verschiedene Produktdicken (bei Blechen oder Hölzern) auf die Kosten niederschlagen. So können Sie eine Äquivalenzziffernreihe ableiten, die für Ihre Materialkosten gültig ist.

Außerdem sollen Sie auch die verschiedenen Verarbeitungszeiten der einzelnen Sorten ermitteln, um daraus mindestens eine, im besten Fall mehrere ÄZR abzuleiten.

Berechnungen, welche mit nur einer ÄZR auskommen, sind einreihige ÄZK, jene, die mehrere ÄZR benötigen, bezeichnet man als mehrreihige ÄZK.

3 Rechnen mit Äquivalenzziffern

In drei Schritten erfolgt die Kalkulation der Sorten:

1.Rechnen Sie die Mengen der einzelnen Produkte unter Zuhilfenahme der ÄZ zu einer Einheitsmenge um. Dazu multiplizieren Sie die Produktmengen mit den entsprechenden ÄZ. Durch das Addieren der errechneten Einheitsmengen erhalten Sie dann die Gesamteinheitsmenge.
2.Wenden Sie dann eine Divisionskalkulation für diese Gesamteinheitsmenge an. Dabei teilen sie die zu kalkulierenden kosten durch die Gesamteinheitsmenge, wodurch Sie die Stückkosten der Einheitsmenge erhalten.
3.Im letzten Schritt multiplizieren Sie die Stückkosten der Einheitsmenge mit den ÄZ der einzelnen Sorten, wodurch Sie die Stückkosten der einzelnen Sorten erhalten. Weil bei der Einheitssorte die ÄZ ja gleich 1 festgelegt wurde, sind deren Stückkosten gleich den Stückkosten der Einheitsmenge.

Diese drei Rechenschritte müssen Sie für jede ÄZR durchführen, die Sie bilden!

4 Einstufige Äquivalenzziffernkalkulation

In der Praxis ist diese recht einfache Form der ÄZK kaum für ein ganzes Unternehmen anwendbar. Bei dieser Kalkulation dürfen nämlich keine Bestandsveränderungen der Halb- und Fertigfabrikate vorkommen. Des Weiteren müssen sich alle Kosten des Unternehmens zu nur einer einzelnen ÄZR proportional verhalten. Diese Beispielsrechnung dient daher vornehmlich zur Verdeutlichung der Rechenoperationen der ÄZK.

Beispiel: Einstufige ÄZK mit einer ÄZR
1.Ermittlung der Einheitsmenge

SorteAusbringungsmengeÄZEinheitsmenge
StückStück
16.0001,06.000
25.0000,84.000
34.0001,14.400
Summe14.400

2.Ermittlung der Stückkosten der Einheitsmenge

Gesamtkosten=288.000 EUR=20 EUR/St.
Einheitsmenge14.400 St.

3.Stückkosten je Sorte

SorteÄZStückkosten der EinheitsmengeStückkosten der Sorten
EUR/St.EUR/St.
11,02020
20,82016
31,12022

Die Gegenprobe rechnen Sie, indem Sie die Ausbringungsmengen der Sorten mit den entsprechenden Stückkosten multiplizieren. Die Summe der Kosten je Sorten sollte dann die Gesamtkosten ergeben.

5 Zweistufige Äquivalenzziffernkalkulation

Bestandsveränderungen der Fertigfabrikate lässt eine zweistufige ÄZK zu, da sie eine Trennung in Selbst- und Herstellungskosten vorsieht. Allerdings dürfen keine Bestandsveränderungen bei Halbfabrikaten vorliegen. Durch die Trennung von Herstellungs- und Selbstkosten ist eine gesonderte Erfassung von Vertriebs- und Verwaltungskosten notwendig.

Alle weiteren Kosten, die eigentlichen Produktionskosten, müssen Sie erneut unterteilen: Nämlich in Fertigungs- und Materialkosten. Sie müssen dann für beide eine ÄZR bilden, weil die Kostenverursachung der einzelnen Sorten bei Material und Verarbeitung nur in Ausnahmefällen gleich ist.

In der Theorie sieht die ÄZK vor, dass auch die Vertriebs- und Verwaltungskosten durch eine ÄZ auf die Sorten verteilt werden. Allerdings stehen Sie in der Praxis vor dem Problem, dass sich dafür nur schwer eine ÄZR bilden lässt.

Aus diesem Grund sollten Sie ebenso verfahren, wie bei einer Zuschlagskalkulation, indem Sie die Vertriebs- und Verwaltungskosten als prozentualen Zuschlag auf die Herstellkosten verrechnen. Außerdem sollten Sie die Sondereinzelkosten des Vertriebs den einzelnen Sorten direkt zuordnen. Dadurch gewinnt die Kalkulation an Genauigkeit.

Praxis-Tipp

Als Alternative bietet sich an, auch die Materialkosten nicht über die ÄZ, sondern direkt den einzelnen Sorten zuzuordnen. Sie müssten dazu die Einzelmaterialkosten (Rohstoffeinsatz) für jede Sorte getrennt erfassen. Die Materialgemeinkosten können Sie mit Hilfe von Zuschlagssätzen, wie sie in der Zuschlagskalkulation üblich sind, verrechnen.

Bei den Fertigungskosten sollten Sie dann auch noch die Sondereinzelkosten der Fertigung den einzelnen Sorten direkt zuordnen. Diese Maßnahmen führen natürlich von der reinen Äquivalenzziffernkalkulation etwas weg in Richtung Zuschlagskalkulation. Die Äquivalenzziffernrechnung würden Sie nach dieser vorgeschlagenen Alternative nur noch für die Fertigungsgemeinkosten anwenden. Die Kalkulationsgenauigkeit gewinnt dadurch aber zweifelsfrei.

Beispiel: Zweistufige ÄZK mit zwei ÄZR

SorteGesamt123
1ProduktionsmengeSt.6.0005.0004.000
2AbsatzmengeSt.6.5004.0003.800
3Materialkosten EUR15.700
4ÄZ (Fertigung)1,00,91,3
5Einheitsmenge (Zeile 1 * 4)St.15.7006.0004.5005.200
6Materialkosten / Einheit (Zeile 3:5)EUR/St.10,-
7Materialkosten / Sorte (Zeile 6 * 4)EUR/St.10,-9,-13,-
8Fertigungskosten EUR64.000
9ÄZ (Fertigung)1,00,80,7
10Einheitsmenge (Zeile 1 * 9)St.12.8006.0004.0002.800
11Fertigungskosten / Einheit (Zeile 8 : 10)EUR/St.5,-
12Fertigungskosten / Sorte (Zeile 11 * 9)EUR/St.5,-4,-3,50
13HerstellkostenEUR/St.15,-13,-16,50
14Verwaltung und Vertrieb (10% der HK)EUR/St.1,301,501,65
15SEK VertriebEUR/St.0,300,300,40
16Summe Verw. und Vertr.EUR/St.1,601,802,05
17SelbstkostenEUR/St.14,6016,8018,55

6 Mehrstufige Äquivalenzziffernkalkulation

Die mehrstufige ÄZK wird notwendig, wenn auch bei den Halbfabrikaten Bestandsveränderungen vorkommen. Die Fertigungskosten müssen dazu nach Produktionsstufen untergliedert werden. Eine Kostenstellenrechnung ist daher in jedem Fall erforderlich.

Praxis-Tipp

Bei einer feingegliederten Kostenstellenrechnung dürfen Sie mehrere Fertigungskostenstellen zu einer Kalkulationsstufe zusammenfassen, sofern zwischen den Kostenstellen keine Zwischenläger entstehen können und die Kostenverursachung der einzelnen Sorten in diesen Stellen gleich ist. Sie sollten dabei aber bedenken, dass eine feinere Kalkulation besseren Ausgangsdaten für mögliche weitere Analysen bieten kann.

In den meisten Fällen werden Sie auch für jede Produktionsstufe eine eigene ÄZR bilden müssen. Das Kalkulationsschema wird dadurch im Fertigungsbereich umfangreicher, ähnelt aber ansonsten dem oben gezeigten Beispiel der zweistufigen ÄZK.

Praxis-Tipp

Bei der mehrstufigen ÄZK wird das Rechnen mit ÄZ recht aufwendig. Da im Fertigungsbereich die ÄZR meistens von Bezugsgrößen wie Fertigungs- oder Rüstzeiten, Materialabmessungen und -eigenschaften abgeleitet werden, sollten Sie überlegen, die Bezugsgrößen direkt für Ihre Kalkulation zu nehmen. Sie kämen dann zur Bezugsgrößenkalkulation.