Selbstkosten

Selbstkosten im Unternehmen

Als Selbstkosten werden alle Kosten bezeichnet, die bei Dienstleistungen und der Herstellung von Waren anfallen. Ihre Ermittlung ist die Basis für die Preiskalkulation und ein wichtiger Orientierungsfaktor bei der Preisfindung.

Sind Herstellkosten Selbstkosten?

Eines vorweg: Herstellkosten und Selbstkosten sind nicht dasselbe! Vielmehr ist Selbstkosten ein Überbegriff, der unter anderem die Herstellkosten enthält. Sie enthalten insgesamt die Material-, Fertigungs-, Entwicklungs-, Verwaltungs- und Vertriebskosten. Herstellungskosten sind der zusammengefasste Posten der Material- und Fertigungskosten. Entwicklungs-, Verwaltungs- und Vertriebskosten sind Selbstkosten, aber keine Herstellkosten.

Wie kann man Selbstkosten berechnen?

Generell gibt es mehrere verschiedene Varianten der Selbstkostenkalkulation. Sie können Ihre Selbstkosten etwa mit der Handelskalkulation oder der Zuschlagskalkulation berechnen. Und Sie können sie außerdem anhand des Umsatzes oder auch anhand von geleisteten Stunden der Dienstleistung berechnen.

Die Definition von Selbstkosten

Was zu den Selbstkosten eines Unternehmens zählt, ist von der Branche abhängig.

In Fertigungsbetrieben zählen zu den Selbstkosten die Material- und Herstellungskosten. Dazu kommen dann noch Verwaltungs- und Vertriebskosten.

In einem Handelsbetrieb setzen sich die Selbstkosten aus dem Einkaufspreis, den Lagerungskosten und dem Einstandswert zusammen. Auch hier kommen noch die Verwaltungs- und Vertriebskosten hinzu.

Bei einer Dienstleistungsfirma sind die Lohnkosten meistens der größte Posten bei den Selbstkosten. Die Lohnkosten setzen sich aus dem Bruttolohn, den Sozialversicherungsabgaben sowie eventuellen Zuschlägen zusammen. Die Kosten für Material, Werkzeuge und Fahrzeuge kommen hinzu. Außerdem gehören auch die Werbungskosten zu den Selbstkosten.

Die Selbstkosten enthalten also ausnahmslos alle Kosten. Auch die Kosten, die unabhängig von produzierter Stückzahl oder verkaufter Warenmenge anfallen, zählen dazu.

Selbstkosten ermitteln mit Selbstkostenkalkulationen

Die Selbstkosten sind die Grundlage für die betriebliche Kalkulation. Der endgültige Verkaufspreis ergibt sich, wenn noch Gewinn, Skonto und Rabatt aufgeschlagen werden.

Für die Berechnung müssen Sie zuerst den Unterschied zwischen den Einzelkosten und den Gemeinkosten kennen:

Die Einzelkosten können Sie direkt zuordnen. Es handelt sich dabei um die Kosten, die direkt dem Produkt zugerechnet werden können. Rohstoffe können Sie beispielsweise direkt einem Produkt zuweisen. Dabei handelt es sich dann um die Materialeinsatzkosten, die zu den Selbstkosten gehören.

Gemeinkosten hingegen können Sie nicht einem Produkt direkt zuordnen. Sie fallen für eine größere Produktzahl gleichzeitig an. Das sind zum Beispiel die Lagerkosten.

Selbstkosten berechnen mit der Zuschlagskalkulation

Die Selbstkosten berechnen Sie nach einem Kalkulationsschema. In einem Fertigungsbetrieb rechnen Sie mit der Zuschlagskalkulation und ermitteln so die Selbstkosten pro Produkt. Dafür ziehen Sie die Einzelkosten für ein Produkt heran.

Ein Beispiel könnte so aussehen:

  • Materialeinzelkosten: 2.000,00 Euro
  • Materialgemeinkostenzuschlag: 25 Prozent
  • Fertigungseinzelkosten: 1.000,00 Euro
  • Fertigungsgemeinkostenzuschlag: 40 Prozent
  • Zuschlag für die Vertriebskosten: 10 Prozent
  • Zuschlag für die Verwaltungskosten: 8 Prozent

Das Kalkulationsschema dazu sähe dann so aus:

Materialeinzelkosten

2.000,00 €

+

Materialgemeinkosten

500,00 €

=

Materialkosten

2.500,00 €

+

Fertigungseinzelkosten

1.000,00 €

+

Fertigungsgemeinkosten

400,00 €

=

Herstellungskosten

3.900,00 €

+

Vertriebskosten

390,00 €

+

Verwaltungskosten

312,00 €

=

Selbstkosten

4.602,00 €

Pro Produkt haben Sie also bei dieser Rechnung Selbstkosten von 4.602,00 Euro.

Die Handelskalkulation als Selbstkosten Schema

In Handelsbetrieben wird zur Berechnung der Selbstkosten die Handelskalkulation angewendet. Diese ist übersichtlicher und auch leichter zu berechnen, als die Zuschlagskalkulation. Im Grunde kennen Sie alle nötigen Zahlen bereits und müssen diese nur miteinander verrechnen.

Das Kalkulationsschema für eine Handelskalkulation sieht so aus:

Warenpreis

Rabatt

=

Zieleinkaufspreis

Skonto

=

Einkaufspreis

+

Bezugskosten

=

Bezugspreis

+

Handlungskosten

=

Selbstkosten

Wie Sie sehen, müssen Sie hier nur die Ihnen bekannten Einzel- und Gemeinkosten addieren bzw. subtrahieren, um auf das Ergebnis der Selbstkosten zu kommen.

Selbstkosten für Dienstleistungen

Die Selbstkosten in Dienstleistungsbetrieben werden über die Arbeitszeit und den Stundensatz berechnet. Dazu kommen dann die Materialkosten und Sonderkosten. Im Grunde ist auch dieses Schema sehr einfach zu berechnen, wenn Sie die entsprechenden Zahlen haben.

Das Kalkulationsschema zur Berechnung der Selbstkosten für Dienstleistungen sieht folgendermaßen aus:

Stundenzahl

x

Stundensatz

=

Lohnkosten

+

Materialeinkaufspreis

+

Materialaufschlag

+

Sondereinzelkosten der Fertigung

+

Sondereinzelkosten des Vertriebs

=

Selbstkosten

Sondereinzelkosten können je nach Auftrag entfallen, wenn beispielsweise der Vertrieb keine Rolle gespielt hat.

Selbstkosten Beispiel anhand des Umsatzes

Mit den Selbstkosten des Umsatzes berechnen Sie diese innerhalb einer Periode. Beispielsweise für das Geschäftsjahr.
Für die Berechnung der Selbstkosten des Umsatzes können Sie sich an der oben erklärten Zuschlagskalkulation orientieren. Statt die Berechnung auf ein Produkt zu beziehen, müssen Sie die Berechnung einfach nur auf alle Produkte beziehen.

Haben Sie beispielsweise im Geschäftsjahr 10.000 Produkte einer Reihe produziert, multiplizieren Sie diesen Wert mit den Werten für das Einzelprodukt und nehmen die Rechnung nach der Zuschlagskalkulation vor.

Greifen wir nochmal auf unser Beispiel von oben zurück. Wir hatten bereits ausgerechnet, dass die Selbstkosten pro Produkt bei 4.602,00 Euro lagen. Jetzt wollen wir die Selbstkosten des Umsatzes für das Geschäftsjahr anhand dieses Produkts ermitteln.

Dafür multiplizieren wir die Menge von 10.000 Stück mit den bisherigen Werten.

Das Kalkulationsschema sieht dann so aus:

Materialeinzelkosten

20.000.000,00 €

+

Materialgemeinkosten

5.000.000,00 €

=

Materialkosten

25.000.000,00 €

+

Fertigungseinzelkosten

10.000.000,00 €

+

Fertigungsgemeinkosten

4.000.000,00 €

=

Herstellungskosten

39.000.000,00 €

+

Vertriebskosten

3.900.000,00 €

+

Verwaltungskosten

3.120.000,00 €

=

Selbstkosten

46.020.000,00 €

Das Ergebnis gilt natürlich nur für das entsprechende Produkt bzw. die Produktreihe. Für jedes weitere Produkt muss die Rechnung separat durchgeführt werden.

Selbstkosten je Stück berechnen

In den obenstehenden drei Selbstkostenkalkulationen haben Sie gesehen, dass Sie die Selbstkosten als Zuschlag auf die die Einzelkosten berechnen können, aber auch auf Stunden- oder Umsatzbasis berechnen können.

Wenn Sie Selbstkosten je produziertes Stück berechnen wollen, müssen Sie lediglich für sich definieren, was ein Stück ist. Wenn Sie nach der Zuschlagskalkulation wie im oben aufgeführten Rechenbeispiel 4.602,00 Euro je Produkt Selbstkosten haben und dieses ein Stück bezeichnet, dann haben Sie bereits die Selbstkosten je Stück ausgerechnet. Sollten Sie aber beispielsweise Bücher verlegen und eine kleine Auflage eines Buches mit der Zuschlagskalkulation errechnet haben, müssen Sie das Ergebnis durch die Auflage, also durch die Anzahl der Bücher teilen, um die Selbstkosten je Stück zu ermitteln.

Spannender wird es, wenn Sie die Selbstkosten nach dem Umsatz berechnet haben. Wenn Sie im Vorjahr die Selbstkosten des Umsatzes kalkuliert haben, dann können Sie bei neuen Produkten Ihre Erfahrungswerte zunächst als Richtlinie für die voraussichtlichen Selbstkosten pro Stück verwenden. Im Vorjahr waren es 4.602,00 Euro je Stück und Sie haben dieses für 10.000 Euro verkauft? Und in diesem Jahr planen Sie ein weiteres Produkt, das Sie an ein zahlungskräftigeres Kundensegment für 20.000 Euro verkaufen wollen? Prima: Ihre Selbstkosten je Stück sollten sich etwa um 9.204,00 Euro je Stück bewegen, damit der Verkauf eines teuren Produkts genau so rentabel ist wie der Verkauf von zwei günstigeren Produkten.

Der Selbstkostenpreis und die rechtliche Lage

Wie Sie den Selbstkostenpreis eines Produktes oder einer Dienstleistung ermitteln, ist die Basis für die Preiskalkulation Ihres Angebots. Bieten Sie Ihre Produkte oder Dienstleistungen nur zum Selbstkostenpreis an, erzielen Sie keinen Gewinn, weil damit nur die Selbstkosten gedeckt sind.

Aus rechtlicher Sicht dürfen Sie bei Ihren Preisen den Selbstkostenpreis nicht unterschreiten, da das als unlauterer Wettbewerb gilt. Ausnahmen bestätigen wie so häufig die Regel. Laut dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), ist es hin und wieder erlaubt, den Selbstkostenpreis mit einem Angebot zu unterbieten, aber nur, wenn es sachlich gerechtfertigt ist.

Grundsätzlich wollen Sie aber ohnehin den Selbstkostenpreis nicht unterbieten, denn das würde bedeuten, dass Sie Verluste einfahren. Orientieren Sie sich bei der Preiskalkulation also immer an den Selbstkosten und decken Sie mindestens diese ab, damit Ihr Unternehmen nicht in finanzielle Schwierigkeiten gerät.

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