Wiederbeschaffungswert

1 Was ist der Wiederbeschaffungswert?

Dieser Wert stellt die Kosten dar, die ein Unternehmen für die Ersetzung bestimmter Anlagegüter aufwenden muss. Wenn Sie den Wiederbeschaffungswert für einen Vermögensgegenstand ermitteln möchten, den Sie bereits in der Vergangenheit angeschafft haben, ist dies der sogenannte Tageswert.

2 Wofür wird der Wiederbeschaffungswert genutzt?

Der Wiederbeschaffungswert ist vor allem für die kalkulatorischen Abschreibungen wichtig. Diese werden gebildet, um den Werteverzehr zu berechnen. So kann die Substanzerhaltung eines Unternehmens angezeigt werden. Besonders im Falle von Preisänderungen reicht die bilanzielle Abschreibung für die Kalkulation oft nicht mehr aus, um eine Ersatzbeschaffung aus den Abschreibungswerten zu finanzieren. Dabei spielen unter anderem auch technische Neuerungen, die zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit notwendig sind, eine Rolle. So fallen zum Beispiel die Preise für Computer ständig, Sie würden sich aber zu einem späteren Zeitpunkt nicht das gleiche Gerät anschaffen, sondern ein moderneres.

Berechnung des Wiederbeschaffungswertes

Wenn der Ersatzzeitpunkt für einen Vermögensgegenstand festgelegt ist, benötigen Sie für die Berechnung des Wiederbeschaffungswertes eine Preissteigerungsrate. Wenn die Preissteigerungsrate pro Jahr gleich bleibt, ergibt sich folgende Formel für die Errechnung des Wiederbeschaffungswertes:

Wiederbeschaffungswert = Anschaffungswert x (1 + Preissteigerungsrate)Nutzungsdauer

Kalkulatorische Anlagenwagniskosten

Wird auf eine leistungsäquivalente Wiederbeschaffung Wert gelegt, kommt zur Preissteigerungsrate noch die prognostizierte, durch den technischen Fortschritt bedingte Verteuerungsrate hinzu.

Wird der Wiederbeschaffungswert zu klein prognostiziert oder ist die tatsächliche Nutzungsdauer doch geringer als angesetzt, dann kann planmäßig die Anlage kalkulatorisch nicht voll abgeschrieben werden. Es entstehen so genannte Abschreibungsverluste. Diesem Risiko begegnet man in der Kostenrechnung mit dem Ansatz kalkulatorischer Anlagenwagniskosten. Dabei werden die Abschreibungsverluste eines längeren Vergangenheitszeitraums mit den Abschreibungsgewinnen, die sich aus Abschreibungen über den Wiederbeschaffungswert hinaus ergeben können, saldiert. Dieser Saldo wird durch die Gesamtabschreibungen des Zeitraums dividiert und man erhält den kalkulatorischen Wagniszuschlagssatz als Zuschlag auf die planmäßigen kalkulatorischen Abschreibungen.

Praxis-Beispiel

Wagniskosten

Beispielhaft soll der Wagnissatz aus den Daten der fünf Vorjahre ermittelt werden.

Tab. 1: Beispielhafte Abschreibungswerte

JahrAbschreibungsverlusteAbschreibungsgewinneAbschreibungen
01180.000 EUR30.000 EUR3.252.000 EUR
0260.000 EUR45.000 EUR3.800.000 EUR
03130.000 EUR60.000 EUR3.200.000 EUR
0490.000 EUR30.000 EUR3.400.000 EUR
0570.000 EUR20.000 EUR2.890.000 EUR
Summe530.000 EUR185.000 EUR16.542.000 EUR

Ermittlung des kalkulatorischen Anlagewagnis in % der kalkulatorischen Abschreibungen für das Jahr 06:

(530.000 – 185.000) / 16.542.000 ≅ 2,09 %