Wiederbeschaffungswert

Der Wiederbeschaffungswert steht für alle Kosten, die ein Unternehmen für den Ersatz eines Wirtschaftsobjekts aufwenden muss. Der Wiederbeschaffungswert für einen Vermögensgegenstand, den Sie bereits in der Vergangenheit angeschafft haben, ist der sogenannte Tageswert.

Was bedeutet Wiederbeschaffungswert? Definition

Am ehesten ist der Begriff aus dem Bereich der Kfz-Versicherung bekannt. Wenn Sie schon einmal einen Unfall mit Totalschaden hatten, dann sind die Begriffe Restwert, Wiederbeschaffungswert und Zeitwert sicherlich häufiger gefallen, wenn Sie mit Ihrem Versicherungsunternehmen oder der Werkstatt gesprochen haben.

Laut Definition gibt der Wiederbeschaffungswert oder Zeitwert an, welche Summe Sie brauchen, um am Markt ein gleichwertiges Auto (gleiches Modell, gleiche Marke und gleicher Zustand) zu kaufen. Er ist wichtig, um abzuschätzen, ob sich eine Reparatur noch lohnt. Der Restwert des Fahrzeugs ist der Wert des Autos nach dem Unfall. Er wird bei der Berechnung der Entschädigungssumme abgezogen.

Dieses Beispiel aus dem Alltag können Sie grundsätzlich auch auf sämtliche materielle Vermögensgegenstände in Ihrem Unternehmen übertragen. Die Ersatzbeschaffung einer Maschine erweist sich beispielsweise dann als notwendig, wenn ein Gebrauch durch Abnutzung nicht mehr möglich ist oder ein irreparabler Sachschaden entstanden ist. Es kann auch sein, dass die Reparaturkosten schlicht zu hoch sind oder das Wirtschaftsgut verloren oder gestohlen wurde.

Bei jeder Ersatzinvestition müssen Sie sich mit dem Wiederbeschaffungswert auseinandersetzen.

Zwei weitergehende Definitionen des Wiederbeschaffungswerts

Beim Beispiel vom Auto ist der Wiederbeschaffungswert gleichbedeutend mit dem Zeitwert. Das ist für das Versicherungsunternehmen zur Bestimmung der Entschädigung wichtig.

In einem Unternehmen muss der Leitgedanke aber nicht unbedingt sein, eine zum Zeitpunkt des Ausfalls gleichwertige Maschine als Ersatz zu beschaffen. Es kann auch eine neue, leistungsfähigere Maschine sein. Deswegen wird auch in Wiederbeschaffungszeitwert (Definition wie beim Fahrzeug-Beispiel) und Wiederbeschaffungsneuwert (neuwertiger Ersatz) unterschieden. Letzterer wird in der Folge weiter als relevant betrachtet.

Wofür wird der Wiederbeschaffungswert genutzt?

Der Wiederbeschaffungswert ist vor allem für die kalkulatorischen Abschreibungen wichtig. Diese werden gebildet, um den Werteverzehr zu berechnen. So kann die Substanzerhaltung eines Unternehmens verfolgt werden.

Besonders im Falle von Preisänderungen reicht die bilanzielle Abschreibung für die Kalkulation oft nicht mehr aus, um eine Ersatzbeschaffung aus den Abschreibungswerten zu finanzieren. Dabei spielen unter anderem auch technische Neuerungen, die zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit notwendig sind, eine Rolle. So fallen zum Beispiel die Preise für Computer ständig, Sie würden sich aber zu einem späteren Zeitpunkt nicht das gleiche Gerät anschaffen, sondern ein moderneres.

Kalkulation des Wiederbeschaffungswerts

Um den Wiederbeschaffungswert zu kalkulieren, müssen Sie zunächst den Ersatzzeitpunkt definieren. Das ist Ihr Stichtag, zu dem der Wiederbeschaffungswert Ihres Vermögensgegenstands gelten soll.

Dann schauen Sie nach, wie der Anschaffungspreis war.

Im dritten Schritt müssen Sie die Preissteigerung zwischen Anschaffungszeitpunkt und Ersatzzeitpunkt bestimmen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Aus dem Anschaffungswert und der Preissteigerung im betrachteten Zeitraum ergibt sich schließlich der Wiederbeschaffungswert.

Wiederbeschaffungswert Berechnung

Wenn der Ersatzzeitpunkt für einen Vermögensgegenstand festgelegt ist, benötigen Sie für die Berechnung des Wiederbeschaffungswertes WBW eine Preissteigerungsrate r. Wenn die Preissteigerungsrate pro Jahr konstant bleibt, ergibt sich mit den Anschaffungskosten AK und der Nutzungsdauer d folgende Formel für die Berechnung des Wiederbeschaffungswertes:

WBW = AK x (1 + r)d

Bei unregelmäßiger Preisentwicklung lässt sich die Formel auch einfacher schreiben, indem Preisindizes PI für das Anschaffungsjahr und das Neuanschaffungsjahr zugrunde gelegt werden:

WBW = AK x (PI NAJ : PIAJ)

Wenn im Anschaffungsjahr der Preisindex beispielsweise bei 100 lag und im Neuanschaffungsjahr bei 114, dann ist der Wiederbeschaffungswert einer Maschine, die bei der Anschaffung noch 90.000,00 Euro gekostet hat, nun 102.600,00 Euro.

Abschreibungen und Wiederbeschaffungswert

Bei klassischen Abschreibungsmethoden wird kritisiert, dass die tatsächliche Abnutzung nicht den Abschreibungen entspricht, die von den ursprünglichen Anschaffungskosten vorgenommen werden.

Üblicherweise verteuern sich wieder neu anzuschaffende Gegenstände durch Inflation und Innovation während der Nutzungsdauer der abzuschreibenden Objekte. Dadurch reichen die angesammelten Abschreibungsbeträge als Kaufpreis bei der Neuanschaffung nicht aus.

Eine Abschreibung vom höheren Wiederbeschaffungswert kann einen potenziellen Substanzverlust verhindern. Dies kann aber nur als kalkulatorische Abschreibung erfolgen, wobei die Differenz zur Abschreibung in der Gewinn- und Verlustrechnung als sogenannte Anderskosten berücksichtigt wird.