Berufsrisiken als Webdesigner*in: Brauchst du eine Versicherung?

Berufsrisiken als Webdesigner*in: Brauchst du eine Versicherung?

DSVGO-Lücken, Hacker, zahlungsunwillige Kundschaft, Urheberrechtsverletzungen versehentlich durch dich oder an deinen Werken: Es kann so vieles passieren.

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Googelst du nach „Berufsrisiken als Webdesigner„, findest du vorwiegend die Angebote derjenigen, die Versicherungen verticken und daher auf das Modell Angstmaschine setzen: Völlig erstaunlich, dass überhaupt jemand beruflich den PC einschaltet – was da alles passieren kann!

Eins fällt sofort auf: Die in Interviews über Berufsrisiken als Webdesigner und für andere Webworker zu Wort kommende Expert*innen arbeiten fast immer für Versicherungskonzerne, die meisten der anderen mit eigenen Blogs und Artikeln bekommen Provision für die Vermittlung eines Vertrags. Auch Zitate des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) werden in ganz allgemein klingende Informationen schon mal so selbstverständlich eingestreut, als handele es sich dabei um neutrale Quellen.

Fachmenschen für den Vertrieb von Versicherungen liefern also gerne schnell und viele Beispiele dafür, wie teuer kleine Fehler werden können. Was tatsächlich stimmt. Versicherungen für Blogger und Influencer, für Texter*innen und Grafikschaffende, Versicherungen für Daten und Systeme, bei Verletzung von Geheimhaltungserklärungen: Es gibt heute online nichts, das sich nicht irgendwie absichern lässt.

Versicherungen sind ja auch wichtig und eine sinnvolle und nützliche Sache: Wenn sie im Schadensfall auch wirklich zahlen, statt den Vorgang zu verschleppen. Wenn sie zu dem passen, was vorgefallen ist und wirklich zuständig sind. Wenn sie bezahlbar sind und tatsächlich ein Risiko gegeben ist. Wenn eine Rechtsberatung enthalten ist und man sie auch wieder einfach loswerden kann, wenn es doch nicht so gut passt.

Et hätt noch immer jot jejange
(Kölsches Grundgesetz, Paragraph §3)

Der dritte Paragraph des spaßhaften Kölner Grundgesetzes „es wird schon schiefgehen“ greift leider in der echten Welt zu selten. Trotzdem handelt es sich dabei um eine Bestandsaufnahme der Einstellung der allermeisten Menschen zu potenziellen Problemen: Man kann sich unmöglich gegen alles versichern, leben muss man ja auch noch – und überhaupt, wer soll sich diese ganzen Versicherungen leisten?

Rundum „abgesichert“ zu sein ist teuer

Kosten sind tatsächlich der Hauptgrund, warum nicht jeder im Web arbeitende Mensch sich vorsorglich rundherum absichert. Schließlich haben Selbständige bereits hohe laufende Kosten für Krankenversicherung plus Lebensunterhalt und Betriebskosten. Sie
müssen parallel Rücklagen für die Steuer schaffen, werden voraussichtlich bald in die Rentenpflicht genommen und sollten dabei auch noch in jeder Lebenslage von Elternzeit bis Krankenstand eine wertige Altersvorsorge treffen. Kein Wunder, dass es nicht bei allen klappt.

„Verdrängung ist, was uns oben hält“ ist dann das Motto: Wer kann denn noch vernünftig arbeiten, wenn Sorge um potenzielle Schadensfälle, Altersarmut und Versorgungslücken das Denken bestimmen?

Mindestens das muss deine Versicherung bieten

Rechtsverletzungen sollten umfassend versichert sein: Verstöße gegen das Urheber-, Marken-, Wettbewerbs-, Persönlichkeits-, Lizenz- oder Datenschutzrecht.

Projektverträge enthalten gelegentlich Klauseln, die deine Haftung über die gesetzlichen Regelungen hinaus verschärfen: Vertragsstrafen, die sich daraus ergeben, oder pauschal vereinbarter Schadenersatz sollten ebenfalls abgedeckt sein.

Alle Bausteine müssen individuell auf deinen Bedarf und für dich passende Schadenssummen anpasst bar sein. Bei Rechtsverletzungen solltest du auch abgesichert sein, wenn du grob fahrlässig handelst.

Die angebotene Versicherung sollte alle Tätigkeiten einschließen, die du in deinem Beruf ausübst, ohne dass diese Tätigkeiten einzeln gelistet werde und auch überschneidende Tätigkeiten einschließen, zum Beispiel, wenn du als Webdesigner*in auch zusätzlich als Grafiker*in oder im Bereich Schulungen und Text arbeitest.

Es gibt viele Berufsrisiken für Webdesigner, die eine Existenz gefährden können. Unbestimmte Ängste helfen dir nicht weiter, konkrete Informationen schon.

Um dir genauer anzuschauen, wovon du theoretisch betroffen sein könntest, reicht ein Blick in den Angebotskalkulator eines beliebigen großen Versicherungskonzerns:

Step by Step bekommst du für deinen Beruf aufgezeigt, wogegen du dich absichern kannst und bis zu welcher Höhe. Am Ende wird die Versicherungssumme ausgegeben. Abgefragt wird überspitzt gesagt übrigens in erster Linie, ob es sich überhaupt lohnt, dich zu versichern: Man möchte ja Geld an dir verdienen und sich dagegen absichern, dass du die Leistung ständig in Anspruch nimmst.

Außerdem werden von dir weitere Angaben erwartet wie „Betreiben Sie durchgängigen Virenschutz mit aktuellen Virensignaturen?“ – „Gibt es ein abgestuftes Rechtekonzept mit administrativen Kennungen ausschließlich für IT-Verantwortliche?“ – „Führen Sie eine regelmäßige mindestens wöchentliche Datensicherung auf separierten Systemen oder Datenträgern durch?“ (Das ist übrigens eine nicht sehr gut getarnte To-do-Liste.)

Berufsrisiken als Webdesigner: Von Rechtsverletzungen bis Vertragsbruch durch Kunde – alles ist möglich

In den leider meisten Fällen wirst du über eine Versicherung erst nachdenken, wenn du das Problem schon hast. Dann ist es zu spät, viele dieser Firmen wollen dich sogar nur als Kund*in, wenn du mindestens fünf Jahre „sauber“ warst und kein rechtliches Problem hattest. Mit einem frischen Fall musst du es wohl gar nicht erst versuchen.

Aber das heißt ja nicht, dass der Schadensfall nicht mit anwaltlicher Hilfe gelöst werden kann, es heißt nur, dass es nicht per Versicherungsabdeckung geht – auch so etwas, das in der Panik viele dann vergessen. Anwälte sind teuer, aber gar nicht zwangsläufig der erste Weg: Viele Berufsverbände bieten Beratung an, durch Anruf bei einer Anwalts-Hotline kannst du dir für 2 Euro die Minute eine erste Einschätzung holen – und natürlich gibt es auch hoch nützliche Beratungsangebote für Solo-Selbständige wie das von mediafon.net: https://selbststaendigen.info/

Versicherungs-Vorsorge ist wirklich besser als Nachsorge

Eine Versicherung zu haben ist trotzdem weit besser, als keine zu haben.

Das Urheber-, Marken- oder Wettbewerbsrecht ist komplex, Verstöße können teuer werden, auch versehentliche wie Bilder mit falsch eingetragenen Lizenzen und Schadensersatzforderungen. Hacker und Phisher werden immer mehr. Werkverträge können platzen, doch was machst du, wenn die Kundschaft unverdrossen deine Arbeit weiter einsetzt, unbezahlt natürlich, weil ein Teil bereits geleistet wurde und nun anderweitig zweitverwendet wird?

Das Web bleibt in Bewegung und Technik wird täglich anspruchsvoller. Sich gegen die größten Risiken abzusichern wird in absehbarer Zeit zu den ganz normalen Verwaltungsabläufen für Selbständigen gehören. Wenn du also eine bezahlbare Versicherung findest, die zu dir passt – einen Fehler machst du damit bestimmt nicht.

  • Foto: © sebra – stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
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