Was macht die Selbständigkeit mit mir? Teil 3: Urlaub als Selbständige:r

Urlaub: Was macht die Selbständigkeit mit mir?

Zum #Lebensgefühl_selbständig gehört auch das "selbst und ständig" - oder nicht? Wie auch selbständige Unternehmer:innen Urlaub nehmen

Lesezeichen setzen

Während Arbeitnehmer:innen einen Urlaubsanspruch haben, bist du als Selbständige:r darauf angewiesen, deinen Urlaub selbst einzuplanen: Zum #Lebensgefühl_selbständig gehört auch die Verantwortung, für regelmäßige Ruhepausen zu sorgen. Das klingt sehr richtig und pragmatisch, das ist aber tatsächlich gar nicht immer so einfach.

Ständig erreichbar sein oder ein paar Wochen Urlaub nehmen?

Wir wissen es alle: Ab und zu eine entspannte Auszeit zu nehmen ist wichtig – denn nur wer regelmäßig für Entspannung sorgt, wird langfristig leistungsfähig sein. Als Unternehmer:in leichter gesagt als getan, denn gleich drei Faktoren wollen berücksichtigt werden:

  • Du verdienst in der Urlaubszeit kein Geld,
  • deine Kunden müssen weiter betreut werden und
  • du bekommst in dieser Zeit auch keine neuen Aufträge.

Schon deshalb scheint vor allen Gründer:innen ein längerer Urlaub unerreichbar und ist auch tatsächlich nur für diejenigen wirklich einfach, die hohe Reserven haben oder von Partner oder Partnerin finanziell den Rücken freigehalten bekommen. Das sind dann häufig auch diejenigen, die am lautesten tönen, wie wichtig doch regelmäßiger Urlaub sei 🙂

Vor allem Gründer:innen kennen aber in den stressigsten Phasen eher Existenzangst, mangelnde Übung beim Delegieren und den Wunsch, den Anschluss nicht zu verlieren als gemütliche Urlaubspläne.

Es gibt viele Geschäftsmodelle, bei denen tatsächlich die Gefahr besteht, durch andere Dienstleistende ersetzt zu werden, wenn man einige Wochen nicht erreichbar ist – wie man damit umgeht, beziehungsweise wie man sich so aufstellt, dass man Alleinstellungsmerkmale und die richtigen Projekte hat, das ist wieder ein anderes Thema.

Fest steht: Wer sich selbständig macht, wird nie wieder so entspannt und so häufig Urlaub nehmen können wie Angestellte. Brückentage werden zu ungestörten Arbeitstagen, Feiertage zu dringend benötigten Verschnaufspausen und „richtiger“ Urlaub will geplant, durchdacht und finanziell abgesichert werden.

Urlaub ist nicht drin - oder doch?

Kaum etwas ist so individuell wie Urlaubsplanung. Der eine träumt vom Strand, die nächste von den Bergen und wieder andere davon, im Wellnesshotel zu liegen und so weiter. Das überrascht auch niemanden.

Erstaunlicherweise aber ist von „Urlaub für Selbständige“ oft die Rede, als könnte man sämtliche Urlaubsplanung über einen Kamm scheren: Dabei ist eine längere Auszeit und ob sie möglich ist, von ganz vielen Faktoren abhängig:

Geschäftsmodelle und Angebote unterscheiden sich. Nicht jeder Job lässt sich durch eine Vertretung regeln, private Verpflichtungen müssen bedacht werden (oder nicht) und ob es Rücklagen gibt, spielt ebenfalls mit in die Planung oder das Weglassen eines Urlaubs mit hinein. Die Pandemie hat auch vieles verändert.

Wenn du aktuell keinen Urlaub machen kannst …

Wenn du keinen Urlaub nehmen kannst, weil dein Geschäftsmodell es durch die Krise oder andere Umstände aktuell nicht zulässt, solltest du für anderen Ausgleich sorgen:

Den Sommer über eine Drei- oder Vier-Tage-Arbeitswoche betreiben.
Oder einmal im Monat ein viertägiges Wochenende fest einplanen.
Die Brückentage zum Ausspannen nehmen.
Schon jetzt vorarbeiten, damit du am Jahresende „zwischen den Jahren“ freinehmen kannst, weil du dafür Rücklagen hast.

Ein bisschen Urlaub geht fast immer: Das Format muss passen.

Längere Auszeiten, in denen Körper und Seele zur Ruhe kommen können, sind natürlich der Idealfall. Aber weil Dinge selten ideal laufen und immer ein Jahr dabei sein kann, in dem du dein „Hamsterrad“ nicht zurücklassen kannst, solltest du auch die kleinen Urlaube im Alltag nutzen und wo möglich einplanen.

Einfach mal ein oder zwei Monate raus und weg, frei von allen Verpflichtungen – das bleibt für die meisten Selbständigen ein schöner Traum. Aber auch für einen Urlaub von zwei oder drei Wochen musst du Vorsorge treffen, für Erreichbarkeit und Informationsfluss sorgen.

Urlaub, aber richtig – gut vertreten durch die freie Zeit

Als Selbstständige:r eine Urlaubsvertretung zu organisieren beginnt mit der Auswahl des Zeitraums, in dem du urlauben willst: Entweder planst du schon lange im Voraus oder du vermeidest die beliebteste Zeit, in der die Bundesländer mit der höchsten Bevölkerungsdichte Schulferien haben. Damit steigen dann deine Chancen, jemanden für eine kompetente Vertretung zu finden.

Einzelkämpfer:innen organisieren sich mit entsprechend Vorlauf die passende Urlaubsvertretung: Zum Beispiel kannst du dich mit Kolleg:innen zusammentun. Im Wechsel sorgt Ihr dann dafür, dass eure Kunden betreut werden. Oder du vergibst die Aufträge unter.

In jedem Fall ist hierfür ein gutes Vertrauensverhältnis wichtig und eine vertragliche Regelung. Mit der stellst du sicher, dass deine Kunden bei dir bleiben und gewährleistest im Gegenzug, dass auch du keine abwirbst. Je häufiger du auf diese Art mit deinen Netzwerkkolleg:innen arbeitest, desto einfacher hast du es dann auch bei zukünftigen Urlauben oder im Falle einer Krankheit oder zu großen Auslastung.

Übrigens: Auch eine Zusammenarbeit für größere Projekte als bisher ist einfacher zu realisieren mit jemandem, den du schon als Urlaubsvertretung kennen gelernt hast.

Wie meldet man sich ab? Meldet man sich überhaupt ab?

Ein Sekretariatsservice kann dir dabei helfen, dass während deines Urlaubs keine Anrufe ins Leere laufen: Deine Telefonate werden entgegengenommen, deine Kund:innen erhalten die Information, wann du wieder erreichbar bist. Nur die allerwichtigsten Angelegenheiten werden an dich weitergeleitet – ganz nach Absprache.

Allen gefällt das übrigens nicht, denn als Einzelunternehmer:in unterliegst du der Impressumspflicht und ein Telefonservice deine Abwesenheit betreffend funktioniert wie die Information, wann deine Wohnung unbeaufsichtigt ist. Auch solche Dinge müssen Selbständige bedenken.

Wichtig ist, dass du deine regelmäßigen Kundinnen und Kunden rechtzeitig informierst, damit sie vorplanen können. Ob du dann im Urlaub durch deine Mails schaust oder diesen Job auslagerst, kommt auf deinen Einzelfall an.

Dank digitaler Technologie, guter Cloud-Software und vielfältiger Lösungen für das mobile Arbeiten kannst du auch ganz unauffällig in den Urlaub gehen – wer will dir schon vorschreiben, ob du arbeitest oder am Strand sitzt oder beides?

Urlaub ist also nicht so einfach einzuplanen wie bei Angestellten, aber durchaus möglich.

Je häufiger du ihn planst, vorbereitest und dich vertreten lässt, desto entspannter wirst du sein. Je unmöglicher er dir erscheint, desto früher solltest du damit beginnen, wenigstens gelegentliche „Urlaubs-Wochenenden“ einzuschieben.

Denn auch wenn es eine Herausforderung sein kann, alles zu organisieren: Urlaub lässt sich einplanen, dosieren und umsetzen wie jedes andere Projekt auch.

Unsere Serie:

START | Abenteuer | Achtsamkeit | Dienstleistung | Eigensinn | Kompetenz | Perfektionismus | Urlaub | Verhandlungsgeschick | Zeitmanagement

  • Foto: Adobe com Davide Angelini
Über die Autorin
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

Beitrag kommentieren