Zeitlohn

Was ist Zeitlohn?

Der Zeitlohn ist die bekannteste und am meisten angewendete Lohnform in Deutschland. Die Arbeitszeit wird – in der Regel pro Stunde – entlohnt und daraus ergibt sich am Ende eines Monats der Bruttolohn. In diesem Artikel erklären wir Ihnen alles Wichtige zum Zeitlohn.

Die Definition von Zeitlohn

Beim Zeitlohn vergütet der:die Arbeitgeber:in die geleistete Arbeitszeit der Angestellten. Der Zeitlohn ist in der Arbeitswelt am weitesten verbreitet und die einfachste Art der Lohnabrechnung.
Eine sinnvolle Verwendung von Zeitlohn findet vor allem in Unternehmen statt, in denen die reine Arbeitsleistung nur schwer oder gar nicht messbar ist. Ein gutes Beispiel ist die Arbeit auf einer Baustelle. Die Leistung Ihrer Arbeitnehmer:innen kann dort nicht exakt gemessen werden. Ein:e Maurer:in kann schließlich nur schlecht pro gemauertem Stein bezahlt werden.

Auch Branchen, in denen die Arbeit gefährlich ist, setzen in der Regel auf den Zeitlohn. So soll kein unnötiger Druck auf die Arbeitnehmer:innen entstehen, der die Konzentration gefährdet und für Unfälle sorgen würde.

Weitere Berufe, in denen bevorzugt ein Zeitlohn berechnet wird, sind Ärzte, Pflegepersonal, Verkauf, Agenturen, Anwälte, Architekten und alle Jobs im Gastgewerbe.

Die bekannteste Form des Zeitlohns ist, wie bereits erwähnt, der Stundenlohn, bei dem die Arbeitsstunde die zeitliche Bemessungsgrundlage ist. Der Zeitlohn kann aber auch in Tagen, Wochen, Monaten oder Schichten bemessen werden. Neben dem Stundenlohn ist ein Monatsgehalt oder ein Monatslohn, der die Arbeitstage pro Monat bei der Bezahlung berücksichtigt, ebenfalls gang und gäbe. Eine weitere Form ist das Jahresgehalt: Mit einem auf regelmäßige monatliche Zahlungen heruntergebrochenen, festen Jahresgehalt sind alle Pflichten des:der Arbeitnehmer:in laut Arbeitsvertrag abgegolten.

Das Gegenteil vom Zeitlohn ist der Leistungslohn, bei dem nicht die Zeit die Bemessungsgrundlage ist, sondern die Arbeitsleistung selbst gemessen wird. Der Leistungslohn kann zum Beispiel anhand der hergestellten Produkte gemessen werden. Das ist beim Akkord- und Prämienlohn die gängigste Variante.

Wichtig: Die Lohnform müssen Sie bereits im Arbeitsvertrag festhalten und können nicht ohne Weiteres von einer Form zu einer anderen wechseln.

So berechnen Sie den Zeitlohn

Grundsätzlich sind für die Berechnung des Zeitlohns alle Zeiteinheiten möglich. Der finale Lohn setzt sich aus der messbaren Zeiteinheit und dem Lohnsatz pro Zeiteinheit zusammen:
Finaler Lohn = messbare Zeit x Lohnsatz pro Zeiteinheit

Ein vereinfachtes Beispiel anhand des Stundenlohns:
Ein:e Arbeitnehmer:in verdient laut Arbeitsvertrag einen Stundenlohn von 15 Euro. Der Lohn am Ende des Monats hängt also von den geleisteten Arbeitsstunden ab. Mit Hilfe einer Zeiterfassung – beispielsweise einer Stempeluhr – werden die Arbeitsstunden festgehalten. Diese belaufen sich auf 150 Stunden. Das Entgelt ergibt sich also aus der Multiplikation der Arbeitsstunden mit dem Stundenlohn.
Finaler Lohn = 150 Stunden x 15 Euro = 2.250 Euro

Zulagen und Zuschläge für den Zeitlohn

Arbeitnehmer:innen haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Zulagen. Viele Unternehmen nutzen trotzdem Zulagen und Zuschläge, mit denen die Mitarbeiter:innen ihr Gehalt aufstocken können.

Zu den bekanntesten Zulagen zählen:

  • Der Nachtzuschlag
    Besser bekannt als „Nachtschichtzulage“. Die Höhe dieses Zuschlags ist von der Uhrzeit abhängig, wird aber für gewöhnlich für die Zeit zwischen 23.00 Uhr abends und 06.00 Uhr morgens gezahlt. Meistens liegt der Nachtzuschlag bei 25 % des Bruttostundenlohns. Zwischen 00.00 Uhr und 04.00 Uhr liegt der Nachtzuschlag sogar bei 40 % – Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Schicht vor Mitternacht beginnt.
  • Schichtzulagen
    Schichtarbeit ist ein Thema, das Arbeitnehmer:innen spaltet. Die eine Seite bevorzugt Schichtarbeit, weil der Lohn dadurch höher ausfällt, die andere Seite lehnt Schichtarbeit ab, weil sie sich auf den Biorhythmus auswirken kann und die Freizeit schwerer zu planen ist, wenn Arbeitnehmer:innen auch an Wochenenden und Feiertagen arbeiten.
    Manche Arbeitgeber:innen zahlen deshalb Schichtzulagen an ihre Mitarbeiter:innen sozusagen als Ausgleich für diese Nachteile. Ein Beispiel wäre ein Zuschlag von 50 % für die Arbeit an einem Sonntag. Verdient ein:e Mitarbeiterin 15 Euro in der Stunde und arbeitet 8 Stunden an einem Sonntag, beliefe sich das Gehalt für den Tag auf 120 Euro. Zusätzlich dazu kämen dann die 50 % Schichtzulage von insgesamt 60 Euro.
  • Erschwerniszulage
    Umgangssprachlich wird die Erschwerniszulage auch Gefahrenzulage genannt. Sie wird von Unternehmen genutzt, deren Mitarbeiter:innen besonders hohen Belastungen oder Gefahren ausgesetzt sind.
    Die Höhe der Erschwerniszulage hängt von der Branche ab, in der Ihr Unternehmen arbeitet und kann je nach Bundesland variieren. Für die Metallindustrie in Nordrhein-Westfalen beträgt sie beispielsweise 6 % des Bruttogehalts pro Stunde. Bei einem Stundenlohn von 15 Euro wären das also 90 Cent pro Stunde.
    Zulagen und Zuschläge werden im Arbeitsvertrag festgehalten. Sie sind aber nicht dazu verpflichtet, diese auch anzubieten. Allerdings gibt es gewisse Steuerfreibeträge für Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit.

Die Vor- und Nachteile von Zeitlohn

Der größte Vorteil des Zeitlohns für Sie als Arbeitgeber:in ist die simple Lohnabrechnung. Die einfache Erfassung der Arbeitszeit gestaltet die Abrechnung unkompliziert und zeitsparend.
Durch Zeitlohn steigt die Qualität Ihrer Produkte, da Ihre Angestellten keinen Leistungsdruck verspüren, schneller zu arbeiten und dadurch Fehler oder Produktionsmängel zu übersehen. Gleichzeitig sind auch Arbeitsunfälle und dadurch bedingte Fehlzeiten seltener, da Ihre Mitarbeiter:innen ohne den Leistungsdruck vorsichtiger und aufmerksamer arbeiten können.
Der fehlende Leistungsdruck kann aber auch dazu führen, dass Ihre Angestellten wenig motiviert sind und die Arbeitsleistung gering ausfällt. Im Gegensatz zum Leistungslohn sind die Leistungsunterschiede bei Ihren Mitarbeiter:innen für Sie auch nicht messbar.

Sie müssen keine Mehrleistungen zahlen. Zulagen und Zuschläge können aber durchaus ein Anreiz für Arbeitnehmer:innen sein, sich bei Ihrem Unternehmen zu bewerben und mit mehr Motivation durch diese direkte zusätzliche Belohnung an die Arbeit zu gehen.

Der Zeitlohn ist nicht ohne Grund die am meisten verbreitete Lohnform. Zeitlohn sorgt dafür, dass Ihre Angestellten eher auf Qualität statt auf Quantität achten und sorgt für weniger Unfälle und Krankheiten aufgrund von zu hohem Leistungsdruck. Die Nachteile schlagen sich höchstens in der geringen Motivation Ihrer Mitarbeiter:innen nieder, der Sie aber entgegenwirken können, falls das überhaupt nötig ist.