Arbeitgeberdarlehen

Zusammenfassung

Begriff

Wenn ein Angestellter mit dem Arbeitgeber oder aufgrund des Dienstverhältnisses mit einer Drittperson einen Darlehensvertrag abschließt und dadurch Geld bezieht, liegt ein Arbeitgeberdarlehen vor. Im Sinne eines Arbeitslohns werden dabei lediglich die Zinsvorteile in Betracht gezogen. Dagegen hat die Auszahlung der Darlehenssumme keinen Lohnzufluss zur Folge.

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Arbeitsrecht: Gelddarlehen müssen den Bestimmungen aus §§ 488 ff. BGB entsprechen. Sachdarlehen sind in §§ 607 ff. BGB geregelt.

Lohnsteuer: Die Beurteilung von steuerlichen Zinsvorteilen basiert auf den Vorschriften in § 8 Abs. 2 und 3 EStG. Weiterführende Erklärungen finden sich im BMF-Schreiben v. 19.5.2015, IV C 5 – S 2334/07/0009, BStBl 2015 I S. 484.

Sozialversicherung: Der geldwerte Vorteil, welcher aus einem zinslosen oder zinsverbilligt gewährten Arbeitgeberdarlehen resultiert, gilt laut § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV als beitragspflichtige Einnahme aus einer Beschäftigung.

Kurzübersicht

EntgeltSVLSt
Zinsersparnisse bis 44 EUR nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStGfreifrei
Hingabe der Darlehenssummefreifrei
Zinsvorteile bei Darlehenssummen bis 2.600 EURfreifrei
Zinsvorteile bei Darlehenssummen ab 2.600 EURpflichtigpflichtig

Praxis-Beispiele

  • Zinsloses Arbeitgeberdarlehen
  • Zinsloses Arbeitgeberdarlehen ab 2.600€
  • Arbeitgeberdarlehen mit 1,5 % Zinsen
  • Finanzinstitut gewährt Arbeitgeberdarlehen
  • 44-EUR-Freigrenze

Arbeitsrecht

1 Zweck des Darlehens

Indem ein Arbeitgeber ein Darlehen gewährt, kann er verschiedene Zwecke verfolgen. Üblicherweise dient ein Arbeitgeberdarlehen dazu, den Arbeitnehmer an den Betrieb zu binden. Der Arbeitgeber kann dadurch aber auch private Fortbildungsmaßnahmen unterstützen und somit die Qualifikation seiner Mitarbeiter verbessern.

Aus § 107 Abs. 2 GewO ergibt sich, inwiefern ein Darlehen den Kauf firmeneigener Waren oder Produkte ermöglicht. Während der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer keine Waren auf Kredit überlassen darf, ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Anrechnung auf das Arbeitsentgelt erlaubt.

Darüber hinaus kann das Darlehen dazu dienen, eine Mitarbeiterbeteiligung oder Belegschaftsaktien zu erwerben und zu finanzieren.

2 Inhalt des Darlehensvertrags

Die Darlehensbedingungen lassen sich in der Regel dem Darlehensvertrag entnehmen. Dieser sollte zwecks Rechtssicherheit und -klarheit in schriftlicher Form vorliegen und Regelungen zu folgenden Aspekten enthalten:

2.1 Höhe des Darlehens

Arbeitgeber und Mitarbeiter sind zwingend verpflichtet, die Höhe des Darlehens festzulegen.

2.2 Verzinsung

Regelmäßig bestehen bei Arbeitgeberdarlehen günstigere Zinskonditionen als bei üblichen Bankdarlehen.

Achtung

Ohne Vereinbarung keine Zinsen

Der Arbeitnehmer muss nur dann Zinsen zahlen, wenn er dies im Darlehensvertrag ausdrücklich vereinbart hat. Wenn diese Bedingung nicht erfüllt ist, kann er das Arbeitgeberdarlehen zinsfrei zurückzahlen.

Bis zu einer bestimmten Grenze darf sich der Zinssatz erhöhen, wenn das Arbeitsverhältnis endet und der Darlehensvertrag weiterhin besteht. Beispielsweise kann ein Versicherungsunternehmen seinen Arbeitnehmern für Baudarlehen einen Sonderzinssatz einräumen. In solchen Fällen stellt die Bedingung, dass der Zinssatz nach Ende des Arbeitsverhältnisses für Versicherungsnehmer steigt, keine unangemessene Benachteiligung für Arbeitnehmer dar.

2.3 Rückzahlungsmodalitäten

Damit die Rückzahlung in einem angemessenen Rahmen verläuft, sollte ein Arbeitgeberdarlehensvertrag einen Tilgungsplan enthalten, der die Höhe der einzelnen Raten und die jeweiligen Fälligkeitstermine festsetzt.

2.3.1 Aufrechnung mit laufendem Gehaltsanspruch

Der Arbeitnehmer zahlt sein Darlehen regelmäßig zurück, indem der Arbeitgeber die Tilgungsraten in der vereinbarten Höhe vom laufenden Lohn einbehält. Diese Verfahrensweise nennt sich Aufrechnung. Wenn es sich um ein echtes Darlehen handelt, darf der Arbeitgeber auch ohne vertragliche Vereinbarung die entsprechenden Tilgungsbeträge einbehalten, soweit der Lohn pfändbar ist.

2.3.2 Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Die Restforderung aus dem Arbeitgeberdarlehen wird nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses nur dann als Rückzahlung fällig, wenn es beide Parteien vereinbart haben oder der Arbeitgeber das Darlehen aus berechtigten Gründen kündigt.

Wichtig

Keine sofortige Rückzahlung nach betriebsbedingter Kündigung

Der Arbeitgeber kann den Mitarbeiter nicht verpflichten, das Darlehen im Falle einer betriebsbedingten Kündigung sofort zurückzuzahlen. Ebenso ist eine sofortige Rückzahlung nicht zulässig, wenn der Arbeitgeber eine außerordentliche Kündigung durch den Arbeitnehmer selbst verantworten muss.

2.3.3 Ausgleichsklausel im Aufhebungsvertrag

Eine vertraglich vereinbarte Ausgleichsklausel, nach der „sämtliche aus dem bestehenden Arbeitsverhältnis und seiner Beendigung abzuleitenden wechselseitigen Ansprüche … geregelt und abgegolten sind“, sagt grundsätzlich nichts über die Zins- und Rückzahlungsansprüche eines Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer aus. Denn bei dem Arbeitsvertrag und dem Darlehensvertrag handelt es sich in aller Regel um rechtlich selbstständige und voneinander unabhängige zivilrechtliche Verträge.

2.4 Kündigungsvoraussetzungen

Ohne besondere vertragliche Vereinbarung führt die Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht zur Rückzahlungspflicht für den Arbeitnehmer; eine vorzeitige Kündigungsmöglichkeit für den Arbeitgeber bezüglich des Darlehensvertrags ergibt sich auch nicht aus § 313 BGB (Änderung der Geschäftsgrundlage).

Dem Arbeitnehmer darf durch Klauseln im Darlehensvertrag ein Wechsel der Arbeitsstelle aber nicht unzulässig erschwert werden.

Praxis-Beispiel

Unzulässige lange Betriebsbindung

Eine Vereinbarung, nach der das gesamte Darlehen vom Arbeitgeber bei Kündigung durch den Arbeitnehmer sofort fällig gestellt wird, ist unzulässig.

3 Verweigerung

Ein Arbeitgeberdarlehen darf verweigert werden, wenn bezüglich des Lohns des Arbeitnehmers bereits Pfändungen vorliegen.

4 Geltende Vorschriften

Die gesetzlichen Regelungen für Gelddarlehen finden sich in den §§ 488 ff. BGB. Das Sachdarlehen ist in den §§ 607 ff. BGB normiert. Im Weiteren sind diverse gesetzliche Vorgaben zu beachten.

4.1 Verbraucherschutz

Nach einer Grundsatzentscheidung des BAG haben Arbeitnehmer den Status eines Verbrauchers i. S. v. § 13 BGB. Die Regelungen in § 491 BGB zum Verbraucherdarlehensvertrag finden allerdings keine Anwendung, soweit das Arbeitgeberdarlehen zu Zinsen abgeschlossen worden ist, die unter den marktüblichen Sätzen liegen. Als Vergleichsmaßstab bietet es sich an, auf die in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Sollzinsen für Darlehen entsprechender Dauer abzustellen, die im gleichen Zeitraum gewährt worden sind.

4.2 AGB-rechtliche Inhaltskontrolle

Darlehensverträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterliegen nach der Rechtsprechung des BAG in der Regel der AGB-rechtlichen Inhaltskontrolle. Dies gilt auch für Vertragsbedingungen, die vor ihrer Verwendung kollektivrechtlich ausgehandelt worden sind, da es sich hierbei um Allgemeine Geschäftsbedingungen handelt.

4.3 Gleichbehandlung

Auch bei der Gewährung von Arbeitgeberdarlehen sind das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die Grundsätze der betrieblichen Übung zu beachten.

Teilzeitbeschäftigten dürfen keine ungünstigeren Darlehensbedingungen auferlegt werden als Vollzeitbeschäftigten.

5 Abgrenzung zu anderen Rechtsgeschäften

Keine Arbeitgeberdarlehen sind Abschlagszahlungen oder Vorschüsse, die der Arbeitgeber ausbezahlt. Beim Vorschuss ist der Arbeitslohn, der vorzeitig ausgezahlt wird, noch nicht fällig geworden. Bei der Abschlagszahlung ist er bereits fällig, wird aber nur teilweise ausbezahlt. Sowohl beim Lohnvorschuss als auch bei der Abschlagszahlung ist der Lohnanspruch des Arbeitnehmers noch nicht vollständig erfüllt, weil er noch nicht endgültig abgerechnet ist.

Lohnsteuer

1 Arbeitgeberdarlehen bis 2.600 EUR

Zinsvorteile aus Darlehen an Arbeitnehmer bis zu 2.600 EUR sind lohnsteuerlich unbeachtlich. Für die Prüfung dieser Freigrenze ist die noch nicht getilgte Darlehenssumme am Ende des Lohnzahlungszeitraums maßgebend. Mehrere vom Arbeitgeber getrennt gewährte Darlehen sind hierbei zusammenzurechnen. Dies gilt unabhängig davon, zu welchen Zwecken und Konditionen sie vom Arbeitgeber hingegeben wurden.

2 Arbeitgeberdarlehen über 2.600 EUR

2.1 Steuerpflicht der Zinsvorteile

Übersteigt die noch nicht getilgte Darlehenssumme am Ende des Lohnzahlungszeitraums die Freigrenze von 2.600 EUR, gehören Zinsvorteile als Sachbezüge zum steuerpflichtigen Arbeitslohn. Zinsvorteile liegen jedoch nicht vor, wenn der Mitarbeiter ein Arbeitgeberdarlehen zu einem marktüblichen Zinssatz (sog. Maßstabszinssatz) erhält.

Wichtig

Zinszuschüsse

Steuerpflichtig sind auch Zinszuschüsse, die der Arbeitgeber dem Mitarbeiter zu einem Darlehen gewährt, welches der Arbeitnehmer bei einer Bank aufgenommen hat. In diesem Fall liegt jedoch Barlohn und kein Sachlohn vor.

2.2 Arbeitgeber ist ein „Finanzunternehmen“

Gewährt der Arbeitgeber überwiegend Dritten Darlehen, z. B. bei Arbeitgebern im Bankengewerbe, ist der Rabattfreibetrag anwendbar.

Ermittlung und Bewertung des Zinsvorteils

Der Zinsvorteil entspricht dem Unterschiedsbetrag zwischen dem als Endpreis ermittelten Zinssatz und dem Zinssatz, der im Einzelfall konkret vereinbart wurde. Als Endpreis ist der Zinssatz heranzuziehen, den der Arbeitgeber fremden Dritten für ein vergleichbares Darlehen berechnet. Dieser Wert kann grundsätzlich dem Preisaushang des Kreditinstituts entnommen werden. Dabei ist auf den Preisaushang der Filiale, in der der Mitarbeiter arbeitet, abzustellen. Gibt es für fremde Kunden auf diesen Zinssatz tatsächlich weitere Preisnachlässe, ist es zulässig, der Bewertung den Zinssatz nach Abzug durchschnittlich gewährter Preisnachlässe zugrunde zu legen. Bei der Ermittlung des Endpreises ist ein Bewertungsabschlag von 4 % vorzunehmen.

Hinweis

Konditionen vergleichbarer Darlehen maßgeblich

Für die Frage, ob ein vergleichbares Darlehen vorliegt, ist auf den Verwendungszweck (Wohnungsbaukredit, Konsumentenkredit/Ratenkredit, Überziehungskredit) sowie die Konditionen (Laufzeit des Darlehens, Dauer der Zinsfestlegung, Zeitpunkt der Tilgungsverrechnung) abzustellen.

Berücksichtigung des Rabattfreibetrags von 1.080 EUR
Der aus der Darlehensgewährung resultierende Zinsvorteil ist steuerfrei, soweit die aus dem Dienstverhältnis insgesamt stammenden Vorteile den Betrag von 1.080 EUR jährlich nicht übersteigen.

Praxis-Beispiel

Bewertung nach der Rabattfreibetragsregelung

Eine Privatbank gewährt einem Angestellten im März ein Arbeitgeberdarlehen i. H. v. 10.000 EUR zum jährlichen Zinssatz von 2 %. Die Laufzeit beträgt 4 Jahre. Kunden der Bank wird ein Zinssatz von 5 % für ein vergleichbares Darlehen berechnet.

Ergebnis: Nach Abzug des 4-%-Bewertungsabschlags ergibt sich ein Vergleichszinssatz von 4,8 %. Der Zinsvorteil beträgt 2,8 % (4,8 % – 2 %). Dies entspricht einem monatlichen geldwerten Vorteil von 23,33 EUR (10.000 EUR x 2,8 % × 1/12). Ist der Rabattfreibetrag von 1.080 EUR nicht bereits durch andere Sachbezüge ausgeschöpft, bleibt der geldwerte Vorteil in voller Höhe steuerfrei.

2.3 Arbeitgeber ist kein „Finanzunternehmen“

Gewährt der Arbeitgeber regelmäßig nur seinen Mitarbeitern Darlehen, z. B. bei Industriebetrieben oder Handelsunternehmen, gilt die allgemeine Bewertungsvorschriftohne Berücksichtigung des Rabattfreibetrags.

Ermittlung und Bewertung des Zinsvorteils

Zinsvorteile sind mit dem um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort zu bewerten, sog. Maßstabszinssatz. Anzuerkennen ist jeder Zinssatz, den der Arbeitgeber für ein Darlehen mit vergleichbaren Bedingungen am Abgabeort nachweist, etwa das Angebot einer ortsansässigen Bank. Aber auch allgemein zugängliche Internetangebote für Endverbraucher können herangezogen werden.

Wichtig

Kein 4-%-Bewertungsabschlag bei Internetkonditionen

Von dem für den Abgabeort ermittelten Zinssatz darf bei Arbeitgeberdarlehen ein Bewertungsabschlag von 4 % vorgenommen werden.

Dagegen stellt ein Angebot aus dem Internet regelmäßig die günstigste Marktkondition dar, sodass in diesem Fall ein Bewertungsabschlag nicht mehr zulässig ist.

Aus Vereinfachungsgründen: Maßstabszinssatz der Deutschen Bundesbank nutzen
Die Finanzverwaltung beanstandet es im Übrigen nicht, wenn der Arbeitgeber für die Feststellung des Maßstabszinssatzes (Vergleichszinssatz) auf die Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank zurückgreift. Als marktüblicher Zinssatz gilt danach der bei Vertragsabschluss von der Deutschen Bundesbank zuletzt veröffentlichte Effektivzinssatz.
Auf der Homepage der Deutschen Bundesbank können die entsprechenden Übersichten aufgerufen werden. Maßgebend sind die Effektivzinssätze unter „Neugeschäft“. Zwischen den einzelnen Kreditarten ist nach ihrem Verwendungszweck zu differenzieren, z. B. Wohnungsbaukredit oder Konsumentenkredit. Die Art der Besicherung des Darlehens ist ohne Bedeutung.
4-%-Bewertungsabschlag auf Effektivzinssatz
Der sich danach ergebende Effektivzinssatz ist mit 96 % der Bewertung zugrunde zu legen.

Praxis-Beispiel

Bewertung nach allgemeinen Grundsätzen

Ein Arbeitnehmer erhielt im Januar ein Arbeitgeberdarlehen i. H. v. 16.000 EUR mit einer Laufzeit von 4 Jahren zu einem monatlich zu entrichtenden Effektivzins von 2 % jährlich.

Der bei Vertragsabschluss im Januar des Abschlussjahres von der Deutschen Bundesbank für Konsumentenkredite veröffentlichte Effektivzinssatz mit anfänglicher Zinsbindung von über 1 Jahr bis 5 Jahre betrug 4,71 %.

Ergebnis: Der Maßstabszinssatz beläuft sich auf 4,52 % (96 % von 4,71 %; Ansatz von 2 Dezimalstellen ohne Rundung). Die Zinsverbilligung beträgt 2,52 % (4,52 % – 2 %) von 16.000 EUR = 403,20 EUR jährlich; das entspricht monatlich 33,60 EUR. Bei Tilgung ist der Zinsvorteil aus der Restschuld neu zu ermitteln.

2.4 Wahlrecht zwischen den Bewertungsmethoden

Grundsätzlich führt die Rabattfreibetragsregelung in den meisten Fällen für den Arbeitnehmer zu einem vorteilhafteren Ergebnis als die allgemeine Bewertungsvorschrift unter Berücksichtigung des günstigsten Preises am Markt. Dennoch kann es vorkommen, insbesondere wenn der Rabattfreibetrag bereits durch andere Sachbezüge ausgeschöpft ist, dass der Bewertung nach der allgemeinen Bewertungsvorschrift der Vorzug zu geben ist. Der Arbeitgeber darf in diesem Fall die Bewertung mit dem günstigsten Zinssatz am Markt (auch Internetangebot) durchführen. Er ist hierzu jedoch nicht verpflichtet.

Wahlrecht des Arbeitnehmers im Veranlagungsverfahren

Ggf. kann der Arbeitnehmer auch erst in seiner Einkommensteuererklärung die Neuberechnung des geldwerten Vorteils durch das Finanzamt beantragen. Der Arbeitgeber muss für diesen Zweck seinem Mitarbeiter formlos die Berechnung des geldwerten Vorteils im Lohnsteuerabzugsverfahren mitteilen.

2.5 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze

Zinsvorteile aus Arbeitgeberdarlehen, die mit dem üblichen Endpreis am Abgabeort bewertet werden, bleiben im Rahmen der monatlichen 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze ggf. steuerfrei. Dabei ist allerdings sicherzustellen, dass die Freigrenze nicht bereits durch andere Sachbezüge ausgeschöpft wird.

Für Zinszuschüsse des Arbeitgebers gilt die 44-EUR-Freigrenze nicht.

2.6 Zuflusszeitpunkt der Zinsvorteile

Der geldwerte Vorteil aus einem zinsgünstigen Darlehen fließt dem Arbeitnehmer in dem Zeitpunkt zu, in dem die Zinsen fällig werden. Bei zinsloser Darlehensgewährung ist darauf abzustellen, wann Zinsen üblicherweise fällig wären. Der Arbeitgeber darf davon ausgehen, dass die Zinsen üblicherweise mit der Tilgungsrate fällig werden. Bei Arbeitgeberdarlehen ohne Tilgungsleistung (endfälliges Darlehen) kann für die Frage, ob der Zinsvorteil am Ende der Laufzeit, monatlich, vierteljährlich oder jährlich zufließt, grundsätzlich dem der Vereinbarung zugrunde liegenden Willen des Darlehensvertrags gefolgt werden.

2.7 Versteuerung der Zinsvorteile

Geldwerte Vorteile aus einem Arbeitgeberdarlehen sind regelmäßig nach den persönlichen Besteuerungsmerkmalen (ELStAM) des Arbeitnehmers dem Lohnsteuerabzug zu unterwerfen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Lohnsteuer pauschaliert werden.

Pauschalierung sonstiger Bezüge bis 1.000 EUR pro Jahr

Eine Pauschalierung der Lohnsteuer mit einem individuellen Pauschsteuersatz kommt für Zinsvorteile bis 1.000 EUR im Kalenderjahr in Betracht, die als sonstige Bezüge geleistet und nach der allgemeinen Bewertungsregelung bewertet werden.

Zinsvorteile rechnen zu den sonstigen Bezügen, wenn der Zinszahlungszeitraum den Lohnzahlungszeitraum überschreitet, z. B. wenn bei monatlicher Lohnzahlung die Zinsbeträge vierteljährlich fällig werden.

Wird der Zinsvorteil nur zum Teil pauschaliert, weil der pauschalierungsfähige Höchstbetrag von 1.000 EUR im Kalenderjahr überschritten ist, ist bei der Ermittlung des individuell zu versteuernden Zinsvorteils der Teilbetrag des Darlehens außer Ansatz zu lassen, für den die Zinsvorteile pauschal versteuert wurden.

Die Pauschalierung ist beim Betriebsstättenfinanzamt zu beantragen.

Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG mit 30 %

Zinsvorteile können auch mit einem festen Pauschsteuersatz von 30 % versteuert werden.Zu beachten ist in diesem Fall, dass die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 30 % nur einheitlich für alle Sachzuwendungen, die nach der allgemeinen Bewertungsregelung bewertet werden, durchgeführt werden kann.

Ein Antrag beim Betriebsstättenfinanzamt ist für Arbeitgeberdarlehen nicht erforderlich.

Wichtig

Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG ist unwiderruflich

Die Entscheidung zur Anwendung der Pauschalierung mit 30 % kann nicht zurückgenommen werden.

Praxis-Tipp

Pauschalierung nach § 37b EStG auch für Mitarbeiter von Banken

Zinsvorteile von Mitarbeitern von Banken sind grundsätzlich nach der Rabattfreibetragsregelung zu bewerten. Eine Pauschalierung der Zinsvorteile mit 30 % ist dann nicht möglich. Übt der Arbeitgeber allerdings sein Wahlrecht zugunsten einer Bewertung mit dem üblichen Endpreis am Abgabeort aus, ist auch die Pauschalierung mit 30 % zulässig.

Keine Pauschalierung bei Anwendung der Rabattfreibetragsregelung

Für Zinsvorteile, die nach der Rabattfreibetragsregelung bewertet werden, ist eine Pauschalierung der Lohnsteuer nicht möglich.

Sozialversicherung

1 Darlehensbetrag ist kein Arbeitsentgelt

Arbeitgeberdarlehen gelten nicht als sozialversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt. Da das Darlehen auf Rückzahlung ausgerichtet ist, verbleibt im Hinblick auf den Darlehensbetrag kein geldwerter Vorteil. Dieser ist lediglich für den Zinsvorteil des Arbeitnehmers gegeben.

Achtung

Schuldenerlass

Verzichtet der Arbeitgeber auf die Rückzahlung des Darlehens, gehört das Darlehen in Höhe des erlassenen Betrags als einmalige Einnahme zum beitragspflichtigen Entgelt.

2 Beitragspflicht der Darlehenszinsen

Die sich bei einem zinslosen oder zinsverbilligten Arbeitgeberdarlehen ergebenden Zinsersparnisse stellen unter bestimmten Rahmenbedingungen allerdings beitragspflichtiges Arbeitsentgelt dar.

2.1 Höhe des geldwerten Vorteils ist entscheidend

Beitragsfreiheit zur Sozialversicherung besteht dann, wenn der geldwerte Vorteil aus dem zinsverbilligten oder zinslosen Darlehen monatlich nicht mehr als 44 EUR beträgt.

Der geldwerte Vorteil eines Arbeitgeberdarlehens bemisst sich nach der Differenz zwischen dem marktüblichen Zinssatz und dem Zins, den der Arbeitnehmer im konkreten Einzelfall zahlt. Maßgebend ist der marktübliche Zinssatz bei Vertragsabschluss. Er gilt für die gesamte Vertragslaufzeit. Als marktüblich gelten die von der Deutschen Bundesbank zuletzt veröffentlichten Effektivzinssätze für die jeweilige Kreditart (z.  B. Wohnungsbaukredit, Konsumentenkredit). Der auf diese Weise errechnete Zins wird um 4 % vermindert und mit dem auf Grundlage des konkret vereinbarten Zinssatzes errechneten Zins verglichen. Die Differenz stellt den monatlichen geldwerten Vorteil dar. Dieser ist beitragsfrei, wenn der Betrag von 44 EUR nicht überschritten wird. Ist der geldwerte Vorteil höher als 44 EUR, ist der gesamte Betrag beitragspflichtig.

Die steuerrechtlichen Besonderheiten bei Mitarbeitern von Finanzunternehmen gelten auch für den Bereich der Sozialversicherung. In Höhe des zu berücksichtigenden Steuerfreibetrags von 1.080 EUR stellt der geldwerte Vorteil auch kein Arbeitsentgelt dar.

2.2 Vereinfachungsregelung bei Darlehenssumme bis 2.600 EUR

Aus Vereinfachungsgründen ist der Zinsvorteil unabhängig davon, ob es sich um ein zinsloses oder zinsverbilligtes Darlehen handelt, nicht dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt zuzurechnen. Voraussetzung ist hierbei, dass die Restschuld aus dem Arbeitgeberdarlehen am Ende des Lohnabrechnungszeitraums nicht mehr als 2.600 EUR beträgt.

2.3 Pauschalierung der Lohnsteuer nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG

Nimmt der Arbeitgeber eine Pauschalierung der Lohnsteuer als sonstigen Bezug vor, handelt es sich dennoch im Regelfall um beitragspflichtiges Arbeitsentgelt. Die Entgelteigenschaft besteht nur dann nicht, wenn es sich bei der Pauschalbesteuerung als sonstigen Bezug um laufendes Arbeitsentgelt, also um monatlich abgerechnete Zinsbeträge handelt. Dies steht jedoch im Widerspruch zu den Voraussetzungen der Pauschalbesteuerung.

2.4 Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG

Auch bei einer Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG handelt es sich im Bereich der Sozialversicherung weiterhin um beitragspflichtiges Arbeitsentgelt.

Wichtig

Arbeitgeber erstattet Zinsen für ein Darlehen

Für den Fall, dass ein Arbeitnehmer ein Darlehen bei einer Bank aufnimmt, der Arbeitgeber jedoch zum Teil oder vollständig die für das Darlehen zu entrichteten Zinsen übernimmt, handelt es sich um einen Zinszuschuss, der stets in vollem Umfang zum beitragspflichtigen Arbeitsentgelt des Arbeitnehmers gehört.