Istversteuerung: Wahl für mehr Liquidität

Istversteuerung: einfach mehr Liquidität

Für Sie als Unternehmer ist es wichtig zu wissen, wann Sie Ihre Umsatzsteuer zahlen müssen. Zum einen sind hier die Fristen für die Voranmeldung wichtig. Zum anderen ist entscheidend, ob Sie die Umsatzsteuer schon ans Finanzamt weiterreichen müssen, wenn Sie die Rechnung geschrieben haben oder ob Sie damit warten dürfen, bis Sie selbst die Rechnungsbeträge erhalten haben.

Das Umsatzsteuerrecht kennt zwei Besteuerungsarten, die Sollversteuerung und die Istversteuerung. Der Normalfall ist die Sollversteuerung: Das bedeutet, dass das Finanzamt Sie in puncto Umsatzsteuer bereits zur Kasse bittet, wenn Sie die Rechnung gestellt haben. Dies gilt unabhängig davon, ob Ihr Kunde die Rechnung schon bezahlt hat oder nicht.

Istversteuerung: So müssen Sie die Umsatzsteuer nicht vorfinanzieren

Die Istversteuerung ist für Sie als Unternehmer die interessantere Variante, sie ist allerdings nur auf Antrag und unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Istversteuerung bedeutet, dass Sie die Umsatzsteuer erst dann ans Finanzamt weiterreichen müssen, wenn Sie sie selbst auch eingenommen haben. Die Istversteuerung bietet Ihnen als Unternehmer Vorteile, weil Sie dadurch über mehr Liquidität verfügen und die Umsatzsteuer nicht vorfinanzieren müssen.

Den Antrag auf Istversteuerung können Sie bereits bei Existenzgründung im Betriebseröffnungsbogen stellen. Sie haben aber auch später noch die Möglichkeit, die Istversteuerung zu beantragen. Tipp: Wenn Sie die Istversteuerung eindeutig gestellt haben, ist das Finanzamt an der Reihe. Wenn der Sachbearbeiter bei der Bearbeitung Ihrer Umsatzsteuervoranmeldung und Jahreserklärung nicht von Ihren Angaben abweicht, können Sie davon ausgehen, dass der Antrag genehmigt worden ist.

Das Finanzamt bewilligt den Antrag auf Istversteuerung dann, wenn eine der drei folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

  1. Ihr Gesamtumsatz hat im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500.000 Euro betragen.
  2. Sie sind von der Verpflichtung, Bücher zu führen und aufgrund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen, befreit.
  3. Sie sind Freiberufler.

Tipp: Sie müssen nur eine der drei Voraussetzungen erfüllen. So kann ein Freiberufler die Istversteuerung selbst dann wählen, wenn er Umsätze von einer Million Euro erwirtschaftet. Dies gilt allerdings nicht für Kapitalgesellschaften, zu der sich Freiberufler zusammengeschlossen haben. Hier kann die Istversteuerung nur genehmigt werden, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500.000 Euro betragen hat.

Antrag auf Istversteuerung: So funktioniert‘s

Wie und wann Sie die Istversteuerung beantragen, ist nicht so streng geregelt. Allerdings ist ein Wechsel der Besteuerungsart nur bis zur formellen Bestandskraft der jeweiligen Jahressteuerfestsetzung zulässig. Existenzgründer können im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ankreuzen, dass sie die Istversteuerung wünschen.

Die genehmigte Istversteuerung gilt solange, bis das Finanzamt die Erlaubnis widerruft. Das Finanzamt prüft in den folgenden Kalenderjahren, ob die Voraussetzungen für die Istversteuerung noch vorliegen. Selbstverständlich kann auch der Unternehmer selbst freiwillig jederzeit zur Sollversteuerung übergehen.

Achtung: Beim Wechsel zwischen Soll- und Istversteuerung dürfen Umsätze nicht doppelt erfasst werden oder unversteuert bleiben. Hierfür hat der Unternehmer selbst Sorge zu tragen. Die Gefahr der Doppelbesteuerung besteht vor allem beim Wechsel von der Sollversteuerung zur Istversteuerung. Denn bei der Sollversteuerung haben Sie die Umsatzsteuer bereits ans Finanzamt weitergeleitet, als Sie die Rechnung gestellt haben. Wenn Sie nun zur Istversteuerung wechseln, müssen Sie darauf achten, dass der Umsatz nicht nochmals besteuert wird.

Tipp: Der Vorsteuerabzug richtet sich danach, wann Sie eine Leistung für Ihr Unternehmen erhalten und hierfür eine ordentliche Rechnung bekommen haben. Auf den Zeitpunkt der Zahlung kommt es weder bei der Ist- noch bei der Sollversteuerung an. Achten Sie also auch bei der Istversteuerung darauf, den Liquiditätsvorteil nicht zu verschenken und den Vorsteuerabzug daher rechtzeitig geltend zu machen.