Kleinunternehmer

Alle Unternehmer, deren Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr eine gesetzlich festgelegte Umsatzgrenze von 17.500 Euro nicht überschritten hat bzw. deren Umsatz im laufenden Geschäftsjahr nicht höher als 50.000 Euro liegen wird, zählen steuerrechtlich gesehen zu den Kleinunternehmern. Sie haben die Möglichkeit, die sogenannte Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen und profitieren damit von steuerlichen Vorteilen.

 

Wann zählt meine Firma zu den Kleinunternehmen?

Manchmal bezeichnen sich Betriebe, die keine Mitarbeiter oder lediglich Aushilfen in ihrer Firma beschäftigen, als Kleinunternehmen. Allerdings ist es nicht korrekt, Kleinunternehmer anhand der Größe ihres Geschäfts zu kategorisieren. Es ist nicht möglich, Kleinunternehmer zu werden, indem man ein Kleinunternehmen gründet, weil es keine handelsrechtliche oder gesellschaftsrechtliche Definition des Kleinunternehmens gibt.

„Kleinunternehmer“ ist stattdessen ein Begriff aus dem Steuerrecht. Dieser gibt vor, dass sich Firmen dann den Kleinunternehmen zuordnen dürfen, wenn sie folgende Bedingungen erfüllen:

  1. Der Vorjahresumsatz betrug nicht mehr als 17.500 Euro.
  2. Im laufenden Kalenderjahr werden die Einnahmen voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschreiten. Unter diesen Voraussetzungen dürfen Firmen die Kleinunternehmerregelung nach § 19 in Anspruch nehmen.

 

Was passiert, wenn ich die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehme?

Die sogenannte Kleinunternehmerregelung (§ 19) ist eine spezielle Sonderregelung, von der besonders folgende Firmen profitieren:

  • Start-ups
  • Kleinstunternehmer
  • Kleinunternehmen

Der entscheidende Vorteil der Kleinunternehmerregelung: Wer sie anwendet, muss keine Umsatzsteuer (USt) an das Finanzamt abführen.

Es ist kein Muss, die Kleinunternehmerregelung als Kleinunternehmer anzuwenden, sondern völlig freiwillig. Wer sich dazu entscheidet, von ihr Gebrauch zu machen, muss allerdings einige Dinge beachten. Wichtig ist, dass Sie auf Ihren Rechnungen einen entsprechenden Hinweis auf § 19 mit angeben. Ein Satz wie zum Beispiel „Gemäß § 19 UStG enthält der Rechnungsbetrag keine Umsatzsteuer“ genügt allerdings völlig.

 

Alle Vorteile von Kleinunternehmern im Überblick

  • Sie müssen keine Umsatzsteuer abführen
  • Ihnen bleibt viel lästige Verwaltungsarbeit erspart
  • Sie müssen in Ihren Rechnungen keine Mehrwertsteuer ausweisen
  • Sie müssen keine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben
  • Sie können Ihren Kunden niedrigere Preise anbieten und sich dadurch positiv von der Konkurrenz abheben

 

Muss ich sonst noch etwas beachten, wenn ich die Kleinunternehmerregelung anwende?

Wenn Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchten, dann berücksichtigen Sie die Tatsache, dass Sie keine Vorsteuer geltend machen können, sofern Ihnen andere Unternehmen Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt haben. Sind Ihre Kunden überwiegend Unternehmen, ist es nicht immer unbedingt ein Vorteil, den § 19 anzuwenden, weil Sie ansonsten selbst vom Vorsteuerabzug Gebrauch machen könnten.

Es gibt außerdem noch weitere Fälle, in denen sich die Kleinunternehmerregelung negativ für Sie auswirken kann. Stehen Sie beispielsweise am Beginn Ihrer Selbstständigkeit, bringt diese oft größere Investitionen mit sich. Hier ist es von Vorteil, wenn Sie gerade größere Mehrwertsteuerbeträge auf Ihren Eingangsrechnungen von der Vorsteuer abziehen können, um diese vom Finanzamt zurückzuerhalten. Überlegen Sie sich also im Vorfeld gut, was für Sie und Ihr Unternehmen die beste Lösung ist.

 

Was passiert, wenn ich als Kleinunternehmer versehentlich Umsatzsteuer in Rechnung stelle?

Wichtig ist, dass Kleinunternehmer, die vom § 19 Gebrauch machen, keine Umsatzsteuer beim Ausstellen Ihrer Rechnungen ausweisen dürfen. Haben Sie versehentlich einmal Umsatzsteuer in Rechnung gestellt, sind Sie die Steuer gegenüber dem Finanzamt schuldig. Dabei ist die Tatsache unerheblich, ob diese bereits vom Rechnungsempfänger bezahlt wurde.

Sie haben allerdings die Möglichkeit, den Fehler zu berichtigen, indem Sie einen Antrag an das Finanzamt stellen. Weiterhin müssen Sie dafür Sorge tragen, die Gefährdung des Steueraufkommens zu beseitigen. Der Rechnungsempfänger muss hierfür schriftlich bestätigen, dass er den Vorsteuerabzug rückgängig gemacht und seine Umsatzsteuererklärung korrigiert hat. Danach müssen Sie die unberechtigt erhaltene Umsatzsteuer an diesen zurückzahlen und ihm ein korrigiertes Rechnungsformular zukommen lassen.