Wachstumschancengesetz

Diese Steueränderungen sind für Unternehmer:innen wichtig

Das Wachstumschancengesetz soll die Wirtschaft in Deutschland ankurbeln. Damit sind viele Steueränderungen und Erleichterungen für Unternehmen verbunden. Bislang ist das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Lesen Sie in diesem Artikel, welches die wichtigsten geplanten Steueränderungen für Unternehmen in dem Maßnahmenpaket sind.

Stand: 21.12.2023

Wachstumschancengesetz: Was ist das?

Das Wachstumschancengesetz heißt auch „Gesetz zur Stärkung von Wachstumschancen, Investitionen und Innovation sowie Steuervereinfachung und Steuerfairness“. Der Gesetzentwurf umfasst ein ganzes Bündel an Maßnahmen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen, Steuervereinfachungen für Unternehmen umzusetzen und um unerwünschte Steuergestaltungen einzudämmen.

Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Zwar hat der Bundestag das Wachstumschancengesetz am 17. November 2023 angenommen. Doch der Bundesrat hat das Gesetz am 24. November 2024 in den Vermittlungsausschuss überwiesen. Dort wird es noch einmal überarbeitet. Der Vermittlungsausschuss soll jedoch erst zusammentreten, wenn der Haushalt für 2024 verabschiedet ist. Dies wird voraussichtlich im Januar 2024 sein.

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Die Ergebnisse des Vermittlungsausschusses werden für 2024 erwartet. Manche Steueränderungen treten dann ggf. rückwirkend zum 1. Januar 2024 in Kraft. Wir informieren Sie hier aktuell, wie es mit dem Wachstumschancengesetz weitergeht.

Wachstumschancengesetz: Wichtige Steueränderungen im Detail

GWG-Grenze wird erhöht

Für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sieht das Wachstumschancengesetz eine Sofortabschreibung vor. Das heißt, sie müssen nicht über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. GWG sind bewegliche Gegenstände des betrieblichen Anlagevermögens, die selbstständig nutzungsfähig sind.
Bislang gilt für die Sofortabschreibung eine Obergrenze von 800 Euro. Mit dem Wachstumschancengesetz soll diese Grenze auf 1.000 Euro angehoben werden.

Sammelposten abschreiben

Als Unternehmer:in haben Sie auch die Möglichkeit, Anschaffungskosten zu einem Sammelposten zusammenzufassen und über mehrere Jahre verteilt abzuschreiben. Wichtig ist, dass es sich dabei um einen beweglichen Gegenstand für das betriebliche Anlagevermögen handelt.

Mit dem Wachstumschancengesetz werden die Bedingungen für die Abschreibung nach der Sammelpostenmethode verbessert. Demnach können Unternehmer:innen ab 1. Januar Anschaffungskosten von netto bis zu maximal 5.000 Euro (bisher: 1.000 Euro) über drei Jahre (bisher: fünf Jahre) verteilt abschreiben.

Degressive Abschreibung möglich

Die Unternehmer:innen sollen die Wahl zwischen der linearen und der degressiven Abschreibung haben, wenn sie bewegliche Gegenstände erwerben. Die degressive Abschreibung ist für Unternehmen in der Regel von Vorteil, da sie 2,5 Mal so hoch ist wie der lineare Abschreibungssatz – bis zu einer Grenze von 25% der Anschaffungskosten bzw. des Restbuchwerts.

Wichtig: Die Möglichkeit der degressiven Abschreibung ist voraussichtlich auf einen bestimmten Zeitraum zwischen dem 1. Oktober 2023 und dem 31. Dezember 2024 begrenzt.

Sonderabschreibung

Das Wachstumschancengesetz sieht außerdem ab dem 1. Januar 2024 eine Sonderabschreibung von 50% vor. Auch diese gilt beim Kauf von beweglichen Gegenständen des Anlagevermögens. Unter bestimmten Bedingungen können Unternehmer:innen diese Sonderabschreibung zusätzlich zur regulären Abschreibung nutzen.

Freigrenze für Betriebsveranstaltungen

Bei Betriebsfeiern müssen Unternehmer:innen eine Freigrenze beachten. Die entscheidende Zahl ist hier bislang: 110 Euro. Bis zu diesem Betrag sind die Kosten je Teilnehmer:in bei bis zu zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Diese Freigrenze soll mit dem Wachstumschancengesetz angehoben werden und ab 1. Januar 2024 bei 150 Euro liegen.

Freigrenze für Kundengeschenke

Wer seine Kund:innen oder Geschäftspartner:innen beschenken möchte, kann die Kosten für das Präsent als Betriebsausgaben absetzen. Dabei gilt derzeit allerdings: Die Ausgaben dürfen pro Person und Jahr maximal 35 Euro netto betragen. Liegen die Ausgaben darüber, dürfen sie nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden. Auch der Vorsteuerabzug ist dann nicht möglich.

Mit dem Wachstumschancengesetz soll die Freigrenze angehoben werden. Sie liegt dann bei voraussichtlich netto 50 Euro pro Jahr und Person.

Verpflegungsmehraufwand bei Geschäftsreisen im Inland

Wer aus beruflichen oder betrieblichen Gründen innerhalb von Deutschland unterwegs ist, kann künftig voraussichtlich neue Pauschalen für die Verpflegung angeben. Ab dem 1. Januar sollen folgende Verpflegungspauschalen gelten:

  • Abwesenheit von erster Tätigkeitsstätte/Betriebsstätte und Wohnung von mehr als 8 Stunden: 16 Euro (bisher 14 Euro)
  • An- und Abfahrtstage bei mehrtägiger betrieblicher Auswärtstätigkeit: 16 Euro (bisher 14 Euro)
  • Abwesenheit von der erster Tätigkeitsstätte/Betriebsstätte und Wohnung von mehr als 24 Stunden: 32 Euro (bisher 28 Euro)

Neue Regeln für den Verlustrücktrag

Der Verlustrücktrag erlaubt, Verluste ins vergangene Steuerjahr zu übertragen. Das Wachstumschancengesetz sieht vor, Unternehmer:innen auf diese Weise stärker zu entlasten. So ist der Verlustrücktrag bisher für die zwei unmittelbar vorangegangenen Jahre möglich. Mit dem Wachstumschancengesetz soll dieser Zeitraum auf drei Jahre erweitert werden.

Während der Corona-Pandemie wurde die Obergrenze für den Verlustrücktrag angehoben. Diese höhere Betragsgrenze schreibt das Wachstumschancengesetz fort. Auch für 2024 und 2025 darf der Verlustrücktrag demnach 10 Millionen Euro (Ledige) bzw. 20 Millionen Euro (Zusammenveranlagung) betragen.

Erweiterter Verlustvortrag

Mit dem Verlustvortrag können Verluste aufs nächste Jahr übertragen werden. Bis zu einem Betrag von 1 Million Euro (Ledige) bzw. 2 Millionen Euro (Zusammenveranlagung) ist dies unbeschränkt möglich. Für den Betrag, der darüber liegt, ist der Verlustvortrag auf 60 % des Gesamtbetrags der Einkünfte des Verlustvortragsjahres beschränkt.

Laut Wachstumschancengesetz soll dieser Prozentsatz angehoben werden: Für die Jahre 2024 bis 2027 ist der Verlustvortrag für den Teil, der den Sockelbetrag übersteigt, auf 75 % beschränkt.

Keine Umsatzsteuererklärung für Kleinunternehmer

Das Wachstumschancengesetz sieht vor, Kleinunternehmer:innen bürokratisch zu entlasten. Kleinunternehmer:innen sind von der Umsatzsteuer befreit. Dennoch mussten sie dem Finanzamt bislang zur Prüfung eine Umsatzsteuererklärung vorlegen.

Diese Pflicht soll künftig entfallen. Und das sogar rückwirkend: Rückwirkend für das Steuerjahr 2023 sollen Kleinunternehmer:innen keine Umsatzsteuererklärung mehr beim Finanzamt einreichen müssen.

Ausnahme
Eine Abgabe ist nur dann Pflicht, wenn das Finanzamt die Umsatzsteuererklärung explizit anfordert.

Einnahmen-Überschussrechnung

Viele Unternehmer:innen, die gewerblich tätig sind, können statt der Bilanzierung die Einnahmen-Überschussrechnung zur Gewinnermittlung wählen. Bedingung ist bisher: Ihr Umsatz darf maximal 600.000 Euro oder ihr Gewinn maximal 60.000 Euro betragen.

Das Wachstumschancengesetz sieht vor, diese Obergrenzen anzupassen. Der Grenzbetrag für den Umsatz soll dann am 1. Januar 2024 auf 800.000 Euro steigen, die Gewinngrenze auf 80.000 Euro erhöht werden.

Ist-Besteuerung angepasst

Mit dem Wachstumschancengesetz soll auch eine umsatzsteuerliche Entlastung bei der Soll- bzw. Ist-Besteuerung kommen. Unternehmen, die zur Ist-Besteuerung berechtigt sind, sollen ihre Umsatzsteuer erst dann anmelden und abführen müssen, wenn der oder die Kund:in die Leistung bezahlt hat.

Die Grenze für die Ist-Besteuerung liegt bisher bei 600.000 Euro. Dieser Betrag soll mit dem Wachstumschancengesetz ab 2024 auf 800.000 Euro erhöht werden.

Weitere Inhalte des Wachstumschancengesetzes

Neben steuerlichen Änderungen und Erleichterungen umfasst das Wachstumschancengesetz einige weitere Regeln. So ist z. B. vorgesehen, die E-Rechnung für den Geschäftsverkehr im B2B-Bereich verpflichtend einzuführen. Diese Pflicht gilt bisher nur für den Rechnungsaustausch mit der öffentlichen Verwaltung.

Die geplante Investitionsprämie soll Unternehmen zudem dabei unterstützen, klimafreundlich zu wirtschaften. So sind Zuschüsse für Maßnahmen geplant, mit denen Unternehmen ihre Energieeffizienz verbessern wollen.

Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert
Im Januar geht es mit dem Wachstumschancengesetz voraussichtlich weiter. Sobald es Neuigkeiten gibt, aktualisieren wir diesen Artikel.

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