Inventur

Das Eigenkapital eines Unternehmens ergibt sich aus dem Vermögen des Betriebes abzüglich seiner Schulden. Um dieses Eigenkapital zu einem bestimmten Zeitpunkt ermitteln zu können, ist eine korrekte Erfassung des Vermögens und der Schulden zu diesem Zeitpunkt notwendig. Es erfolgt dementsprechend eine Bestandsaufnahme. Das ist die Inventur. Der Begriff Inventur leitet sich aus dem lateinischen Wort „invenire“ ab, welches sich mit „vorfinden“ übersetzten lässt. Die Inventur ist eine Voraussetzung zur Aufstellung der ordnungsmäßigen Bilanz, da nur so sichergestellt werden kann, dass die Vermögenswerte und Schulden tatsächlich existieren.

Durchführung der Inventur

Das Vermögen setzt sich aus mengenmäßig vorhandenen Gegenständen und Objekten sowie aus buchhalterisch erfassbaren Aufzeichnungen zusammen. Deshalb unterscheidet man zwischen körperlicher Inventur und Buchinventur.

Bei der körperlichen Inventur werden alle körperlich vorhandene Gegenstände und Objekte, wie Waren, Bargeld, Gebäude Fuhrpark, Einrichtungsgegenstände, usw. durch Zählen, Messen und Wiegen erfasst. Bei der Buchinventur werden die buchhalterischen Aufzeichnungen aller nicht greifbaren Werte, wie Guthaben bei Kreditinstituten, Forderungen, Verbindlichkeiten usw. erfasst.

Die Ergebnisse werden in einem Verzeichnis nach Art, Menge und Wert aufgelistet. Dieses Verzeichnis ist das Inventar.
Es ergibt sich zunächst eine mengenmäßige Erfassung der körperlichen Gegenstände und eine wertmäßige Erfassung der buchhalterischen Aufzeichnungen. Um nun eine Gleichnamigkeit zu erreichen, müssen die körperlichen Gegenstände bewertet werden. Bei allen körperlichen Gegenständen, die der Abnutzung unterliegen, werden deswegen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten um die Wertminderungen, die sogenannten Abschreibungen, reduziert aufgeführt.

Folgende Grundsätze sind bei der Inventur zu beachten:

  1. Ausnahmslos alle Vermögensteile und Schulden sind zu erfassen
  2. Keine Doppelzählungen
  3. Das gewöhnliche Betriebsgeschehen darf nur so wenig wie möglich belastet oder eingeschränkt werden.
  4. Stetigkeit der Bestandsaufnahme
  5. Klarheit und Nachprüfbarkeit der Bestandsaufnahmen

Erfolgt keine Inventur oder ist sie mangelhaft, kann dies ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen, bis zum Vorwurf der Steuerhinterziehung. Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens, drohen strafrechtliche Konsequenzen. Aus steuerlicher Sicht muss der Gewinn in diesem Fall geschätzt werden.

Vorschriften

Gemäß § 240, § 241 HGB sowie steuerrechtlich gemäß § 140, § 141 AO sind Gewerbliche Unternehmer, sowie Land- und Forstwirte mit Umsatzerlösen von mehr als 600.000,- Euro im Kalenderjahr oder einem Jahresüberschuss von über 60.000,- Euro verpflichtet, Inventuren durchzuführen.
Von der Inventur befreit sind Einzelkaufleute, deren Umsatzerlöse an den Abschlussstichtagen zweier aufeinander folgender Stichtage nicht mehr als 600.000,- Euro betragen und deren Jahresüberschuss 60.000,- Euro nicht überschreitet.

§ 240 HGB gibt vor, wann der Geschäftsinhaber eine Inventur durchführen muss:

  1. Zu Beginn des Geschäfts
  2. Zum Abschluss des Geschäftsjahres
  3.  Zum Schluss des Geschäfts

§ 241 HGB sieht zur Vereinfachung der Inventur verschiedene Inventurarten vor:

1. Stichtagsinventur

Es wird ein Stichtag festgelegt, zu dem die Bestandsaufnahme festgehalten wird. Innerhalb von 10 Tagen vor oder nach diesem Stichtag wird die Inventur vorgenommen. Veränderungen zwischen Stichtag und Bestandsaufnahme müssen dabei berücksichtigt und festgehalten werden. Diese Inventurart ist sehr aufwendig, so dass Unternehmen häufig zeitweise den Betrieb unterbrechen müssen.

2. Permanente Inventur

Bei der permanenten Inventur werden Veränderungen nach Art und Menge sofort bei Abgang oder Zugang mit dem entsprechenden Veränderungstag in einer Lagerkartei dokumentiert. Dadurch entfällt das Problem, den Betrieb unterbrechen zu müssen, um die Bestandsaufnahme vornehmen zu können. Mindestens einmal pro Jahr muss die Übereinstimmung zwischen dem tatsächlichen Bestand und dem buchmäßig festgehaltenen Bestand überprüft werden. Idealerweise wird für diese Überprüfung ein Zeitpunkt gewählt, zu dem der Bestand möglichst gering ist.

3. Verlegte Inventur
Die mengenmäßige Erfassung erfolgt bei der verlegten Inventur entweder innerhalb von drei Monaten vor oder zwei Monaten nach Schluss des Geschäftsjahres. Die Inventurwerte werden dabei auf den Stichtag wertmäßig fortgeschrieben oder zurück gerechnet. Die verlegte Inventur bietet sich dann an, wenn die Führung einer Lagerkartei zu aufwendig ist.

4. Stichprobeninventur

Die Stichprobeninventur ist eine stichprobenartige Erfassung der körperlichen Bestandsaufnahme mit Hilfe von anerkannten mathematisch-statistischen Methoden. Diese Erfassung gibt Aufschluss über die Gesamtbestände und ist wesentlich weniger zeitaufwendig.

Geschichte der Inventur

Im Jahre 1624 wurde erstmals im kaufmännischen Zusammenhang von Rechenmeister und Buchhalter Christoph Achatius Hager (1584 – 1657) die Inventur für den Rechnungsabschluss vorausgesetzt. Das im Jahre 1900 in Kraft getretene Handelsgesetzbuch verlangte in § 40 die wertmäßige Aufführung des Vermögens und der Schulden zum Zeitpunkt der Aufstellung.

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