Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist eine Realsteuer beziehungsweise eine Objektsteuer, die auf den Gewerbeertrag von Gewerbebetrieben erhoben wird. Diese Gewerbeertragssteuer wird von den Gemeinden erhoben, in denen der Gewerbebetrieb ansässig ist, und muss an diese gezahlt werden. Jeder Gewerbebetrieb, der innerhalb Deutschlands betrieben wird, unterliegt der Gewerbesteuer.

Charakterisierung der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist eine Steuer, die auf den objektiven Ertrag eines Gewerbebetriebes erhoben wird. Die Gewerbesteuer ist ebenso wie die Grundsteuer von ihrer Natur her eine Realsteuer (§ 3 Abs. 2 Abgabenordnung). Die Realsteuer wird auch Objektsteuer genannt, da sie sich ausschließlich auf das zu besteuernde Objekt – der Gewerbebetrieb und sein Ertrag – bezieht und nicht auf eine Person. Dies bedeutet auch, die persönlichen Verhältnisse oder die Leistungsfähigkeit des Steuerschuldners spielen für die Gewerbesteuer keine Rolle. Der Steuerschuldner ist der Inhaber des Gewerbebetriebes.

Die rechtliche Grundlage für die Gewerbesteuer bildet das „Gewerbesteuergesetz (GewStG)“ als Bundesgesetz sowie die „Gewerbesteuer-Durchführungsverordnung (GewStDV)“ als Bundesrechtsverordnung und die „Gewerbesteuerrichtlinien“, in denen allgemeine Verwaltungsvorschriften definiert sind.

Entrichtet wird die Gewerbesteuer an Gemeinden und ist in diesem Sinne eine Gemeindesteuer. In Deutschland zählt die Gewerbesteuer für die meisten Gemeinden zu der wichtigsten und größten Einnahmequelle. Allein die Gemeinde, in der sich die Betriebsstätte des Gewerbebetriebes befindet, ist hebeberechtigt und legt den Hebesatz individuell selbst fest. Eine Ausnahme bilden die Stadtstädte Berlin und Hamburg, in denen das Finanzamt dafür zuständig ist. Führt ein Gewerbebetrieb in mehreren Gemeinden Betriebsstätten oder erstreckt sich eine Betriebsstätte auf mehr als ein Gemeindegebiet oder wurde die Betriebsstätte innerhalb eines Erhebungszeitraumes von einer Gemeinde in eine andere verlegt, wird der Gewerbeertrag als Bemessungsgrundlage zerlegt und anteilig auf die betreffenden Gemeinden verteilt (§ 28 GewStG).

Die Besteuerungsgrundlage stellt ausschließlich der Gewerbeertrag dar. Dieser ergibt sich aus dem erwirtschafteten Gewinn nach dem Einkommenssteuerrecht beziehungsweise Körperschaftssteuerrecht. Dieser Gewinn wird durch „Hinzurechnungen“ (§ 8 GewStG) erhöht und/oder durch „Kürzungen“ (§ 9 GewStG) vermindert, woraus sich letztlich der „Gewerbeertrag“ gemäß § 7 GewStG berechnet. In die Berechnung für den zu zahlenden Gewerbesteuerbetrag fließen zudem die „Steuermesszahl“ (§ 11 GewStG) und der „Hebesatz der Gemeinde“ (§ 16 GewStG) ein. Je nach Rechtsform profitieren Gewerbebetriebe auch von einem Gewerbesteuerfreibetrag, der den Gewerbeertrag und damit den Steuerbetrag verringert.

Gegenstand der Besteuerung – wer ist von der Gewerbesteuer betroffen?

Der Gewerbebesteuerung unterliegen Gewerbebetriebe. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die eine gewerbliche Unternehmenstätigkeit im Sinne des Einkommenssteuergesetzes betreiben. Von der Gewerbesteuer sind folgende Arten von Gewerbebetrieb betroffen:

* Einzelunternehmen/Gewerbetreibende (§ 2 Abs.1 GewStG)
* Personengesellschaften (z. B. GbR, OHG, KG), die nach der Rechtsform ein Gewerbebetrieb sind, eine gewerbliche Tätigkeit ausüben oder nach § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG gewerblich geprägt sind.
* Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH, AG oder Europäische Gesellschaften), Genossenschaften, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) und Pensionsfondsvereine auf Gegenseitigkeit ( PVaG) unterliegen aufgrund ihrer Rechtsform der Gewerbesteuer (§ 2 Abs. 2 GewStG).
* Sonstige juristische Personen des privaten Rechts und nichtsrechtsfähige Vereine gelten als Gewerbebetrieb, wenn sie einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (ausgenommen Land- und Forstwirtschaft) unterhalten und unterliegen der Gewerbesteuer (§ 2 Abs. 3 GewStG).

Freiberufler und andere nicht gewerblich tätige Selbstständige sowie Personengesellschaften, die Land- und Forstwirtschaft betreiben, sind „nicht“ von der Gewerbesteuer betroffen.

Der Gewerbesteuerfreibetrag

Das Gewerbesteuergesetz räumt Einzelunternehmen und Personengesellschaften einen Freibetrag in Höhe von 24 500 Euro ein (§ 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG).

Ein Freibetrag in Höhe von 5000 Euro erhalten gemäß § 11 Abs. 1 Nr. 2 GewStG folgende Gewerbebetriebe:

  • Sonstige juristische Personen des privaten Rechts (z. B. Vereine)
  • nichtrechtsfähige Vereine mit einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb
  • Unternehmen nach § 3 Nr. 5, 6, 8, 9, 15, 17, 21, 26, 27, 28 und 29 GewStG (Befreiungen)
  • Unternehmen von juristischen Personen des öffentlichen Rechts

Der gewährte Freibetrag wird von dem ermittelten Gewerbeertrag immer abgezogen. Fällt der Gewerbeertrag geringer als die Höhe des Freibetrags aus beziehungsweise ist der Gewerbeertrag dadurch gleich null, wird keine Gewerbesteuer erhoben. Der Gewerbeertrag kann durch den Freibetrag nur bis zur Nullgrenze gekürzt werden. Einen Minusbetrag gibt es hier nicht, da auf Verluste keine Steuern erhoben werden.

Der Hebesatz der Gewerbesteuer und seine Höhe

Der Hebesatz ist ein Faktor in Prozent, mit dem ermittelten Steuermessbetrag multipliziert wird, um die Gewerbesteuer zu ermitteln. Die Höhe des Hebesatzes wird von den Gemeinden individuell festgelegt. Dadurch können die Gemeinden die Höhe der Gewerbesteuer beeinflussen. Der Hebesatz wird in Deutschland nur bei der Gewerbesteuer und der Grundsteuer eingesetzt. Gemäß § 16 GewStG muss der Hebesatz mindestens 200 % betragen. In den meisten Gemeinden wird der Hebesatz jedoch höher als der Mindestfaktor festgelegt.

Die Gewerbesteuer in ihrer Berechnung

Die Gewerbesteuer berechnet sich nach folgendem Schema.

Gewinn des Gewerbebetriebs gemäß EstG oder KStG
+ Hinzurechnungen
– Kürzungen
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= Gewerbeertrag (vor Verlustabzug)
– Gewerbeverlust aus Vorjahr
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= Gewerbeertrag (nach Verlustabzug) abgerundet auf volle Hunderter
– Freibetrag
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= Gewerbeertrag (nach Abzug Freibetrag)
x Steuermesszahl 3,5 %
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= Steuermessbetrag
x Hebesatz der Gemeinde
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= Festzusetzende Gewerbesteuer
– Vorauszahlung der Gewerbesteuer
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= zu zahlende Gewerbesteuer

Hinzurechnungen:

Dem zugrunde gelegten Gewinn des Gewerbebetriebes werden seit dem Jahr 2008 diverse Finanzierungsaufwendungen wieder hinzugerechnet. Dazu zählen Zinsen und andere Entgelte für Schulden, Rentenzahlungen, dauernde Lasten, Gewinnanteile stiller Gesellschafter oder auch Finanzierungsanteile in Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen. Des Weiteren können außer den Finanzierungsaufwendungen auch Gewinnanteile der Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), Dividenden, Teilwertabschreibungen oder auch Veräußerungsverluste hinzugerechnet werden (§ 8 GewStG). Kleine und mittlere Unternehmen werden vor der möglichen Ausweitung der Hinzurechnungen durch einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro geschützt. Der Gesamtbetrag der Hinzurechnung wird in einer separaten Rechnung ermittelt, bevor er in die Berechnung des Gewerbeertrags und der Gewerbesteuer eingefügt wird.

Kürzungen:

Die Kürzungen werden vorgenommen, um eine mehrfache Belastung mit Realsteuern zu verhindern. Dazu gehört zum Beispiel die Kürzung durch einen Teil des Einheitswertes von einem betrieblichen Grundstück, denn dieses unterliegt bereits der Grundsteuer. Ebenso gehören Gewinnanteile aus Beteiligungen dazu, wenn diese bereits der Gewerbesteuer der ausschüttenden Kapitalgesellschaft unterlagen. Letzterer Vorgang ist auch als „Schachtelprivileg“ bekannt und soll eine Doppelbesteuerung vermeiden. In die Berechnung der Kürzung fallen auch ausländische Gewinnanteile, da die Gewerbesteuer auf Deutschland bezogen ist und einen Inlandscharakter hat.

Die Gewerbesteuer und ihr Einfluss auf andere Steuern

Die Gewerbesteuer ist gemäß § 4 Abs. 5b EStG eine steuerlich nicht abziehbare Betriebsausgabe. Allerdings können Einzelunternehmer und Gesellschafter einer Personengesellschaft gemäß § 35 EStG einen Teil von dem Gewerbesteuermessbetrag auf die Einkommenssteuer anrechnen lassen. Seit 2008 beträgt die anrechenbare Höhe das 3,8-Fache des Gewerbesteuermessbetrages. Der Betrag wird von der Einkommenssteuer abgezogen. Bei diesen Gesellschaften stellt die Gewerbesteuer rechnerisch dadurch erst ab einem Hebesatz von 400 % eine Belastung dar.

Die Nutzung einer Online-Buchhaltungs-Software als wertvolle Unterstützung

Am Ende des Wirtschaftsjahres fällt die Gewerbesteuer an. Die Ermittlung der Gewerbesteuer mit all ihren einzelnen Elementen, Buchungen und gesetzlichen Vorschriften sowie die Abgabe der Steuererklärung können in puncto Zeit und Arbeit sehr aufwendig und inhaltlich auch fehlerhaft werden. Hier hilft eine Online-Buchhaltungssoftware, wie „lexoffice“ auf sehr nützliche und äußerst komfortable Weise weiter. Mit der Buchhaltungssoftware können Sie problemlos ihre Gewerbesteuer ebenso wie die Einkommenssteuer erstellen, denn das Programm führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Ablauf. Hier finden Sie Buchhalter und Steuerberater in einem System. Sie erfahren auf „lexoffice“ zudem stets die aktuellen Hebesätze der Gemeinden in sämtlichen deutschen Bundesländern.