Opportunitätskosten

Was sind Opportunitätskosten?

Opportunitätskosten sind keine Kosten im klassischen Sinne. Vielmehr handelt es sich dabei um entgangene Erlöse. Wenn ein Unternehmer mehrere Aufträge vorliegen hat, er aber nur eine bestimmte Anzahl von Aufträgen annehmen kann, muss er automatisch mindestens einen Auftrag ablehnen. Üblicherweise wird sich der Unternehmer den Auftrag mit dem wirtschaftlich unrentabelsten Ergebnis ablehnen. Der Nachteil, der ihm durch diesen abgelehnten Auftrag entsteht, wird als Opportunitätskosten bezeichnet.

Wann stellt sich die Frage nach den Opportunitätskosten?

Opportunitätskosten sind die Kosten, die dadurch entstehen, dass die nächstbeste Alternative nicht gewählt werden kann.

Praxis-Beispiel

Investitionsentscheidung eines Unternehmers

Ein einfaches Beispiel ist die Investitionsentscheidung eines Unternehmers. Der Alternative „Unternehmenskauf” steht mindestens eine andere Alternative entgegen, und zwar die Anlage des Geldes auf der Bank. Stehen 1 Mio. EUR zur Verfügung und hat die Wirtschaftlichkeitsberechnung einen Gewinn von 100.000 EUR pro Jahr ergeben, dann wird die Investition getätigt, wenn die Anlage des Geldes auf der Bank weniger als 10 % Zinsen ergibt. Liegen die Zinserträge bei 6 % pro Jahr, ergeben sich Opportunitätskosten von 60.000 EUR, da diese nicht erzielt werden können. Der eigentliche Vorteil des Unternehmenskaufes beträgt damit nur noch 40.000 EUR.

Diese Berechnungen müssen immer dann angestellt werden, wenn

  • mehrere positive Alternativen zur Verfügung stehen und
  • die einzusetzenden Faktoren knapp sind.

Praxis-Tipp

Durch den Ansatz der Opportunitätskosten besser Risiken abschätzen

Der Umgang mit den Opportunitätskosten ist nicht immer leicht verständlich. Sie müssen bereits eine Bewertung der Alternativen vorgenommen haben, denn es wird immer die beste mit der nächstbesten Möglichkeit verglichen. Sie können mit dem Ansatz der Opportunitätskosten jedoch eine wesentlich bessere Risikoabschätzung der einzelnen Alternativen durchführen.

Wie berechnet man die Opportunitätskosten?

Opportunitätskosten sind vielschichtig. Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen Vorteil, der nicht realisiert wird. Das kann der Gewinn sein, auf den verzichtet wird, weil die Maschine für die Herstellung von Produkten nicht gekauft wird. Bei Finanzierungsentscheidungen bestehen die Opportunitätskosten häufig aus entgangenen Zinsen der Anlagemöglichkeit. Möglich ist jedoch auch die Berechnung von nicht erzielten Kostenvorteilen.

Ansatz über Deckungsbeiträge

Weit verbreitet ist der Ansatz entgangener Deckungsbeiträge als Opportunitätskosten. Die Entscheidung für die Herstellung eines Produkts verdrängt im Engpass (z. B. ein Verpackungsautomat) andere Produkte, die für das Unternehmen einen Deckungsbeitrag erwirtschaftet hätten. Dieser muss geringer sein als der Deckungsbeitrag, der von dem nun gefertigten Produkt erwirtschaftet wird. Das sollte die Berechnung der Vorteilhaftigkeit verschiedener Programmvarianten ergeben haben. Die Berechnung der Opportunitätskosten zeigt, wie viel die Entscheidung für die gewählte Alternative kostet.

Im Fall der kalkulatorischen Kosten, die einen alternativen Einsatz von Produktionsfaktoren bewerten, werden die Opportunitätskosten als entgangene Einnahmen oder Erlöse für eine alternative Verwendung berechnet. Die Höhe dieser Kosten hängt stark ab von der Einschätzung des Kostenrechners. Wie hoch sind die am Markt wirklich zu erzielenden Zinsen? Was ist ein gerechter Unternehmerlohn?

Opportunitätskosten in der Wirtschaftlichkeitsrechnung

In der Wirtschaftlichkeitsrechnung wird die Vorteilhaftigkeit von Verhaltensalternativen ermittelt. Gleichgültig ob es sich um Investitionsentscheidungen oder andere Inhalte handelt, immer steht am Ende der Berechnung ein Ergebnis jeder Alternative fest. Mit nur wenigen Ausnahmen können die Möglichkeiten mit negativen Ergebnissen sofort ausgeschlossen werden. Von den positiven Alternativen werden alle verwirklicht, solange noch die entsprechenden Mittel (Kapital, Kapazitäten etc.) vorhanden sind. Diese Vorgehensweise führt bei teilbaren Alternativen relativ einfach zum Ergebnis. Problematisch wird es jedoch, wenn die Möglichkeiten jeweils nur ganz oder gar nicht durchgeführt werden können.

In solchen Fällen kann die Berücksichtigung von Opportunitätskosten ein Weg sein, die Entscheidung zu bestimmen.

Praxis-Beispiel

Opportunitätskosten in der Wirtschaftlichkeitsrechnung

Als Beispiel sei die Entscheidung zwischen zwei Maschinen dargestellt. Nur eine der Investitionen kann verwirklicht werden, weil der Platz in den Fertigungshallen begrenzt ist. Maschine A kostet 500.000 EUR und lässt ein Ergebnis von jährlich 50.000 EUR erwarten. Maschine B kostet 300.000 EUR und bringt einen Gewinn von 45.000 EUR pro Jahr. Die Entscheidung müsste für Maschine A fallen, da diese den absolut höheren Gewinn erbringt. Für jede der Alternativen existiert jedoch die Möglichkeit, das Kapital auch bei der Bank anzulegen und damit jährlich 8 % Zinsen zu erwirtschaften. Diese müssen als Opportunitätskosten berücksichtigt werden.

MaschineKapital EURGewinn pro Jahr EUROpportunitätskostenVorteil nach Berücksichtigung
A500.00050.00040.00010.000
B300.00045.00024.00021.000

Tab. 1:  Gegenüberstellung der Opportunitätskosten

Nach Berücksichtigung der Opportunitätskosten zeigt sich, dass die Maschine B die bessere Alternative ist. Da diese nur 300.000 EUR des Kapitals verbraucht, muss sie auch nur Opportunitätskosten in Höhe von 24.000 EUR (8 % des Kapitals) tragen. Klar wird diese Entscheidung, wenn die restlichen 200.000 EUR angelegt und der Zins als Vorteil mit zur Maschine B gerechnet wird.

Praxis-Tipp

Durch Opportunitätskosten Ergebnisse erklären und bestätigen

Es zeigt sich, dass die Opportunitätskosten nur ein Weg sind, um die Vorteile mehrerer Alternativen aufzuzeigen. Welchen Weg Sie wählen, bleibt Ihnen überlassen. Die Praxis nutzt die Opportunitätskosten häufig zur Bestätigung und Erklärung von Ergebnissen.

Opportunitätskosten und kalkulatorische Kosten

Die kalkulatorischen Kosten im Rahmen der Vollkostenrechnung haben den Charakter von Opportunitätskosten. Sie werden in der Kostenrechnung benutzt, um Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen oder Teilbereichen zu erzeugen und um eine mögliche andere Nutzung von Faktoren zu bewerten. Der kalkulatorische Zinssatz z. B. wird angesetzt, um vorhandenes Eigenkapital mit Fremdkapital gleichzusetzen. Die Berücksichtigung dieser kalkulatorischen Kostenart führt dazu, dass die Belastung von Kostenstellen und Kostenträgern mit Zinsen unabhängig von der Finanzstruktur des Unternehmens ist.

Das gilt auch für den kalkulatorischen Unternehmerlohn. Auch hier wird der alternative Einsatz der Faktoren, in diesem Fall die Arbeitskraft des Unternehmers, bewertet. Die Produkte müssen diese Opportunitätskosten in ihrer Kalkulation tragen. Die kalkulatorische Miete ersetzt teilweise die sonstigen Gebäudekosten wie z. B. die Abschreibung. Sie enthält auch fiktive Gewinne, die ein Vermieter erzielen würde. Damit sind diese Opportunitätskosten höher als eine reine Verrechnung der echten Kosten der eigenen Gebäude. Kalkulatorische Abschreibungen gleichen nicht nur den Unterschied zwischen den steuerlichen und den handelsrechtlichen Abschreibungen aus. Auch bei der Nutzung bereits abgeschriebener Anlagegegenstände wird durch diese Form der Opportunitätskosten die Kostenkontinuität aufrecht erhalten.

Opportunitätskosten in der Berechnung von Preisuntergrenzen

Jeder Kostenrechner in Unternehmen, die Auftragsfertigung betreiben, kennt die Frage der Verkäufer nach der Preisuntergrenze für zusätzliche Aufträge. Besteht kein Engpass, kann die Frage leicht durch die Berechnung von variablen und fixen Kosten beantwortet werden. Reicht die Kapazität jedoch nicht aus, alle anstehenden Aufträge zu bearbeiten, müssen die Opportunitätskosten der nicht mehr zu fertigenden Produkte in der Preisuntergrenze berücksichtigt werden. Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen:

Praxis-Beispiel

Durch Opportunitätskosten Preisuntergrenzen berechnen

Ein Unternehmen hat eine Fertigungskapazität von 100.000 Stunden pro Periode. Bisher liegen Aufträge vor, die einen Deckungsbeitrag von 400.000 EUR bei einer Beanspruchung von 80.000 Stunden erwirtschaften würden (DB: 5 EUR/h). Diese Aufträge sind beliebig teilbar und können auch abgesagt werden. Der Vertrieb benötigt nun die Preisuntergrenze für einen zusätzlichen Auftrag, der 30.000 Stunden der Kapazität benötigt und variable Kosten von 100.000 EUR verursacht. Diese variablen Kosten stellen im Normalfall die Preisuntergrenze dar, wenn die Kapazitäten ausgelastet werden sollen. Da der Zusatzauftrag jedoch mehr als die freie Kapazität benötigt, verdrängt er andere Aufträge, die einen Deckungsbeitrag liefern. Dieser Betrag muss als Opportunitätskosten berücksichtigt werden.

Der Zusatzauftrag benötigt 10.000 Stunden von Aufträgen, die einen Deckungsbeitrag von 5 EUR/h liefern. Damit fehlen dann 50.000 EUR, die als Opportunitätskosten zu berücksichtigen sind. Als Preisuntergrenze ergibt sich somit:

variable Kosten des Zusatzauftrages100.000 EUR
Opportunitätskosten50.000 EUR
Preisuntergrenze150.000 EUR

Tab. 2:  Ermittlung der Preisuntergrenze

Opportunitätskosten in der Programmplanung

In der Programmplanung eines Unternehmens kommt es bei knappen Kapazitäten immer zu Verdrängungen. Diese können als Opportunitätskosten berücksichtigt werden, um den maximalen Erfolg zu berechnen. Eine Entscheidungsgrundlage kann die Berechnung des Erfolges einer Alternative unter Berücksichtigung der Opportunitätskosten darstellen, wenn z. B. ein Risiko bewertet werden muss. Auch dazu ein Beispiel:

Praxis-Beispiel

Opportunitätskosten in der Programmplanung

Ein Unternehmen kann zwei Produkte A und B herstellen. Die Kapazität ist begrenzt auf 3.000 Stunden für die Planperiode. Die in den unteren Tabellen angegebenen Daten führen zu zwei Alternativen, wobei die Alternative 1 (Produkt B in voller Stückzahl, Rest für Produkt A) den geringeren Deckungsbeitrag liefert als Alternative 2 (Produkt A in voller Stückzahl, Rest für Produkt B).

Alternative 1

ProduktStückzahl max.Fertigungszeit in hVK-Preis EUR/Stückvariable Kosten EUR/StückDB I EUR/StückDB I EUR/hMengeDB I EUR
A1000210,005,005,002,505002.500
B200017,005,002,002,0020004.000
6.500

Tab. 3:  Alternative 1

Alternative 2

ProduktStückzahl max.Fertigungszeit in hVK-Preis EUR/Stückvariable Kosten EUR/StückDB I EUR/StückDB I EUR/hMengeDB I EUR
A1000210,005,005,002,5010005.000
B200017,005,002,002,0010002.000
7.000

Tab. 4:  Alternative 2

Damit wird die Alternative 2 gewählt. Werden die Opportunitätskosten berücksichtigt, ergibt sich für diese Wahl nur noch ein Vorteil von 500 EUR (7.000 EUR als DB aus Alternative 2 ./. 6.500 EUR als entgangener DB aus Alternative 1). Dieser Vorteil muss jetzt mit den u. U. erhöhten Risiken verglichen werden. So kann die Planungssicherheit für den Absatz des Produktes B wesentlich höher sein als bei Produkt A, oder die Fertigung von Produkt A hängt ab von einem Vorlieferanten, der sehr unzuverlässig ist. Die individuelle Situation kann jetzt mit dem echten Vorteil der Alternative 2 bewertet werden. Vielleicht sieht die Entscheidung dann anders aus.

Praxis-Tipp

Durch Opportunitätskosten Entscheidungen absichern

Die Ermittlung der Opportunitätskosten bedeutet für Sie einen zusätzlichen Aufwand. Dafür erhalten Sie in unklaren Entscheidungssituationen jedoch eine zusätzliche, oft entscheidende Information. Die Opportunitätskosten bestätigen Ihre Ergebnisse, die auf anderem Wege ermittelt wurden und sichern die Entscheidungen ab.

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