Rentabilitätsvergleichsrechnung

Die Rentabilitätsvergleichsrechnung ist eine sogenannte statische Methode der Investitionsrechnung. Mit ihrer Hilfe lässt sich schnell ermitteln, ob eine Investition lohnenswert ist beziehungsweise welche von mehreren Investitionen eine höhere Rendite bringt. Im Gegensatz zu den aufwendigeren dynamischen Investitionsrechnungen berücksichtigt die Rentabilitätsvergleichsrechnung nicht den Zeitwert des Geldes.

Grundlagen der Rentabilitätsvergleichsrechnung

Um herauszufinden, ob eine Investition sinnvoll ist, benötigen sie als Unternehmer:in eine Kontrollkennzahl. Eine mögliche Kennzahl ist die Rendite, die Sie über eine Rentabilitätsvergleichsrechnung ermitteln. Die Rendite ergibt sich aus dem Verhältnis des durchschnittlichen Gewinns in einem bestimmten Zeitraum zum Kapitaleinsatz in dieser Zeit.

Für Ihr Unternehmen bedeutet das, dass Sie sowohl verschiedene Investitionsarten miteinander vergleichen als auch einzelne Investitionen bewerten können. Als Investition wird dabei jeder Einsatz von Kapital zur Erfüllung eines bestimmten Unternehmenszwecks bezeichnet.

Rentabilitätsvergleichsrechnung Formel

Die Formel für die Rentabilität lautet:

Rentabilität = durchschnittlicher Gewinn vor Zinsen / durchschnittlich gebundenes Kapital

Gewinn vor Zinsen bedeutet in diesem Fall, dass etwaige Zinsaufwendungen zur Finanzierung des Investitionsguts, die zu einer Gewinnminderung führten, in der Rentabilitätsrechnung wieder hinzuaddiert werden. Zweck dieser Vorgehensweise ist eine finanzierungsunabhängige Bestimmung der Rendite des Investitionsobjekts. Die auf diese Weise ermittelte Rendite kann nachfolgend mit den Finanzierungsaufwendungen (beispielsweise Kreditzinsen) verglichen werden, um zu ermitteln, ob die Investition lohnenswert ist.

Beispiel einer Rentabilitätsvergleichsrechnung

Ausgangssituation

Eine kunststoffverarbeitende Firma möchte eine neue Spritzgussmaschine anschaffen.

Es liegen zwei Angebote mit unterschiedlichen Eckdaten vor.

Maschine A kostet 80.000,00 € und Maschine B kostet 65.000,00 €. Da Maschine A genauer arbeitet, können die mit ihr produzierten Formteile zu 0,70 € weiterverkauft werden, während für die Teile von Maschine B nur ein Erlös von 0,61 € zu erzielen ist.

Die Kapazität beider Maschinen beträgt 100.000 Formteile pro Jahr.

Die Wartungs- und Betriebskosten für beide Maschinen werden pro Jahr mit 10 % des Anschaffungspreises kalkuliert. Die Abschreibung ist linear, die Nutzungsdauer beträgt 5 Jahre.

Zur Finanzierung der Maschine soll ein Bankkredit zu 6 % aufgenommen werden, der entsprechend der Nutzungsdauer ebenfalls über 5 Jahre in gleichen Raten getilgt werden soll.

Eingesetztes Kapital und Kapitalkosten

In der nachfolgenden Tabelle werden der durchschnittliche Kapitaleinsatz und die Kapitalkosten ermittelt.

Maschine A

Maschine B

Anschaffungskosten        

80.000,00 €

65.000,00 €

Durchschnittliche Kapitalbindung

40.000,00 €

32.500,00 €

Kalkulatorische Zinsen 6 %

2.400,00 €

1.950,00 €

Durchschnittliche Kapitalkosten

480,00 €

390,00 €

Zu den durchschnittlichen Kapitalkosten ist anzumerken, dass der Zinssatz auf die durchschnittliche Kapitalbindung angewandt wird, da der Kredit gleichmäßig über die Laufzeit getilgt wird. Statt Kreditzinsen können auch Opportunitätskosten als kalkulatorische Zinsen eingesetzt werden (Erträge, die Sie bei Anlage der Investitionssumme am Kapitalmarkt erzielen könnten, wenn Sie das Geld nicht investieren würden).

Berechnung des durchschnittlichen Gewinns

Im zweiten Schritt der Rentabilitätsvergleichsrechnung wird der durchschnittliche Gewinn ermittelt.

Maschine A

Maschine B

Erlöse (Produktionsmenge 100.000 Stück)

70.000,00 €

61.000,00 €

Abschreibung (linear)

− 16.000,00 €

− 13.000,00 €

Durchschnittliche Kapitalkosten               

− 480,00 €

− 390,00 €

Betriebs- und Wartungskosten (10% der Anschaffung)

− 8.000,00 €

− 6.500,00 €

Durchschnittlicher Gewinn

45.520,00 €

41.110,00 €

Ermittlung der Rentabilität

Im letzten Schritt der Rentabilitätsvergleichsrechnung wird die finanzierungsunabhängige Rentabilität ermittelt. Dazu werden die Kapitalkosten/Zinsen, die ja eigentlich gewinnmindernd sind, dem durchschnittlichen Gewinn wieder zugeschlagen.

Maschine A

Maschine B

Durchschnittlicher Gewinn

45.520,00 €

41.110,00 €

Durchschnittliche Kapitalkosten

480,00 €

390,00 €

Durchschnittlicher Gewinn vor Zinsen

46.000,00 €

41.500,00 €

Durchschnittliche Kapitalbindung

40.000,00 €

32.500,00 €

Rentabilität

115 %    

128 %

Bewertung der Rentabilitätsvergleichsrechnung

In dem angeführten Beispiel sind beide Maschinen sehr rentabel, weil ihre Rentabilität deutlich über 100 % liegt. Bei einem Wert unter 100 % wären die Investitionen nicht rentabel.

Ein weiteres Ergebnis der Rentabilitätsvergleichsrechnung ist, dass Maschine B die insgesamt lohnenswertere Anschaffung darstellt, weil sie die höhere Rentabilität besitzt.

Abgrenzung der Rentabilitätsvergleichsrechnung von anderen statischen Investitionsrechnungen

Neben der Rentabilitätsvergleichsrechnung gibt es im Wesentlichen noch drei andere Methoden der statischen Investitionsrechnung.

Diese sind die Kostenvergleichsrechnung, die Gewinnvergleichsrechnung und die Amortisationsrechnung. Sie liefern im Vergleich zur Rentabilitätsvergleichsrechnung andere Kennzahlen, die unter bestimmten Gesichtspunkten als wichtiger betrachtet werden können als die Rendite.

Kostenvergleichsrechnung

Die Kostenvergleichsrechnung betrachtet nur die Kosten, die ein Investitionsobjekt verursacht. Ihre Anwendung ist sinnvoll, wenn dem Investitionsobjekt keine Erlöse direkt zugeordnet werden können, beispielsweise ein Lkw für Ihren Fuhrpark oder ein Kopierer für Ihr Großraumbüro.

Bei der Kostenvergleichsrechnung wird noch unterschieden in periodenbezogene (z.B. Kosten pro Jahr) und stückzahlbezogene Kosten. Im Fall eines Lkw können die Kosten pro Fahrkilometer, im Fall eines Kopierers die Kosten pro Ausdruck berechnet werden.

Im obigen Fall der Spritzgussmaschinen würde Maschine A in allen Belangen schlechter abschneiden.

Gewinnvergleichsrechnung

Bei der Gewinnvergleichsrechnung interessiert nur, welcher Gewinn mit Hilfe des Investitionsobjekts erzielt werden kann. Die Gewinnvergleichsrechnung ist sinnvoll, wenn der Output zweier zu vergleichender Maschinen unterschiedlich ist. Das bedeutet, dass eine Maschine beispielsweise eine deutlich größere Kapazität besitzt oder mit einer anderen Qualität produziert.

Die Gewinnvergleichsrechnung kann nur angewendet werden, wenn dem Investitionsgut klare Erlöse zugeordnet werden können.

Im obigen Beispiel der Spritzgussmaschinen wäre Maschine A hier die klar bessere Option.

Rentabilitätsvergleichsrechnung

Die Rentabilitätsvergleichsrechnung führt die Kostenvergleichsrechnung und die Gewinnvergleichsrechnung zusammen und macht aus zwei Kennzahlen eine neue Kennzahl. Sie ist demnach eine differenziertere Vergleichsrechnung.

Das Beispiel mit den Spritzgussmaschinen zeigt, dass diese Rechnung hilfreich ist, wenn bei Kostenvergleichsrechnung und Gewinnvergleichsrechnung unterschiedliche Präferenzen resultieren.

Amortisationsrechnung

Die Kernfragestellung der Amortisationsrechnung ist, nach welcher Zeit das Geld für die Investition wieder eingenommen wurde (Kapitalrückfluss).

Grundsätzlich gibt es auch hier zwei Berechnungsmethoden, die Durchschnittsmethode und die Kumulationsmethode. Die Amortisationsrechnung ist besonders interessant, wenn es um hohe Investitionen geht oder wenn nur von einer kurzen Nutzungsdauer ausgegangen werden kann. Gerade im zweiten Fall ist ein schneller Kapitalrückfluss notwendig, damit die Investition noch lohnenswert werden kann.

Rentabilitätsvergleichsrechnung Vor- und Nachteile auf einen Blick

Der Vergleich mit den reinen Gewinn- oder Kostenvergleichsrechnungen zeigt, dass die Rentabilitätsvergleichsrechnung wesentlich ergiebiger ist, da sie Ihnen die tatsächliche Rendite eines Investitionsprozesses vor Augen führt. Darüber hinaus bietet sie die folgenden Vorteile:

  • geringer Aufwand bei hohem Nutzen
  • wenige Daten erforderlich
  • höherer Vergleichswert als bei anderen Berechnungen
  • Vergleich mehrerer Investitionen und Bewertung von einzelnen Anschaffungen möglich
  • hilfreich für die Liquiditätsplanung

Damit stellt die Rentabilitätsvergleichsrechnung innerhalb der statischen Investitionsrechnungen die nützlichste Berechnungsmethode dar. Es darf allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass die sogenannten dynamischen Investitionsrechnungen deutlich genauere Aussagen über den Charakter einer Investition machen können. Zu den dynamischen Investitionsrechnungen gehören beispielsweise das Kapitalwertverfahren, die Annuitätenmethode oder die Methode des internen Ertragssatzes. Diese Methoden sind jedoch deutlich aufwendiger in der Durchführung.

Im direkten Vergleich mit den dynamischen Verfahren weist die Rentabilitätsvergleichsrechnung folgende empfindliche Schwächen auf:

  • unterschiedliche Zinswerte werden bei der Rechnung nicht berücksichtigt
  • die Rentabilitätsvergleichsrechnung arbeitet nur mit Durchschnitten und berücksichtigt keine Perioden mit unterschiedlich starken Zahlungsflüssen
  • der Zeitwert des Geldes wird nicht berücksichtigt

Schlussfolgerung zur Rentabilitätsvergleichsrechnung

Die Rentabilitätsvergleichsrechnung ist eine exzellente Möglichkeit, wenn Sie schnell und einfach die Rentabilität von Investitionen in Bezug auf Gewinn, Kapitaleinsatz und Fixkosten berechnen und vergleichen möchten. Sie ist dabei wesentlich aussagekräftiger als andere statische Investitionsrechnungen wie die Gewinnvergleichskostenrechnung oder die Kostenvergleichsrechnung.

Eine tiefergehende Analyse Ihrer Investitionen gelingt jedoch nur, wenn Sie noch weitere Faktoren in Ihre Berechnung aufnehmen, wie zum Beispiel kalkulatorische Zinsen und Abschreibungen. Dies ist in den sogenannten dynamischen Investitionsrechnungen der Fall.

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