Venture-Capital

Definition

Wenn Sie Startups finanziell unterstützen wollen, geschieht dies oftmals durch eine Beteiligungsfinanzierung. Handelt es sich hierbei um eine risikoreiche Anlage, können Sie von einem Venture-Capital, also einem Risiko- oder Wagniskapitel, sprechen.

1 Einführung

Gründer, die auf der Suche nach Investoren sind, stehen in der Regel vor folgenden Problemen, die für Sie als Kapitalgeber abschreckend wirken könnten:

  • Kurze Unternehmenshistorie
  • Geringe Bonität
  • Hohes Ausfallrisiko
  • Kaum Sicherheiten

Da es sich bei Startups zudem nicht um eine emissionsfähige Firma handelt, stellt die Börse oftmals keine Option dar. Und wenn, dann erst zu einer deutlich späteren Unternehmensphase. Daher ist ein Venture-Capital in der Überbrückungszeit zwingend notwendig.

Bereits seit den 1970er Jahren investieren immer mehr Kapitalgeber in Startups, obwohl es ein hohes Risiko aufweist. Viele innovative junge Unternehmen sind auf dem Gebiet der Spitzentechnologien tätig – die Wachstumschancen dementsprechend hoch. Jedoch gilt das ebenfalls für das Ausfallrisiko. Im schlimmsten Fall warten Sie vergebens auf die Rückzahlung Ihres Investments. Aus diesem Grund wird diese Finanzierung als Venture-Capital bezeichnet. Es stellt zwar ein Wagnis für Sie dar, doch es eröffnet Ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, Ihre Beteiligung durch einen Wertzuwachs zu verbessern.

2 Merkmale der Venture-Capital-Finanzierung

  • Der Vorteil für einen Private Equity-Investor ist die Tatsache, dass Sie sowohl auf die operativen als auch die strategischen Entscheidungen Einfluss nehmen können sowie als Investor aktiv am weiteren Geschehen beteiligt sind. Es handelt sich hierbei daher um aktives Eigenkapital, was Sie in die Unternehmung einbringen.
  • Wenn Sie sich zu einer Venture-Capital-Beteiligung entschließen, tragen Sie ein hohes Risiko. Denn es ist stets problematisch, dass kurz nach der Gründung einer Firma nicht absehbar ist, wie erfolgreich sich die Geschäftsidee letztendlich entwickelt. Es ist daher ratsam, wenn Sie bereits vor Ihrem Investition über ein mögliches Ausstiegsszenario reden.

Nichtsdestotrotz ist diese Art der Finanzierung äußerst beliebt bei Kapitalgebern, da eine Wertsteigerung der Unternehmensanteile durchaus realistisch ist.

3 Formen der Venture-Capital-Finanzierung

Im Grunde können Sie zwischen einem formellen oder informellen Venture-Capital wählen. Bei einer informellen Venture-Capital-Transaktion erfolgt Ihr Investment durch eine Beteiligungsgesellschaft. Dieses Vorgehen wird oftmals von Pensionskassen und Versicherungen in Anspruch genommen. Bei dieser Form der Finanzierung wird ein sogenannter Beteiligungsfond eröffnet. Dieser beinhaltet meist zwischen 10 bis 20 verschiedene Investoren. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, Teil eines Venture-Capital-Dachfonds zu werden. Dies vergrößert nicht nur die Streuung, er besteht zudem häufig aus deutlich mehr als 20 Einzelfonds.

Es existieren verschiedene Unterformen einer formellen Venture-Capital-Finanzierung:

Rein renditeorientierte Beteiligungsfonds

Diese sind in erster Linie für folgende Aufgaben zuständig:

  • Durchführung der eigentlichen Kapitalbeteiligungen
  • Monitoring des Beteiligungsportfolios
  • Sichtung renditeträchtiger Investments
  • Verwalten der Finanzmittel

Corporate-Venture-Capital-geber

Hierbei geht es nicht in erster Linie um den finanziellen Aspekt. Stattdessen wird viel Wert auf den Know-how-Transfer gelegt. Oftmals ist dieser Punkt für Startups deutlich wichtiger als ein reiner Kapitalgeber. Denn nur durch sogenannte Connections ist es jungen Unternehmen, gerade im forschungsintensiven Bereich, überhaupt möglich, spezielle Dienstleistungen und Technologien zu erhalten. Der Kapitalgeber erreicht dadurch einerseits, dass dem Start-up- Unternehmen ausreichend Kapital für weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Verfügung steht, wobei dieser die Richtung und Fokussierung der Innovationsanstrengungen gezielt in seinem Sinne steuern kann. Andererseits kann das etablierte Unternehmen die entwickelten Ideen in sein Produktportfolio integrieren und für seinen eigenen wirtschaftlichen Erfolg nutzen. Für den Kapitalnehmer ergeben sich gegenüber einer normalen Venture-Capital-Finanzierung ebenfalls Vorteile, die insbesondere in der höheren Fristigkeit des Engagements sowie einer intensiveren Unterstützung der Forschungs- und Entwicklungsarbeit durch den Kapitalgeber begründet sind.

Gemeinwohlorientierte Venture-Capital-Finanzierung

Bei diesem Modell fungieren als Kapitalgeber hauptsächlich staatliche oder staatsnahe Fördergesellschaften. Grundsätzlich verfolgen diese Kapitalgeber nicht das Ziel der Gewinnmaximierung, sondern der Förderung einer bestimmten Region, Branche oder Technologie. Gegenüber normalen Venture-Capital-Gesellschaften ist das Beteiligungsverhältnis normalerweise durch eine niedrigere Beteiligungsquote sowie geringere Mitspracherechte gekennzeichnet.

4 Finanzierung mittels Business Angels

Neben der formellen Venture-Capital-Finanzierung existiert ein informeller Beteiligungsmarkt für Gründungsunternehmen, auf dem insbesondere wohlhabende Privatpersonen (sog. „Business Angels“) direkt in Start-up-Unternehmen investieren. Business Angels besitzen meistens einen persönlichen Bezug zu der Branche des finanzierten Unternehmens. Dadurch können Business Angels z. B. durch persönliche Kontakte oder detaillierte Branchenkenntnisse in einen intensiven Austausch mit den Gründern des Unternehmens treten. Das Unternehmen erhält nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch einen erfahrenen Mentor, der durch Managementunterstützung und Branchen-Know-how zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Die Business-Angel-Finanzierung wird häufig in einer sehr frühen Unternehmensphase eingesetzt, da die Erfolgswahrscheinlichkeit und die Finanzierungsvolumina für institutionelle Kapitalgeber oftmals zu gering sind. Der Finanzierungsmarkt im Business-Angel-Bereich ist im Vergleich zum formellen Venture-Capital nur gering organisiert, wenig transparent und stark fragmentiert. Das Zusammenfinden von Kapitalgeber und -nehmer erfolgt deshalb häufig durch informelle Netzwerke und persönliche Beziehungen.

Zielsetzungen eines Business Angels sind neben einer hohen Rendite oftmals auch weitere qualitative Kriterien, die sich z. B. in einem Einbringen ihrer langjährigen Berufserfahrung, der Unterstützung einer erfolgsversprechenden Gründung sowie einer neuen persönlichen Herausforderung äußern können. Vor diesem Hintergrund finden Business-Angel-Finanzierungen häufig in technologie- und forschungsintensiven Branchen statt, da diese einerseits ein hohes Wachstumspotenzial besitzen und hier andererseits eine hohe persönliche Einbindung der Kapitalgeber in die Geschäftsentwicklung vorteilhaft ist. Darüber hinaus gilt die Verbindung aus Start-up-Unternehmen sowie erfahrenem Business Angel als erfolgsversprechend, weil einerseits das Start-up-Unternehmen in seinem Fachgebiet ein hohes Know-how aufweist und andererseits die oftmals fehlenden betriebswirtschaftlichen Kenntnisse durch den Business Angel beigesteuert werden können. Insbesondere schafft der Business Angel durch sein persönliches Netzwerk den Zugang zu weiteren Finanzierungsquellen, bei denen er als Fürsprecher des Unternehmens auftritt. Neben einer rein beratenden Funktion kann der Business Angel auch durch eine entsprechende organisationale Eingliederung direkt in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

5 Expansion-Finanzierung als Sonderform der Venture-Capital-Finanzierung

Unter Expansion-Finanzierung wird im Allgemeinen die Bereitstellung von Venture-Capital in der Wachstumsphase einer Existenzgründung verstanden. Die Wachstumsphase schließt sich an die First-Stage-Phase (First-Stage-Finanzierung) an und lässt sich in die Second-Stage-Phase und die Third-Stage-Phase unterteilen.

Nachdem in der First-Stage-Phase die Produkte bzw. Dienstleistungen am Markt eingeführt sind, stehen in der Second-Stage-Phase die Durchdringung des Marktes sowie der Ausbau der Vertriebskanäle an. In dieser Phase geht der Bedarf an Venture-Capital im Vergleich zur First-Stage-Phase bereits leicht zurück, da sich mit zunehmendem Absatz und dem Erreichen der Gewinnschwelle die Ertragslage und damit auch die Bonität des Unternehmens verbessert, wodurch das Unternehmen in die Lage versetzt wird, auf Instrumente der Innenfinanzierung oder auf den Kreditmarkt zurückzugreifen.

In der Third-Stage-Phase werden Finanzmittel für den Ausbau des Produktions- und Vertriebssystems zur weiteren Ausnutzung des Marktpotenzials benötigt. Zudem sind ggf. finanzielle Mittel für die Einführung der Produkte auf internationalen Märkten erforderlich. Die Third-Stage-Phase stellt meist auch den Abschluss der Beteiligung dar, da das Erreichen der Produktreife den Venture-Capital-Geber i. d. R. dazu veranlasst, die Rendite seiner Beteiligung durch den Verkauf seiner Anteile zu realisieren. Gegebenenfalls stellen diese jedoch noch Beteiligungskapital zur Vorfinanzierung eines Börsengangs (Bridge-Finanzierung) zur Verfügung.

6 Ausstiegsoptionen eines Venture-Capital-Gebers

Allen Formen der Finanzierung gemeinsam ist die Beschränkung der Beteiligungsdauer, wobei sich diese in Abhängigkeit der verfolgten Strategie des Investors auf einen Zeitraum zwischen drei und sechs Jahren erstreckt. Im Anschluss verfügt der Venture-Capitalist über diverse Ausstiegsoptionen, wobei im Folgenden nur die in der Literatur oftmals genannten Formen vorgestellt werden sollen:

Häufiges Ziel eines Ausstiegs aus dem Unternehmen ist der Börsengang, das sog. Going Public, bei dem der Investor entweder vollständig aus dem Unternehmen ausscheidet oder noch ein gewisses Beteiligungsverhältnis aufrechterhalten kann. Im Rahmen eines Buy-Back werden die Unternehmensanteile von dem Alteigentümer, bei einem Trade Sale an einen industriellen Investor weiterverkauft. Der Trade Sale kann im Falle einer hohen Überschneidung der Geschäftsinteressen und hoher Synergieeffekte zu einem höheren Verkaufspreis führen, da der neue Besitzer ggf. bereit ist, einen erheblichen Aufschlag auf den aktuellen Unternehmenswert zu bezahlen. Schließlich können die Anteile im Rahmen eines Secondary Purchase von einem weiteren Finanzinvestor, wie z. B. einem Venture-Capital-Fonds, übernommen werden.

7 Motive für den Einsatz von Venture-Capital

In Bezug auf die Motive von Venture-Capital sind die Ziele der Kapitalgeber von denen der Kapitalnehmer zu unterscheiden. Die Venture-Capital-Geber verfolgen mit ihrem Kapitalengagement im Wesentlichen drei Ziele:

  • Er kann zunächst sein eigenes Wachstum forcieren, wenn es ihm gelingt, Produkte seines eigenen Sortiments an den Venture-Capital-Nehmer zu veräußern, die dieser zur Herstellung seiner innovativen Güter benötigt.
  • Möglichweise strebt er eine Stärkung seines eigenen Unternehmens an. Einerseits soll sich die Kreativität der Gründer auf den Venture-Capital-Geber übertragen, andererseits ist es denkbar, dass dieser durch sein Engagement – ergänzend zu seinen eigenen Forschungs- und Entwicklungsbemühungen – Anschluss an technologische Entwicklungen halten will.
  • Darüber hinaus hat der Venture-Capital-Geber üblicherweise ein Renditeziel. Er betreibt sein Engagement in der Erwartung einer angemessenen Verzinsung seines eingesetzten Kapitals.

Die Venture-Capital-Nehmer besitzen im Wesentlichen die folgenden Motive zur Durchführung einer Finanzierung:

  • In erster Linie will ein Kapitalgeber seinen Finanzbedarf decken. Durch die Bereitstellung von Eigenkapital durch ihn verbessern sich obendrein die Haftungsbasis des Venture-Capital-Nehmers und somit auch seine Kreditwürdigkeit. Dadurch eröffnet sich ihm i. d. R. der Zugang zu weiteren Finanzierungsalternativen, wie z. B. zu Bankkrediten. Weiterhin bietet eine Venture-Capital-Finanzierung insbesondere gegenüber der Fremdfinanzierung den Vorteil, dass keine regelmäßigen liquiditätsbelastenden Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten sind.
  • Neben dem finanziellen Aspekt ist die Beteiligung eines Venture-Capital-Gebers für den -Nehmer auch dadurch vorteilhaft, dass er auf das Fachwissen des Venture-Capital-Geber z. B. hinsichtlich Personalbeschaffung, Forschung und Entwicklung und Controlling und seine Verbindungen zu Marktpartnern zurückgreifen kann.

8 Bewertung der Venture-Capital-Finanzierung

Der Einsatz einer Venture-Capital-Finanzierung ist für ein Gründungsunternehmen mit verschiedenen Vor- und Nachteilen verbunden.

Vorteile der Venture-Capital-FinanzierungNachteile der Venture-Capital-Finanzierung
  • Das Start-up-Unternehmen erhält in einem frühen Stadium Mittel zur weiteren Expansion zur Verfügung gestellt, die es eventuell im Rahmen einer Fremdkapitalfinanzierung nicht bekommen könnte.
  • Weiterhin müssen für diese Kapitalbeträge im Gegensatz zu einer Fremdkapitalfinanzierung keine Zins- und Tilgungsleistungen aufgebracht werden, sodass die Liquidität des Unternehmens nur wenig belastet und gleichzeitig die Eigenkapitalbasis gestärkt wird.
  • Die verbesserte Eigenkapitalbasis kann zu einer Verbesserung des Ratings beitragen, womit günstigere Finanzierungskonditionen anderer Kapitalquellen einhergehen können.
  • Neben der rein finanziellen Ebene bestehen für das Start-up-Unternehmen weitere Vorteile. Der Einstieg eines Venture-Capital-Gebers kann wie ein Multiplikator für weitere Beteiligungsfinanzierungen wirken, da die positive Beurteilung der Erfolgsaussichten durch den Investor gleichzeitig einem Qualitätssiegel gleichkommt.
  • Ein zentraler weiterer Vorteil der Venture-Capital-Finanzierung ist die Bereitstellung von Managementwissen durch die Kapitalgeber.
  • Als nachteilig an der Venture-Capital-Finanzierung kann insbesondere der eingeschränkte zeitliche Horizont des Beteiligungsverhältnisses und der damit verbundene hohe Druck zur Erzielung eines Wertzuwachses angesehen werden.
  • Ebenso müssen die Gründer dem Venture-Capital-Geber Mitbestimmungsrechte einräumen, wodurch es zu Interessenkonflikten und Meinungsverschiedenheiten kommen kann.

 

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