Geschäfts- oder Firmenwert

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ – diese Erkenntnis des Philosophen Aristoteles gilt auch bei der Bewertung von Unternehmen und beim sogenannten Geschäfts- oder Firmenwert. Dieser orientiert sich am „tatsächlichen“ Unternehmenswert, der in der Regel anders aussieht als der in der Bilanz gezeigten Unternehmenswert. Warum realer Unternehmenswert und Bilanzwert nicht identisch sind, wie der Geschäfts- und Firmenwert definiert ist und in welcher Weise die Bilanzierung erfolgt, wird hier dargestellt

Die „Philosophie“ der Unternehmensbewertung

Wie sollte man ein Unternehmen „richtig“ bewerten? Das ist eine Grundfrage der Betriebswirtschaftslehre. Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze: substanzorientierte Bewertung oder ertragsorientierte Bewertung. Das Konzept des Substanzwertes ist einfach und lautet: der Unternehmenswert ist die Summe der Werte aller Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden des Unternehmens. Diesem Gedanken folgt auch das Bilanzrecht. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn für den wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens sind weniger die Werte der einzelnen Vermögensgegenstände relevant als die damit erzielten Erträge. Ein Unternehmen ist danach umso mehr wert, je besser seine künftigen Ertragsaussichten sind. Dies wird beim sogenannten Ertragswertverfahren berücksichtigt. Bei dieser Methode werden zukünftige Gewinne geschätzt, auf ihren heutigen Wert abgezinst und zusammengezählt. Das ist dann der Ertragswert.

Geschäfts- oder Firmenwert als Unternehmens-Mehrwert

Dass diese unterschiedlichen Bewertungskonzepte nicht zum gleichen Ergebnis führen, leuchtet unmittelbar ein. Im Normalfall sollte der Ertragswert über dem Substanzwert liegen. Ist das nicht der Fall, wäre es rentierlicher, das Unternehmen zu zerschlagen und die einzelnen Vermögenswerte zu verkaufen. Der Geschäfts- oder Firmenwert (engl. auch als Goodwill bezeichnet) ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Unternehmenswert als Ertragswert und als Substanzwert. Er gibt sozusagen den „Mehrwert“ an, den das Unternehmen durch die sinnvolle Kombination und den Einsatz aller seiner Vermögenswerte erzielt. In bilanzieller Hinsicht wird zwischen originärem und derivativem Geschäfts- oder Firmenwert unterschieden.

Originärer Geschäfts- oder Firmenwert

Der originäre Geschäfts- oder Firmenwert ist der Mehrwert, den ein bilanzierendes Unternehmen im Zeitablauf für sich selbst geschaffen hat . Dabei handelt es sich um Werte, die zwar bestehen, aber bisher noch nicht am Markt realisiert wurden oder die bei der Einzelbewertung von Vermögensgegenständen keine Berücksichtigung finden können, weil es sich um „übergreifende“ Werte handelt. Typische Beispiele für Werte, die zum originären Geschäfts- oder Firmenwert beitragen, sind:

  • selbsterzeugte Patente, Rechte und Lizenzen, die noch nicht vermarktet wurden und für die insofern kein Marktwert existiert;
  • selbstgeschaffene Markenwerte. Der Markenwerte liegt unter Umständen sogar über dem bilanziellen Unternehmenswert.
  • der Wert des Kundenstamms;
  • der Wert der Organisation;
  • der Wert des Personalstamms;
  • der Image-Wert;
  • der Wert der Markt- und Wettbewerbsposition.

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Es gibt viele Faktoren, die den originären Geschäfts- oder Firmenwert beeinflussen können.

Derivativer Geschäfts- oder Firmenwert

Die gleichen Faktoren, die für den originären Geschäfts- oder Firmenwert bestimmend sind, gelten auch für den derivativen Geschäfts- oder Firmenwert. Der Unterschied liegt darin, dass man damit nicht der Mehrwert des eigenen Unternehmens bezeichnet sondern den eines anderen Unternehmens, das übernommen wird oder von dem wesentliche Teile gekauft werden. Während beim originären Geschäfts- oder Firmenwert eine Bewertung mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist, gibt es beim derivativen Geschäfts- oder Firmenwert einen klaren Maßstab – den Kaufpreis. Dabei wird der Einfachheit unterstellt, dass der Kaufpreis dem realen Marktwert des Kaufs entspricht. Der daraus abgeleitete (=derivative) Goodwill ist die Differenz zwischen Kaufpreis und den zu ihren Zeitwerten „eingekauften“ Vermögenswerten abzüglich der zugehörigen Schulden.

Badwill – wenn der Geschäfts- oder Firmenwert negativ wird

Wenn es einen Goodwill gibt, ist auch ein Badwill möglich? Die Antwort lautet: ja. Der Geschäfts- oder Firmenwert ist dann negativ. Beim originären Geschäfts- oder Firmenwert ist das der Fall, wenn der Ertragswert unter dem Substanzwert liegt. Dann stellt sich die Frage der Unternehmensfortführung. Das ist im Prinzip auch beim derivativen Geschäfts- oder Firmenwert so. Hier kann es allerdings auch die Situation des „Lucky Buy“ geben. Beim „glücklichen Kauf“ konnte ein Unternehmen besonders günstig, sozusagen „unter Wert“, erworben werden. Die Rechenformel: derivativer Geschäfts- oder Firmenwert = Kaufpreis ./. zeitwertbasierter Bilanzwert bewirkt dann automatisch ein negatives Ergebnis. Das bedeutet dann nicht, dass der Erwerb „nichts wert“ ist oder sogar zu einem Schaden führt – im Gegenteil.

Geschäfts- und Firmenwert im Jahresabschluss

Wegen des „Bewertungsrisikos“ darf ein originärer Geschäfts- oder Firmenwert in der Bilanz nicht angesetzt werden. Das verlangt die „kaufmännische Vorsicht“. Bei einem derivativen Geschäfts- oder Firmenwert besteht dagegen sowohl handels- als auch steuerrechtlich Aktivierungspflicht. Bewertungsgrundlage ist der Kaufpreis. Der Goodwill gehört zu den immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens und bildet dort eine eigene Bilanzposition. Der Wert ist im Zeitablauf planmäßig abzuschreiben. Im Handelsrecht gilt dafür die voraussichtliche Nutzungsdauer, im Steuerrecht ein 15 Jahres-Zeitraum als Maßstab. Bei außergewöhnlichen Umständen kann handelsrechtlich eine außerplanmäßige Abschreibung angezeigt sein, steuerlich ist eine Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert denkbar.

Auch nach IFRS besteht Aktivierungsverbot für einen originären und Aktivierungspflicht für einen derivativen Goodwill. Planmäßige Abschreibungen sind nicht vorgesehen, wohl aber außerplanmäßige. Ein Badwill muss in der Handelsbilanz nach der Übernahme als „Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung“ passiviert werden. Wertaufholungen im Zeitablauf sind unter engen Voraussetzungen möglich.