Shareholder Value

Definition

Das Shareholder Value Konzept wurde erstmals im Jahr 1986 vom US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Alfred Rappaport definiert. Danach wird der Wert eines Unternehmens am Kurswert seiner Aktien gemessen.

1. Diesen Zweck verfolgt der Shareholder Value

Der Shareholder Value ist Teil der strategischen Zielplanung. Mit seiner Hilfe kann der Wert von Strategien bestimmt werden. Dabei stellt das Eigenkapital die wichtigste Größe dar. Seine Vermehrung bedeutet eine Wertsteigerung für die Eigentümer. Der Shareholder Value Ansatz besagt nämlich, dass dies das oberste Ziel des Managements sein sollte, da die Eigentümer auch das Risiko tragen.

2. Diese Daten sind für das Konzept wichtig

Folgende Werte werden als die grundlegenden Bewertungsfaktoren für eine erfolgreiche Strategie angesehen:

  • Wachstum und Rentabilität des Umsatzes
  • Steuerquote
  • Netto-Investitionen in das Anlage- und Umlaufvermögen
  • Dauer eines Wettbewerbsvorteils
  • Kapitalkosten

Diese Werte müssen in strategische Überlegungen immer mit einbezogen werden.

3. Berechnung des Shareholder Value

Folgende Formel liegt der Berechnung des Shareholder Value als Barwert künftiger Geldzuflüsse zugrunde:

Berechnung des Shareholder Value als Barwert

Dabei gelten:

K = Kapitalkostensatz, Diskontierungsfaktor
t = 1, …, T = Planungsperioden

Für die Berechnung muss zunächst der freie Cash-Flow ermittelt werden:

Freier Cash-Flow = Betriebsgewinn
– pagatorische Steuern
+ Abschreibung (nicht ausgabewirksam)
– Investitionen in das Anlagevermögen (netto)
– Investitionen in das Umlaufvermögen (netto)

Die Kapitalkosten werden wiederum mit folgender Formel berechnet:

EK

FK

s

rE

rF

= Eigenkapital

= Fremdkapital

= Steuersatz

= Eigenkapitalkostensatz

= Fremdkapitalkostensatz

Für die Bestimmung des Shareholder Value wird ein Planungszeitraum von fünf bis 10 Jahren zugrunde gelegt. Letztlich ist der gewählte Zeitraum abhängig von der Lebensdauer der Strategie. Werden nun bei der Ermittlung des Shareholder Value die Cashflows eines Zeitraumes von z. B. fünf Jahren herangezogen, so ist der Barwert der Cashflows dieser fünf Jahre um den sog. Endwert zu ergänzen. Ausgehend von der Überlegung, dass auch noch nach Ablauf der betrachteten Frist von fünf Jahren ein Unternehmenswert besteht, der auch über die fünf Jahre hinausgehend zu einem Cashflow-Beitrag führen wird, ist dieser Endwert zu berücksichtigen.

Im Endwert zusammengefasst findet sich der Barwert der Netto-Cashflow-Zuflüsse nach der Planungsperiode. Zur Vereinfachung wird meist davon ausgegangen, dass diese Netto-Cashflow-Zuflüsse in gleichbleibender Höhe fortlaufend erzielt werden. Für die Rechnung bedeutet dies, dass die über den Planungszeitraum hinausgehenden Netto-Cashflows als „ewige“ Rente zu rechnen sind.

Praxis-Beispiel

Bestimmung des Shareholder Values

Als Ergebnis seiner Strategieüberlegungen entscheidet ein Unternehmen, ein neues Produkt in seine Produktpalette aufzunehmen. An Entwicklungskosten sind für dieses Produkt bisher 3,7 Mio. EUR angefallen. Die Fertigung und der Vertrieb sollen ab 2Jahr 1 aufgenommen werden.

Es sind folgende Investitionen im Jahr 0 erforderlich:

TEUR

Aufbau Fertigung

Aufbau Vertriebsorganisation

7.500 Abschreibung 5 Jahre

1.200 Abschreibung 5 Jahre

Mit dem neuen Produkt sollen folgende Umsätze erzielt werden:

Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4 Jahr 5 Jahr 6ff
Umsatz TEUR 5.500 11.000 16.500 19.500 21.000 21.000

Das Produkt erzielt in Jahr 1 einen Deckungsgrad von 25%. Dieser verringert sich infolge der Kostensteigerungen pro Jahr um 1%. Ab 2008 wird ein konstanter Deckungsgrad von 20% angenommen.

10% der Umsatzsteigerung der einzelnen Jahre werden als Investition in das Umlaufvermögen angenommen.

15% der Umsatzsteigerung der einzelnen Jahre werden als Nettoinvestition in das Anlagevermögen des folgenden Jahres investiert. Für 2003 werden 10% der Anfangsinvestition gerechnet.

Ab Jahr 6ff entsprechen die Abschreibungen der Investition ins Anlagevermögen, sodass die Nettoinvestition Null ist.

Es wird mit einem Gewinnsteuersatz von 50% gerechnet.

Periode Jahr 0 Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4 Jahr 5 Jahr 6ff
Umsatz 5.500 11.000 16.500 19.500 21.000 21.000
Umsatzsteigerung 5.500 5.500 5.500 3.000 1.500 0
Deckungsgrad 25% 24% 23% 22% 21% 20%
Deckungsbeitrag 1.375 2.640 3.795 4.290 4.410 4.200
Abschreibungen
aus Anfangsinvestition 1.740 1.740 1.740 1.740 1.740
Investitionen
Anfangsinvestition 8.700
Nettoinvestitionen AV 870 825 825 825 450 0
Nettoinvestitionen UV 550 550 550 300 150 0
8.700 1.420 1.375 1.375 1.125 600 0
Deckungsbeitrag 1.375 2.640 3.795 4.290 4.410 4.200
Abschreibungen 1.740 1.740 1.740 1.740 1.740 0
Gewinn –365 900 2.055 2.550 2.670 4.200
Steuern –182,5 450 1.027,5 1.275 1.335 2.100
Gewinn nach Steuern –182,5 450 1.027,5 1.275 1.335 2.100
Cashflow I 1.557,5 2.190 2.767,5 3.015 3.075 2.100
Nettoinvestitionen 8.70 1.420 1.375 1.375 1.125 600 0
Cashflow II (freier CF) –8.700 137,5 815 1.392,5 1.890 2.475 2.100
Barwertfaktoren 15% 0,869565 0,756143 0,657516 0,571753 0,497176 0,432327
Barwert CF II –7.565 104 536 796 940 1.070
Barwert CF II kumuliert –4.120
Residualwert Cashflow im Jahr 0 : Kapitalkostensatz = 14.000
Barwert des Residualwertes 14.000 × 0,432327 = 6.053
Shareholder Value 1.933

4. Die Unterschiede zwischen Shareholder und Stakeholder

Die zwei Begriffe Shareholder und Stakeholder sind zentral für die Betriebswirtschaftslehre. Doch wo sind die Unterschiede und welche Vor- und Nachteile gibt es jeweils? Die Shareholder sind Aktionäre eines Unternehmens und besitzen dementsprechend meist auch Aktienanteile des Unternehmens. Die Stakeholder vertreten andere Bedürfnisse, da sie eine Interessensgruppe sind. Sie besteht beispielsweise aus Lieferant:innen, Management, Kund:innen und Arbeitnehmer:innen. Aus diesem Grund verfolgen Shareholder und Stakeholder unterschiedliche Ziele, wie folgende Abbildung verdeutlicht:

Der Unterschied zwischen Shareholder und Stakeholder

Abb. 1: Die Unterschiede zwischen Shareholder und Stakeholder