Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen in der Bilanz

Das Umlaufvermögen ist ein Teil der Aktivposten in der unternehmerischen Bilanz. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, welche Posten zum Umlaufvermögen gehören, wo sich diese in der Bilanz befinden und wie Sie es zur Ermittlung von Kennzahlen nutzen.

Die Definition: Umlaufvermögen

Es kennzeichnet alle Vermögensgegenstände Ihres Unternehmens, die nur kurzfristig an Ihren Betrieb gebunden sind; das sagt schon der Bestandteil des Wortes „Umlauf“ aus. Es bezieht sich also auf die Teile Ihres Vermögens, die nicht für den dauerhaften Verbleib in Ihrem Unternehmen vorgesehen sind.

Es umfasst alle Vermögenswerte, die verarbeitet, verbraucht, verkauft oder zurückgezahlt werden. Dazu gehören unter anderem Rohstoffe, die dem Verbrauch dienen und bei der Herstellung von Produkten verwendet werden. Forderungen aus Verkäufen werden von Ihren Kunden bezahlt und verbleiben somit nicht in Ihrem Unternehmen. Bargeldbestände verwenden Sie für Anschaffungen, wodurch diese ebenfalls ständigen Änderungen unterliegen.

Im Prinzip bezieht sich das Umlaufvermögen also auf alle Vermögenswerte, die nicht zum Anlagevermögen gehören. Deshalb ist es auch als kurzfristiges Betriebsvermögen bekannt.

Der Unterschied zwischen Umlaufvermögen und Anlagevermögen

Abb. 1: Der Unterschied zwischen Umlaufvermögen und Anlagevermögen

Abgrenzung zum Anlagevermögen

Das Anlagevermögen ist im Handelsgesetzbuch (HGB) klar definiert. Das trifft auf das Umlaufvermögen nicht zu. Denn für dieses gibt es keine klare gesetzliche Definition. Rechtlich gesehen, stellt es eine Restgröße dar, die aus allem besteht, was nicht dem Anlagevermögen zugeschrieben wird.

Als Anlagevermögen werden alle materiellen oder immateriellen Gegenstände und Werte gekennzeichnet, die fest in Ihrem Unternehmen verankert sind. Dazu gehören etwa Patente, der Fuhrpark, Maschinen oder die Ausstattung des Büros.

Das Umlaufvermögen hingegen umfasst alle Werte, die nicht für den dauerhaften Verbleib in Ihrem Unternehmen vorgesehen sind. In der Bilanz können Sie es in Kategorien aufteilen.

Gemeinsam ergeben das Umsatzvermögen und das Anlagevermögen das Gesamtvermögen Ihres Unternehmens.

Das Umlaufvermögen in der Bilanz

Die gesetzlichen Grundlagen zum Umlaufvermögen liefert das Handelsgesetzbuch (HGB) und regelt die Gliederung der Bilanz aus Gründen der Übersichtlichkeit. Die Vermögensgegenstände Ihres Unternehmens müssen in der jährlichen Bilanz aufgelistet sein.

In der Bilanz tragen Sie es auf der Aktivseite unterhalb des Anlagevermögens ein. Das hat einen bestimmten Grund: Die Bilanz ist in ihrer Struktur grundsätzlich so aufgebaut, dass die Mittel nach unten hin in ihrem Grad der Nähe zur Liquidität zunehmen. Je weiter unten ein Posten in der Bilanz steht, umso leichter kann er zu Bargeld liquidiert werden.

Das Umlaufvermögen in der Bilanz

Abb. 2: Das Umlaufvermögen in der Bilanz

Was gehört nun zum Umlaufvermögen? Wie bereits erwähnt, können Sie es in der Bilanz in vier Unterkategorien aufteilen. Diese Unterkategorien geben auch einen Überblick darüber, was alles zum Umlaufvermögen gehört:

Kategorie 1: Vorräte (langfristiges Umlaufvermögen)

  • Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
  • unfertige Erzeugnisse und Leistungen
  • fertige Erzeugnisse und Leistungen
  • geleistete Anzahlungen

Kategorie 2: Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände (kurzfristiges Umlaufvermögen)

  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • Forderungen gegen verbundene Unternehmen
  • Forderungen gegen Unternehmen im Beteiligungsverhältnis
  • sonstige Vermögensgegenstände

Kategorie 3: Wertpapiere (monetäres Umlaufvermögen)

  • Anteile an verbundenen Unternehmen
  • eigene Anteile
  • sonstige Wertpapiere

Kategorie 4: Liquide Mittel (monetäres Umlaufvermögen)

  • Bankguthaben, Kassenbestände und Schecks

An dieser Gliederung können Sie gut erkennen, wie die einzelnen Posten nach dem Grad der möglichen Liquidierung sortiert sind. Die liquiden Mittel bestehen bereits in Form von Bargeld, während die Vorräte nur umständlich kurzfristig zu Bargeld liquidiert werden können.

Das Umlaufvermögen besteht also aus vielen Posten, die im Rahmen der laufenden Buchungen der Geschäftsbuchführung erfasst werden. Dass es sich dabei um einen wesentlichen Bestandteil der Aktivseite der Bilanz handelt, muss das Umlaufvermögen spätestens am Bilanzstichtag korrekt und vollständig erfasst sein.

Im Gegensatz zum Anlagevermögen sind planmäßige Abschreibungen für das Umlaufvermögen nicht vorgesehen. Trotzdem sind aber Abschreibungen möglich, wenn es notwendig ist. Kann insbesondere ein:e Kund:in die Forderung nicht zahlen, müssen Sie die Forderung abschreiben.

Bilanzanalyse anhand des Umlaufvermögens

Mithilfe des Umlaufvermögens lassen sich in Form der Bilanzanalyse wichtige bilanzielle Kennzahlen berechnen, die primär etwas über die Liquidität Ihres Unternehmens aussagen. Die Liquidität ist eng mit der Bonität Ihres Unternehmens verknüpft. Je flüssiger Ihre Mittel sind, desto schneller können Sie diese in Bargeld umwandeln, was Ihr Unternehmen zahlungsfähiger macht.

Diese Informationen sind hauptsächlich für Entscheidungen wichtig, die größere Investitionen betreffen oder auch für die kurzfristige Bedarfsdeckung in Krisenzeiten.

Die Vermögensintensität

Je höher die Vermögensintensität Ihres Unternehmens ausfällt, desto geringer ist die Liquidität und somit die Zahlungsfähigkeit. Eine hohe Vermögensintensität bedeutet, dass die größten Teile Ihres Kapitals im Anlagevermögen gebunden sind.

Die Höhe der Vermögensintensität hängt stark von der Branche ab, in der Sie tätig sind. Im produzierenden Gewerbe ist das Anlagevermögen meistens hoch. Dienstleistungs- und Handels-Unternehmen hingegen haben oft mehr Umlaufvermögen.

Die Vermögensintensität ergibt sich aus dem Verhältnis vom Anlagevermögen zum Umlaufvermögen. Sie berechnen sie mit folgender Formel:

Vermögensintensität = Anlagevermögen / Umlaufvermögen

Die Umlaufintensität

Das Umlaufvermögen und das Anlagevermögen ergeben gemeinsam das Gesamtvermögen Ihres Unternehmens. Die Umlaufintensität trennt es vom Gesamtvermögen und zeigt Ihnen dementsprechend, wie hoch das gesamte Umlaufvermögen Ihres Unternehmens in Bezug auf das Gesamtvermögen ist.

Eine hohe Umlaufintensität bedeutet, dass Ihr Unternehmen liquide ist und Sie Ihr Geld flexibel investieren können.

Mit folgender Formel berechnen Sie die Umlaufintensität:

Umlaufintensität = Umlaufvermögen / Gesamtvermögen

Das Working Capital

Während sich die Vermögens- und die Umlaufintensität rein auf die Größen der Aktiva-Seite beziehen, rechnet das Working Capital auch die Passiva-Seite in Form der kurzfristigen Verbindlichkeiten mit ein. Das Working Capital ist deshalb auch als Nettoumlaufvermögen bekannt.

Eine hohe Kennzahl bedeutet, dass Ihr Unternehmen die kurzfristigen Verbindlichkeiten wie Schulden aus Lieferungen oder Leistungen durch das Umlaufvermögen begleichen kann. Ist das Ergebnis gering oder gar negativ, müssen Sie Ihr Anlagevermögen nutzen, um Rechnungen zu begleichen. Das kann bedeuten, dass Sie insbesondere eine Maschine verkaufen müssten, die Sie eigentlich zur Produktion benötigen. Je höher das Working Capital ausfällt, desto positiver ist es also im Sinne der Liquidität und Zahlungsfähigkeit Ihres Unternehmens.

Die Formel für das Working Capital lautet:

Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Es gibt auch eine verfeinerte Form des Working Capitals, bei der Sie nur einen bestimmten Teil des Umlaufvermögens in die Rechnung einbeziehen. Auf diese Weise finden Sie zum Beispiel heraus, ob Sie die Schulden Ihres Unternehmens allein durch die vorhandenen liquiden Mittel begleichen können.

Die Working Capital Ratio

Mit der Working Capital Ratio können Sie herausfinden, welchen Anteil Ihrer kurzfristigen Verbindlichkeiten Sie durch das Umlaufvermögen abdecken können. Ein Wert unter 100 Prozent bedeutet, dass Sie nicht genügend Umlaufvermögen besitzen, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten damit zu finanzieren.

Die Formel lautet:

Working Capital Ratio = Umlaufvermögen x 100 / kurzfristige Verbindlichkeiten

Außerdem zeigt Ihnen eine andere Variante der Working Capital Ratio, wie viel Prozent Ihres Umlaufvermögens langfristig finanziert ist. Ein optimaler Wert ist hier 30 Prozent.

Die Formel:

Working Capital Ratio = Working Capital x 100 / kurzfristiges Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen gibt Ihnen wichtige Einsichten in die Liquidität Ihres Unternehmens. Durch die vielen Ein- und Ausgänge des Umlaufvermögens müssen Sie die Buchungen immer im Blick behalten. Kaum ein Geschäftsvorfall wirkt sich nicht auf das Umlaufvermögen aus. Mit einer Online-Buchhaltungs-Software behalten Sie immer den Überblick.

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