warum kanzlei-mitarbeiter:innen kündigen

Warum Kanzlei-Mitarbeiter:innen kündigen

Problem erkannt, Gefahr gebannt? Ganz so einfach scheint es nicht zu sein, denn eigentlich sind die Gründe für fehlende Mitarbeiter:innenzufriedenheit ja bekannt

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Ist es wirklich so schwierig, die Gegebenheiten in Kanzleien so zu ändern, dass Mitarbeiter:innen bleiben möchten? Immer wieder scheint sich herauszukristallisieren, dass Führungskräfte zu nah am Geschehen sind und das Offensichtliche nicht erkennen: Mitarbeiter:innen, die innerlich bereits auf dem Absprung sind.

Image und Unzufriedenheit: die Gründe sind bekannt

Ein Blick über den Tellerrand: Das amerikanische Wallstreet Journal berichtet, dass mehr als 300.000 US-amerikanische Buchhalter:innen und Wirtschaftsprüfende in den letzten 2 Jahren ihre Stelle aufgegeben haben. Nachwuchs dagegen fehlt, denn (Zitat) „Zwar fühlen sich einige mathematisch begabte Studenten von Buchhaltungsaufgaben angezogen, doch leidet das Fachgebiet immer noch unter dem Stigma, uncool zu sein, langweilige Arbeit zu leisten und entmutigende Arbeitszeiten zu haben“, so Keith Wolf, Geschäftsführer der in Houston ansässigen Personalvermittlungsfirma Murray Resources.

Warum es weniger Nachwuchs als nötig gibt für Berufe im Bereich Buchhaltung und Steuerberatung, das dürfte inzwischen klar sein: Der Beruf hat ein angestaubtes Image, Karrierewege sind steil und schwierig zu erklimmen, Arbeitszeiten lang und Fristen stressig – doch das große Geld winkt trotzdem nicht unbedingt.

Die fünf „großen“ Gründe, warum Kanzlei-Mitarbeiter:innen trotz Personalmangel kündigen:

  • Stress durch lange Arbeitszeiten und Überlastung
  • Mangelnde Möglichkeiten für Work-Life-Balance
  • Schleppende Entwicklungschancen bei niedrigem Gehalt
  • Allgemeine Ängste vor dem technischen Fortschritt
  • Nicht mehr zukunftsfähige Arbeitsumfelder

Kündigungen trotz Personalmangel

Gestresste und frustrierte Mitarbeiter:innen werden eine nicht zukunftsfähige Kanzlei irgendwann auch dann verlassen, wenn dort bereits großer Personalmangel herrscht: Sobald der Burnout droht, ist nicht die Loyalität gegenüber Arbeitgeber:innen ausschlaggebend.

Bereits vorhandene Angestellte zu halten, indem bessere Arbeitsbedingungen erschaffen werden, ist um ein Vielfaches einfacher, als neue Fachkräfte zu finden.

Stress durch lange Arbeitszeiten, Fristen und Überlastung

Drohender Burnout ist laut einer Umfrage des American Institute of Certified Public Accountants (AICPA) der häufigste Grund, warum Buchhalter:innen ihren Job aufgeben. Das wird in Deutschland nicht anders aussehen. Wer immerzu Überstunden machen muss, um Fristen und zusätzlichen Aufwand einzufangen, fängt unter der zu hohen Arbeitsbelastung an zu leiden und wird irgendwann vor oder im Burnout die Reißleine ziehen.

Das können Kanzleien tun: Statt Mitarbeiter:innen mit Routineaufgaben zu belasten, auf Entlastung durch Automatisierung, Digitalisierung und selbstbuchende Mandant:innen setzen.

Mangelnde Möglichkeiten für Work-Life-Balance

Lange Arbeitszeiten und Dauerstress führen nicht nur zu körperlicher Erschöpfung, sondern senken auch im Privaten die Lebensqualität und machen es unmöglich, eine gute Balance zu finden zwischen Büro und Privatleben. Der Druck wird noch größer, wenn ein Familienleben mit Kindern in Einklang mit der Arbeitsbelastung gebracht werden muss oder zusätzliche Aufgaben wie die Pflege von ältern Angehörigen anliegen. Anspruchsvolle Hobbies entfallen, andere können nicht wahrgenommen werden.

Das können Kanzleien tun: Die remote Arbeit im Home-Offie ermöglichen, wenn Angestellte sich das wünschen. Finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung leisten.

3. Schleppende Entwicklungschancen bei niedrigem Gehalt

In vielen Kanzleien sind wenige oder kaum Aufstiegschancen für die meisten der Angestellten gegeben. Trotz der hohen fachlichen Anforderungen und teils enormer Arbeitsbelastung gehören die Jobs von Buchhalter:innen und Steuerfachangestellten nicht zu denen, in denen wirklich gutes Geld verdient wird und oft machen auch Weiterbildungen hierfür keinen entscheidenden Unterschied.

Das können Kanzleien tun: höhere Gehälter zahlen und mit den Mitarbeiter:innen strategische Entwicklungsmöglichkeiten festlegen.

4. Ängste vor dem technischen Fortschritt

Technologie macht so rasante Fortschritte, dass die Menschen sich Sorgen machen, zeitnah von Maschinen beziehungsweise KI abgelöst zu werden. Nicht alle Mitarbeiter:innen sind bereit, mit den technischen Fortschritten eine Entwicklung zu durchlaufen, lähmende Zukunftsangst trägt dazu bei. Sie kündigen lieber, als sich der Anforderung zu stellen oder zu lernen, wie sich Aufgaben von ihnen automatisieren lassen, ohne dass sie ersetzt werden.

Das können Kanzleien tun: Sich den Ängsten der Mitarbeiter:innen stellen, informieren und aufklären und sie bei der Auswahl von Tools einbeziehen.

5. Nicht mehr zukunftsfähige Arbeitsumfelder

Wenn eine Kanzlei nicht bereit ist für die Digitalisierung und ihre vielen Möglichkeiten, erkennen auch die Mitarbeiter:innen zeitnah, dass sie keinen Arbeitsplatz mit Zukunft haben. Denn nur eine innovative und moderne Kanzlei kann sich den Anforderungen und dem Wettbewerb auf Dauuer stellen und deshalb auch weitere Fachkräfte finden.

Das können Kanzleien tun: Digitalisieren. Sobwohl die Mandant:innen als auch die internen Prozesse und Abläufe.

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