Kontokorrent

Kontokorrent als Finanzierungsform

Der Kontokorrentkredit ist einer der häufigsten Kredite, die für die Finanzierung von Umlaufvermögen verwendet werden. Dabei werden Schulden durch einen Saldo verrechnet. Das kann auch auf einem normalen Girokonto vereinbart werden. Wie der Kontokorrent funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Definition des Kontokorrents

Die Bedeutung des Begriffs Kontokorrent setzt sich aus den italienischen Worten „Conto“ für Rechnung und „corrente“ für laufend zusammen. Unter dem Kontokorrent versteht man also einfach erklärt eine laufende Rechnung. Alternativ wird der Kontokorrentkredit auch als Betriebsmittelkredit, Saisonkredit, Überziehungskredit, Zwischenkredit oder Dispositionskredit bezeichnet.

Letztere Bezeichnung beschreibt auch ganz gut, worum es sich bei einem Kontokorrentkredit handelt. Er funktioniert nämlich ähnlich wie der Dispo bei einem Girokonto. Der Sinn hinter dem Kontokorrent ist es, das Geschäftskonto auch bei einem negativen Kontostand zahlungsfähig zu halten.

Dafür wird ein Kreditrahmen festgelegt, bis zu dem Zahlungen weiterhin getätigt werden können, selbst wenn das Konto bereits in den Minuszahlen steckt. Die meisten Unternehmen nutzen den Kontokorrentkredit für ihr Geschäftskonto als eine Art Sicherheitsnetz, um immer in der Lage zu sein, wichtige Zahlungen vorzunehmen, die für den Betrieb lebensnotwendig sind. Dabei handelt es sich in der Regel um Umlaufvermögen für Waren, Mieten oder Gehälter.

Ein Kontokorrentkonto eröffnen

Was ist eigentlich ein Kontokorrentkonto? Über diesen werden Ein- und Auszahlungen, Daueraufträge und Überweisungen vorgenommen.

Im Grunde darf jeder ein Kontokorrentkonto eröffnen, sobald das 18. Lebensjahr erreicht wurde. Das gilt sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Für die Nutzung eines Überziehungskredits bedarf es allerdings einer Bonitätsprüfung und regelmäßiger Geldeingänge. Außerdem sieht das Handelsgesetzbuch (HGB) vor, dass mindestens eine der Parteien bei einer Kontokorrentbeziehung Kaufmann oder Kauffrau ist.

Für die Eröffnung eines Konotkorrentkontos muss ein Kontokorrentvertrag zwischen den beiden Parteien abgeschlossen werden. Darin wird unter anderem geklärt, ob der Saldo immer ausgeglichen werden soll oder auf die nächste Periode übertragen werden kann. Beide Parteien legen im Kontokorrentvertrag ihre Pflichten fest.

Der Kreditrahmen

Besonders wichtig bei der Eröffnung eines Kontokorrentkontos ist der Kreditrahmen. Man spricht dabei auch von der Kontokorrentabrede. Die Kontokorrentabrede ist die Vereinbarung über den Verrechnungsmodus. Ohne Kontokorrentabrede ist ein Kontokorrentkonto nicht rechtens laut dem HGB.

Vor allem in der Gründungsphase können hier schlechte Entscheidungen getroffen werden. Soll der Kontokorrentkredit auf dem Konto beispielsweise dauerhaft zur Finanzierung des Umlaufvermögens dienen, muss mit der Bank bereits im Vorfeld vereinbart werden, dass der Kontokorrentkredit mit dem Umsatz wächst.

Andernfalls steigen zwar die Ausnahmen, aber auch die Ausgaben und der ursprünglich gewählte Kreditrahmen reicht nicht mehr aus. Besonders in Branchen, wo das Unternehmenswachstum recht schnell vorangehen kann, wird das dann entsprechend schnell zu einem Problem.

Generell sollte unabhängig von der Höhe des Kreditrahmens aber immer darauf geachtet werden, dass der Kontokorrentkredit nur dann in Anspruch genommen wird, wenn es wirklich notwendig ist.

Es gibt für den Kreditrahmen eine Faustregel, die besagt, dass der Kontokorrentkredit so hoch sein sollte, wie die üblichen Schwankungen auf dem Konto. Liegt der Kontostand Ihres Geschäftskontos beispielsweise für gewöhnlich zwischen 25.000,00 Euro im Plus und 25.000,00 Euro im Minus, entspräche das einer Schwankung von 50.000,00 Euro. Ein guter Kreditrahmen läge in diesem Fall also bei diesen 50.000,00 Euro. Damit sind Sie immer auf der sicheren Seite, dass selbst im Minus von 20.000,00 Euro ein guter Puffer besteht, die Wahrscheinlichkeit, diesen Puffer auszureizen ist aber gering.

Verzinsung beim Kontokorrent

Selbstverständlich ist so ein Überziehungskredit von der Bank nicht aus reiner Gutmütigkeit bereitgestellt worden. Wenn das Konto ins Minus geht, will die Bank dafür Zinsen sehen. Und das nicht zu knapp. Für gewöhnlich liegt der Zinssatz zwischen 6 und 12 Prozent. Das hängt von der Bank ab.

Um den Kontokorrentkredit zu berechnen, geht man in zwei Schritten vor:

Zuerst wird der Betrag im Kontokorrentkredit mit dem Zinssatz multipliziert. Das Ergebnis sind die Kosten für ein Jahr bei gleichbleibender Leihe und gleichem Zinssatz.

Angenommen, der Zinssatz beträgt 10 Prozent und das Kontokorrentkonto bei 50.000,00 Euro, schöpft also den Kredit über diesen Zeitraum voll aus. Dann sieht die Berechnung so aus:

50.000 x 0,10 = 5.000

Die Zinskosten für ein Jahr lägen also bei 5.000,00 Euro.

Natürlich ist das nicht das Ziel und das Konto soll wieder ins Plus. Deshalb liegt es nur für 10 Tage mit diesen 50.000,00 Euro im Kontokorrentkreditbereich.

Um die Zinsen dafür zu berechnen, multiplizieren wir die Jahreszinsen mit der eigentlichen Nutzungsdauer, basierend auf einem Jahr.

Die Rechnung sieht dann so aus:

5.000 x (10 Tage / 365 Tage) = 136,98

Für 10 Tage fallen in diesem Beispiel also Zinszahlungen von 136,98 Euro an.

Es ist also sinnvoll, einen Kontokorrentkredit nur im Notfall zu verwenden. Die Zinsen können sonst sehr schnell in die Höhe gehen und die werden nicht von einem Kontokorrentkredit aufgefangen. Stellen Sie sich einfach vor, was wäre, wenn es nicht 10 Tage, sondern 100 Tage wären oder es sich um den doppelten Betrag handeln würde.

Das Kontokorrentkonto in der Buchhaltung

In der Buchhaltung werden Kontokorrentkonten als Nebenbuch geführt. Für Debitor:innen und Kreditor:innen gibt es jeweils einzelne Personenkonten, die als Kontokorrentkonten geführt werden.

Kontokorrentkonten in der Buchhaltung weisen wechselnde Guthaben- und Schuldverhältnisse auf. Deshalb wird erst zu einem Stichtag der eigentliche Saldo ermittelt.

Die Personenkonten werden im Rahmen des Jahresabschlusses über die Sammelkonten für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bei Debitor:innen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen bei Kreditor:innen abgeschlossen.

Die Kontokorrentbuchhaltung ist also eigentlich nur ein anderer Begriff für die Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung, die von Unternehmen geführt wird, die ihre Finanzbuchhaltung im Sinne der Übersichtlichkeit aufgeteilt haben. Das ist besonders bei großen Unternehmen sinnvoll, die zur doppelten Buchführung verpflichtet sind und viele Kreditor:innen und Debitor:innen haben.