Wie Sie einen Liquiditätsengpass frühzeitig erkennen

Unter einem Liquiditätsengpass wird ein zeitweiser Mangel an verfügbaren („liquiden“) Zahlungsmitteln verstanden. Eine ausreichende Liquidität ist für Unternehmen von höchster Wichtigkeit, damit es seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber Gläubigern (Lieferanten, Kunden, Mitarbeitenden) pünktlich nachkommen kann.

Liquidität einfach erklärt

Liquidität bedeutet in der Wirtschaft die Fähigkeit von Unternehmen, ihre offenen Zahlungsverpflichtungen, die sich aus Schulden gegenüber Dritten ergeben, jederzeit und uneingeschränkt erfüllen zu können. Vereinfacht ausgedrückt, ist Liquidität also das Vorhandensein von ausreichenden Zahlungsmitteln.

Die Liquidität von Unternehmen wird mit verschiedenen Liquiditätsgraden bewertet. Diese orientieren sich daran, wie schnell die einzelnen Vermögensgegenstände zu liquidieren sind, also wie leicht sich diese in Geld umwandeln lassen, mit dem sich die offenen Rechnungen begleichen lassen.

Liquidität: Zahlungsverpflichtungen nachkommen und Liquididitätsengpass vermeiden

Liquidität 1. Grades

Bei der Liquidität 1. Grades (auch Cash Ratio oder Barliquidität) werden die flüssigen Mittel, also sofort verfügbare Zahlungsmittel wie der Kassenbestand oder das Guthaben auf dem Girokonto, zusammengerechnet. Diese werden ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten (mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr) gesetzt:

Liquidität 1. Grades = Zahlungsmittel / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Sie sollte, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden, bei 5-20 Prozent liegen.

Liquidität 2. Grades

Für die Ermittlung der Liquidität 2. Grades werden zusätzlich kurzfristige Forderungen und Wertpapiere einrechnet:

Liquidität 2. Grades = (Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere) / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Liquide Unternehmen sollten hier mindestens einen Wert von 100 Prozent erreichen.

Liquidität 3. Grades

Für die Liquidität 3. Grades wird das gesamte Umlaufvermögen einbezogen, also zusätzlich auch Vorräte und Produkte, die schnell verkauft („liquidiert“) werden können:

Liquidität 3. Grades = (Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere + Forderungen + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Die Liquidität 3. Grades sollte mindestens 120 Prozent betragen.

Wenn Sie einen drohenden oder akuten Liquiditätsengpass berechnen wollen, können Sie die Formeln für die Liquidität nutzen. Liegt die von Ihnen errechnete Liquidität unterhalb der Richtwerte, haben Sie Liquiditätsprobleme und sollten, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden, geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen.

Was sind mögliche Ursachen für Liquiditätsprobleme?

Probleme mit der Zahlungsfähigkeit und Liquidität können sowohl interne wie auch externe Ursachen haben. Wenn etwa die Rechnungsstellung zu spät erfolgt oder dem Kunden ein zu langes Zahlungsziel eingeräumt wird, kann das die Liquidität deutlich verschlechtern. Fehlt dann noch ein professionelles Mahnwesen, um säumige Kunden rechtzeitig an ihre Zahlungsverpflichtungen zu erinnern, geht dieses ebenfalls zu Lasten der eigenen Zahlungsfähigkeit, da liquide Zahlungsmittel fehlen.

Externe Ursachen für Liquiditätsprobleme sind etwa Kunden, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht oder nicht zum vereinbarten Termin nachkommen, eine zu hohe Vorfinanzierung von Aufträgen sowie Umsatzeinbrüche aufgrund von Krisen.

Oftmals entsteht ein Liquiditätsengpass, wenn mehrere in- und externe Faktoren zusammenkommen und über einen längeren Zeitraum wirken.

Was sind mögliche Konsequenzen eines Liquiditätsengpasses?

Unternehmen, die Probleme haben, ihre offenen Rechnungen (pünktlich) zu begleichen, droht früher oder später die Insolvenz, also die akute Zahlungsunfähigkeit. Doch auch bei kurzfristigen Engpässen erleidet das Unternehmen oftmals Schaden, etwa, weil ein vom Lieferanten eingeräumtes Skonto nicht gezogen werden kann. Oder weil Lieferanten bei wiederholtem Zahlungsverzug ihre eigenen Zahlungsziele anpassen und verkürzen oder auf einer teilweisen oder vollständigen Vorauszahlung bestehen.

Wie kann ein Liquiditätsengpass vermieden werden?

Das wichtigste Werkzeug zur Vermeidung von Liquiditätsproblemen ist ein Liquiditätsplan. In diesem werden jeweils die Anfangsbestände aller liquiden Mittel (Bank und Kasse) mit allen Einzahlungen (Ausgangsrechnungen, Bareinnahmen etc.) innerhalb des Betrachtungszeitraums saldiert und mit den Auszahlungen des gleichen Zeitraums verrechnet. Das so errechnete Saldo aller Ein- und Auszahlungen zeigt die Entwicklung der Liquidität und ermöglicht es, einen akuten oder drohenden Liquiditätsengpass zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten:

  • Erstellen Sie Rechnungen immer direkt nach Lieferung oder Leistungserbringung.
  • Bilden Sie Rückstellungen für ggf. in der Zukunft anstehende Zahlungsverpflichtungen (z. B. Steuer, Sozialabgaben, Zinsen etc.)
  • Finanzieren Sie langfristiges Vermögen (z. B. Anlagen und Maschinen, Gebäude etc.) langfristig und vereinbaren Sie Tilgungsraten für langfristige Kredite, die Ihre kurzfristige Liquidität nicht gefährden.
  • Optimieren und professionalisieren Sie Ihr Forderungsmanagement.
  • Informieren Sie sich über die Zahlungsfähigkeit und Zahlungsmoral Ihrer Kunden und Lieferanten.

Wie kann ein vorhandener Liquiditätsengpass überbrückt werden?

Um einen kurzfristig auftretenden Liquiditätsengpass auszugleichen, können Sie auf einen Kontokorrentkredit Ihrer Bank zurückgreifen, also das Geschäftskonto überziehen. Allerdings werden für solche Kredite vergleichsweise hohe Zinsen fällig, so dass ein Kontokorrentkredit nur kurzzeitig in Anspruch genommen und möglichst schnell wieder ausgeglichen werden sollte. Günstiger ist ein klassischer Bankkredit mit einer Laufzeit von mehreren Jahren; allerdings werden auch hierfür Zinsen in Rechnung gestellt.

Wenn es sich nur um einen kurzfristigen Engpass handelt, der sich innerhalb eines absehbaren Zeitraums (z. B. in einem Monat) beseitigen lässt, können Sie auch mit Ihren größeren Gläubigern Kontakt aufnehmen und im besten Fall eine Stundung aushandeln.

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