Rückstellungen

Rückstellungen Definition

Mit Rückstellungen sind Verbindlichkeiten gemeint, die im laufenden Geschäftsjahr in Höhe und Zeitpunkt noch unsicher sind, aber für das neue Geschäftsjahr erwartet werden. Sie werden in der Bilanz gebildet und mindern den Gewinn.
Grundlage der Rückstellungen ist § 249 HBG (Handelsgesetzbuch).

Was sind Rückstellungen?

Als Selbstständige:r oder Unternehmer:in müssen Sie am Ende des Geschäftsjahres einen Jahresabschluss erstellen. Die Rückstellungen nach Steuerrecht sind ein wichtiger Bestandteil davon. Die Rückstellungen vermindern nämlich Ihren Gewinn. Zu einem späteren Zeitpunkt werden Sie allerdings steuerwirksam aufgelöst. Die Gewinnminderung durch Rückstellungen nutzen Unternehmen gerne, um bei einer guten Ertragslage den Steueraufwand zu reduzieren.

Der Grund für das Aufkommen von Rückstellungen ist simpel: Es handelt sich dabei um Verbindlichkeiten, deren Höhe und Fälligkeitstermin Ihnen unbekannt sind und die Sie dementsprechend noch nicht bezahlen können. In der Regel handelt es sich dabei um Verpflichtungen aus einem Geschäftsjahr, das bereits abgelaufen ist und die erst im nächsten Geschäftsjahr beglichen werden können. Am Ende des Geschäftsjahres und der Erstellung des Jahresabschlusses sind die Rückstellungen also noch offen.

In der Bilanz werden Sie deshalb gebildet, damit sie die eventuelle spätere Verbindlichkeit vorwegnehmen. Da es sich um Schulden handelt, gehören Rückstellungen auf die Passiva-Seite der Bilanz und stehen dort an zweiter Stelle direkt nach dem Eigenkapital. Allerdings können Sie Rückstellungen durch die ungewisse Höhe in der Bilanz nicht eindeutig definieren.

Verwechseln Sie Rückstellungen nicht mit Rücklagen. Beides hat nichts miteinander zu tun. Rückstellungen sind ein Teil des Fremdkapitals und stehen auf der passiven Seite der Bilanz. Rücklagen hingegen gehören als finanzielle Reserven zum Eigenkapital und stehen auf der aktiven Seite der Bilanz. Rücklagen müssen auch nicht als Jahresüberschuss ausgewiesen werden. Im Prinzip handelt sich um gespartes Vermögen, das für die Begleichung von unvorhergesehenen Ereignissen gedacht ist.

Die Arten von Rückstellungen

Das Handelsgesetzbuch (HGB) legt fest, für welche Verbindlichkeiten Sie Rückstellungen bilden dürfen. Dabei unterteilt das HGB die Rückstellungen in zwei Kategorien:

  • Schuldrückstellungen wie ungewisse Verbindlichkeiten oder Drohverlustrückstellungen
  • Aufwandsrückstellungen wie Instandhaltungsrückstellungen

In der Bilanz werden Rückstellungen zudem noch in drei Arten gegliedert:

  • Steuerrückstellungen
  • Pensionsrückstellungen
  • Sonstige Rückstellungen

Die Arten von RückstellungenSteuerrückstellungen

Die Steuerrückstellungen decken Steuernachzahlungen ab. Sie gehören zu den häufigsten Rückstellungen. Ausstehende Steuerrückzahlungen beziehen sich immer auf das vorangegangene Geschäftsjahr, die Höhe der Zahlung ist zu dem Zeitpunkt aber unbekannt. Deshalb bilden Unternehmen Steuerrückstellungen für anstehende Steuernachzahlungen, deren Höhe sie noch nicht kennen können. Meistens beziehen sich die Steuerrückstellungen auf die Gewerbesteuer oder die Körperschaftsteuer.

Eine Rückstellung für die Gewerbesteuer bietet sich beispielsweise an, wenn sich Ihr Geschäft gut entwickelt hat und deshalb zu wenig Gewerbesteuer gezahlt wurde. Dann bilden Sie eine Rückstellung für die Nachzahlung, die definitiv auf Sie zukommen wird.

Sobald Sie die Höhe der Gewerbesteuernachzahlung kennen, lösen Sie die Rückstellung auf. Haben Sie bei der Rückstellung zu hoch geschätzt, gilt die Differenz, die nicht an das Finanzamt geht, als betrieblicher Ertrag und muss dementsprechend im laufenden Geschäftsjahr versteuert werden.

Pensionsrückstellungen

Zahlen Sie eine betriebliche Altersvorsorge an Ihre Mitarbeiter:innen, können Sie dafür Rückstellungen in erheblicher Größenordnung bilden. Die Auflösung der Rückstellung kann sich stark auf den Gewinn Ihres Unternehmens auswirken. Sowohl positiv als auch negativ.

Pensionsrückstellungen gehören generell zu den höchsten Rückstellungen. Das liegt natürlich daran, dass ein Unternehmen die Rückstellung abhängig von der Anzahl der Angestellten und den jeweiligen Konditionen vornimmt. Bei einer hohen Mitarbeiter:innenzahl kommt da eine hohe Summe zusammen, die zurückgestellt werden muss.

Sobald Sie Ihren Arbeitnehmer:innen eine unmittelbare und verpflichtenden Zusage zur Deckung der Altersvorsorge machen, sind Sie übrigens sogar dazu verpflichtet, dafür Rückstellungen zu bilden. Das fällt unter die Passivierungspflicht im HGB.

Sonstige Rückstellungen

Die sonstigen Rückstellungen beinhalten alle Rückstellungen, die nicht zu den Steuer- oder Pensionsrückstellungen gehören. Unter anderem sind das:

  • Aufwandsrückstellungen, die sich auf die Instandhaltung von Gebäuden, die einem Unternehmen gehören, beziehen. Dazu gehören auch voraussichtliche Reparaturen. Wenn Sie beispielsweise schon wissen, dass Sie Anfang des nächsten Jahres eine Reparatur an einem Gebäude durchführen lassen werden, können Sie dafür eine Rückstellung bilden. Aufwandsrückstellungen werden nur in der Handelsbilanz, nicht aber in der Steuerbilanz angegeben.
  • Rückstellungen für Aufbewahrungspflichten bezüglich schriftlicher oder digitaler Unterlagen über Ihre Geschäftsvorfälle können anfallen, wenn Sie diese für die Erstellung des Jahresabschlusses durch eine:n Steuerberater:in buchen.
  • Drohverlustrückstellungen buchen Sie dann, wenn ein Geschäftsvorfall zu einem Verlust durch ein schwebendes Geschäft führen kann. Ein schwebendes Geschäft ist ein Geschäft, dessen Vertrag bisher von beiden Vertragspartner:innen noch nicht unterzeichnet worden ist. Eine Drohverlustrückstellung wird nur in der Handelsbilanz, nicht aber in der Steuerbilanz angegeben.
  • Garantierückstellungen bilden Sie für unbekannte Gewährleistungsansprüche, die gegen Sie geltend gemacht werden können. In einem der Beispiele weiter oben im Artikel haben wir das näher erläutert.
  • Prozesskostenrückstellungen haben wir ebenfalls in den Beispielen weiter oben kurz angesprochen. Es handelt sich dabei um Rückstellungen, die Sie während eines Gerichtsverfahrens buchen, um die Kosten dafür zu decken.
  • Rückstellungen für die Abraumbeseitigung müssen Sie nach dem HGB für im Geschäftsjahr unterlassene Abraumbeseitigung bilden, um diese im folgenden Jahr nachzuholen.

Diese Auswahl gibt Ihnen einen Überblick über mögliche Rückstellungen. Es existieren aber noch weitere.

Rückstellungen bilden

Die wichtigste Voraussetzung, damit Rückstellungen gebildet werden können, ist die Absehbarkeit. Das bedeutet, dass Sie zum Zeitpunkt des Bilanzstichtages bereits wissen müssen, dass die entsprechende Verbindlichkeit auf Sie zukommen wird.

Rückstellungen müssen Sie immer netto buchen. Die Umsatzsteuer wird dabei also nicht beachtet. Da Ihnen die Höhe der anstehenden Verbindlichkeit unbekannt ist, müssen Sie laut dem HGB eine Schätzung nach bestem Wissen und Gewissen vornehmen. Im Grunde bedeutet das, dass Sie bei der Schätzung mit der gebotenen kaufmännischen Vorsicht vorgehen und eine ordnungsgemäße und fundierte Schätzung herleiten müssen. Das nennt sich Vorsichtsprinzip.

Nehmen wir beispielsweise an, Sie haben eine Lieferung ohne Rechnung erhalten und wollen jetzt eine Rückstellung bilden. Ihrer Erfahrung nach belaufen sich die Lieferkosten auf etwas zwischen 150,00 Euro und 300,00 Euro. Jetzt könnten Sie einfach auf Nummer sicher gehen und die Schätzung bei 1.000,00 Euro ansetzen. Das würde die Kosten definitiv decken. Als fundierte Schätzung geht das aber kaum durch.

Sie schätzen die Rückstellung also realistisch auf 300,00 Euro.

Die Grundlagen für Ihre Berechnungen sollten Sie bei den Unterlagen für den Jahresabschluss aufheben, falls eine Betriebsprüfung durch das Finanzamt erfolgt und das gerne eine Herleitung Ihrer Schätzungen sehen würde.

Außerdem müssen Sie die Abzinsung beachten.

Abzinsungsgebot für Rückstellungen

Wie hoch die Abzinsung bei Rückstellungen sein muss, hängt davon ab, ob Sie eine Rückstellung nach dem Handelsrecht oder dem Steuerrecht vornehmen.

In der Handelsbilanz gilt das Abzinsungsgebot. Sie müssen laut HGB alle Rückstellungen abzinsen, deren Restlaufzeit mehr als ein Jahr beträgt. Alle Rückstellungen mit einer Laufzeit von unter einem Jahr müssen Sie demnach nicht abzinsen.

Die Deutsche Bundesbank ermittelt und veröffentlicht monatlich die aktuellen Abzinsungssätze. Die Ermittlungsmethodik und die Veröffentlichungsregelungen sind in der Rückstellungsabzinsungsverordnung (RückAbzinsV) geregelt. Für die Erfassung des abgezinsten Rückstellungsbetrags gibt es allerdings keine gesetzliche Vorgabe.

Rückstellungen und Verbindlichkeiten nach dem Steuerrecht müssen Sie grundsätzlich mit 5,5 Prozent abzinsen. Das ist im Einkommensteuergesetz (EStG) so festgelegt.

Es gibt aber auch bei der Rückstellung in der Steuerbilanz Ausnahmen, bei denen Sie keine Abzinsung vornehmen müssen. Das ist der Fall, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:

  • Wie auch bei der Rückstellung in der Handelsbilanz müssen Sie keine Abzinsung vornehmen, wenn die Restlaufzeit der Rückstellung weniger als ein Jahr beträgt.
  • Der Verbindlichkeit liegt eine verzinsliche Vereinbarung zugrunde. Um eine zinsliche Verbindlichkeit handelt es sich, sobald ein Zinssatz von mehr als 0 Prozent vereinbart wurde. Es ist für die Abzinsung irrelevant, ob die am Bilanzstichtag fehlenden Zinsen bereits vollständig gezahlt wurden.
  • Für die Erfüllung eines Rechtsgeschäfts, das zu einem späteren Zeitpunkt vollzogen wird, wurden bereits Anzahlungen oder Vorausleistungen getätigt.

Die Abzinsungsbeträge können Sie nach den §§ 12 bis 14 des Bewertungsgesetzes oder über finanz- und versicherungsmathematische Methoden ermitteln.

Rückstellungen auflösen

Eine Rückstellung dürfen Sie auflösen, sobald Ihnen der genaue Preis für die entsprechende Verbindlichkeit bekannt ist oder wenn der Grund für die gebildete Rückstellung entfällt. Dann besteht auch die Verbindlichkeit nicht mehr.

Durch die vorherige Schätzung der Höhe für Rückstellungen, kann die Auflösung zu einem von vier verschiedenen Szenarien führen:

  • Die Rückstellung ist höher als die Verbindlichkeit – Sie müssen die Differenz als betrieblichen Ertrag angeben. Der steuerpflichtige Gewinn Ihres Unternehmens erhöht sich.
  • Die Verbindlichkeit ist höher als die Rückstellung – Sie müssen die Differenz aus den Einnahmen des laufenden Geschäftsjahres begleichen. Das ist ein betrieblicher Aufwand und dementsprechend ein Verlust. Der steuerpflichtige Gewinn Ihres Unternehmens sinkt.
  • Die Rückstellung entspricht exakt der Verbindlichkeit – Sie müssen nichts tun. Die Rückstellungsauflösung ist erfolgsneutral. Es entstehen weder Gewinn noch Verlust.
  • Der Grund für die Rückstellung entfällt – Sie verbuchen die Rückstellung in voller Höhe als betrieblichen Ertrag und versteuern diesen Ertrag entsprechend.

Rückstellungen unterliegen der Verjährungsfrist von drei Jahren. Ist also nach drei Jahren die Höhe der Verbindlichkeit weiterhin unbekannt, entfällt zum 31. 12. des dritten Jahres der Grund für die Rückstellung.

Rückstellungen nachholen

Haben Sie eine passivierungspflichtige Rückstellung nicht gebildet und nicht bilanziert, ist die Bilanz Ihres Unternehmens fehlerhaft und Sie müssen den Fehler berichtigen.

Können Sie die Bilanz aufgrund der Bestandskraft der Steuerfestsetzung nicht mehr berichtigen, müssen Sie die Rückstellung im ersten noch offenen Jahr gewinnmindernd nachholen.

Handelt es sich um eine sogenannte zeitlich unterlassene Bildung, wurde die Bildung der Rückstellung bewusst unterlassen, um ungerechtfertigte Steuervorteile zu erlangen. Kann die Veranlagung des Fehlerjahres nicht mehr geändert werden, müssen Sie in dem Fall die Rückstellung als erfolgsneutral über Kapital verbuchen – und zwar im ersten noch offenen Jahr unter Durchbrechung des Bilanzenzusammenhangs.

Die Durchbrechung des Bilanzenzusammenhangs beschreibt einen Fall, bei dem die Anfangsbilanz des laufenden Geschäftsjahres nicht mit der Schlussbilanz des vorangegangenen Geschäftsjahres übereinstimmt.

Rückstellungen in der Bilanz

In der Bilanz stehen Rückstellungen wie alle Verbindlichkeiten auf der passiven Seite und verringern dadurch den Gewinn.

Bei der Bildung von Rückstellungen verfahren Sie nach dem sogenannten Vorsichtsprinzip. Das bedeutet, dass Sie im Rahmen der Bilanz mögliche Risiken und Verluste im Voraus berücksichtigen müssen.

Am Stichtag haben Sie die Pflicht, Bildung und Auflösung der Rückstellungen zu kontrollieren. Dabei erstellen Sie eine Risikoinventur, in der Sie festhalten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass bestimmte Risiken eintreten und welche Folgen das haben könnte.

Die Regelungen des Handelsrechts gelten dabei auch für die steuerliche Bilanz. Allerdings gibt es in bestimmten Fällen Sondervorschriften zu beachten.

Sie dürfen so etwa nicht alle Rückstellungen aus der Handelsbilanz auch in der Steuerbilanz berücksichtigen. Dazu gehören unter anderem die Rückstellungen für Drohverluste oder die Aufwandsrückstellung. Bei der Verzinsung gelten für langfristige Rückstellungen ebenfalls häufig andere Vorgaben als in der Steuerbilanz. Außerdem gilt in der Steuerbilanz ein Passivierungsverbot für private Schulden.

Regelungen der Steuerbilanz

Ferner gelten für die Steuerbilanz noch folgende Regelungen in Bezug auf Rückstellungen:

  • Laut dem Passivierungsaufschub dürfen Sie Verpflichtungen, die Sie nur erfüllen dürfen, sofern künftig Einnahmen oder Gewinne anfallen, erst passivieren, wenn die Einnahmen oder Gewinne tatsächlich entstanden sind.
  • Rückstellungen wegen Verletzung fremder Patent-, Urheber- oder ähnlicher Rechte dürfen Sie erst dann bilden, wenn entsprechende Ansprüche geltend gemacht worden sind oder mit einer Inanspruchnahme ernsthaft zu rechnen ist.
  • Jubiläumsrückstellungen unterliegen steuerlichen Einschränkungen.
  • Für Pensionsrückstellungen existiert eine steuerrechtliche Sondernorm.

Rückstellungen in der Handelsbilanz

In der Handelsbilanz hingegen gibt es laut dem HGB einige Rückstellungen, zu deren Bildung Sie verpflichtet sind. Das sind:

  • ungewisse Verbindlichkeiten
  • drohende Verluste aus schwebenden Geschäften
  • im laufenden Geschäftsjahr unterlassene Aufwendungen für Instandhaltungen, die im kommenden Geschäftsjahr innerhalb von drei Monaten beglichen werden
  • Aufwendungen für die Beseitigung von Abraum
  • Gewährleistungen, die keiner rechtlichen Verpflichtung unterliegen; das sind unter anderem Kulanzleistungen

Teilweise schließen die steuerrechtlichen Grundlagen eine direkte Umsetzung der in der Handelsbilanz gebildeten Rückstellungen aus.

Rückstellungen in Kapitalgesellschaften

Für Kapitalgesellschaften wie die GmbH gelten für Rückstellungen im Grunde die gleichen Gesetze wie für alle anderen Unternehmen und Rechtsformen. Laut dem HGB sind Kapitalgesellschaften aber dazu verpflichtet, eine Schuldrückstellung für die sogenannte passive latente Steuerlast zu bilden.

Latente Steuern sind verborgene Steuerlasten oder Steuervorteile. Sie ergeben sich aus den Unterschieden im Ansatz und der Bewertung nach der Handels- oder Steuerbilanz. Diese Lasten bzw. Vorteile bauen sich voraussichtlich im folgenden Geschäftsjahr ab und müssen dementsprechend als Rückstellung berücksichtigt werden.

Wie entstehen Rückstellungen?

Rückstellungen kommen, wie zuvor erwähnt, meistens vor, wenn eine Verbindlichkeit über das laufende Geschäftsjahr hinaus nicht beglichen werden kann. Aber wie kommt es überhaupt dazu, dass das passiert? Hier sind ein paar Beispiele wie sie entstehen:

Beispiel 1: Arbeiten über das Geschäftsjahr hinaus

Sie lassen Wartungsarbeiten an einer Ihrer Maschinen durchführen. Die Arbeiten beginnen im Dezember, werden aber erst im Januar abgeschlossen sein. Da Ihr Geschäftsjahr dem Kalenderjahr gleicht, gehen die Arbeiten also über das laufende Geschäftsjahr hinaus. Sie können dementsprechend die Rechnung für die Arbeiten am Bilanzstichtag noch nicht begleichen. Stattdessen bilden Sie Rückstellungen und begleichen die Verbindlichkeiten im Januar, wenn die Wartungsarbeiten abgeschlossen sind.

Beispiel 2: Fehlende Rechnung

Sie bekommen Waren geliefert, die Sie am Ende des Geschäftsjahres noch benötigen. Die Rechnung für die Lieferung wurde aber noch nicht gestellt. Sie müssen also Rückstellungen für die Lieferung bilden und warten, bis Sie die Rechnung erhalten, damit Sie diese begleichen können.

Beispiel 3: Verzögertes Gerichtsurteil

Ein anderes Unternehmen verklagt Sie auf Schadenersatz. Aktuell wissen Sie noch nicht, ob Sie Schadenersatz leisten müssen, weil der Rechtsstreit noch nicht entschieden ist. Sie bilden Rückstellungen für den Fall, dass Sie den Prozess verlieren, um dann den Schadenersatz zu zahlen.

Beispiel 4: Garantie abdecken

Sie wissen aus Erfahrung, dass einige Ihrer Produkte bereits während des Garantiezeitraums kaputtgehen. Dadurch entstehen Ihnen Kosten. Um diese Kosten zu decken, bilden Sie schon im Voraus Rückstellungen. Das sind nur einige der Möglichkeiten, aber zumindest die wohl gängigsten Beispiele für die Entstehung von Rückstellungen.

Rückstellungen Beispiele

Wie entstehen Rückstellungen: Beispiele

Bewertungsgrundsätze

Bei Rückstellungen gelten sowohl im Handelsrecht als auch im Steuerrecht bestimmte Bewertungsgrundsätze, die Sie bei der Erstellung der Bilanz berücksichtigen müssen:

Bewertung von Rückstellungen in der Handelsbilanz

Handelsrechtlich müssen Sie Rückstellungen immer mit dem notwendigen Erfüllungsbetrag ansetzen. Das ist der voraussichtlich aufzubringende Betrag. Die Höhe des Verpflichtungsumfangs müssen Sie entsprechend der betriebsindividuellen Planungen schätzen. Es sei denn, Sie gehen nicht von einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit aus.

Sachleistungsverpflichtungen bemessen Sie nach dem Wertverzehr für das Bewirken der geschuldeten Leistung. Dabei handelt es sich um die Vollkosten, die Sie direkt der Erfüllungshandlung zurechnen können.

Bei der Ermittlung der Vollkosten müssen Sie nach dem Handelsrecht in bestimmten Fällen auch die Fixkosten einbeziehen. Zum Beispiel bei den planmäßigen Abschreibungen einer Halle, wenn Sie dafür eine Rückstellung für Gewährleistungen bilden wollen.

Abschreibungen des Verwaltungsgebäudes und vermeidbare Unterbeschäftigungskosten – auch Leerkosten genannt – müssen Sie nicht berücksichtigen.

Bei der Schätzung müssen Sie vorliegende Tatsachen und wertaufhellende Entwicklungen berücksichtigen. Das bedeutet, dass Sie künftige Wertverhältnisse und -beeinflussungen beachten müssen.

Das beinhaltet insbesondere zukünftige Preis- und Kostensteigerungen. Dafür ist erforderlich, dass am Abschlussstichtag bereits ausreichende objektive Hinweise für den Eintritt dieser Preis- oder Kostensteigerungen vorliegen. Es reicht aber aus, wenn Sie den Wert bis zum Bilanzstichtag kennen. Das ist die sogenannte Wertaufhellung.

Wertaufhellende Tatsachen müssen Sie bei der Passivierung berücksichtigen, da Sie vor dem Bilanzstichtag verursacht worden sind.

Wertbegründete Tatsachen hingegen sind wertverändernde Umstände in Folgejahren, die Sie nicht erkennen konnten. Wertbegründete Tatsachen dürfen keine Auswirkungen auf die Bilanzansätze oder den Jahresabschluss vorheriger Stichtage haben.

Den notwendigen Erfüllungsbetrag für eine Rückstellung können Sie sofort in voller Höhe oder in Raten in Form einer Ansammlungsrückstellung passivieren. Ansammlungsrückstellungen müssen Sie beispielsweise im Fall einer Ausbeutung eines Kiesgrundstücks bei Rekultivierungsverpflichtungen bilden.

Bewertung von Rückstellungen in der Steuerbilanz

Steuerlich müssen Sie Rückstellungen grundsätzlich mit ihrem Nennwert ansetzen.

Sachleistungen müssen Sie ähnlich der Bewertung im Handelsrecht objektiv schätzen. Steuerlich bewerten Sie Sachleistungen anhand der Einzelkosten und des angemessenen Teils der notwendigen Gemeinkosten.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat diese Regelung dahin gehend ausgelegt, dass Sie Vollkosten ansetzen müssen. Die Finanzverwaltung akzeptiert diese Rechtsprechung.

Sie müssen also die voraussichtlich tatsächlichen Aufwendungen ohne die kalkulatorischen Kostenbestandteile in Ihre Schätzungen einbeziehen.

Die Finanzierungskosten müssen Sie dann mit in die Bewertung einbeziehen, wenn Sie die Kosten nicht direkt, aber anteilig der zurückzustellenden Anwendung zuordnen können. Für die Steuerbilanz sind dabei die Wertverhältnisse am Bilanzstichtag entscheidend. Sie müssen künftige Preis- und Kostensteigerungen also nicht berücksichtigen.

Verjährte Verbindlichkeiten müssen Sie gewinnerhöhend auflösen, sofern Sie sich auf die Verjährung berufen. Zahlungsunfähigkeit allein rechtfertigt nicht die Auflösung einer verjährten Rückstellung. Berufen Sie sich immer auf die Verjährung.

Sonderregelungen

Für steuerbilanzielle Zwecke ist die Höhe der handelsrechtlichen Rückstellungsbewertung in gewissen Punkten begrenzt. Deshalb gelten folgende Sonderregelungen:

  • Gleichartige Rückstellungen sind Rückstellungen, die auf artverwandte oder ähnliche Anlässe für Rückstellungen zurückgehen. Haben Sie gleichartige Rückstellungen, werden Sie nach Erfahrungssätzen nur zu einem Teil der Summe an Verpflichtungen in Anspruch genommen. Das bedeutet, es muss die Wahrscheinlichkeit berücksichtigt werden, dass nur ein Teil der zurückgestellten Summe durch eine Zahlung der Verbindlichkeit aufgelöst wird.
  • Steht in Aussicht, dass mit der Erfüllung einer Verpflichtung künftige Vorteile verbunden sind, müssen Sie diese anrechnen. Dafür reicht es aber nicht aus, dass eine Möglichkeit für Vorteile besteht.
  • Rückgriffsansprüche müssen Sie berücksichtigen, sofern Sie diese nicht als eigenständige Forderungen aktivieren.
    Ist für eine Verbindlichkeit im wirtschaftlichen Sinne der laufende Betrieb die Ursache, müssen Sie die Rückstellung zeitanteilig in gleichen Raten ansammeln. Dabei handelt es sich um eine Ansammlungsrückstellung.
  • Während die Rückstellungen im Handelsrecht noch recht unkompliziert vonstattengehen, kann es im Steuerrecht also schon mal ein wenig komplexer werden.

Fazit

Rückstellungen haben sowohl im Handelsrecht als auch im Steuerrecht einen Einfluss auf Ihre Bilanz. Als sogenannte ungewisse Verbindlichkeiten stehen Sie auf der passiven Seite der Bilanz und mindern den Gewinn.

Auf die Liquidität haben Rückstellungen bei der Bildung aber keinen unmittelbaren Einfluss. Schließlich bleibt das Vermögen vorerst dort, wo es sich befindet. Allerdings wissen Sie bereits, dass eine Rechnung ins Haus steht, die die Liquidität Ihres Unternehmens vermindern wird.

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