act your wage

Auf Quiet Quitting folgt jetzt „Act Your Wage“

Noch ein Mindset Trend für Mitarbeiter:innen: Arbeitseinsatz nur dem Gehalt entsprechend. Wer zu wenig kriegt, tut eben auch fast nichts.

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„TikTok, GenZ und die Millenials“, das klingt zwar wie eine schlechte Band. Tatsächlich seziert der Mitarbeiter:innen-Nachwuchs online akribisch die vielen Facetten der möglichen Unzufriedenheit mit einem Arbeitsplatz – und daraus kann man einiges lernen. Wo „Act Your Wage“ auf die Steuerbranche trifft, macht sich Fachkräftemangel noch schlimmer spürbar als sowieso schon. Weil die vorhandenen Mitarbeiter:innen weniger tun als erwartet, zum Beispiel.

Act your Wage: Gib am Arbeitsplatz nur soviel, wie du bekommst

Wir sprachen bereits über den Unterschied zwischen innerer Kündigung und „Quiet Quitting“. Mit „Act your wage“ rollt nun der nächste Themen-Trend durch Apps und Diskussionen:

Wer nur Mindestlohn bekommt, leistet nur das Nötigste. Wer gut bezahlt wird, leistet gerne mehr. Klar ist, dass dieses Thema aber nicht von zufriedenen Mitarbeiter:innen eröffnet wurde, sondern wieder von denen, deren erste und zweite und dritte Priorität darin bestehen, sich gut um sich selbst zu kümmern.

Gegen Selfcare-Prioritäten spricht natürlich nichts. Das gilt aber auch für Arbeitgeber:innen, die Verantwortung für eine Firma und ein Team tragen und am Ende schließlich auch irgendwie zufrieden sein möchten. Ob die Quengeltrends der TikTok-Generation dabei sehr hilfreich sind?

Grenzen setzen und sich nicht ausbeuten lassen ist zunächst mal eine gute Sache. Erneut für beide Seiten und alle Beteiligten. Doch sind die Gehälter der Steuerbranche überhaupt noch zeitgemäß – oder dürfen Steuerberater:innen mit immer weiter nachlassender Motivation rechnen, wenn diese nicht bald angepasst werden?

Die Frage nach dem angemessenen Gehalt

In Fachgruppen für Steuerthemen kommt sie regelmäßig auf: Die Frage, welches Gehalt ein für die jeweiligen Qualifikationen angemessenes ist. In den begleitenden Diskussionen zeigt sich schnell ein ganz anderer Generationenkonflikt: Oft scheinen nur die jüngeren, innovativ und digital aufgestellten Steuerberater:innen eine Summe akzeptabel zu finden, bei denen fest eingesessene Kanzlei-Betreiber:innen abwinken und von überzogender Anspruchshaltung sprechen.

Was würd ein:e externe:r Experte/Expertin kosten, wenn dieses Wissen von außerhalb kommen muss? Wenn es das Doppelte, Dreifache oder mehr ist, dann wäre es vermutlich eine sehr gute Idee, eine solche Bezahlung zeitnah fair und zukunftsträchtig zu gestalten.

Mehrere Millionen Aufrufe zum Thema „Act your Wage“ auf TikTok

Ignorieren lassen sich solche Employee Trends nicht mehr, wenn wie aktuell auf TikTok mehrere Millionen Menschen sich dafür interessieren. Wie immer sind auch nicht die Mitarbeiter:innen problematisch, die offen aussprechen, dass sie sich nicht finanziell wertgeschätzt genug fühlen für Überstunden und hohen Einsatz.

Sondern diejenigen, die solche Überlegungen mit sich im stillen Kämmerlein ausmachen und vielleicht über Jahre Effizienz- und Stimmungsbremsen sind, ohne dass Chefs und Chefinnen den Finger auf das Problem legen können. Weil es keins ist, sondern ein Mindset. Eine Arbeitseinstellung.

Die TikTok Botschafter des lohnentsprechenden Einsatzes legen mit konkreten Anleitungsvideos den Finger in die Wunde aktueller Arbeitsbedingungen: Act Your Wage ist das Gegenmittel, wenn eine Person die Arbeit von zwei Menschen leisten soll. Man kann sich abtrainieren, auf Lob zu hoffen und respektvoll Grenzen setzen: Das ist die Mission.

Ruhm, Ehre oder gar eine ernstzunehmende Karriere sind mit „Act your Wage“ nicht zu holen. Das Problem ist wohl eher, dass gar nicht mehr so viele überarbeitete und gestresste Mitarbeiter:innen solche Ziele haben.

Diese Gruppe ist derzeit nicht geneigt, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, und sie hasst ihren Beruf nicht. Sie ist aber auch nicht motiviert.

Kann wirklich durch mehr Geld motiviert werden, wer so durchhängt?

In vielen – wahrscheinlich den meisten Fällen – wird das Problem mit dem Mindset vielschichtiger sein und ist durch eine Gehaltserhöhung alleine gar nicht zu lösen.

Expert:innen wie der Recruiting Fachmann von Forbes sprechen unverblümt aus, was Sie als Chefin oder Chef nicht so ohne Weiteres auf den Tisch packen können (oder wollen):

Die „Act your Wage“ Apostel erkennt man daran, dass sie lieber privat in den Sozialen Medien surfen als arbeiten, überpünktlich den Griffel fallenlassen auch in Stressphasen, zu spät kommen oder Pausen überziehen und nicht auffindbar sind, wenn es eilige Aufgaben gibt.

Wäre der Fachkräftemangel nicht so akut, hätten die meisten von ihnen wahrscheinlich keine gute Chance, einen Arbeitsplatz zu halten. Kann man diese Menschen ändern? Nur wenn sie sich selbst dafür entscheiden, von außen gibt es keinen Zauberknopf.

An welchen der zahlreichen Stellschrauben für eine gesunde Teamkultur und zukunftsfähige Kanzlei gedreht werden muss, um aus einem Office Zombie wieder eine:n motivierte:n Mitarbeiter:in zu machen, das ist schwer zu sagen und nicht pauschal zu beantworten.

Klar ist nur eins: Es ist ein Warnsignal, wenn Mitarbeiter:innen sich zustimmend mit den aktuellen „Trends“ beschäftigen, die von TikTok und Snapchat zu uns kommen. Die Sozialen Massenmedien sind immer auch ein Spiegel dessen, was uns beschäftigt – und wer erkennt sich nicht gerne wieder in dem, was bei anderen zu tosendem Applaus führt?

Quiet Quitting und Act your Wage als Arbeitsleben-Trends sind darum bemüht, ein Absacken der ‚Arbeitsmoral‘ pauschal zu normalisieren und zu rechtfertigen.

Das löst jedoch keine Probleme und führt nicht zu einer stabilen Situation. Wie viel günstiger und zukunftsträchtiger für alle wäre es doch, wenn es stattdessen um konkret verbesserte Bedingungen und Möglichkeiten und lebenswertere Arbeitsplätze ginge!

Aber das wäre wohl etwas viel verlangt von einem Social Media Trend und wir werden weiterhin auf New Work und Kulturwandel am Arbeitsplatz setzen müssen.

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