Burnout vorbeugen – Menthal Health in der Kanzlei

Burnout vorbeugen – Menthal Health als Teamwork in der Kanzlei

Ein Thema, das Ihr ganzes Steuerkanzlei-Team betrifft: Erschöpfung erkennen und rechtzeitig gegensteuern ist ein gemeinsames Projekt

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Überforderung, Dauerstress, viel zu viel Arbeit und am Ende Erschöpfung: Wer sich im Hamsterrad verfängt, macht diese Probleme häufig mit sich ganz alleine aus – mit sehr gemischten Ergebnissen. Besonders Steuerkanzleien mit ihren Fristen und hohen Anforderungen profitieren aber davon, wenn alle gemeinsam dem Burnout vorbeugen.

Burnout vorbeugen: Geteilte Einsichten sind der erste Weg zur Besserung

Die Bezeichnung „Burnout“ kommt von Ausbrennen und bezeichnet einen Zustand, in dem man sein inneres Feuer der Begeisterung und Motivation verausgabt hat, immer wieder, bis eine tiefe seelische und körperliche Erschöpfung eintritt.

Einerseits, weil man es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht geschafft hat, die eigenen Ressourcen gut einzuteilen. Andererseits, weil Burnout vorbeugen in manchen Berufen ungleich viel schwieriger ist als in anderen: Das betrifft Mediziner:innen, pflegende Berufe, Lehrer und zunehmend auch Steuerberatende und ihre Teams.

Der Stress des drohenden oder bereits eingetretenen Zusammenbruchs wird durch Schamgefühle wegen der „fehlenden Belastbarkeit“ noch größer.

Deshalb kann es bereits ein wichtiger erster Schritt sein, in der Kanzleigemeinschaft offen über die Auswirkungen durch den aktuellen Stress-Pegel sprechen zu können.

Resilienz ist individuell und Stress kein Wettbewerb

Besonders wichtig: Menschen haben unterschiedliche Ressourcen für den Umgang mit Belastungen. Einerseits die eigenen, mentalen Stützen. Andererseits besteht ein großer Unterschied zwischen Team-Mitgliedern, auf die daheim noch zahlreiche weitere Aufgaben warten und denen, die den Rücken freigehalten bekommen.

Vergleiche sind also müssig. Jede Empfindung von Überlastung ist gleichwertig und niemand kann für andere entscheiden, ab wann es wirklich zuviel wird.

Das heißt aber auch, dass alle Warnsignale leuchten sollten, wenn ein ganzes Team immer wieder über Überlastung klagt. Dauergestresste Mitarbeiter:innen werden häufiger krank, leisten irgendwann auch deutlich weniger und sind die ersten, die sich in schönere Arbeitsgefilde abwerben lassen. Quiet Quitting ist dann nur der erste Schritt.

Wenn Pausen nicht mehr wirken

Einen „Burnout“ erkennen Sie unter anderem an dem ständigen unterschwelligen Wunsch, sich zu erholen – doch die Auszeiten verpuffen wirkungslos, weil der Umgebungsdruck zu hoch ist. Ihre mentalen Akkus lassen sich nicht mehr aufladen. Motivation ist ein seltener Gast und bleibt irgendwann ganz weg.

Zuerst können Sie nicht mehr abschalten. Dann nicht mehr schlafen. Irgendwann schleicht sich Verzweiflung ein. Doch leider fehlt oft auch der Antrieb, größere Veränderungen in Angriff zu nehmen.

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Einen Burnout im Team erkennen Sie in der Regel daran, dass jemand zusammenbricht und ausfällt.

Es kann Jahre dauern, danach wieder auf die Füße zu kommen. Burnout vorbeugen sollte also in das Kanzleiprogramm „gutes Arbeitsklima“ aktiv aufgenommen werden.

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Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Nicht ohne Gegenmittel

Burnout-Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen. Von Verdauungsproblemen über Kopf- und Rückenschmerzen bis hin zu Schlafstörungen kann alles auftreten oder nichts. Erschöpfung und Motivationsverlust über einen längeren Zeitraum sind allerdings deutliche Warnsignale, auch wenn eine echte Diagnose immer nur eine Ärztin oder ein Arzt stellen sollten.

Fachärzte und Therapeut:innen arbeiten oft mit Fragebogen, um sich ein Bild der betroffenen Person zu machen und zu ergründen, ob persönliche Ziele noch erreicht werden können und ob eine emotionale Erschöpfung eingetreten ist.

Mögliche Fragen, um Burnout vorbeugen bzw. rechtzeitig identifizieren zu können

Mögliche Fragen, die Sie (auch anonymisiert) mit Ihrem Team abklopfen können, um hoffentlich Burnout vorbeugen zu können oder zeitnah Veränderungen einzuleiten – bitte jeweils die Antwort notieren auf einer Skala von 1 (wenig) bis 5 (viel):

1. Ich bin jeden Tag müde und meistens körperlich erschöpft.

2. Ich fühle mich die meiste Zeit auch mental ausgelaugt.

3. Abschalten fällt mir sehr schwer. Trotzdem fehlt auch Motivation.

5. Immer öfter fühle ich mich auslaugt und niedergeschlagen.

6. Mich stressen meine Aufgaben, auch die ganz alltäglichen.

7. Ich mache mir viele Sorgen um alles Mögliche und habe Ängste.

8. Andere enttäuschen mich sehr oft, ich ärgere mich über andere.

9. Das Leben macht mir wenig Spaß und Freude zurzeit.

10. Ich fühle mich hilflos und im Hamsterrad gefangen.

Das ist natürlich kein Quiz, sondern fragt ein Stimmungsbild ab. Besprechen Sie mit Ihrem Kanzlei-Team, wo zwischen der niedrigsten Zahl (10) und der höchsten (50) die Ergebnisse liegen.

Dauerhafte Überforderung und Zeitdruck sind Auslöser für einen Burnout, ebenso wie fehlende Ansprache durch Vorgesetzte, wenig Rückhalt im Team und ein Mangel an Wertschätzung.

Andere mögliche Auslöser sind ein langweiliger Job mit zu viel Routine bei strengen Fristen, dessen Herausforderungen im Zeitdruck liegen und nicht in spannenden Ereignissen. Ebenfalls stressend: wenig Gestaltungsmöglichkeiten und fehlende Chancen zur Weiterbildung und Entwicklung in einer immer digitaler werdenden Welt.

Strategisch Burnout vorbeugen: 3 Tipps für die Steuerkanzlei

Weil Burnout so individuell und trotzdem so belastend gibt, lassen sich wenig Tipps finden, die pauschal für alle gelten und immer wirksam sind. Eine echte Burnout-Therapie wird von Fachleuten durchgeführt und beschäftigt sich mit vielen Aspekten des Lebens der betroffenen Person. Das lässt sich am Arbeitsplatz nicht leisten.

Was aber umgesetzt werden kann: Eine Struktur, die allen hilft. Auch denen, die bereits an der Erschöpfung entlangkratzen.

1. Eine konstruktive Kanzleikultur

Sprechen Sie mit Ihrem Team. Nicht einmal, sondern regelmäßig. Nicht nur gemeinsam, sondern auch einzeln. Achten Sie darauf, dass die besonders Verantwortungsvollen nicht unter die Räder geraten vor lauter Pflichtbewusstsein. Überlegen Sie gemeinsam, welche Maßnahmen sich einführen und umsetzen lassen, welche Perspektiven für Entlastung es gibt und welchen Ausgleich Sie als Arbeitgeber:in für die besonders anstrengenden Phasen bieten.

2. Auszeiten verbindlich einplanen

Tage, an denen man später kommt oder früher geht oder gleich ganz frei hat, sind ebenso wichtig wie Erholungspausen, die auch wirklich stattfinden. Planen Sie also mit Ihren Mitarbeiter:innen, wann solche Auszeiten möglich sind. Gehen Sie einmal im Monat gemeinsam in ein neues Restaurant mittags, bieten Sie eine mobile Massage am Arbeitsplatz an, sponsern Sie ein Job-Fahrrad: Ihnen fällt sicherlich etwas ein, womit sich ein strategischer Ausgleich erschaffen lässt.

3. Mit gutem Beispiel vorangehen

Burnout vorbeugen im ganzen Team wirkt überhaupt nicht, wenn Sie selbst als Steuerberater:in nicht mitmachen – und dreimal so gut, wenn Sie mit gutem Beispiel vorangehen. 15 Minuten Yoga in der Kaffeepause, zweimal am Tag ein Gang um den Block, die größten Zeitfresser unter den nicht lukrativen Mandaten strategisch eliminieren und mit Hilfe von Automatisierung Routinen abschaffen, die kleinen und großen Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Insights aus der Steuerbranche: Burnout vorbeugen

In unserem Podcast „lex‘ talk about tax“ zur Zukunftskanzlei sprachen wir mit Steuerberater Achim Kremulat, der gleich zweimal einen Burnout erlebt hat.

Was Achim daraus gelernt hat und anderen mitgeben kann, hören Sie in Folge 42.

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