Kostenartenrechnung

Definition Kostenartenrechnung

Die Kostenartenrechnung ist Teil der betrieblichen Kostenrechnung. Sie stellt sich immer die Frage, welche Kosten in welcher Höhe angefallen sind und gliedert diese entsprechend der Kostenarten auf. So können die Daten schnell und einfach weiterverarbeitet werden.

1. Die Werte für die Kostenartenrechnung stammen aus der Buchhaltung

Die Kostenartenrechnung bezieht ihre Werte üblicherweise aus der Buchhaltung. Dort werden sie in verschiedenen Konten erfasst. Mithilfe der Kostenartenrechnung können die Werte für die Kostenrechnung nutzbar gemacht werden.

Abb. 1:  Schema der Kostenzuordnung

Praxis-Tipp

Stimmen Sie Konten und Kostenarten aufeinander ab

Um einen reibungslosen Übergang der Werte von der Finanzbuchhaltung in die Kostenrechnung gewährleisten zu können, sollten Sie die Konten und die Kostenarten nach Möglichkeit aufeinander abstimmen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Abteilungen ist dafür unerlässlich.

2. Aufgaben und Nutzen der Kostenartenrechnung

Die Kostenartenrechnung hat die Aufgabe, alle anfallenden Kosten zu erfassen. Sie muss dazu sowohl die korrekte Menge als auch den entsprechenden Wert aufnehmen. Eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Bereichen in einem Unternehmen ist für eine effektive Kostenartenrechnung unerlässlich. Dazu gehören beispielsweise:

Nur so können wirklich alle Kosten korrekt erfasst werden. Mithilfe der Kostenartenrechnung können letztlich aktuelle und detaillierte Aussagen über sämtliche Kosten in einem Unternehmen getroffen werden. Des Weiteren können mit ihrer Hilfe wichtige Kennzahlen und Einflussgrößen ermittelt werden.

3. Gliederung der Kostenarten

Kosten lassen sich auf verschiedene Art und Weise gliedern. Wichtig ist, dass sie stets mit der gleichen Methode behandelt werden, sodass ein einheitliches Vorgehen entsteht. Üblicherweise werden die folgenden Gliederungskriterien verwendet:

4. Welche Ergebnisse liefert die Kostenartenrechnung?

Das wichtigste Ergebnis der Kostenartenrechnung ist die korrekte Zuordnung der Kosten innerhalb der Artenklassen zu den richtigen Kostenarten. Da gleichzeitig diese Kostenarten für die Kostenstellen, Kostenträger, Projekte, Aufträge oder Prozesse ermittelt werden, können weitreichende Aussagen getroffen werden.

Es ist z. B. möglich, den Anteil der Fixkosten in den einzelnen Kostenstellen zu ermitteln und damit Entscheidungen zur Beschäftigung dieser Stellen zu begründen. Kostentreiber werden sowohl in den Produkten als auch in den Stellen und Prozessen erkannt. Der Anteil der Personalkosten im Prozess der Auftragsabwicklung kann ebenso interessant sein wie der der Energiekosten in den Kosten eines Produkts.

 

Grundlage für die Budgetierung

Die Budgetierung baut in starkem Maße auf die Kostenartenrechnung auf. Die Vereinbarungen mit den Kostenstellenverantwortlichen umfasst neben den geplanten Leistungen vor allem die Kostenplanung. Diese wird in der Regel auf die Kostenartenrechnung aufgebaut. Dabei werden die Kostenarten nach den verbrauchten Faktoren gegliedert. Die Handhabung der Kostenplanung wird einfacher, wenn der große Kostenblock in kleinere Werte mit einem bestimmten Bezug unterteilt wird. Damit wird klar, dass die Kostenartenrechnung neben der Istkostenrechnung auch eine Plankostenrechnung sein kann.

Praxis-Tipp

Kostenarten einzeln planen

Budgetieren Sie die einzelnen Kostenarten einer Kostenstelle separat. Dadurch können Kostensteigerungen in einer Kostenart nicht durch unplanmäßige Senkungen in einer anderen aufgefangen werden. Sie bekommen ein besseres Bild der Entwicklung.

Auch die Kalkulation ist auf die Kostenarten angewiesen. Fertigungskosten und Materialkosten werden in einer typischen Kalkulation ebenso getrennt bewertet wie Vertriebskosten und Verwaltungskosten. Die Zuordnung zu Einzel- und Gemeinkosten wird in der Kalkulation ebenfalls genutzt.

5. Welche sind die wichtigsten Kostenarten?

Die hauptsächlich in der Kostenartenrechnung verwendete Gliederung ist die nach den verbrauchten Faktoren. Hier finden sich wichtige Kostenarten wie die Material- und die Personalkosten. In vielen Unternehmen spielen auch die Energiekosten eine wichtige Rolle. Immer bedeutender werden die Kosten für die Kommunikation. Hier einige Beispiele für Kostenartenrechnungen.

 

Personalkosten

Die Personalkosten umfassen alle Aufwendungen, die für den Produktionsfaktor Arbeit gemacht wurden. Dazu gehören neben den Löhnen und Gehältern auch die Nebenkosten wie der Anteil des Arbeitgebers an den Sozialabgaben, Urlaubsgeld, Lohnfortzahlung oder die Aufwendungen für die Vermögenswirksamen Leistungen. Auch die Zahlung von Abfindungen oder die Aufwendungen für Dienstfahrzeuge, die den Mitarbeitern zur privaten Nutzung überlassen wurden, sind unter dieser Kostenart zu buchen.

Wichtig ist hier die korrekte Unterteilung in fixe und variable Kosten und in Einzel- bzw. Gemeinkosten. In vielen Fällen wird übersehen, dass auch die Kosten der Personalverwaltung zu den Personalkosten gehören, da diese vom Faktor Arbeit verursacht werden. Grundsätzlich gehören auch die Aus- und Weiterbildungskosten dazu, obwohl meist ein separater Ausweis erfolgt.

 

Materialkosten

Die Materialkosten umfassen in der Praxis meist nur das Fertigungsmaterial. Hilfs- und Betriebsstoffe werden separat ausgewiesen. Für die korrekte Darstellung müssen zu den Materialkosten auch deren Beschaffungskosten bspw. für Transport, Verpackung oder Transportversicherung gebucht werden. Einfuhrzölle verteuern das eingesetzte Material ebenso. Grundsätzlich sind die Materialkosten um die Kosten der Bestellung (also die im Einkauf anfallenden Kosten) zu erhöhen.

Materialkosten haben eine Sonderstellung. Das gelieferte Material wird in den seltensten Fällen sofort verbraucht, es wird vielmehr eingelagert. Dort werden die Ergebnisse der Kostenrechnung benötigt, um die Anschaffungskosten für die Bewertung der Bestände zu ermitteln. Materialkosten entstehen erst dann, wenn nach dem Lagerabgang ein Verbrauch stattfindet. Grundlage für die Kostenartenrechnung ist hier der Materialentnahmeschein mit den Bewertungen des verbrauchten Materials.

 

Energiekosten

Energiekosten können in Produktionsunternehmen eine wichtige Rolle spielen. Wenn Fertigungsprozesse oder Fertigungsanlagen große Mengen an Energie verbrauchen, muss auch die Kostenartenrechnung darauf reagieren. Eine Unterteilung in die einzelnen Energiearten (Strom, Gas, Kohle, Wasserkraft, Solarenergie etc.) kann wichtig sein für Entscheidungen über die zukünftige Energiepolitik des Unternehmens. Eine weitere Aufgabe ist die möglichst umfangreiche Zuordnung der Energiekosten zu den Produkten, um aus Gemeinkosten Einzelkosten zu machen und damit eine bessere Verrechnung zu erlauben.

 

Kommunikation

Die Kommunikationskosten zeigen derzeit einen Wechsel zwischen den Kostenarten für den Informationsaustausch. Die digitalen Medien über das Internet erlauben den Ersatz von Telefonkosten und Porto durch Internetkosten. Ein Teil der umfangreichen EDV-Kosten kann und muss den Kommunikationskosten zugeordnet werden. Die technische Entwicklung wird in wenigen Jahren die Telefonkosten ganz in den IT-Kosten untergehen lassen, wenn die Telefonie nur noch die digitalen Strukturen der IT nutzt. Die Kostenartenrechnung kann dies nicht nur aufzeigen, sondern kann auch unterstützend in die Planung dieser Vorgänge eingebunden werden.