Liquide Mittel

1. Definition

Unter liquiden Mitteln, auch als flüssige Mittel bezeichnet, wird der Bestand an Vermögenswerten verstanden, welcher sich bei Bedarf in Geld umwandeln lässt bzw. als solches zur Verfügung steht. Zu den liquiden Mitteln zählen Barbestände, Sichteinlagen, diskontfähige Schuldwechsel, Schecks und an der Börse gehandelte Wertpapiere.

2. Bewertung liquider Mittel

Liquide Mittel werden stets zum Nennwert bewertet. Ausnahmen sind bedingt durch das strenge Niederstwertprinzip, welches in einigen Fällen einen niedrigeren Ansatz erforderlich macht. Ein Beispiel hierfür können Schecks sein, die wegen einer zu geringen Zahlungsfähigkeit des Schuldners bzw. Ausstellers niedriger bewertet werden müssen. Bestände an Fremdwährung sind zum jeweiligen Stichtagskurs umzurechnen.

3. Bewertung nach Liquidierbarkeit

Im Hinblick auf Verfügbarkeit bzw. Umwandlungsfähigkeit lassen sich liquide Mittel erneut einteilen.

Liquide Mittel ersten Grades:

Zu den liquiden Mitteln ersten Ranges zählen Kassen- und Barbestände, das Bankguthaben und damit alle Mittel, die sofort verfügbar sind und keiner Umwandlung mehr bedürfen.

Liquide Mittel zweiten Grades:

Die liquiden Mittel zweiten Grades sind Bestände, die sich sehr schnell in Bargeld umwandeln lassen. Dazu gehören Schecks, Wechsel, Wertpapiere und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

Liquide Mittel dritten Grades:

Die Umwandlung von liquiden Mitteln dritten Grades ist schon vergleichsweise aufwendig. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Waren sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe.

4. Liquide Mittel und Liquidität

Anhand des Bestands an liquiden Mitteln bemisst sich die Liquidität eines Unternehmens. Unter der Liquidität ist folglich die Ausstattung mit Zahlungsmitteln zu verstehen, die es einem Unternehmen ermöglicht, seinen bestehenden Zahlungsverpflichtungen sowohl termingerecht als auch betragsgenau nachkommen zu können. Auch die Liquidität lässt sich wieder in drei Graden zum Ausdruck bringen.

Liquidität ersten Grades: Sämtliche kurzfristigen Schulden des Unternehmens werden mit den liquiden Mitteln ersten Grades Verrechnet. Dabei wird folgendermaßen vorgegangen: Die liquiden Mittel werden addiert, mit 100 multipliziert und anschließend durch die Summe kurzfristiger Verbindlichkeiten dividiert. Der dadurch berechnete Prozentwert gibt die Liquidität ersten Grades an, welche zwischen 10 und 30 Prozent liegen sollte.

Liquidität zweiten Grades: Bei der Liquidität zweiten Grades werden auch die kurzfristigen Forderungen mit einkalkuliert. Dazu zählen alle Forderungen, deren Zahlungsziel unter einem Jahr liegt. Flüssige Mittel und kurzfristige Forderungen werden dazu addiert, erneut mit 100 multipliziert und dann durch die Summe kurzfristiger Verbindlichkeiten dividiert. Der so berechnete Prozentwert sollte zwischen 100 und 120 Prozent liegen.

Je nachdem, in welchem Geschäft bzw. in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist, sind bestimmte Mengen an liquiden Mitteln notwendig, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Für alle Unternehmen gilt jedoch, dass liquide Mittel zwar in ausreichender Menge vorhanden sein, deren Bestand aber auch nicht zu hoch sein sollte. Sind die Bestände zu gering, droht der Zahlungsausfall bzw. die Zahlungsunfähigkeit (Insolvenz). Ein zu hoher Anteil an liquiden Mitteln ist jedoch nicht produktiv, da er kaum Zinsen einbringt und das Geld deswegen an anderer Stelle besser eingesetzt wäre.