Dropshipping

Das gibt es beim Dropshipping zu beachten

Dropshipping, Streckengeschäft, Fulfillment, Direktversand oder -handel – hinter all diesen verschiedenen Begriffen verbirgt sich ein und dasselbe Prinzip – und das wird seit Jahrzehnten praktiziert. Erfahren Sie im Folgenden alle wichtigen Fakten zum Thema Dropshipping.

Was genau ist Dropshipping?

Das Grundprinzip: Bestellen Sie als Kunde in einem Geschäft oder einem Online-Shop bestimmte Waren, gibt der:die Händler:in Ihre Order direkt an den:die Hersteller:in oder ein Großhandelsunternehmen weiter. Der Versand wird also direkt vom Lieferanten erledigt – der:die Händler:in muss also weder in die aufwendige und kostenintensive Lagerhaltung investieren noch in die Logistik.

Diese Verfahrensweise ist bereits seit Jahrzehnten im stationären Handel etabliert, erfuhr jedoch vor allem mit dem Aufkommen des Online-Handels einen enormen Aufschwung: Ein Online-Shop funktioniert also auch reibungslos, ohne dass Sie eine komplexe Infrastruktur aufbauen müssten.

So funktioniert Dropshipping

Nicht ohne Grund wird Dropshipping als Direktversand bezeichnet, auch wenn bislang bevorzugt Streckengeschäft als Umschreibung genutzt wurde:

1. Händler:in bietet Produkte an – wahlweise in einem Online-Shop oder im stationären Handel. Er lagert diese Produkte nicht ein, sondern ordert die von seinen:ihren Kund:innen bestellten Waren beim Hersteller bzw. Großhändler, die wiederum den direkten Versand an den:die Kund:in realisieren.

2. Kund:in kauft Produkte – entweder online oder im Ladengeschäft, das jedoch die Ware nicht vorrätig hat, sondern für den:ide Kund:in bestellt. Die Lieferung erfolgt zum:zur Kund:in, sodass diese:r gar nicht erkennen kann, wer den Versand veranlasst hat.

3. Hersteller bzw. Großhändler erhält Bestellung, kommissioniert und verpackt die Produkte mit dem Logo und den Absenderdaten des:der Händler:in, um dann die Sendung auf den Weg zum:zur Kund:in zu bringen. Hersteller bzw. Großhändler sind für den Kunden oft genug gar nicht zu erkennen.

Droppshipping - Grafik zeigt wie Dropshipping funktioniert

Welche Vorteile und Nachteile gibt es beim Dropshipping?

Vor allem im Online-Handel gilt Dropshipping als praktische Lösung: Auch Neueinsteiger:innen können auf diese Weise mit relativ kleinen Investitionen durchstarten – zumindest theoretisch. Denn wie jede Medaille hat auch der Direkthandel zwei Seiten:

Die positive Seite:

  • Händler:innen müssen keine Ware einkaufen und lagern, das spart Kosten für Lagerflächen und bei Bedarf auch Personal – und schont die Liquidität, da ein Warenbestand immer Kapital bindet.
  • Gleichzeitig entsteht kein Risiko durch falschen Einkauf, wenn beispielsweise Waren wegen fehlender Nachfrage nicht abgerufen werden.
  • Händler:innen müssen sich nicht mit dem Thema Logistik befassen, also prüfen, welche Versandkosten bei welchem Anbieter anfallen und wie zuverlässig die Auslieferungen erfolgen.
  • Als Dropshipping-Händler:in verantworten Sie die Preisbildung meist selbst, doch moderne Verbraucher:innen vergleichen im Vorfeld – hier spielt also der aktuelle Markt die entscheidende Rolle.

Es lässt sich also festhalten, dass ein:e Händler:in mit dieser Versandmethode relativ schnell ins Geschäft einsteigen und ganz flexibel das Sortiment erweitern können – und das auch über die nationalen Grenzen hinaus.

Die negative Seite:

  • Die Margen fallen im Vergleich zum klassischen Versandhandel um einiges geringer aus, schließlich fallen die Kosten auf Seiten des Herstellers bzw. Großhändlers an.
  • Dropshipping-Händler:innen haben keinen Einfluss darauf, wie sich die Warenbestände beim Lieferanten entwickeln – sie sind im Prinzip davon abhängig, dass dieser immer ausreichend Produkte auf Lager hat.
  • Da der Versand nicht selbst organisiert wird, haben die Händler:innen weder Einsicht in die Liefersituation, noch können sie Auskunft zum Versandweg und zum Zustellzeitpunkt geben.
  • Cross Selling ist beim Dropshipping nur schwer möglich, was eine Kundenorientierung nur eingeschränkt erlaubt.
  • Das Thema Retouren ist nicht zu unterschätzen, hier entscheidet sich oft genug die Kundenzufriedenheit: Beim Dropshipping müssen die Kund:innen die Ware an den Hersteller bzw. Großhändler zurücksenden, die Organisation der Rückabwicklung läuft aber über den:die Händler:in – was den gesamten Vorgang verkompliziert.

Schon diese kurze Auswahl an Nachteilen zeigt, dass die enormen Erleichterungen durch Dropshipping nicht alles sind. Ein Online-Business komplett auf diese Versandart auszurichten, dürfte das Marktpotenzial begrenzen – und das trotz des geringeren Investitionsbedarfs und der besseren Skalierbarkeit.

Dropshipping: Welche Rechte haben die Kund:innen?

Diese ganz praktischen Überlegungen sollen die komplexe Situation beim Dropshipping verdeutlichen: Zunächst ist ganz klar festzuhalten, das Dropshipping denselben rechtlichen Vorschriften unterliegt wie jeder anders organisierte Online-Handel auch: Für Geschäfte innerhalb der EU gilt das Widerrufsrecht, sodass Kund:innen nach Warenempfang zwei Wochen Zeit haben, um die Produkte bei Bedarf zurückzusenden – und das ohne die Angabe plausibler Gründe.

Dropshipping-Händler:innen sind jedoch nicht dazu verpflichtet, eine Rücksendeadresse innerhalb von Deutschland zu benennen. Hat er:sie jedoch die Bestellung von einem Hersteller bzw. Großhändler außerhalb Europas erledigen lassen, müssen die Kund:innen die Ware auch dorthin senden. Die dadurch entstehenden Versandkosten können erheblich sein, worüber Händler:innen wiederum im Vorfeld ebenso informieren müssen wie über eventuelle Zusatzkosten bei der Auslieferung. Andernfalls können die Sendungsempfänger:innen die Annahme verweigern und den Kaufpreis zurückverlangen.

Apropos Bezahlung: Haben die Kund:innen bereits im Voraus die Lieferung bezahlt und senden die Waren zurück, erwarten sie zu Recht eine schnelle Rücküberweisung. Auch an diesem Punkt gibt es immer wieder Probleme, was sich dann in schlechten Bewertungen niederschlägt. Der:Die Händler:in muss nämlich seinerseits:ihrerseits die Forderungen gegenüber dem Hersteller bzw. Großhändler geltend machen und hat eventuell selbst mit zeitlichen Verzögerungen zu kämpfen.

Wer haftet beim Dropshipping?

Auch diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, hier die wichtigsten Haftungssituationen:

Erhaltene Ware geht kaputt
Grundsätzlich können Kunden nicht ohne Weiteres vom Kaufvertrag zurücktreten und den bezahlten Preis zurückverlangen. Innerhalb der EU haben sie aber im Rahmen der Gewährleistung ein Anrecht auf Reparatur oder Umtausch. Doch auch das ist nicht so einfach: Während des ersten halben Jahres der Gewährleistungsfrist muss der:die Händler:in nachweisen, dass er:sie eine einwandfreie Ware ausgeliefert hat – und das wird beim Dropshipping schwierig. Danach liegt die Beweislast beim Kunden / bei der Kundin. Er:Sie müsste im Prinzip belegen, dass die erhaltene Ware von Anfang an mangelbehaftet war.

Ware kommt defekt an
Ist ein Paket schon auf den ersten Blick so beschädigt, dass auch die Ware beeinträchtigt wurde, können Kund:innen die Annahme verweigern. Sinnvoll ist es, den Schaden auf dem Frachtbrief zu vermerken und aussagekräftige Fotos zu machen, sollte die Annahmeverweigerung nicht möglich sein. Stellen Kund:innen die Beschädigung erst nach dem Öffnen der Verpackung fest, greifen die Regelungen zur Gewährleistung.

Bestellte Lieferung kommt nicht an
In diesem Fall ist der Dropshipping-Händler Ansprechpartner:in – und muss auch für den Lieferverzug geradestehen: Kund:innen haben Anspruch auf eine Ersatzlieferung oder die Rücküberweisung bereits gezahlter Gelder. Sollte der:die Händler:in nicht angemessen reagieren, können Kund:innen die Lastschrift zurückbuchen oder bei Kreditkartenzahlungen ein Chargeback bei ihrer Bank beantragen – für das Image des Händlers bzw. der Händlerin ist dies jedoch nicht förderlich.

Wer bietet Dropshipping an?

Es gibt eine Vielzahl an Dropshipping-Dienstleistern und -Angeboten, allerdings unterscheiden sich die Geschäftsmodelle – und nicht alle sind seriös. In der Regel spezialisieren sich die hochwertigen Partner:innen nicht auf diese Versandart, es handelt sich vielmehr um angesehene Hersteller bzw. Großhändler, die diese Dienstleistung zusätzlich zu den klassischen Vertriebswegen anbieten. Für Händler:innen ist es sinnvoll, sich auf Fulfillment-Angebote zu konzentrieren, die ihren Sitz und vor allem auch das Versandzentrum innerhalb von Deutschland stationiert haben. Sobald nämlich ein Dropshipping-Händler auf Angebote im Ausland zurückgreift, wird er faktisch zum Importeur – und das kann einigen Aufwand in Bezug auf die Haftung mit sich bringen.

Der Dropshipping-Einstieg – Vorbereitung ist alles

Wie bei jedem anderen Geschäftsmodell auch bedarf es einer umfassenden und gründlichen Vorbereitung, soll ein Dropshipping-Geschäft erfolgreich werden. Hier die wichtigsten Punkte, die es zu bedenken gilt:

  • Analyse des bereits vorhandenen Angebotes, um ein erfolgversprechendes Marktsegment zu identifizieren
  • Recherche geeigneter Anbieter mit Berücksichtigung von Standort des Unternehmens und des Versandzentrums
  • Aufsetzen geeigneter Allgemeiner Geschäftsbedingungen, die jedem Kaufvertrag zugrunde liegen und transparent kommuniziert werden müssen
  • Planen der Prozesse – Bestellung durch Kund:innen, Ordern beim Hersteller bzw. Großhändler, Auslieferung – und retour
  • Kalkulieren aller anfallenden Kosten einschließlich des Online- oder stationären Shops und der gängigen Bezahlarten
  • Aufstellen eines Businessplanes inklusive der Liquiditätsentwicklung sowie Gewinn- und Verlustrechnung

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