Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB)

Was sind die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung?

Bei den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) handelt es sich um in Deutschland allgemeingütige Regeln zur Buchführung. Diese zum Teil schriftlich im HGB verankerten, andererseits aber auch aus der kaufmännischen Praxis erwachsenen Regeln, bilden die Basis für die korrekte unternehmerische Buchführung. Ziel der GoB ist es, Unternehmenseigner und Gläubiger von Unternehmen so gut wie möglich vor potentiellen Verlusten sowie unkorrekten Daten und Informationen zu schützen. Durch die Einhaltung der Vorschriften muss die Buchhaltung so beschaffen sein, dass sich ein sachverständiger Dritter in angemessener Zeit einen Überblick über die Lage und die Geschäftsvorfälle des Unternehmens verschaffen kann. Zusätzlich gelten in Deutschland seit 2014 zudem die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoDB). Sie dienen als Spezifizierung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung.

Für wen gelten die GoB?

Die Grundlage für die Anwendung der Grundsätze der ordnungsgemäßen Buchführung liefert das Handelsrecht. Laut § 238 Abs. 1 HGB ist jeder Kaufmann dazu verpflichtet, seine Bücher bzw. Handelsgeschäfte nach den GoB zu führen. Somit gelten diese sowohl für alle Gesellschaftsformen, für die eine Eintragung im Handelsregister verpflichtend ist, als auch für sogenannte Kann-Kaufleute. Ausgenommen sind beispielsweise Freiberufler und Kleinunternehmer.

Wie sind die GoB aufgebaut?

Grundsätzlich erfolgt eine thematische Gliederung in die folgenden Bereiche:

  • Grundsätze der ordnungsgemäßen Buchführung
  • Abgrenzungsgrundsätze
  • Grundsätze der Bilanzierung

Während sich die eigentlichen GoB auf die wichtigsten Richtlinien zur Buchführung und Rechnungsstellung fokussieren, behandeln die Abgrenzungsgrundsätze den Zeitpunkt der Erfassung von Aufwendungen und Erträgen sowie Gewinnen und Verlusten. Die Grundsätze ordnungsgemäßer Bilanzierung definieren schließlich die Regeln für die korrekte Bilanzierung im Zuge der doppelten Buchführung.

Die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung

  • Grundsatz der Richtigkeit und Willkürfreiheit: Rechnerisch und sachlich richtige Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle des Unternehmens.
  • Grundsatz der Einzelbewertung: Vermögensgegenstände müssen nach GoB einzeln bewertet werden. Die Bewertung in Gruppen ist nur in einigen Ausnahmefällen möglich.
  • Grundsatz der Ordnungsmäßigkeit: Die Verbuchung der Geschäftsvorfälle muss sowohl chronologisch als auch zeitnah erfolgen.
  • Grundsatz der Übersichtlichkeit und Klarheit: Dieser Grundsatz umfasst u.a. die Einhaltung vorgeschriebener Aufbewahrungsfristen, die Verwendung einer lebenden Sprache (z.B. nicht Latein) und einen Jahresabschluss in Euro und deutscher Sprache.
  • Grundsatz der Vollständigkeit: Alle Aufzeichnungen müssen richtig, vollständig, geordnet und zeitgerecht vorgenommen werden.
  • Grundsatz der Sicherheit: Alle Aufzeichnungen müssen sicher vor jedwedem Verlust archiviert werden. Dazu sind alle organisatorischen Maßnahmen zu ergreifen, die die Einhaltung von Aufbewahrungsfristen gewährleisten.
  • Belegprinzip: Keine Buchung ohne Beleg. Kein Beleg ohne Buchung.

Diese Abgrenzungsgrundsätze gibt es:

  • Imparitätsprinzip: Ein Verlust muss bereits dann berücksichtigt werden, wenn sich dieser mit hinreichend großer Wahrscheinlichkeit abzeichnet. Beispiele sind drohende Verluste aus schwebenden Geschäften oder Wertminderungen von Vermögensgegenständen.
  • Realisationsprinzip: Ein Gewinn darf erst dann laut Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung berücksichtigt werden, wenn er zugeflossen ist, also realisiert wurde.
  • Grundsatz der Periodenabgrenzung: Erträge und Aufwendungen sind prinzipiell dem Geschäftsjahr zuzuordnen, dem sie entstammen.

Folgende Grundsätze ordnungsgemäßer Bilanzierung sind einzuhalten

  • Grundsatz der Bilanzwahrheit: Eine ordnungsgemäße Bilanz muss vollständig sein und damit ein tatsächliches Bild der Unternehmenslage widerspiegeln.
  • Grundsatz der Bilanzklarheit: Die Jahresbilanz muss übersichtlich und klar strukturiert sein. So dürfen Posten auf der Aktivseite beispielsweise nicht mit Posten auf der Passivseite verrechnet werden.
  • Grundsatz der Bilanzkontinuität: Die ordnungsgemäß erstellte Bilanz muss immer die gleiche, also eine konstante, Struktur und Gliederung aufweisen.
  • Grundsatz der Bilanzidentität: Die Eröffnungsbilanz des neuen Jahres muss laut GOB immer mit der Schlussbilanz des zurückliegenden Geschäftsjahres übereinstimmen.

Was passiert beim Verstoß gegen die GoB?

Wer gegen die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung verstößt, indem er beispielsweise Aufbewahrungsfristen nicht einhält oder falsche Buchungen vorgenommen hat, muss mit Maßnahmen des Finanzamts rechnen. Dieses kann entweder zur Berichtigung der Fehler auffordern oder selbst eine Teil- oder Gesamtschätzung der Ertragslage vornehmen. Je nach Schwere der Verstöße reicht das Spektrum der möglichen Folgen von ungünstigen Steuerschätzungen über den Entzug steuerlicher Vergünstigungen bis hin zur Einleitung von Steuerstrafverfahren.

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