Kleinunternehmerregelung §19

Als Kleinunternehmer und Gründer stehen Sie unter bestimmten Bedingungen vor der Entscheidung, ob Sie künftig Umsatzsteuer abführen möchten oder nicht. Wenn die sogenannte Kleinunternehmerregelung auf Sie zutrifft, gewährt Ihnen das Finanzamt eine Wahlfreiheit. Was steckt genau hinter der Kleinunternehmerregelung im Sinne des §19 Umsatzsteuergesetzes (UStG)?

Mit dem praktischen Online-Rechner können Sie überprüfen, ob Sie die Kleinunternehmerregelung anwenden können

Zunächst einmal, wer ist Kleinunternehmer?

Als Kleinunternehmer bezeichnet das Umsatzsteuergesetz (UStG) alle Selbständigen oder gewerblich Tätigen, die mit ihrem Gesamtumsatz eine definierte Grenze nicht überschreiten. Derzeit liegt diese Grenze bei 17.500 Euro im vorangegangenen Jahr und der Annahme, dass der Umsatz im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Beide Voraussetzungen werden in die Berechnung einbezogen und müssen gegeben sein. Mit dem Start Ihrer Unternehmung muss der künftige Umsatz von Ihnen zunächst geschätzt werden.

Als Existenzgründung sind Sie in der Regel zunächst Kleinunternehmer. Falls Ihr Geschäftsjahr nicht im Januar beginnt, müssen Sie Ihren voraussichtlichen Umsatz auf das Jahr hochrechnen.

Beispiel: Sie haben sich am 1. Juli 2013 selbständig gemacht und schätzen Ihren Umsatz bis Jahresende auf 9.000 Euro. Dann ergäbe die Hochrechnung aufs ganze Jahr 18.000 Euro. Da die 17.500 Euro-Grenze überschritten wird, können Sie die Kleinunternehmerregelung in diesem Fall nicht in Anspruch nehmen und sind umsatzsteuerpflichtig.

Was gehört zum Gesamtumsatz? Welche Umsätze fließen in die Bemessung ein?

Zum Jahresumsatz zählen ausschließlich umsatzsteuerpflichtige Einnahmen. Nicht im Umsatz einzubeziehen sind u.a. Umsätze aus dem Verkauf von Anlagegütern (zum Beispiel PKW, Büromöbel), umsatzsteuerpflichtige Entnahmen (Eigenbedarf) und bestimmte steuerfreie Umsätze (zum Beispiel Vermietungsumsätze). Umgekehrt zählen alle Nebenkosten (zum Beispiel Porto- und Versandkosten, Reisekosten, Spesen), die Sie Ihren Kunden in Rechnung stellen, in voller Höhe zum Gesamtumsatz.

Rechtliche Folgen bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung oder wie ist das mit der Steuer?

Als Kleinunternehmer  dürfen Sie auf Ihrer Rechnung keine Umsatzsteuer ausweisen, d.h. Ihren Kunden in Rechnung stellen. Sie selbst sind auch nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Sie müssen und dürfen also keine Umsatzsteuer abführen. Umsatzsteuer, die Ihnen selbst berechnet wurde (zum Beispiel von einem Verkäufer auf die gelieferte Ware) erhalten Sie nicht als Vorsteuer erstattet. Im Ergebnis werden Sie praktisch wie eine Privatperson behandelt. Auch als Kleinunternehmer müssen Sie eine Umsatzsteuererklärung für das abgelaufene Kalenderjahr nach amtlich vorgeschriebenen Vordruck ausfüllen und an das Finanzamt einreichen, die monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen bleiben Ihnen aber erspart.

Bei der Kleinunternehmerregelung handelt es sich um ein Wahlrecht. Unmittelbar nachdem Sie Ihr Gewerbe bei der zuständigen Gemeinde oder als selbständiger Freiberufler beim Finanzamt angemeldet haben, wird Ihnen ein Fragebogen zugeschickt, in dem Sie gefragt werden, wie Sie hinsichtlich der Umsatzsteuer verfahren möchten. Grundsätzlich ist die Anwendung der Kleinunternehmerregelung nicht an einen Antrag gebunden.

Und wenn Sie als Kleinunternehmerregelung die Umsatzgrenze überschreiten?

Keine Angst! Wenn Sie Ihren Jahresumsatz seriös geschätzt haben, sind Sie meist auf der sicheren Seite. Rückwirkend wird die Umsatzsteuer nur erhoben, wenn der Jahresumsatz völlig aus dem Ruder läuft. Wichtig: Umsatzüberschreitungen haben Konsequenzen für das Folgejahr. Ohne dass das Finanzamt Sie dazu ausdrücklich auffordert, unterliegen Sie dann automatisch der Regelbesteuerung, müssen Umsatzsteuer abführen und eine Umsatzsteuervoranmeldung vornehmen.

Wir empfehlen: Wenn Sie die Kleinunternehmer-Grenze überschritten haben, sollten Sie sich unbedingt mit Ihrem Steuerberater oder dem Finanzamt in Verbindung setzen, um sich Klarheit über Ihren Umsatzsteuerstatus zu verschaffen.

Wie gestalten Sie Ihre Rechnung in Ihrer Rechnungssoftware bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung? Sie dürfen die Umsatzsteuer weder offen noch indirekt (zum Beispiel mit dem Satz „inklusive Umsatzsteuer“) ausweisen. Auf Ihren ausgestellten Rechnungen entfällt die Umsatzsteuer- Identifikationsnummer. Damit Rechnungsempfänger nicht über die vermeintlich fehlende Umsatzsteuer stolpern, sollten Sie mit folgender Standardfloskel auf der Rechnung für Klarheit sorgen: „Der Rechnungsbetrag enthält gemäß § 19 UStG keine Umsatzsteuer“. Eine gute  Rechnungssoftware bietet Ihnen hierfür schon bereits fertige Vorlagen und Einstellungen für Ihre Rechnung.

Vorzüge und Nachteile der Kleinunternehmerregelung:

Vor- und Nachteile der Kleinunternehmerregelung müssen Sie sorgfältig abwägen. Wenn Sie sich mit Ihren Waren oder Dienstleistungen dauerhaft an Privatkunden richten und absehbar unter den genannten Umsatzgrenzen bleiben, ziehen Sie aus der Steuerbefreiung einen realen Angebotsvorteil, weil Ihre Kunden faktisch nur den Nettobetrag bezahlen. Im Vergleich zur steuerpflichtigen Konkurrenz bieten Sie objektiv niedrigere Preise. Es kommt hinzu, dass Ihr Verwaltungsaufwand so gering wie möglich gehalten wird. Diesem Vorteil steht allerdings der Nachteil gegenüber, dass Sie die Ihnen selbst berechnete und von Ihnen auf Rechnungen gezahlte Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer erstattet bekommen.

Aus dem Privileg Steuer kann Ihnen noch ein weiterer Nachteil erwachsen: Wenn Sie aufgrund Ihrer Umsatzanstiege den Kleinunternehmer-Status aufgeben müssen und keine Gewinneinbußen in Kauf nehmen wollen, müssen Sie den Umsatzsteueranteil auf die Kunden abwälzen. Diese sehen sich dann mit Preiserhöhungen konfrontiert.

Ein grundsätzlicher Nachteil, unabhängig von der Thematik Steuer, ist schließlich darin zu sehen, dass aus Marketingsicht bei jeder Rechnung dem potenziellen Kunden signalisiert wird, dass Sie ein „Kleiner“ und möglicherweise nicht besonders leistungsfähig sind.

Freiwilliger Verzicht auf den Kleinunternehmer-Status: Da die Kleinunternehmerregelung per Saldo für Sie nachteilig sein kann, können Sie darauf verzichten (Optionsrecht) und unterliegen dann wieder den allgemeinen Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes. Ihre Option ist an keine bestimmte Form gebunden und kann bis zur Unanfechtbarkeit der Festsetzung der Steuer dem Finanzamt erklärt werden. Die Verzichtserklärung ist für fünf Jahre bindend.

Vorteile bringt die Option, wenn zum Beispiel bei Geschäftsgründung die Vorsteuern die Umsatzsteuerschuld übersteigen, weil Sie etwa hohe Investitionen haben und daher viele Umsatzsteuern zahlen müssen. Auch wenn Sie überwiegend an andere Unternehmer und nicht an Privatpersonen leisten, ist die Option vorteilhaft, zumal Sie sich dann nicht als Kleinunternehmer mit Miniumsätzen outen müssen.

Fazit: Als Kleinunternehmer sind Sie gut beraten, sich ständig einen Überblick  zum Beispiel mit Hilfe eines Dashboard über Ihren Jahres-Gesamtumsatz zu verschaffen. Die Wahl, ob Anwendung der Kleinunternehmerregelung oder Verzicht darauf empfehlenswert ist, hängt von mehreren Umständen ab, zum Beispiel, an welche Kundengruppen Sie überwiegend liefern oder leisten, oder ob die voraussichtlichen Betriebsausgaben Vorsteuerabzug beinhalten oder nicht. Lassen Sie sich in jedem Fall gut beraten.