Bäckerei eröffnen

So gehen Sie am besten vor

Sie sollten nicht nur leckere Brote und Kuchen backen können, wenn Sie eine Bäckerei eröffnen, sondern auch kaufmännische, organisatorische und weitere Kompetenzen mitbringen. A und O eines solchen Vorhabens sind die Vorbereitungen – und genau darauf gehen wir im Folgenden ein.

Wer darf überhaupt eine Bäckerei eröffnen?

Bis vor einigen Jahren galt noch die Meisterpflicht, wollten Sie eine Bäckerei eröffnen – heute gibt es interessante Alternativmöglichkeiten. Doch eines ist auch klar: Es gibt zahlreiche Vorschriften, wie beispielsweise zum hygienischen Umgang mit Lebensmitteln, denen Sie in jedem Fall unterliegen. Sollten Sie also keinen Meisterbrief vorlegen oder eine Bäckermeisterin bzw. einen Bäckermeister als Betriebsleiterin oder Betriebsleiter einstellen wollen, dann stehen Ihnen folgende Wege offen:

1. Ausübungsberechtigung entsprechend § 7 Handwerksordnung (HwO)

Abhängig davon, wie lange und in welchen Funktionen Sie schon als Bäcker bzw. in Leitungspositionen gearbeitet haben, können Sie Ihre Bäckerei eröffnen, ohne einen Meisterabschluss vorlegen zu müssen. Die wichtigsten Kriterien für die Handwerkskammer sind:

  • eine bestandene Gesellenprüfung als Bäcker,
  • wenigsten sechs Jahre Berufserfahrung als Bäcker,
  • wenigstens vier dieser sechs Jahre Ausüben einer leitenden Funktion und
  • der Nachweis betriebswirtschaftlicher, rechtlicher und kaufmännischer Kenntnisse.

2. Ausnahmebewilligung entsprechend § 8 Handwerksordnung (HwO)

Auch dieser Weg steht Ihnen offen: Die Handwerkskammer kann Ihnen per Ausnahmebewilligung gestatten, eine Bäckerei zu eröffnen. Folgende Voraussetzungen sollten Sie jedoch mitbringen:

  • solide Fertigkeiten und Kenntnisse im Bäckereihandwerk
  • unzumutbare Belastung durch einen Meisterlehrgang
  • Fokussieren Ihrer Dienstleistungen auf einfache Tätigkeiten

Fazit: Bäckerei eröffnen ohne Meisterbrief

Die Ausnahmen von der Regel liegen also im Auge des Betrachters – Sie sollten sich im Vorfeld unbedingt mit der Handwerkskammer in Verbindung setzen. Das empfiehlt sich auch, wenn Sie Ihren Meisterabschluss im Ausland abgelegt und noch keine Anerkennung in Deutschland beantragt haben. Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit, eine Bäckerei eröffnen und betreiben zu können – allerdings müssen Sie dann einige Abstriche machen: Sie könnten einen Backshop eröffnen, dazu sind nämlich keine besonderen Kenntnisse notwendig. Sie erhalten dann Brot, Brötchen und andere Backwaren als Rohling angeliefert, sodass diese nur noch aufzubacken sind. Trotzdem sollten Sie im kaufmännischen Bereich fit sein, um die Gründung auf solide Beine zu stellen.

Bäckerei eröffnen: Brot backen ist nicht alles

Bäckerei eröffnen – was sollten Sie bedenken?

Es stehen Ihnen also verschiedene Wege offen, um den Traum von Ihrer eigenen Bäckerei zu verwirklichen: Einerseits können Sie mit einem Backshop, also einem Franchise-Modell, auch ohne spezielle Kenntnisse relativ schnell durchstarten und dabei von einem erprobten Geschäftskonzept profitieren. Das kann ein gangbarer Kompromiss sein, geht aber am Vorhaben, eine eigene Bäckerei eröffnen und sich selbst verwirklichen zu wollen, etwas vorbei. Sinnvoll ist es, wenn Sie sich zunächst einen Überblick dazu verschaffen, welche Franchise-Anbieter überhaupt in Frage kommen, wie sich deren Angebot präsentiert und welche Verdienstmöglichkeiten sich Ihnen eröffnen. Andererseits sollten Sie sich darüber bewusstwerden, dass Ihre ganz persönlichen Pläne auf diese Weise vielleicht nicht umzusetzen sind. Wollen Sie wirklich Ihre eigene Bäckerei eröffnen, dann befassen wir uns jetzt mit allen Schritten, die bis zu Ihrem Ziel vor Ihnen liegen.

Unternehmen oder unterlassen – treffen Sie Ihre Entscheidung!

Fakt ist: Sobald Sie sich für den Schritt in die Selbstständigkeit entscheiden, sind Sie für alle Belange zuständig. Sie haben dann zwar keinen Chef oder Chefin mehr, der oder die Sie nervt, aber eben auch keinen, der sich um die alltäglichen Probleme kümmert, die Löhne pünktlich zahlt und dafür sorgt, dass Ihre Kundinnen und Kunden zufrieden sind. Das heißt, dass Sie nicht nur eine hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft mitbringen, sondern auch selbstbewusst und belastbar sein sollten. In der Selbstständigkeit lassen sich nicht alle Risiken ausschließen, damit sollten Sie ebenso souverän umgehen können wir mit Rückschlägen, Problemen und Stress. Sie sind der Chef oder die Chefin – und für alles verantwortlich!

Wichtige Frage: Warum wollen Sie Ihre eigene Bäckerei eröffnen?

Das klingt lapidar, ist aber essenziell, soll Ihr Gründungsvorhaben auf Dauer von Erfolg gekrönt sein. Beantworten Sie sich also die Fragen:

  • Wollten Sie sich schon immer selbstständig machen und selbstverwirklichen?
  • Wollen Sie Ihr Einkommen verbessern – entweder als Haupt- oder als Nebengewerbe?
  • Wollen Sie einen aussichtsreichen Weg aus der Arbeitslosigkeit finden?

Ihre Motivation ist entscheidend, denn so können Sie Ihr Ziel definieren und konsequent die zu erledigenden Vorbereitungen angehen.

Was bringt eine Existenzgründung mit sich?

Sind Sie sich Ihres Ziels und Ihrer Motivation bewusst, dann richten Sie Ihren Blick nach vorn, denn die Selbstständigkeit wird einiges von Ihnen abverlangen. Einige weitere Fragen sollen Sie für die Herausforderungen sensibilisieren:

  • Wie viel Eigenkapital können Sie in die Gründung einbringen?
  • Reichen Ihre Reserven, um die ersten Monate mit eventuell kleinen Umsätzen zu überstehen?
  • Wie steht Ihre Familie zu Ihrem Vorhaben – haben Sie Rückhalt?
  • Macht Ihnen viel Arbeit, die vor allem in der Startphase vor Ihnen liegt, etwas aus?

Um eine Bäckerei eröffnen zu können, benötigen Sie doch eine ganze Reihe von Maschinen, Geräten und Material – die passenden Geschäftsräume nicht zu vergessen. Sie werden also investieren müssen – und zwar Geld, Zeit und Nerven.

Wie ist es um Ihre fachlichen Kompetenzen und Erfahrungen bestellt?

Auch wenn der Meisterbrief nicht mehr zwingend notwendig, um eine Bäckerei eröffnen zu dürfen, sind die Hürden berechtigterweise so hoch: Sie hantieren mit Lebensmitteln, was ohnehin ein verantwortungsvolles und vorschriftsmäßiges Vorgehen erfordert. Andererseits sollten die Produkte Ihrer Arbeit aber auch bei Ihren Kundinnen und Kunden ankommen. Nichts verbreitet sich so schnell wie schlechte Nachrichten – und das können Sie als Gründer überhaupt nicht gebrauchen. Sind Sie unsicher, dann könnten Sie vielleicht eine erfahrene Bäckerin oder einen Bäcker einstellen oder zur gemeinsamen Gründung animieren – nur ein Denkanstoß.

Ihr Geschäftskonzept – diese Aspekte sollten Sie durchdenken

Auch wenn Sie eine Bäckerei eröffnen, sollten Sie ein klares Geschäftskonzept haben. Der mit der Erarbeitung verbundene Aufwand im Vorfeld lohnt sich in jedem Fall, wie Sie im Folgenden nachvollziehen können:

1. Notwendige Qualitäten für ein Gründungsvorhaben

Sie wollen eine Bäckerei eröffnen – was befähigt Sie dazu? Machen Sie sich also zunächst Gedanken um Ihre Stärken und Schwächen – und zwar ganz ehrlich. Es ist überhaupt kein Problem, irgendwelche Schwächen zu haben. Wichtig ist nur, dass Sie diese kompensieren können. Prüfen Sie also kritisch, über welche Kenntnisse, Erfahrungen und Kompetenzen Sie verfügen und welche Sie sich beschaffen müssen. Wollen Sie beispielsweise am liebsten nur in der Backstube stehen, dann suchen Sie sich eine kaufmännische Fachkraft, die das Büro organisiert.

2. Wichtige Alleinstellungsmerkmale Ihres Konzepts

Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen: Es gibt bereits Bäckereien, Backshops und Supermärkte – und Sie wollen eine weitere Bäckerei eröffnen. Warum sollten Kundinnen und Kunden bei Ihnen kaufen? An welcher Stelle sind Sie besser als Ihre Mitbewerber? Genau diese Fragen werden Ihnen mit Sicherheit von Banken oder Investoren gestellt, sofern Sie diese nicht von vornherein plausibel beantworten. Vielleicht führen Sie diese Diskussion mit einem Verwandten oder Bekannten: Erklären Sie, warum Sie davon überzeugt sind, dass Ihre Bäckerei ein Erfolg wird. Führen Sie dabei aus, wie Sie aus der Vielfalt der vorhandenen Angebote wirklich herausstechen und Ihre eigene Marke etablieren wollen. Im Übrigen: Ein eingängiger Name für Ihre Bäckerei trägt unbedingt dazu bei.

3. Ihre Zielgruppe ganz konkret

Wen haben Sie im Hinterkopf, wenn Sie Ihre Ladentheke mit Ihren Backwaren füllen? Sicher haben Sie sich schon dazu Gedanken gemacht: Wollen Sie eher hochwertige Backwaren herstellen und eine größere Gewinnmarge reagieren oder setzen Sie auf Masse. Bitte verstehen Sie das nicht falsch, beide Ansätze sind gut, wenn sie konsequent durchgezogen werden – und einen Markt haben. Stellen Sie sich also vor, wie Ihr perfekter Kunde oder Ihre perfekte Kundin aussieht: Wo und wie lebt er oder sie? Welchem Beruf geht er oder sie nach? Wie alt ist er oder sie? Das klingt vielleicht seltsam, aber genau so wird im Marketing eine Buyer Persona entwickelt, um die gesamte Strategie daran ausrichten zu können. Wenn Sie eine Bäckerei eröffnen und erfolgreich betreiben wollen, sollten Sie genau wissen, wem Sie womit einen besonderen Nutzen verschaffen.

4. Durchsetzbare Preise

Mit all diesen Vorüberlegungen haben Sie die Grundlage dafür geschaffen, eine Preisstrategie für Ihre Bäckerei zu entwickeln – und damit Geld zu verdienen: Einerseits sind dabei natürlich die Ausgaben zu berücksichtigen – und das sind eine ganze Menge. Zum einen kostet die Gründung Geld, denn Sie müssen investieren. Zum anderen haben Sie laufende Kosten zu bestreiten wie Miete, Wasser, Strom und Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen – und natürlich Ihr Einkommen. Doch der Wettbewerb will andererseits beachtet werden: In welchen Preissegmenten bewegen sich also Ihre direkten Mitbewerber? Orientieren Sie sich zur Situation vor Ort und beziehen Sie bei Ihren Abwägungen auch die Branchenkennzahlen mit ein.

4.1. Das direkte Marktumfeld
Recherchieren Sie zunächst, wie viele Bäckereien es in Ihrem Umfeld gibt und auf welche Zielgruppe diese sich konzentrieren. Achten Sie auch auf die Spezialitäten, die diese Bäckereien anbieten und eventuell besonders machen.

4.2. Die Einnahmenseite
Nun können Sie kalkulieren, welche Preise Sie für Ihre Produkte durchsetzen können. Vielleicht haben Sie ebenfalls Spezialitäten zu bieten, wie beispielsweise ausgefallene Torten oder Kuchen, die Sie für spezielle Anlässe auf Kundenwunsch herstellen? Dann denken Sie darüber nach, wie viele Kundinnen und Kunden Ihre Bäckerei frequentieren werden. Gute Anhaltspunkte dazu können Branchenkennzahlen liefern, aber auch Beobachtungen im Umfeld und natürlich eigene Erfahrungen.

4.3. Die Kostenseite
Der anderen Seite der Medaille sollten Sie große Aufmerksamkeit widmen, denn Ihre Einnahmen sollten die laufenden Kosten nicht nur decken, sondern auch Gewinne ermöglichen. Beachten Sie also alle relevanten Kostenpositionen, wie zum Beispiel Kosten für

  • Ihr Personal inklusive Sozialabgaben,
  • die benötigten Zutaten, waren und Produkte,
  • Wasser, Strom, Heizung, Telefon usw.,
  • die Miete oder Finanzierung Ihrer Bäckereiräume und
  • Steuer- und Rechtsberatung,
  • Werbung und
  • die Steuern.

Stellen Sie also alle anfallenden Kosten zusammen, bevor Sie Ihre Bäckerei eröffnen. So können Sie Ihre kalkulierten Preise mit den ermittelten Kosten abgleichen und prüfen, ob und wie Sie die Betriebskosten decken können.

4.4. Die Finanzierung
Angesichts der umfangreichen Investitionen in Technik und Ausstattung stellt sich nun die entscheidende Frage, ob Sie dies aus eigenen Mitteln finanzieren können oder einen Kredit in Anspruch nehmen wollen. Bedenken Sie dabei bitte, dass die Anfangsphase durchaus holprig verlaufen kann – Sie sollten also Reserven einplanen, um alle Kosten und Verbindlichkeiten zuverlässig bedienen zu können. Diese Zahlenaufstellung wird in der Folge noch wichtig, zunächst gibt sie jedoch eine Orientierung dazu, was auf Sie zukommt.

4.5. Das Personal und die Partner
Mit Ihrem Personal steht und fällt Ihr Vorhaben, eine Bäckerei eröffnen und betreiben zu wollen. Umso wichtiger ist es, dass Sie umsichtig bei Ihren Personalentscheidungen vorgehen. Gleiches gilt für Lieferanten, Dienstleister und Kooperationspartner.

5. Stringentes Marketing für Ihre Bäckerei

Ihre potenziellen Kundinnen und Kunden müssen von Ihnen und Ihrem Angebot auf irgendeine Weise erfahren – genau dafür ist ein gekonntes Marketing zuständig. Überlegen Sie zunächst, wie Sie die definierte Zielgruppe am besten erreichen: Per Handzettel? In den sozialen Netzwerken? In der Wochenzeitung? Warum nicht auch eine Kombination aus mehreren Marketingkanälen nutzen, wenn die Ansprache, das Layout und der Inhalt Ihrer Anzeigen zu Ihrer Bäckerei passt? Beliebte Instrumente zur Kundenbindung sind beispielsweise auch Rabattaktionen oder Kärtchen, um das zehnte Brot kostenlos anzubieten. Überlegen Sie sich auch an diesem Punkte etwas Besonderes, mit dem Sie sich vom Wettbewerb abheben können.

Der Businessplan – Grundlage für Ihren Erfolg

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Einen Businessplan zu erstellen, erfordert einiges an Aufwand. Aber dieser rechnet sich – und das unabhängig davon, ob Sie eine Bank einschalten wollen oder nicht, wenn Sie Ihre Bäckerei eröffnen. Sehen Sie das gesamte Werk als eine Art Handlungsanleitung, mit der Sie das Erreichte regelmäßig abgleichen sollten. Denn unter dem Strich erkennen Sie schon beim Erarbeiten, ob Ihr Konzept Schwächen hat und vor allem welche. Sie haben als die Chance, Ihr Vorhaben neu auszurichten, bevor Sie unnötig Lehrgeld bezahlen. Da Sie bereits wichtige Vorüberlegungen angestellt haben, sind einige Punkte recht schnell abgearbeitet:

1. Unternehmensgegenstand

Erklären Sie Ihr Konzept und vor allem die Alleinstellungsmerkmale so, dass ein Außenstehender, wie zum Beispiel ein Bankmitarbeiter oder eine Bankmitarbeiterin, diese verstehen kann.

2. Gründer bzw. Gründerin

Nun sind Sie an der Reihe, vorgestellt zu werden: Warum wollen Sie die Bäckerei eröffnen und was spricht dafür, dass Sie das erfolgreich hinbekommen?

3. Rechtsform des Unternehmens

Jetzt stehen weitere Überlegungen und eine Entscheidung an, denn die Rechtsform will gut bedacht sein, wenn Sie Ihre Bäckerei eröffnen. Folgende gängigen Möglichkeiten stehen Ihnen zur Auswahl:

. Einzelunternehmen
Sie melden ein Gewerbe an – und schon sind Sie Inhaber oder Inhaberin eines Einzelunternehmens. Das geht schnell und ist kostengünstig. Auch im laufenden Betrieb können Sie mit weniger Auflagen rechnen, als dies beispielsweise bei einer Kapitalgesellschaft der Fall ist. Aber: Sollte es zu Schadenersatzforderungen kommen, beispielsweise von Kundinnen oder Kunden, die nach dem Konsum Ihrer Backwaren gesundheitliche Probleme entwickeln, dann haften Sie im Ernstfall ohne Beschränkung – also auch mit dem Privatvermögen.

. Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR oder GdbR)
Diese Personengesellschaft ist fast so unkompliziert zu handhaben wie ein Einzelunternehmen, nur, dass sich hier mehrere Personen zusammentun, um sowohl Chancen als auch Risiken entsprechend ihrer vertraglich fixierten Anteile gemeinsam zu tragen. Zur Gewerbeanmeldung benötigen Sie also einen Gesellschaftsvertrag, der sich aber ganz einfach aufsetzen lässt. Sollte es zu einem Schaden kommen, haften Sie gemeinsam mit Ihren Partnern oder Partnerinnen – und das auch mit dem privaten Vermögen.

. Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Für die Gründung einer GmbH benötigen Sie nicht nur die notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrages und wenigstens 25.000 Euro Stammkapital, sondern auch die Eintragung ins Handelsregister. Darüber hinaus sind die Hürden in puncto Buchhaltung und Offenlegungspflicht deutlich höher. Dafür ist die Haftung – wie der Name schon sagt – auch begrenzt: Im Schadensfall wird die Gesellschaft belangt, sodass das Stammkapital die Höchstgrenze für eventuelle Schadenersatzforderungen darstellt.

. Unternehmergesellschaft (UG) haftungsbeschränkt
Da vor allem kleine Unternehmen mit der Stammeinlage von 25.000 Euro für eine GmbH oft genug überfordert sind, wurde die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) als Alternative geschaffen: Als Stammkapital reichen deutlich kleinere Geldbeträge, allerdings sollte hier immer eine angemessene Summe eingelegt werden – ein Steuer- oder Unternehmensberater gibt hier gerne Auskunft. Sobald die UG Gewinne erwirtschaftet, müssen Sie das Stammkapital sukzessive erhöhen, bis die 25.000 Euro erreicht sind und die UG in eine GmbH umgewandelt werden kann. Die Haftung ist jedoch von Anfang an begrenzt – immer auf das jeweils aktuelle Stammkapital.

Welche Rechtsform für Ihr Vorhaben geeignet ist, sollten Sie in Ruhe überlegen – und am besten professionellen Rat dazu einholen, um gerade in der Startphase unnötige Fehler zu vermeiden. Erläutern Sie die Ergebnisse Ihrer Überlegungen und begründen Sie Ihre Entscheidungen, sodass Außenstehende das nachvollziehen können.

4. Standort des Unternehmens

Warum wollen Sie ausgerechnet an dem gewählten Standort Ihre Bäckerei eröffnen? Auch bei dieser Frage ist es zielführend, sich in die Position eines Außenstehenden zu versetzen und die Vorteile des Unternehmensstandortes detailliert zu erläutern. Gehen Sie dabei auf die relevanten Punkte ein, wie zum Beispiel die Kundenfrequenz, öffentliche Verkehrsmittel oder Parkmöglichkeiten – aber auch die Mitbewerber.

5. Personal

Die beste Geschäftsidee lässt sich nicht ohne kompetente und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umsetzen – und Sie sollten wissen, wo Sie diese herbekommen. Beschreiben Sie Ihr Vorgehen bei der Personalrekrutierung unter diesem Punkt. Bedenken Sie dabei, dass Sie Ihrem Personal nicht nur ein komfortables Umfeld und moderne Arbeitsbedingungen bieten sollten, sondern auch die Möglichkeit zur Weiterbildung. Mitarbeiterbindung wird zunehmend zum Erfolgsfaktor, denn Fachkräfte sind begehrt – und die Konkurrenz schläft nicht.

6. Werbung

Erfahren Ihre potenziellen Kundinnen und Kunden nichts davon, dass Sie eine Bäckerei eröffnen und Leckerbissen anbieten, dann finden diese auch nicht zu Ihnen. Also benötigen Sie ein intelligentes Marketing, das Ihre Zielgruppe auch erreicht – per Handzettel, Anzeigen und Posts in den sozialen Netzwerken, zum Beispiel. Überlegen Sie, welche der vielfältigen Möglichkeiten für Ihre Bäckerei in Frage kommen. Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, doch Außenstehende sollten Ihr Vorgehen nachvollziehen können.

7. Zahlenwerk

Sie werden erleben, dass Bankmitarbeiter bis zu diesem Punkt vorblättern, wenn es um die Finanzierung Ihres Vorhabens gehen – das Zahlenwerk ist das Herzstück Ihres Businessplanes: Vor allem Kreditgeber und Investoren sollten auf einen Blick erkennen können, ob und wann sich Ihr Geschäft tragen könnte. Es handelt sich zwar um reine Theorie, doch die sollten so nah an der zu erwartenden Realität sein, wie es nur möglich ist. Teilen Sie daher den Finanzbedarf in die vor Ihnen liegenden Zeitabschnitte ein:

Gründung und Start

  • Beratungskosten rund um Gründung, Businessplan und Finanzierung
  • Anmeldung beim Gewerbeamt, bei der Handwerkskammer
  • Notarkosten für Gesellschaftsvertrag und Handelsregistereintragung
  • Entwicklung eines Logos und des Corporate Designs
  • Erstellung der Homepage, eventuell Markenameldung
  • Courtage für Gewerbemakler
  • Beiträge für wichtige Versicherungen, dazu gehören Betriebshaftpflicht und Geschäftsversicherung, aber auch Krankenversicherung sowie Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung
  • Abstandszahlungen bei Geschäftsübernahme
  • Werbung

Investitionen

  • Einrichtung der Bäckerei
  • Geräte und Betriebsmitte
  • Zutaten und Hilfsmittel
  • Umbau- oder Renovierung

Betrieb

  • Löhne inklusive Sozialabgaben
  • Zutaten und Verkaufsware
  • Miete
  • Versicherungen
  • Versorger für Strom, Wasser, Heizung, Telefon und Internet, Müllentsorgung
  • Beiträge und Gebühren wie Handwerkskammer
  • Steuer- und Rechtsberatung
  • Werbung
  • Steuern
  • Schulungen und Weiterbildung

Aus Ihren Vorarbeiten und diese Zahlen lässt sich nun alles erarbeiten, was zu einem Zahlenwerk gehört:

  • die Gewinn- und Ertragsvorschau,
  • den Liquiditätsplan und
  • Ihren Finanzierungsbedarf inklusive -plan.

Bei Bedarf ziehen Sie einfach einen Spezialisten hinzu, denn diese Berechnungen entscheiden über die Vergabe von Krediten: Einerseits können Sie Ihre Investitionen ins Sachvermögen finanzieren lassen, andererseits die notwendigen Umlaufmittel, also Ihre Liquidität für die Anfangsphase. Ansprechpartner ist Ihre Hausbank, die bei Bedarf auf die KfW-Gründerkredite und -zuschüsse zurückgreift. Als Ansprechpartner kommen sowohl Steuerberater als auch auf die Gründung spezialisierte Unternehmensberater in Frage. Ohnehin sollten Sie das Thema Umsatzsteuer angehen, denn wenn Sie eine Bäckerei eröffnen und Umsätze tätigen, müssen Sie diese Steuer – zumindest im ersten Geschäftsjahr – monatlich anmelden und abführen.

7.1. Staatliche Förderungen

Stimmt Ihre Bonität und überzeugt Ihr Businessplan, steht Ihnen der Zugriff auf einige Fördertöpfe offen – und das kann sich lohnen:

. Meistergründungsprämie
Haben Sie Meisterprüfung abgelegt und machen sich erstmals handwerklich selbstständig, können Sie in einigen Bundesländern die Meistergründungsprämie beantragen: Wenn Sie mehr als 15.000 Euro investieren – und das dürfte der Fall sein – und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einstellen, erhalten Sie 7.500 Euro.

. Gründungszuschuss
Wollen Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus Ihre Bäckerei eröffnen und beziehen noch für wenigstens 150 Tage Arbeitslosengeld I, können Sie bei der Agentur für Arbeit einen Gründungszuschuss beantragen – sofern der Businessplan alle Bedingungen erfüllt und ein überzeugendes Konzept beschreibt.

. Gründerkredite
Gründerinnen und Gründer können über ihre Hausbank den KfW-Kredit StartGeld beantragen – bis maximal 125.000 Euro. Auch bei dieser Prüfung entscheiden Businessplan, Bonität und Ihre Persönlichkeit. Sie sollten von Ihrer Idee überzeugt sein und dies auch vermitteln können.

8. Bäckerei eröffnen – und jetzt ganz praktisch

Verschiedene Schritte werden Sie gleichzeitig angehen müssen, um zum Beispiel der Bank alle notwendigen Dokumente für einen Kredit vorlegen zu können. Als Merkliste eignet sich diese Aufstellung jedoch in jedem Fall:

  • Firmennamen, Logo und Corporate Design
  • bei Bedarf: Aufsetzen eines Gesellschaftsvertrages, notarielle Beurkundung und Handelsregistereintrag
  • Gewerbeanmeldung
  • Eintragung in die Handwerksrolle
  • Konditionen vergleichen und Geschäftskonto eröffnen
  • Fragebogen Finanzamt ausfüllen
  • Berufsgenossenschaft kontaktieren und Betrieb anmelden
  • Beratung zum Thema Versicherungen und Abschluss der notwendigen Verträge
  • Anmeldung des Personals bei den Sozialversicherungen

Fazit: Bäckerei eröffnen – und große Brötchen backen

Es ist vieles zu bedenken, wenn es um die Gründung eines Unternehmens geht. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie einen Backshop oder eine klassische Bäckerei eröffnen – die notwendigen Vorüberlegungen sind dieselben, nur die Höhe der Investitionen unterscheiden sich. In jedem Fall sind Sie als Unternehmer oder Unternehmerin gefordert, was mit Sicherheit eine Umstellung ist. Lassen Sie sich am besten von einem kompetenten Berater unterstützen, der Ihnen die wichtigsten Hürden erklärt und gemeinsam mit Ihnen die beste Möglichkeit für Ihr Vorhaben herausfindet. Je besser Sie sich auf Ihr Gründungsvorhaben vorbereiten, desto leichter kommen Sie über die Anfangsphase – und die ist bei jedem Unternehmen eine echte Herausforderung.

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