Gewerbeanmeldung: So geht’s

Jahr für Jahr werden in Deutschland etwa eine halbe Million Unternehmen neu gegründet. Doch welche Schritte sind bei der Gewerbeanmeldung zu vollziehen?

Zunächst einmal sind alle Selbständigen mit Ausnahme von Freiberuflern gemäß §14 der Gewerbeordnung zu einer Anmeldung einer neuen, gewerblichen Tätigkeit verpflichtet. Zu den Freiberuflern zählen neben technischen und naturwissenschaftlichen Berufen wie Ingenieure oder Informatiker auch Steuer-, rechts- und wirtschaftsberatende Berufe, Kultur- und Kunstberufe wie etwa Journalisten oder Musiker sowie Berufe aus dem Heil- oder Pädagogikbereich. Wer beruflich in diese Bereiche einsteigt, der muss weder Gewerbesteuer zahlen noch wird er Pflichtmitglied bei der Industrie- und Handelskammer.

Alle anderen Existenzgründer müssen im ersten Schritt zum Gewerbeamt der Stadt oder der Gemeinde, um dort einen Gewerbeschein zu beantragen, der im Normalfall zwischen zehn und 40 Euro kostet. Online funktioniert die Gewerbeanmeldung bislang nur in wenigen Städten. Informieren Sie sich am besten auf der Webseite Ihres Heimatortes, ob Ihr Standort dazu gehört.

Ist das nicht der Fall, müssen Sie sich ins Amt begeben und neben einem gültigen Personalweis oder einem Reisepass mit Meldebescheinigung je nach geplanter Tätigkeit noch diverse weitere Unterlagen mitbringen. Wollen Sie beispielsweise ein Restaurant eröffnen, benötigen Sie ein Gesundheitszeugnis nach §43(1) des Infektionsschutzgesetzes. Makler wiederum benötigen neben Unbedenklichkeitsbescheinigungen vom Finanzamt auch diverse Bescheinigungen zum Beispiel vom Amtsgericht und vom Insolvenzgericht. Polizeiliche Führungszeugnisse sind für überwachungswürdige Gewerbe oder einen Gebrauchtwarenhandel erforderlich, Handwerkskarten für Handwerker. Erlaubnispflichtig sind darüber hinaus unter anderem Taxiunternehmen, Herstellung oder Handel von Waffen, die Herstellung von Arzneimitteln, Inkassobüros, Pflegedienste und Krankentransporte und anderes. Welche Unterlagen genau erbracht werden müssen, kann beim zuständigen Gewerbeamt oder bei der für den Wohnsitz zuständigen IHK erfragt werden. Tun Sie das auf jeden Fall, bevor Sie sich zur Anmeldung ins Gewerbeamt begeben.

Das Formular zur Gewerbeanmeldung nach §14 GewO oder §55c GewO gibt es entweder Online auf der Webseite des Amtes oder direkt beim Gewerbeamt. Dort müssen Sie zunächst den Namen des Betriebsinhabers sowie des neu zugründenden Gewerbes eingeben und anschließend sämtliche Angaben zur Person und zum Betrieb. Dazu gehört auch eine genauere Beschreibung der Betriebsstätte und vor allem der geplanten Tätigkeit, ob und ab wann diese ausgeübt werden soll und ob es sich um eine Tätigkeit in Vollzeit oder im Nebenerwerb handeln soll. Existenzgründer ohne deutschen Ausweis müssen zudem angeben, ob eine Aufenthaltsgenehmigung vorliegt oder nicht.

Ist die Gewerbeanmeldung ausgefüllt und unterschrieben, wird die Genehmigung in Form eines Gewerbescheins ausgehändigt. Die Meldung beim Finanzamt, der Berufsgenossenschaft und bei der IHK erfolgt je nach Gewerbe automatisch durch das Gewerbeamt.

Nach einiger Zeit bekommen Sie vom Finanzamt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, in dem der voraussichtliche Gewinn geschätzt und eingetragen werden muss. Anschließend erhalten Sie, sofern Sie kein Kleinunternehmen mit Umsatzsteuerbefreiung gründen, eine Umsatzsteuernummer zugeteilt.

Post von der IHK bekommen Gründer ebenfalls. Auch hier gilt es, den voraussichtlichen Gewinn zu schätzen. Liegt dieser über der Freigrenze, sind IHK-Beiträge fällig. Diese teilen sich in Grund- und Umlagebeiträge auf. Ersterer hängt von der Rechtsform des Unternehmens sowie des Gewinns ab. Letzterer beträgt 0,21 Prozent des Gewinns des Unternehmens.

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